TSV Hartberg vs. Rapid Wien – die Match-Analyse

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Rapid verliert völlig verdient beim Aufsteiger! Nach 2 frühen Gegentreffern ergibt sich die Mannschaft ihrem Schicksal. Wie ist diese Niederlage zu erklären? Was war nicht gut? Wie geht es nun weiter?

 

TSV Hartberg – Rapid Wien – die Aufstellungen:

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Markus Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

Didi Kühbauer vertraut der Startelf gegen Mattersburg und beginnt mit einem 4-1-3-2:

In der Skyaufstellung wird Rapid Wien in einem 4-2-3-1 angekündigt – mit Deni Alar am linken Flügel. De facto beginnt Rapid Wien in den ersten 30 Minuten wie gegen Mattersburg, findet allerdings nicht in die Formation. Nach der Pause spielt der Rekordmeister in einem 4-2-3-1 und hat mit der Einwechslung von Andrei Ivan anfangs deutlich mehr Schwung, die Trendwende gelingt jedoch nicht. Im Gegenteil.

 

Markus Schopp setzt auf ein 4-2-3-1.

Torhüter Rene Swete ist wieder fit und kehrt in das Tor zurück. Die defensive Viererkette ist wie beim WAC mit Kapitän Siegfried Rasswalder, Michael Huber, Philipp Siegl und Michael Blauensteiner besetzt. Davor sollen Ivan Ljubic und Florian Sittsam – der für den verletzten Youba Diarra zum Einsatz kommt – die Kreise von Rapid stören. Christoph Kröpfl und Florian Flecker bilden die Flügelzangen, zentral soll der Slowene Rajko Rep die Bälle verteilen und als Solospitze Dario Tadic für Unruhe und Tore sorgen. Etwas überraschend muss der flinke Zakaria Sanogo auf der Bank Platz nehmen.

Um sich die Startelf der Hartberger besser vorstellen zu können, werfen wir einen Blick auf die letzten beiden Jahre.

Mit Rene Swete, Philipp Siegl, Siegfried Rasswader, Christoph Kröpfl und Dario Tadic stehen 5 Spieler in der Startelf, die vor 2 Jahren mit Hartberg noch in der Regionalliga Mitte aktiv waren.

Michael Huber war letzte Saison Stamminnenverteidiger beim Letzten SKN St. Pölten.

Michael Blauensteiner durfte in der vergangenen Spielzeit seine Künste am Verteilerkreis vereinzelt bei den Profis zeigen, zumeist war er aber in der Regionalliga Ost aktiv.

Ivan Ljubic war Stammspieler. In der zweiten Liga bei Wiener Neustadt.

Rajko Rep beim LASK und Florian Sittsam bei Mattersburg waren bei ihren Bundesligavereinen keine Stammspieler.

Florian Flecker fand im System des neuen Trainer Christian Ilzer keinen Platz mehr und wurde ausgemustert.

 

Das Spiel:

Die Hartberger versuchen von Beginn weg Rapid Wien früh zu stören:

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

Mario Sonnleitner und Christopher Dibon stehen weit auseinander, vor ihnen bieten sich abwechselnd Dejan Ljubicic und Stefan Schwab an. Wobei unser Kapitän auch öfters auf die linke Seite ausweicht. Der linke Außenverteidiger Boli Bolingoli steht deutlich höher als sein rechtes Pendant Marvin Potzmann. Deswegen ist Deni Alar auch mehr im Sturm als am linken Flügel zu finden.

Rapid Wien kombiniert zwar recht gefällig in Richtung gegnerischer Strafraum, im letzten Drittel ist die Passqualität jedoch miserabel. Auch Flanken finden kaum den eigenen Spieler. Und wenn doch, wird zu umständlich und langsam reagiert. 2 Weitschüsse gibt Rapid Wien in 90 Minuten ab – einmal fällt der Schuss von Stefan Schwab zu schwach aus, das andere Mal jagt Boli Bolingoli den Ball in den Äther.

Pressing und Gegenpressing finden nicht statt. Gewinnt Rapid einmal den Ball in der Hartberger Hälfte, wird sofort das Tempo herausgenommen (damit sich der Gegner sortieren kann?) oder mittels Fehlpass ist er gleich wieder weg.

Eine Reaktion der Rapidspieler nach dem 1:0? Fehlanzeige!

Wütende Angriffe nach dem 2:0? Fehlanzeige.

Rapid Wien spielt weiter pomadig dahin. Mit viel Ballbesitz aber ohne Gefahr für den Aufsteiger.

