Transfer News: Rapid Wien verkauft Thomas Murg und leiht Marcel Ritzmaier

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Der sehr späte Deadline Day des Sommertransferfensters 2020 hatte es für Rapid Wien in sich. Thomas Murg wurde kurz vor dem Schluss noch an PAOK Saloniki verkauft und als Ersatz Marcel Ritzmaier vom FC Barnsley aus der englischen Championship, sprich der zweithöchsten Liga, ausgeliehen. Gleichwohl Geschäftsführer Sport Zoki Barisic vor dem Spiel gegen den LASK noch angekündigt hatte: „Jetzt kurz vor Schluss Spieler abzugeben, wo der Preis für uns nicht passt, das machen wir nicht. Deswegen würde ich sagen, dass der Rollbalken geschlossen ist.“
 

Jetzt ist Thomas Murg für kolportierte 2 Millionen Euro nach Griechenland gewechselt. Das klingt vielleicht ganz nett, ist allerdings definitiv keine Summe, wo ein SK Rapid Wien sofort weiche Knie bekommen sollte und den sportlichen Erfolg verkaufen muss. Zumal mit Marcel Ritzmaier nur noch ein Spieler auf Leihbasis geholt werden konnte, dessen offensiver Output mit dem von Thomas Murg nicht mithalten kann. GRÜN AUF WEISS – der Rapid Blog über die jüngsten beiden Transfers.
 

Thomas Murg: In fast jedem zweiten Spiel ein Scorerpunkt

Ende Jänner 2016 ist der gebürtige Voitsberger von der SV Ried nach Hütteldorf übersiedelt. An die 700.000 Euro sollen von Wien nach Oberösterreich überwiesen worden sein. Eine stattliche Summe für die damals finanziell klammen Rieder, aber marktüblich für einen Spieler, der mehrere österreichische Nachwuchsnationalmannschaften durchlaufen hatte. Das Debüt lief mit einer Einwechslung beim 3:0 Sieg gegen den WAC gut. Gleich bei seinem ersten Derby erzielte der Steirer seinen ersten Treffer für Rapid Wien. Doch bereits nach wenigen Spielen setzte den rechten Mittelfeldspieler eine Innenbandverletzung für den Rest der Saison außer Gefecht.
 

In seiner ersten kompletten Spielzeit beim österreichischen Rekordmeister wurde Thomas Murg auch immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Fünf Tore und sieben Assists in 39 Einsätzen war dennoch eine recht ordentliche Bilanz. Obwohl die Saison für den SK Rapid insgesamt ein Desaster war. In der darauf folgenden europacupfreien Spielzeit brachte es der versierte Techniker in der Bundesliga auf zehn Treffer und sieben Vorlagen. Am Ende des Spieljahres wurde Thomas Murg mit einer Einberufung in das Nationalteam belohnt, wurde jedoch nicht eingewechselt.
 

2018/19, beim nächsten sportlichen Tiefpunkt, steuerte der Mittelfeldspieler in 48 Pflichtspielen elf Tore und 13 Assists bei. In der abgelaufenen Saison waren es fünf Treffer und neun Vorlagen in wettbewerbsübergreifend 21 Einsätzen. Zu mehr hat es wegen einer Innenbandverletzung nicht gereicht, weswegen Thomas Murg fast das gesamte Meisterplayoff verpasst hat. Umso erfreulicher dann die Rückkehr zum Beginn der laufenden Spielzeit. Ein Tor und eine Vorlage gegen Admira Wacker, in St. Pölten einen Elfmeter herausgeholt und gegen den LASK das wichtige 1:0 erzielt.
 

Nun heuerte Thomas Murg in Griechenland bei PAOK Saloniki an und unterschrieb dort bis Sommer 2024. Seine Ausbeute bei Rapid Wien kann sich sehen lassen: In 163 Einsätzen für den österreichischen Rekordmeister 35 Tore erzielt und 40 vorbereitet, sprich 75 Scorerpunkte. Fast in jedem zweiten Match ein zählbarer Erfolg.
 

Marcel Ritzmaier: Ersatz für Murg und Schwab?

Vor etwas mehr als zwei Jahren hat Rapid Wien bereits einen österreichischen Mittelfeldspieler vom FC Barnsley in die Bundesliga zurückgeholt. Am 28-jährigen Christoph Knasmüllner scheiden sich seither die Geister der Rapidfans. 16 Tore und 29 Vorlagen in 80 Einsätzen wären ein guter Wert, dennoch hat der Wiener seinen Stammplatz verloren.
 

