Wacker Innsbruck vs. Rapid Wien – die Spielvorschau

Wacker Innsbruck gegen Rapid Wien die Spielvorschau

Kann Rapid Wien den Aufwärtstrend in Innsbruck bestätigen? Entspannt sich die Personalsituation beim Rekordmeister? Auf wen müssen die Hütteldorfer aufpassen?

 

Ausgangssituation:

Mit dem Last-Minute-Sieg in Moskau hat sich der SK Rapid Wien eine sehr gute Ausgangsposition in der Europa League erarbeitet. Auch wenn dieses späte Erfolgserlebnis Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben sollte, ändert das nichts am Erfolgsdruck in der Meisterschaft. Der Lokalrivale war gegen SKN St. Pölten erfolgreich und TSV Hartberg hat seine gute Form auch beim LASK bestätigt und mit dem 3:3 einen wichtigen Punkt geholt. Somit ist der Rückstand auf den sechsten Platz auf 6 Punkte angewachsen. Dazwischen liegt noch Sturm Graz, das mit dem neuen Trainer Roman Mählich durchstarten möchte.

Nach 5 Meisterschaftsspielen ohne Niederlage musste Trainer Karl Daxbacher ausgerechnet an seiner ehemaligen Wirkungsstätte in St. Pölten eine Pleite hinnehmen. Bei Wacker Innsbruck werden zwar kleinere Brötchen gebacken, aber der Aufsteiger punktet solide und hat nun 5 Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz. Mit einem Heimsieg könnten die Tiroler nicht nur am Rekordmeister vorbeiziehen, sondern den Rückstand zum sechsten Platz auf 4 Punkte reduzieren.

Bereits vor dem Hinspiel haben wir die Innsbrucker unter die Lupe genommen Rapid Wien vs. Wacker Innsbruck – die Spielvorschau und die Matchanalyse nach dem Spiel findet ihr hier: Rapid Wien vs. Wacker Innsbruck – die Matchanalyse.

 

Rapids Personalsituation:

Didi Kühbauer hat mit seiner Aufstellungsvariante in Moskau überrascht und alles richtig gemacht. Die fehlenden Mario Sonnleitner, Thomas Murg und Andrei Ivan sind wieder fit und lechzen nach einem Platz in der Startelf. Für Christopher Dibon und Andrija Pavlovic kommt ein Einsatz noch zu früh.

Tor: Richard Strebinger war in Moskau nicht fehlerfrei und hat bei einer Flanke gepatzt. Tobias Knoflach wird ihn dennoch nicht aus dem Tor verdrängen.

Innenverteidigung: Maximilian Hofmann ist rechtzeitig für das Europacupspiel fit geworden. Das Gegentor muss er auf seine Kappe nehmen, ansonsten hatten die Russen wenig Torchancen. Mateo Barac war nicht so schwach wie gegen den LASK, es wäre aber nicht überraschend, wenn er Mario Sonnleitner den Vortritt lassen müsste. Christopher Dibon kuriert seine Muskelverletzung noch aus und Mert Müldür darf eher auf einen Platz als rechter Außenverteidiger schielen.

Außenverteidigung:

Boli Bolingoli im linken Mittelfeld, dahinter Marvin Potzmann und rechts Mert Müldür war dann doch eine große Überraschung in Moskau. Aber auch der Ausfälle geschuldet. Ich gehe davon aus, dass der Belgier wieder auf seine angestammte Position als linker Außenverteidiger zurückkehrt und rechts favorisiere ich Marvin Potzmann. Somit müssten Mert Müldür, Stephan Auer und Manuel Thurnwald vorerst auf der Ersatzbank schmoren. Falls es die beiden Letztgenannten überhaupt dorthin schaffen.

Zentrales Mittelfeld:

Allmählich erkennt man, wieso Sportdirektor Fredy Bickel den 1,93m großen defensiven Mittelfeldspieler Manuel Martic verpflichtet hat. Die Qualität seines Passspiels wird immer besser und er übernimmt Verantwortung. Auch mit dem höheren Tempo kommt er langsam besser zurecht. Er wird wohl die Nase gegenüber Dejan Ljubicic vorne haben und neben Stefan Schwab beginnen. Der Kapitän hat sich nach seiner Einwechslung zerrissen und den Siegtreffer sensationell vorbereitet. Das muss Auftrieb geben. Ob er auch die Kapitänsschleife wieder anzieht? Christoph Knasmüllner wusste mit einer starken spielerischen und kämpferischen Leistung zu überzeugen und darf seinen Platz hinter der Solospitze einfordern. Schlecht sieht es vermutlich für Philipp Malicsek aus, der just im Heimspiel gegen die Innsbrucker sein Startelfdebüt geben durfte.

Flügel: Andrei Ivan muss langsam explodieren. Sonst wird er gegenüber Philipp Schobesberger oder abermals Boli Bolingoli das Nachsehen haben. Rechts hat sich Veton Berisha wenig Argumente für die Startelf erarbeiten können, auch wenn sein Einsatz wie immer sehr gut war. Technisch ist er zu limitiert. Dadurch drängt Thomas Murg zurück in die Startelf.

Sturm: Deni Alar konnte sich auch in Moskau nicht aus der Krise schießen. Da aber Andrija Pavlovic verletzt und Jérémy Guillemenot derzeit kein Thema ist, scheint sein einziger Konkurrent Philipp Schobesberger zu heißen. Der aber vermutlich am Flügel oder von der Bank wertvoller wäre.