Andrei Ivan, Rapid spielt nun endgültig in einem 4-2-3-1, hätte kurz nach seiner Einwechslung den Umschwung einleiten können, er scheitert jedoch an Rene Swete.

Nach dem 3:0 ist das Spiel vorbei. Findet auch Trainer Didi Kühbauer und wechselt den jungen Manuel Thurnwald zur Absicherung ein.

Die letzte Chance des Spiels vergibt der starke Ivan Ljubic. Schade für ihn.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

09. Minute: TOR für Hartberg: Christopher Dibon verursacht einen unnötigen Eckball. Rapid steht mit allen Spielern im eigenen Strafraum und kann den Corner abwehren. Der Ball gelangt knapp innerhalb der Rapidhälfte zu Florian Flecker und der 22jährige hebt den Ball gefühlvoll hinter die aufrückende Abwehrreihe von Rapid. Christopher Dibon und Boli Bolingoli heben die Abseitsfalle auf, Mario Sonnleitner versucht noch zu retten, Richard Strebinger steht nicht ideal zum Ball und Florian Sittsam kann recht einfach das 1:0 erzielen.

 

12. Minute: Chance für Rapid: Nach einer schönen Spielverlagerung von Dejan Ljubicic über links auf den rechten Flügel zu Thomas Murg versucht der 23jährige mit einem Querpass Stürmer Andrija Pavlovic einzusetzen – der Serbe verpasst allerdings das Leder und seinen Premierentreffer für Rapid Wien.

 

14. Minute: Chance für Hartberg: Bei einer Hereingabe vom linken Flügel Christoph Kröpfl rutscht Christopher Dibon aus, Dario Tadic stoppt den Ball für Rajko Rep – sein Schuss aus spitzem Winkel wird zur Beute von Torhüter Richard Strebinger.

 

17. Minute: TOR für Hartberg: Angriff Hartberg in der Hälfte von Rapid. Die Grün-Weißen sind stabil mit 8 Spielern hinter dem Ball – der Ballführende wird jedoch nicht unter Druck gesetzt. Über mehrere Stationen gerät das Spielgerät zu Florian Sittsam. Zum Zeitpunkt, als er den Ball weiterverarbeitet, deckt Mario Sonnleitner den späteren Torschützen Dario Tadic (schwarz gekennzeichnet), Rajko Rep wird von Thomas Murg bewacht (rot), ohne Gegenspieler lauert Christopher Dibon (gelb):

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

Michael Blauensteiner passt den Ball zurück auf Ivan Ljubic, inzwischen hat sich Rajko Rep von Thomas Murg gelöst und fordert den Ball. Christopher Dibon verliert komplett den Überblick und Mario Sonnleitner hat nun 2 Gegenspieler im Fokus:

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

Er entscheidet sich für Rajko Rep, der Ball landet allerdings bei Dario Tadic (orange), dessen Ballannahme zwar ausbaufähig ist, aber mangels Gegenspieler kann er das Kunstleder unter Kontrolle bringen und finalisiert zum 2:0.

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

27. Minute: Chance für Hartberg: Die Steirer sind unpräzise in der Vorwärtsbewegung, trotzdem verteidigen erst Boli Bolingoli dann Marvin Potzman schlecht bis unzureichend und plötzlich kommt Michael Blauensteiner frei zum Abschluss – sein Versuch geht knapp am langen Eck vorbei.

 

47. Minute: Chance für Rapid: Kurz nach Wiederbeginn setzt Stefan Schwab am linken Flügel den zur Pause eingewechselten Andrei Ivan perfekt ein. Der Rumäne läuft in den Strafraum und sucht aus spitzem Winken den Abschluss – Torhüter Rene Swete kann mit Mühe, aber gekonnt, abwehren.

 

65. Minute: TOR für Hartberg: Sekunden nachdem Dario Tadic Platz für Zakaria Sanogo gemacht hat, wird der 4fache Teamspieler aus Burkina Faso auch schon eingesetzt. Nach einem erfolgreichen Kopfballduell gegen Mario Sonnleitner auf der Mittelauflage landet der Ball, nachdem Christopher Dibon zu weit weg steht, bei Rajko Rep, der den Ball in den Lauf von Zakaria Sanogo spielt. Da Boli Bolingoli das Abseits aufgehoben hat, kann der junge Spieler aus Burkina Faso den Ball überlegt zu Florian Flecker querlegen und der Flügelspieler erzielt seinen dritten Saisontreffer mühelos.

