Vorschau auf Rapid Wien – TSV Hartberg

So schnell geht es – die Hälfte der Spiele in der Meistergruppe ist bereits absolviert. Für den SK Rapid Wien ist es – abgesehen einmal von der Verletzungsmisere – bis auf die 0:2 Niederlage zum Auftakt in Salzburg sehr gut verlaufen. Die jüngsten vier Meisterschaftsspiele haben die Hütteldorfer gewonnen und dabei nur einen Treffer kassiert. Aber gleich acht erzielt. Dabei gleicht der Kader immer mehr einem Lazarett. Doch bislang konnten die Ausfälle gut aufgefangen werden und die jungen Spieler nehmen ihre Chance wahr.
 
Wenn man am 1:0 Erfolg in Hartberg etwas kritisieren wollte, dann die schwache Chancenverwertung in den zweiten 45 Minuten. Eine Topmöglichkeit nach der anderen wurde verjuxt und die Gastgeber unnötig im Spiel gehalten. Es ist aber nichts passiert. Nun soll es auch im Rückspiel am 21. Juni 2020 um 17:00 Uhr im Weststadion drei Punkte geben. Abgerundet wird der Spieltag von FC SalzburgWAC und Sturm GrazLASK. GRÜN AUF WEISS – der Rapid Blog mit der Vorschau auf das dritte grün-weiße Geisterheimspiel in der Meistergruppe.
 

Die Ausgangslage

Die Nullnummer zwischen WAC und FC Salzburg hatte für den SK Rapid Wien zwei angenehme Effekte. Der Vorsprung auf den dritten Platz ist um einen Zähler auf sieben angewachsen und der Rückstand auf den Tabellenführer auf fünf Punkte geschrumpft. Wenn den Lavanttalern auch in Salzburg ein Unentschieden gelingt, könnte die Meisterschaft noch einmal so richtig spannend werden. Denn drei Tage später kommen die Brausekonzernmillionäre nach Hütteldorf. Bevor man aber die Bäume in den Himmel wachsen lässt, muss einmal die Hausaufgabe gegen TSV Hartberg erfolgreich erledigt werden. Die Oststeirer haben im Rahmen der Bundesliga noch kein Spiel im Westen Wiens verloren. Unterschätzt sollten die Gäste auf gar keinen Fall werden.
 

Rapid Wien: Geht die Siegesserie weiter?

Die bislang längste Siegesserie in dieser Saison hielt von der sechsten bis zur achten Runde. Auf den 3:1 Derbyerfolg am Verteilerkreis folgte ein 5:0 gegen Admira Wacker und ein 2:0 bei WSG Tirol. Beendet wurde diese Serie von – TSV Hartberg. Beim 3:3 musste der österreichische Rekordmeister zweimal einem Rückstand hinterherlaufen und der Ausgleich durch Stefan Schwab fiel erst in der fünften Minute der Nachspielzeit.
 
Aber daran will man am besten gleich gar nicht denken, sondern hofft, dass die Rapidler dort fortsetzen, wo sie am vergangenen Mittwoch in der zweiten Halbzeit aufgehört haben. Abgesehen von der Chancenverwertung. Dejan Ljubicic hat seine Gelbsperre abgesessen und wird wohl wieder in die Startelf rutschen. Der erst 17-jährige Yusuf Demir wusste auch in der Profertil Arena zu gefallen und hätte sich allmählich sein Startelfdebüt verdient.
 

TSV Hartberg: Geht die Luft aus?

Waren die Hartberger in den ersten 45 Minuten durchaus im Spiel und hatten mit einem Stangenschuss Pech, so wirkte die Mannschaft von Trainer Markus Schopp mit Fortdauer des Spiels stehend k.o. Der Auftritt nach der Pause erinnerte mehr an eine Altherrenmannschaft in einer Amateurliga als an ein Bundesligateam. Allerdings sind englische Wochen kräfteraubend und Verschleißerscheinungen unumgänglich. Aber vielleicht hat ja der Trainer die richtige Maßnahmen zur Regeneration gefunden.
 
Denn trotz der jüngsten beiden Pleiten gegen Sturm Graz und Rapid Wien sind die Oststeirer immer noch im Rennen um einen internationalen Startplatz. Mit dem aktuell fünften Rang müssten die Hartberger im Finale des Europacup Playoffs gegen einen Verein aus der Abstiegsgruppe bestehen, um anschließend an der Qualifikation für die Europa League teilnehmen zu können.
 

Bilanz

Dank des 1:0 Auswärtserfolgs ist die Bilanz in der Meisterschaft nun ausgeglichen: 2S/3U/2N. Jetzt soll am Sonntag der erste Heimsieg in der Bundesliga folgen. Denn im Weststadion ist die Bilanz mit zwei Remis und einer Pleite ausbaufähig. Die beiden bisherigen Heimsiege wurden im Cupbewerb errungen.
 

Personalsituation

Die Liste mit Ausfällen ist vermutlich länger geworden. Zwar kehrt Dejan Ljubicic nach seiner Sperre zurück und die drei gelbgefährdeten Akteure Taxi Fountas, Maximilian Hofmann und Maximilian Ullmann haben sich keine fünfte Verwarnung eingehandelt, jedoch sind gleich drei Spieler verletzt ausgeschieden. Kelvin Arase, Taxi Fountas und – bereits vor dem Spielbeginn – Tobias Knoflach haben das Lazarett vergrößert. Wobei die Verletzungen weniger schwerwiegend sein dürften. Ein Einsatz am Sonntag ist dennoch fraglich. Immerhin geht es am kommenden Mittwoch mit dem Kracher gegen den FC Salzburg weiter. Mateo Barac, Christopher Dibon, Thomas Murg, Mario Sonnleitner und Richard Strebinger dürften auch weiterhin fehlen.
 
