Wacker Innsbruck vs. Rapid Wien – die Matchanalyse

Ein glücklicher, aber umso wichtigerer Sieg in Innsbruck! Hat Trainer Didi Kühbauer rotiert? Wie war die Chancenverteilung? Was erwartet Rapid Wien noch bis zur Winterpause?

 

Wacker Innsbruck – Rapid Wien – die Aufstellungen:

Rapid WienMarkus Felkel

Wacker – Ersatz: Wedl, Eler, Freitag, Schimpelsberger, Meusburger, Gabriele, Satin

Rapid – Ersatz: Knoflach, Berisha, Hofmann, Thurnwald, Auer, Alar, Ljubicic

 

Rapid Wien im 4-23-1:

Nach überstandener Grippe verteidigt Mario Sonnleitner für Maximilian Hofmann. Neben Manuel Martic ist wieder Stefan Schwab im Einsatz, der auch die Kapitänswürde übernimmt. Dejan Ljubicic sitzt auf der Bank. Die schon in Moskau überraschende Konstellation – Mert Müldür als rechter, Marvin Potzmann als linker Außenverteidiger und Boli Bolingoli im linken Mittelfeld – wird wiederholt. Im rechten Mittelfeld ist wieder Thomas Murg zu finden und als Solospitze läuft etwas überraschend Andrei Ivan auf. Siegtorschütze Philipp Schobesberger ist angeschlagen und befindet sich nicht im Matchkader.

 

Karl Daxbacher setzt auf ein 5-2-3:

Der Trainerroutinier sucht sein Heil in der Defensive und lässt eine Fünferabwehrkette bilden. Die drei Innenverteidiger Matthias Maak, Dominik Baumgartner und der von der zweiten Mannschaft hochgezogene Manuel Maranda werden rechts von Lukas Hupfauf und links von Albert Vallci flankiert. Das zentrale Mittelfeld bilden Bryan Henning und Martin Harrer. Für Dampf über die Flügel sollen die schnellen Ilkay Durmus und Cheikhou Dieng sorgen. Für die nötigen Tore Kapitän Zlatko Dedic.

 

Das Spiel:

Rapid Wien startet gut ins Spiel und hat bereits nach drei Minuten die erste Torchance. Nach Pass von Mert Müldür kann der Schuss von Christoph Knasmüllner noch geblockt werden. Überhaupt zeigt sich der türkische Jungnationalspieler sehr forsch und beackert die rechte Seite auch offensiv.

Das Spiel entwickelt sich zwar nicht hochklassig, hat aber ein hohes Tempo.

Die Innsbrucker versuchen sich erst gar nicht im gepflegten Spielaufbau, sondern lassen Torhüter Christopher Knett fast alle Bälle ausschießen. Dabei zeigt der Schlussmann großes Geschick. Falls Abschläge nicht gleich beim eigenen Mann landen, wird konsequent auf den zweiten Ball gegangen. Damit kommt der Rekordmeister nicht so wirklich zurecht.

Die Hütteldorfer versuchen ihr Passspiel aufzuziehen, wobei oft das Tempo fehlt und die Abstände zu groß sind. Weswegen die gut antizipierenden Tiroler immer wieder entscheidend stören können.

Der Rekordmeister bringt sich mit Flüchtigkeitsfehlern immer wieder selbst in die Bredouille. Eine unsaubere oder zu langsame Ballannahme, ein schlechter Pass und eine Ideenlosigkeit im letzten Drittel führen häufig zu Ballverlusten. So läuft Rapid viel zu oft den eigenen Fehlern hinterher. Denn Wacker Innsbruck schaltet vor allem über die agilen Flügelspieler schnell um.

Nach 38 Minuten ist das Spiel für Marvin Potzmann zu Ende und Stephan Auer darf mit Cheikhou Dieng Freundschaft schließen.

Bis zum Pausenpfiff werden beide Teams je einmal aus einem Eckball brandgefährlich. Auf der einen Seite ist Richard Strebinger der Held, auf der anderen Seite Aluminium. Rapid ist leicht feldüberlegen und wirkt optisch um eine Nuance gefährlicher. Ohne es konkret zu werden.