 

78. Minute: Chance für Hartberg: Siegfried Rasswalder setzt den eingewechselten Zakaria Sanogo am linken Flügel schön in Szene, der Teamspieler geht elegant an Marvin Potzmann und Manuel Thurnwald vorbei und schließt ab. Richard Strebinger kann den Ball ins Torout abwehren.

82. Minute: Chance für Rapid: Bei einem Eckball von Andrei Ivan kommt Innenverteidiger Christopher Dibon im Fünfer frei zum Kopfball. Der Ball streicht über das Tor.

 

86. Minute: Chance für Rapid: Nach schönem Pass von Andrei Ivan auf Stefan Schwab kann der Kapitän aus kurzer Distanz abschließen. Der Schlussmann der Hartberger bleibt für Rapids Offensivbemühungen abermals unüberwindbar.

 

92. Minute: Chance für Hartberg: Bei der letzten Chance des Spiels läuft der Ball über den rechten Hartberger Flügel. Christopher Dibon hat beim Konter zu weit draußen attackiert und ist wieder einmal weggerutscht, Florian Flecker spielt den Ball in den Strafraum auf den eingewechselten Christian Ilic. Sein kurzer Pass landet bei Ivan Ljubic, im 1 gegen 1 bleibt jedoch Richard Strebinger Sieger und der starke U-21 Teamspieler kann seine Leistung nicht mit einem Tor krönen.

 

Was war gut?

Für Rapid? Die schlechte Chancenauswertung der Hartberger.

 

Was war nicht gut?

Es ist bizarr. Beim Stammtisch in der Rekordmeister Bar hat Trainer Didi Kühbauer noch betont, wie wichtig ihm eine stabile Defensive ist. Davon ist in Hartberg rein gar nichts zu sehen. In den ersten 17 Minuten kassiert Rapid gleich 2 Gegentreffer. Vor allem Christopher Dibon erwischt einen furchtbar schlechten Tag. Und Mario Sonnleitner entscheidet sich beim Versuch, diese Fehler auszubügeln, zu oft falsch.

Offensiv geht noch weniger. Dort, wo der Ball nicht bloß hin- und her geschoben wird, ist die Passqualität schlecht. Die Offensivspieler wirken mit Fortlauf der Saison zunehmend verunsichert. Schaffen es aber auch nicht, sich selbst am eigenen Schopf zu packen und aus der Misere zu ziehen. Dafür wäre ein Einsatz und eine Leidenschaft wie in den ersten 45 Minuten in Glasgow notwendig. Aber auch klare Angaben, welche die Spieler vom Trainer erhalten und am Platz umsetzen sollen. Hat Trainer Didi Kühbauer gesagt. In Hartberg war davon nichts zu merken.

 

Fazit und Ausblick?

So desolat darf Rapid nicht auftreten. Eine leidenschaftslose Truppe ohne Einsatz, Feuer und Esprit. Defensiv mit stümperhaften Fehlern – alle 3 Treffer dürfen so nicht passieren. Und offensiv fehlt es an jeglichem Spielwitz. Der Ball wird hin und her geschoben und dadurch hat Rapid sogar eine Passgenauigkeit von 84%, aber nur dort, wo es komplett ungefährlich ist. Jeder Pass wird genau auf den Mann gespielt. Nicht einen Meter links oder rechts oder hinter den Spieler, denn bei diesen Versuchen ist der Ball sofort weg. So kommt Rapid auch recht simpel bis rund 20 Meter vor das Tor der Oststeirer, aber dort ist es vorbei. Jeder letzte Pass oder jede letzte Flanke landet beim Gegner. Durch dieses statische auf den Mann passen, fehlt es auch an Bewegung ohne Ball. Die braucht es aber, wenn du im letzten Drittel Torchancen kreieren möchtest.

Das letzte Mal so schlecht habe ich Rapid Wien bei der 3:0-Niederlage in Ried gesehen – und danach war Trainer Damir Canadi weg. Ein Trainerwechsel wird wohl kaum die Intention der Spieler für diese unfassbar schlechte Leistung gewesen sein, somit müssen die Vereinsverantwortlichen diese Niederlage genauestens mit allen Beteiligten aufarbeiten.

Ich finde es schade, dass die 2 Wochen Länderspielpause nicht besser genutzt wurden. So viele Teamspieler hat Rapid auch nicht im Kader. Etwa ein kurzes Trainingslager für Teambuildingsmaßnahmen und zum Einstudieren von Automatismen wäre eine Möglichkeit gewesen. Jetzt warten noch 6 Spiele in 3 englischen Wochen.