 

Wacker Innsbruck 2018/19:

Sieben Niederlagen bei zwei Siegen setzte es für die Innsbrucker in den ersten neun Runden. Dabei waren die Tiroler allerdings selten die deutlich unterlegene Mannschaft. Viele Matches, wie auch das Hinspiel im Weststadion, gingen knapp verloren.

In den letzten drei Heimspielen konnten mit Siegen gegen den LASK und Altach, sowie einem 0:0 gegen die zweite Wiener Mannschaft sieben Punkte geholt werden.

Routinier Zlatko Dedic führt gemeinsam mit Martin Harrer die Torschützenliste an. Beiden Spielern sind bislang vier Treffer geglückt. Und zwei Torvorlagen. Bester Vorbereiter ist Ilkay Durmus mit vier Assists.

Verletzungsbedingt verzichten muss Karl Daxbacher auf Stefan Rakowitz und Roman Kerschbaum.

Der zuletzt erkrankte Zlatko Dedic ist wieder gesund.

 

Bilanz:

In 151 Meisterschaftsspielen sind die beiden Teams aufeinander getroffen. 65 Rapidsiegen stehen 46 Unentschieden und 40 Niederlagen gegenüber. Das Torverhältnis ist mit 241 zu 180 klar positiv.

Der Weg nach Innsbruck hat sich deutlich weniger oft gelohnt – mit 23 Siegen, 24 Remis und 28 Niederlagen ist die Bilanz negativ. So wie auch das Torverhältnis mit 94:103.

Zuletzt gab es diese Begegnung in der Saison 2013/14. Vor nur 6.213 Zuschauern glich Deni Alar kurz vor Schluss die frühe Führung durch Lukas Hinterseer aus. Mario Sonnleitner stand bei Rapid Wien in der Startelf, Maximilian Hofmann verbrachte die 90 Minuten auf der Bank. Ebenso wie Michael Schimpelsberger, der mittlerweile die Seiten gewechselt hat.

Der letzte Auswärtssieg stammt ebenfalls aus dieser Saison und fiel sehr deutlich aus. Gegen die längste Zeit zu zehnt agierenden Innsbrucker schossen Mario Sonnleitner, Terrence Boyd, Thanos Petsos und Guido Burgstaller die Tore.

In den letzten sieben Spielen bei Wacker Innsbruck hat Rapid nur ein Spiel verloren und ist seit vier Spielen ohne Niederlage.

 

Stimmen vor dem Spiel:

Didi Kühbauer: “Der Sieg war für die nächsten Spiele sehr wichtig, da sich bekanntlich im Kopf sehr viel abspielt. Wir haben aber ein komplett anderes Spiel gegen Innsbruck, wir wissen, dass wir dort Favorit sind, Innsbruck eine andere Spielanlage als Spartak hat. Wir sind aber vorbereitet und müssen unser Spiel durchziehen. Die Aufstellung war für viele überraschend, aber es hat jeder in seinen Positionen die bestmögliche Leistung erbracht.“

Fredy Bickel: „Der Trainer und die Mannschaft haben immer daran geglaubt und daher ist es auch geglückt. Natürlich ist die Freude bei allen riesengroß, tut uns unheimlich gut und kommt auch zum richtigen Moment. Ich glaube, dass sich die Mannschaft ein sehr gutes Zeichen für Sonntag gegeben hat und ich glaube daran, dass sie es durchziehen und auch dort wissen, was sie erwartet.“

Mert Müldür: „Wir waren alle vor dem Spiel sehr motiviert und haben genau gewusst, dass wir nicht nur einen Punkt mitnehmen können, sondern auch drei. Es war ein sehr intensives Spiel, wir waren aber über 90 Minuten die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen.“

Karl Daxbacher: „Wir wollen punkten, möglichste drei Punkte holen. Der Sieg in Moskau wird ihnen guttun, sie rechnen auch gegen uns mit einem Erfolg. Es haben sich einige Spieler empfohlen, wir wissen aber noch nicht genau, wer auflaufen wird. Ich denke, wenn mehr Zuschauer kommen, ist das auch für unsere Spieler etwas Besonderes. Wir wollen mit Freude und dem Vorhaben, etwas mitzunehmen, in die Partie gehen. Es ist wichtig, dass man kompakt steht und im Block gut verteidigt. Die Ballverluste sollen genützt werden, Rapid hat natürlich Qualität mit vielen guten Einzelspielern.“

 

Meine Einschätzung:

Nach dem Auswärtssieg im Cup beim WAC und dem Auswärtssieg in der Europa League bei Spartak Moskau wäre es ein hervorragender Zeitpunkt, nun auch in der Meisterschaft auswärts wieder drei Punkte mitzunehmen. Seit dem Auftaktsieg in der Südstadt ist nicht mehr viel gegangen.

Neben der Euphorie wegen der beiden Tore in der Rapidviertelstunde war vor allem die Art und Weise des Auftretens in Moskau beeindruckend. Durch aggressives Pressing in der gegnerischen Hälfte konnten viele Bälle gewonnen werden. Spartak Moskau wurde bereits beim Spielaufbau gestört und ist somit nie in einen Spielfluss gekommen.

Mit 11:4 Torschüssen war der Sieg absolut verdient. So und nicht anders muss Rapid Wien auch in Innsbruck auftreten. Und das über 90 Minuten. Der Heimmannschaft darf keine Minute Zeit zum Atmen oder Verschnaufen gegeben werden.

Von den Innsbruckern ist zu erwarten, dass sie das Spiel den Gästen überlassen werden, kompakt stehen wollen und ihr Glück im Konterspiel suchen.

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