Nach dem Pausentee ändert sich das Bild und die Heimmannschaft wird mutiger. Rapid Wien steht auch tiefer und produziert weiter billige Ballverluste. Stefan Schwab sorgt zwar für die meisten offensiven Aktionen und Abschlüsse, leitet aber auch gefährliche Konter der Gegner ein. Dejan Ljubicic soll nach 61 Minuten der Defensive mehr Stabilität verleihen als Manuel Martic.

Solospitze Andrei Ivan fällt am ehesten noch durch im Abseits stehen und eine Schwalbe auf und macht zehn Minuten vor dem Ende Veton Berisha Platz. Auch der belgische Ballkünstler Boli Bolingoli bleibt blass. Bis zur Nachspielzeit, denn mit seinem perfekten Pass auf den eingewechselten Norweger und dem überlegten Abschluss darf Rapid Wien am Ende doch noch jubeln und stürzt die wackeren Innsbrucker in das Tal der Tränen.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

24. Minute: Chance für Innsbruck:

Ilkay Durmus schlägt einen Eckball in den Strafraum. Innenverteidiger Matthias Maak kommt zum Kopfball, Andrei Ivan lässt ihn ungehindert gewähren, aber Torhüter Richard Strebinger fischt den platzierten Kopfball noch aus dem Eck.

29. Minute: Stangenkopfball Rapid:

Bei einem Eckball von Thomas Murg setzt sich Stefan Schwab gegen Bryan Henning durch und bringt das Gebälk zum Beben. Den Abpraller setzt er knapp am langen Eck vorbei.

40. Minute: Chance für Innsbruck:

Stephan Auer lässt sich am linken Flügel von Cheikhou Dieng einpacken und kann die Hereingabe des Senegalesen nicht verhindern. Anstatt konsequent auszuputzen, prallt der Ball vom Fuß von Mateo Barac zum perplexen Bryan Henning. Der kroatische Innenverteidiger kann bei dem schwachen Schussversuch des Deutschen seinen Fehler wieder gutmachen, das Spielgerät bleibt aber im Strafraum und kann erst Sekunden später weggedroschen werden. Der darauffolgende Angriffsversuch kann gestoppt werden und Mateo Barac hat den Ball fast schon an der eigenen Toroutlinie sicher. Sein weiter Pass zu Christoph Knasmüllner kommt auch an, der Blondschopf gibt zu Stefan Schwab zurück, der jedoch von Matthias Maak mit vollem Tempo angepresst wird und den Ball verliert. Cheikhou Dieng vernascht nun Manuel Martic und seine gute Hereingabe wird von Ilkay Durmus mit Rückenlage aus knapp 8 Meter über das Tor geschossen.

54. Minute: Chance für Rapid:

Rapid startet einen schnellen Angriff über die rechte Seite. Thomas Murg spielt den Ball raus zum aufgerückten Außenverteidiger Mert Müldür. Der türkische Teamspieler legt den Ball in den Strafraum quer zu Andrei Ivan, der sich auf Höhe des Elfmeterpunkts befindet und das Spielgerät sichern kann. Er legt den Ball zurück zu Thomas Murg, der nach einem kurzen Haken im Strafraum abschließt. Den leicht abgefälschten Schuss kann Torhüter Christopher Knett nach vorne abwehren und landet wieder bei Andrei Ivan. Anstatt den Torabschluss oder einen besser postierten Mitspieler zu suchen, spürt er den Neymar-Moment und geht ohne ersichtliches Fremdverschulden mit einem plötzlichen Ermattungsanfall zu Boden.

66. Minute: Chance für Innsbruck:

Stefan Schwab lässt sich an der gegnerischen Strafraumgrenze die Kugel abluchsen und die Tiroler starten einen schnellen Konter über Ilkay Durmus. Es ergibt sich eine 3 zu 2-Überzahl. Der gebürtige Stuttgarter spielt nach rechts zu Bryan Henning und sein Landsmann schießt von der Strafraumgrenze überhastet am Tor vorbei.