Nun wurde Marcel Ritzmaier vom FC Barnsley bis zum Ende der Saison ausgeliehen. Der 27-Jährige hat in England noch einen Vertrag bis Ende Juni 2022. Ob Zoki Barisic eine Kaufoption mit ausverhandelt hat, ist nicht bekannt. Als damals noch 16-Jähriger ist der gebürtige Knittelfelder von der zweiten Mannschaft von Austria Kärnten in den Nachwuchs von PSV Eindhoven gewechselt. Dort hat sich der Steirer bis zur ersten Mannschaft hochgearbeitet, konnte sich jedoch nicht wirklich durchsetzen und wurde mehrmals innerhalb der holländischen Eredivisie verliehen. Im Sommer 2018 dann die Rückkehr nach Österreich zum WAC.
 

Bei den Wolfsbergern konnte Marcel Ritzmaier reüssieren und verbuchte in 57 Spielen fünf Tore und 14 Vorlagen. Der Linksfuß kam dabei häufig im zentralen Mittelfeld oder über die linke Seite zum Einsatz. Somit könnte er sowohl Stefan Schwab als auch Thomas Murg beerben. Nach dem dritten Endrang 2018/19 durften die Wölfe im Vorjahr in der Europa League vorspielen. Der Mittelfeldakteur netzte beim legendären 4:0 Triumph bei Borussia Mönchengladbach einmal und war auch in den nächsten vier Begegnungen im Einsatz. Im Januar dieses Jahres folgte Marcel Ritzmaier Erfolgstrainer Gerhard Struber zu Zweitligist FC Barnsley nach und konnte den Klassenerhalt am letzten Spieltag fixieren. Auf einen Torerfolg oder einen Assist mussten die Fans der Tykes jedoch vergeblich warten.
 

Was sagen Didi Kühbauer und Zoki Barisic?

Trainer Didi Kühbauer nach der 3:0 Gala gegen den LASK auf mögliche Abgänge angesprochen: “Fatal ist da noch untertrieben. Es müsste richtig schönes Geld geben. Wir sind jetzt ein eingeschworenes Team geworden. Ich würde sie einsperren, wenn das etwas verhindern würde.”

Umso erstaunlicher die Begründung von Geschäftsführer Sport Zoki Barisic: „Das ist kein Notverkauf. Thomas Murg wollte uns unbedingt verlassen, er wollte unbedingt den Schritt ins Ausland machen. Ich habe immer betont: Wenn es für alle Parteien passt, dann wären wir bereit dazu. Das hat mit einem Notverkauf nichts zu tun. Es war der ausdrückliche Wunsch des Spielers, dass er zu PAOK wechseln möchte und wenn es für uns passt – und so schaut es auch aus –, dann stimmen wir diesem Transfer zu.“

Fazit

Rapid Wien hat nach Stefan Schwab einen zweiten absoluten Führungsspieler verloren. Während die Mannschaft den Eindruck erweckt hat, dass sie den Abgang des ehemaligen Kapitäns wegstecken könnte, reißt nun der Verkauf von Thomas Murg eine weitere große Lücke auf. Umso bedauerlicher, hat man doch beim überzeugenden 3:0 Erfolg gegen den LASK gesehen, wozu die Mannschaft imstande ist. Nun wird eine eingespielte Offensive eines wichtigen Faktors beraubt und durch einen Spieler ergänzt, der zwar bereits einmal in der heimischen Bundesliga funktioniert hat und sogar die Positionen von Stefan Schwab und Thomas Murg spielen könnte, jedoch keine Vorbereitung mitgemacht hat, bei FC Barnsley keine Scorerpunkte auf der Habenseite hat und als Leihspieler auch keine Option für die Zukunft ist.
 

Wieder einmal hat man das Gefühl, dass der mögliche sportliche Erfolg dem schnöden Mammon geopfert wird. Wobei der lukrierte Betrag mit kolportierten 2 Millionen Euro auch noch recht niedrig ausgefallen ist und weit weg von einem „unmoralischen Angebot“ ist. Als Begründung den absoluten Wechselwunsch des Spielers anzugeben, wirkt besonders bizarr. Als Rapidfan interessiert mich nicht, ob Thomas Murg künftig 100.000 Euro oder mehr im Jahr abcasht, sondern allein der sportliche Erfolg des SK Rapid Wien. Wir alle sehnen das Ende der titellosen Zeit herbei. Der sportliche Erfolg scheint nach dem Abgang des zweiten Führungsspielers ernsthaft gefährdet. Wenn es sogar wirklich ohne Not passiert ist, macht es das sogar noch schlimmer.