Mit Villarreal wartet nun ein Gegner aus der spanischen La Liga, der ebenfalls in der Meisterschaft stagniert. Ob Rapid im Europacup ein besseres Gesicht zeigt? Beide Teams müssen eher in der Meisterschaft anschreiben, der Europacup ist Zugabe. Am Sonntag folgt dann daheim das Match gegen den Tabellenletzten Admira Wacker. Ein Pflichtsieg. Aber was heißt das schon?

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Beim 1:0 steht er am 5er und kann den Schuss ins kurze Eck nicht bändigen. Dann fehlerfrei.

Christopher Dibon:

Nach so einer langen Verletzungspause braucht es Zeit, bis der Spieler wieder bei alter Stärke ist. In Hartberg leider mit einem rabenschwarzen Tag. Vor dem 1:0 völlig unnötig den Eckball verschuldet, und hebt als letzter Mann gemeinsam mit Boli Bolingoli die Abseitsfalle auf. Vor dem 2:0 rückt er unnötig aus der Viererkette und lässt Mario Sonnleitner mit Rajko Rep und Dario Tadic alleine. Vor dem 3:0 rutscht er weg und kann das Zuspiel von Rajko Rep in den Lauf von Zakaria Sanogo nicht verhindern. Aber auch bei weiteren Chancen der Hartberger hat er sich ungeschickt verhalten und ist immer wieder ausgerutscht. Seine Schuhwahl dürfte nicht perfekt gewesen sein. In der 82. Minute muss er aus einem Eckball den Anschlusstreffer erzielen.

Mario Sonnleitner:

An allen 3 Gegentreffern beteiligt, aber nicht alleine schuld. Beim 1:0 von Florian Sittsam kommt er zu spät, das Abseits hat nicht er aufgehoben und Torhüter Richard Strebinger steht nicht gut. Beim 2:0 hat er auf einmal 2 Gegenspieler und entscheidet sich für den falschen. Beim 3:0 verliert er auf der Mittelauflage das Kopfballduell gegen Zakaria Sanogo. Unglückliche Leistung.

Boli Bolingoli:

Im anfänglichen 4-1-3-2 mit sehr viel Offensivpower. Allerdings ohne zwingenden Output. Nach der Systemumstellung und der Einwechslung von Andrei Ivan kaum mehr präsent.

Marvin Potzmann:

Leider hat er seine Unform der letzten Spiele prolongiert.

Dejan Ljubicic:

Mit viel mehr Offensivaktionen als in der gesamten bisherigen Saison, aber gelungen ist ihm leider zu wenig. Eine schöne Spielverlagerung vor dem ohne Abnehmer gebliebenen Querpass von Thomas Murg.

Stefan Schwab:

Der Kapitän kämpft und probiert viel, aber er ist nicht in Form. Und durch die Bürde der Kapitänsschleife kommt er auch nicht in Form.

Thomas Murg:

Auch komplett außer Form. Auch er ist nicht der Spieler, der sich einfach so gehen lässt. Aber er wirkt vollkommen blockiert. Und spielt auf zu vielen Positionen. Am zweiten Gegentreffer beteiligt.

Christoph Knasmüllner:

Die Lücke, die sich nach seiner Auswechslung geöffnet hat, hätte sich auch ohne Wechselspieler geschlossen. Er war in den ersten 45 Minuten schlicht nicht vorhanden. Dabei ist Rapid mit relativ einfachen Mitteln in Strafraumnähe gekommen und genau da wäre er mit seiner Technik gefragt gewesen.

Deni Alar:

Ein bisschen linker Flügel und ein bisschen zweiter Stürmer. Dann ein bisschen Zehner und hernach ein bisschen Solospitze. Geklappt hat nichts und mit einer desaströsen Zweikampfbilanz. Wirkt – wie in seiner letzten Saison bei Rapid – zu oft falsch eingesetzt. Dadurch entwickelt er auch kein Selbstvertrauen.

Andrija Pavlovic:

Mit viel Vorschusslorbeeren angekündigt. Wirkt aber immer noch wie ein Fremdkörper. Allmählich sollte er treffen.

Andrei Ivan:

Der Rumäne hat in der zweiten Halbzeit viel Schwung in das Offensivspiel gebracht und hätte sich nach wenigen Sekunden aus spitzem Winkel belohnen können. Auch danach der auffälligste Rapidspieler.

Manuel Thurnwald:

Der frisch genesene Eigenbauspieler durfte sich im rechten Mittelfeld einordnen. Bemüht, aber bei 3:0 eher zum Verhindern eines noch größeren Debakels eingewechselt.

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