73. Minute: Chance für Innsbruck:

Zlatko Dedic legt von der Toroutlinie zurück zur Strafraumgrenze, wo sich Albert Vallci den Ball zum Torschuss zurechtlegen möchte. Stefan Schwab spitzelt ihm das Kunstleder weg und startet einen Konter. Der Kapitän kommt allerdings nicht weit, da Bryan Henning aufpasst, sich das Spielgerät zurück holt und sofort zu Albert Vallci passt. Dieses Mal wartet der 23-jährige nicht zu lange, sein Schuss von der Strafraumgrenze streicht knapp über das Tor.

77. Minute: Chance für Rapid:

Stefan Schwab spielt Mert Müldür mit der Ferse frei. Seine scharfe Hereingabe in den Fünfmeterraum wird von Matthias Maak beinahe in das eigene Tor abgefälscht.

92. Minute: TOR für Rapid:

Der spielentscheidende Angriff beginnt auf der rechten Seite über Mert Müldür, der Stefan Schwab bedient. Über Thomas Murg und Mert Müldür landet der Ball abermals beim Kapitän. Matthias Maak verlässt den Abwehrverbund um zu attackieren, möchte aber einen Freistoß vermeiden. Nur bedrängt verarbeitet Stefan Schwab die Kugel in die Mitte zum völlig freien Boli Bolingoli. Veton Berisha ist in die Lücke, die sich durch das Aufrücken von Matthias Maak geöffnet hat, gelaufen und schießt nach perfektem Zuspiel des Belgiers gekonnt zur Führung ein – 0:1!

 

Was war gut?

Die drei gewonnenen Punkte.

Wieder der Siegtreffer nicht nur in der Rapidviertelstunde, sondern sogar in der Nachspielzeit.

Trainer Didi Kühbauer entwickelt ein „goldenes Händchen“ – Torschütze Veton Berisha wurde eingewechselt.

 

Was war nicht gut?

Von einem Selbstvertrauensschub oder gar einem „geplatzten Knoten“ war recht wenig zu sehen. Andrei Ivan, Thomas Murg und Stefan Schwab befinden sich weiter in einer Unform und in der Abwehr hatte Mateo Barac wieder seine obligaten Aussetzer.

In Moskau hat Rapid den Spielaufbau der Heimmannschaft durch intensives Pressing gut gestört und konnte so viele Bälle erobern. Da die Innsbrucker auf einen geregelten Spielaufbau zumeist verzichtet und auf weite Abschläge und zweite Bälle gesetzt haben, ist Rapid in keinen Rhythmus gekommen. Viel zu viel klein-klein gespielt, wenig Zug zum Tor und dann irgendwann hängen geblieben. Während die Tiroler durch schnelles Umschaltspiel einen Zug zum Tor entwickelt haben, haben die Rapidler nach Ballgewinnen das Spiel verschleppt, anstatt eine etwaige Unordnung in der gegnerischen Defensive auszunützen.

 

Fazit und Ausblick?

In der ersten Halbzeit hatte Rapid leichte Vorteile, in der zweiten Hälfte war dann Innsbruck stärker. Am Ende sind es 18:12 Torschüsse für die Heimmannschaft. Rapid hat zwar mehr Ballbesitz, aber eine deutlich schwächere Zweikampfquote.

Durch die glücklichen drei Punkte konnte der Anschluss zu Platz 6 und die damit verbundene Qualifikation für das Meisterplayoff wiederhergestellt werden. Drei Punkte und das schlechtere Torverhältnis fehlen auf das unter Trainer Roman Mählich erstarkte Sturm Graz. Die bereits am nächsten Sonntag im Weststadion vorspielen dürfen. Ein Spiel, das Rapid Wien unbedingt gewinnen muss. Ein volles Haus wäre wünschenswert.

Vier Tage später kommt es dann zum Showdown in der Europa League gegen die Glasgow Rangers – da wird das Stadion definitiv ausverkauft sein.