TSV Hartberg muss auf Stefan Rakowitz und Michael John Lema verzichten. Eine weitere Gelbe Karte hätte für Michael Huber, Tobias Kainz, Andreas Lienhart, Bakary Nimaga und Lukas Ried Folgen.
 

Stimmen

Rapid Wien Trainer Didi Kühbauer: „Die Verletzten tun mir schon sehr weh, aber man kann von einem perfekten Start in die Meistergruppe sprechen. Weil zwölf Punkte sind nicht das Allerschlechteste. Unser Ziel ist, dass wir hier gegen Hartberg erstmals gewinnen. Hartberg ist immer gefährlich, das wissen wir. Es waren immer rassige Spiele. Wenn wir fokussiert sind und unsere Aufgaben erfüllen, sind wir von der Qualität über Hartberg zu stellen. Wir werden sie aber nicht unterschätzen.“
 
Zu den Verletzten: „Wir müssen schauen, ob einer spielbereit ist. Die Chance besteht. Wir werden aber definitiv nichts riskieren.“
 
Markus Schopp (TSV Hartberg): „Wenn man im ersten Spiel gegen Rapid 55% Ballbesitz hat, Rapid dementsprechend weniger und man 0:1 verliert, dann kann man den Fehler machen und glauben, dass vieles gut war auf unserer Seite. Diesen Fehler machen wir aber nicht. Ich glaube, wir haben am Mittwoch ein Spiel gesehen, indem wir sehr mutig waren, aber in der letzten Zone, wo es darum geht dem Gegner weh zu tun, waren wir zu verspielt und zu inkonsequent. Das gilt es im nächsten Spiel besser zu machen. Ich verlange von meiner Mannschaft hier viel mehr Bereitschaft dort hinzugehen, wo es auch wirklich weh tut und die Ballverluste so zu minimieren, damit wir nicht diese Chancen zulassen, wie wir sie im Hinspiel dem Gegner gegeben haben. Das ist der nächste Entwicklungsschritt, wo wir als Mannschaft verstehen müssen, dass wir bei unterschiedlichen Voraussetzungen unser Spiel machen können und müssen. Das ist auf der einen Seite gut und auf der anderen Seite müssen wir daran wachsen. Ich freue mich auf das Spiel und wir brennen natürlich auf die Revanche.“
 

Statistik

Haben die Hütteldorfer 2019/20 in den ersten neun Spielen im Weststadion bloß zwei Siege feiern können, wurden die jüngsten vier Auftritte gewonnen. Mehr als vier Heimerfolge am Stück in einer Saison gab es zuletzt 2015/16 – da waren es sechs Siege in Folge. Damit die Serie fortgesetzt werden kann, soll nun gegen TSV Hartberg – nach drei erfolglosen Versuchen in der Meisterschaft – endlich der erste volle Erfolg im Weststadion gefeiert werden.
 
Die Gäste aus der Oststeiermark haben in der Meistergruppe zwar alle drei Heimspiele verloren, auswärts allerdings beide Begegnungen erfolgreich bestritten. Und sowohl beim LASK als auch beim WAC die Matches gedreht. In Pasching wurde ein 0:1 in einen 2:1 Sieg verwandelt. Im Lavanttal ein 0:2 in ein 4:2. Dem Gesetz der Serie folgend müsste am Sonntag im Weststadion aus einem 0:3 ein 6:3 Sieg gemacht werden. Ein eher unrealistischer Spielverlauf. Aufpassen müssen die Rapidler auf Dario Tadic und David Cancola, die im Weststadion im Dress der Hartberger bereits zweimal zum Torjubel abdrehen durften. Rajko Rep stand drei Treffern als Vorbereiter Pate. Wer auch immer das Tor des Rekordmeisters hüten wird, sollte auch auf seine eigenen Mitspieler achten. Maximilian Hofmann und Christoph Knasmüllner trafen je einmal ins eigene Gehäuse.
 

Ausblick

Die Saison 2019/20 geht in ihre finale Phase. Noch fünf Runden sind in der Meistergruppe zu absolvieren, sprich Rapid Wien trifft noch einmal auf jeden Konkurrenten. Mit einem Heimsieg gegen TSV Hartberg wäre das internationale Ticket gelöst. Beide steirischen Clubs könnten den Rekordmeister an den übrigen vier Spieltagen nicht mehr überholen. Beim Gastspiel in der Profertil Arena haben die Rapidler jede Menge Großchancen leichtfertig vernebelt. Im Hinblick auf das schwere Heimspiel gegen FC Salzburg am kommenden Mittwoch wäre eine bessere Chancenverwertung wünschenswert. Dann könnte Trainer Didi Kühbauer durch das Austauschkontingent den Ermüdungsgrad der Spieler besser steuern und gegebenenfalls schon früher durchwechseln. Zunächst gilt es aber einmal die richtige Mischung für das Spiel zu finden und die Ausfälle zu kompensieren. Ob in einem 4-2-3-1 oder 3-4-1-2 wird sich weisen.
 
TSV Hartberg hat mit dem Erreichen der Meistergruppe das Saisonziel bereits erreicht. Alles, was jetzt noch kommt, ist Draufgabe. Bleiben die Oststeirer auch beim vierten Antritt im Weststadion ungeschlagen, steigen die Chancen auf einen internationalen Startplatz.