Bevor sich die Spieler den Weihnachtskeksen widmen dürfen, muss abschließend noch das Derby erfolgreich bestritten werden.

Mit einem Überwintern im Europacup und 2 Siegen in der Meisterschaft würde zumindest etwas Ruhe in den Verein einkehren.

Und die Vereinsverantwortlichen könnten sich der Kaderplanung widmen. Für Philipp Malicsek und Aleksandar Kostic hat sich der Trainerwechsel nicht ausgezahlt. Im Gegenteil. Auch bei Jérémy Guillemenot darf ein Durchbruch bei Rapid bezweifelt werden.

Womit wir beim Thema Stürmer sind. Andrija Pavlovic konnte in der Meisterschaft noch gar nicht anschreiben, das letzte Tor von Deni Alar datiert vom 02. September 2018. Seit drei Monaten Torflaute.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Mit einem sensationellen Reflex auf der Linie hat er Rapid die Null gerettet.

Mario Sonnleitner:

Hatte seine Seite gut im Griff, etwas weniger präsent als sonst.

Mateo Barac:

War sehr viel gefordert und hat auch oft richtig agiert, aber dann streuen sich in seine Leistung immer wieder haarsträubende Patzer ein, die einfach nicht passieren dürfen.

Mert Müldür:

Das Tor in Moskau und als Belohnung die Pressekonferenz vor dem Innsbruckspiel haben dem 19-jährigen gut getan. Viel offensiver als in den letzten Spielen und sehr aggressiv. Fast schon zu aggressiv, wie sein kurzer Disput mit Karl Daxbacher gezeigt hat. Am Anfang des Spiels konnte er einige Flanken nicht unterbinden und ein falscher Einwurf zeigen Verbesserungspotential.

Marvin Potzmann:

Mit Cheikhou Dieng hatte er einen sehr unangenehmen Gegenspieler. Trotzdem hatte er den Senegalesen weitgehend im Griff. Er musste aber bereits nach 38 Minuten angeschlagen raus.

Manuel Martic:

Nicht so stark wie in Moskau, aber die beiden Spiele sind auch schwer miteinander zu vergleichen. Hat in die Partie gebraucht, in der zweiten Halbzeit mit Unkonzentriertheiten. Nach 61 Minuten für Dejan Ljubicic ausgetauscht.

Stefan Schwab:

Leider konnte er aus der zwar kurzen, aber guten Leistung in Moskau wenig mitnehmen. Immer wieder mit unnötigen Ballverlusten und verlorenen Zweikämpfen. Den Siegtreffer hat er sehr schön eingeleitet. Auch offensiv mit den meisten Versuchen. Pech beim Lattenkopfball und dem anschließenden Schuss. Viel Licht und viel Schatten.

Christoph Knasmüllner:

Sehr bemüht und laufstark, aber glück- und auch etwas ideenlos. Er hat schon viel bessere Spiele gezeigt.

Thomas Murg:

Wieder ein ganz schwacher Auftritt unserer Nummer 10.

Boli Bolingoli:

Zu unpräzise beim letzten Pass – zumindest bis in die Nachspielzeit. Der perfekte Assist zum entscheidenden Tor mag einige Unzulänglichkeiten vergessen machen.

Andrei Ivan:

Als Stürmer wird man an seinen Abschlüssen gemessen – und es gab keine. Eine schöne Auflage für Stefan Schwab. Er war in der Fünferabwehrkette sehr gut aufgehoben und konnte sich nicht durchsetzen. Schwach. Für den späteren Torschützen ausgetauscht.

Stephan Auer:

Sein Hauptaugenmerk galt den Defensivaufgaben und die hat er recht ordentlich erfüllt.

Dejan Ljubicic:

Auch er hat sich deutlich defensiver orientiert als sein Vorgänger.

Veton Berisha:

Er hat das Loch in der Abwehrkette schön erkannt, genützt und überlegt abgeschlossen. Ein extrem wichtiger Treffer!

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