SK Sturm Graz – SK Rapid Wien – die Spielvorschau

Sturm Graz gegen Rapid Wien

Im Rahmen des Schlagerspiels der 6. Runde treffen die 2 besten Fankurven der Liga aufeinander. Wie reagieren die Heimfans auf Marvin Potzmann und Deni Alar? Kann der Rekordmeister trotz einer bescheidenen Leistung in Bukarest die Euphorie mitnehmen? Gelingt Rapid die Revanche für das bittere Aus im Cuphalbfinale?

 

Ausgangssituation:

Der Tabellensechste Sturm Graz empfängt in der heimischen Merkur-Arena den Tabellenfünften Rapid Wien. Während die Grazer ausgeruht in das Duell gehen, steckt den Wienern das Europacupspiel in den Beinen – allerdings kommt Rapid nach dem geglückten Aufstieg in Bukarest mit einer gehörigen Portion Euphorie und Selbstvertrauen.

Der Vizemeister der letzten Saison ist nach einem Cupsieg im Burgenland mit zwei 3:2-Siegen gegen die Aufsteiger TSV Hartberg und FC Wacker Innsbruck gestartet. Die beiden Niederlagen zur Champions League-Qualifikation gegen Ajax Amsterdam waren letztendlich zu erwarten, das 0:2 daheim gegen den zypriotischen Verein AEK Larnaka weniger. Dass noch dazu ein Schiedsrichterassistent von einem vollen Bierbecher getroffen und verletzt wurde, rundete den desaströsen Europacupabend ab. Doch seither ist es sportlich noch schlimmer gekommen. Einer 0:2-Niederlage in St. Pölten folgte im Rückspiel auf der Mittelmeerinsel ein 0:5-Debakel. Auch bei den beiden Unentschieden daheim gegen Altach – vor bloß 6.712 Fans – und beim WAC ist man unter den Erwartungen geblieben. Somit warten die „Blackies“ nun schon seit 5 Runden auf einen vollen Erfolg.

Der Rekordmeister hat mit der Europa League das erste Saisonziel erreicht. Neben zumindest 6 internationalen Spielen darf sich Rapids Schatzmeister Christoph Peschek über weitere Millioneneinnahmen freuen. In der Meisterschaft sind die Hütteldorfer mit 8 von 15 möglichen Punkten hinter der Erwartungen geblieben und Teile des Block West fordern daher vehement den Kopf des Trainers Goran „Gogo“ Djuricin. Ob sich nach der erfolgreichen Qualifikation nun die Wogen glätten, darf bezweifelt werden.

 

Wie geht Rapid mit den Europacupstrapazen um?

Der Einzug in die Gruppenphase ist – wenn auch mit viel Bauchweh – geglückt. Zeit zum Verschnaufen bleibt allerdings nicht. Mit Boli Bolingoli fällt wohl ein weiterer wichtiger Spieler aus und erhöht das Lazarett neben Gartler, Dibon, Mocinic, Szántó, Schobesberger, Thurnwald und Pavlovic auf 8. Das schränkt auch die Möglichkeiten zum Rotieren weiter ein. Dass Berisha in die Startelf zurückkehrt, darf angenommen werden, auch bei Maxi Hofmann stehen die Chancen gut. Sollte Bolingoli tatsächlich ausfallen, muss auch für die Außenverteidigung eine Lösung gefunden werden. Ob abermals Mert Müldür auf der ungewohnten Position auflaufen darf oder mit Stephan Auer die logische Alternative seine Chance bekommt, wird eine spannende Entscheidung.

 

Sturm 2017/18: Vizemeister und Cupsieger:

Die Steirer sind optimal in die letzte Saison gestartet – die ersten 6 Meisterschaftsspiele wurden jeweils mit nur einem Tor Differenz gewonnen. In der 15. Runde gab es ein 0:5-Debakel in Salzburg und die Tabellenführung war weg. Für 2 Runden konnte sie wiedererobert werden, danach steuerten die Grazer dem sicheren Vizemeistertitel entgegen. Letztendlich mit 13 Punkten Rückstand auf Meister Salzburg.

International war gegen Fenerbahce Schluss, dafür erreichte Sturm Graz, nach einem heißen Fight im Halbfinale gegen Rapid Wien, das Cupfinale gegen Salzburg. In der 112. Minute gelang Stefan Hierländer der entscheidende Treffer zum 1:0.

 

Ein großer Aderlass und viel Ärger:

Die Sommertransferzeit ist bei Sturm Graz sehr turbulent und emotional verlaufen. Der Wunsch der Fans und sicher auch des Sportdirektors Günter Kreissl, die erfolgreiche Mannschaft zusammenhalten zu können, verpuffte mit Fortlauf des offenen Transferfensters immer mehr.

Das Karriereende von Christian Gratzei war keine Überraschung, auch die nicht verlängerten Verträge von Christian Schulz, Patrick Puchegger und dem im Winter schwer erkrankten Philipp Zulechner nicht. Der bereits im Winter verliehene Luan wechselte im Sommer fix nach St. Pölten und ist dort Stammspieler, Marc Andre Schmerböck zum WAC, wo ihm nun endlich der Durchbruch gelungen scheint. Der Grazer Eigenbauspieler führt nach 5 Runden die Torschützenliste mit 5 Treffern an und war auch im letzten Match gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber erfolgreich.

Leistungsträger Thorsten Röcher wurde in die zweite deutsche Bundesliga nach Ingolstadt verkauft und dann waren eben auch noch die beiden Wiener Großclubs sehr umtriebig.

Marvin Potzman wechselte ablösefrei und Sportdirektor Bickel holte den früheren Rapidler Deni Alar durch das Aktivieren einer geringen Ausstiegsklausel nach Wien zurück. Sehr zum Ärger der Grazer.

Der Rivale aus Favoriten verpflichtete ablösefrei Innenverteidiger Christian Schoissengeyr (früher im Rapidnachwuchs) und den Australier James Jeggo, der ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Mannschaft war. Der von Rizespor ausgeliehene Bright Edomwonyi konnte nicht verpflichtet werden und landete ebenfalls am Verteilerkreis. Dass mit Uros Matic ein weiterer Ex-Grazer in den 10. Wiener Gemeindebezirk gewechselt ist, hat bei den Fans zusätzlich Staub aufgewirbelt.

Ob am letzten Tag der Transferzeit auch noch der „Spieler der Saison 2017/18“ Peter Zulj versilbert wird, bleibt abzuwarten. Immerhin ablösefrei aus Ried verpflichtet, werden ihn die Grazer so teuer wie jetzt, wohl nie mehr verkaufen können.

Für Otar Kiteishvili von Dinamo Tiflis musste Sturm Graz tief in die Tasche greifen. Der 22jährige setzt die Tradition georgischer Spieler in der steirischen Landeshauptstadt fort.

Philipp Hosiner wurde um eine geringe Ablösesumme von Union Berlin verpflichtet, Lukas Grozurek verließ Admira Wacker im Streit für einen unbekannten Betrag, ansonsten wurden mit Anastasios Avlonitis (Panathinaikos), Patrick Obermair (Bayern München II), Filipe Ferreira (Pacos Ferreira), Markus Lackner (Admira Wacker) und Markus Pink (Mattersburg) ausschließlich ablösefreie Spieler verpflichtet.

 

Bilanz gegen Rapid:

In insgesamt 198 Bundesligaspielen gab es für die Grazer 51 Siege, 49 Unentschieden und 98 Niederlagen.

Erfolgreicher gestaltete sich für die Steirer jedoch die letzte Saison – auf einen 2:1-Erfolg in Wien folgten 2 Remis (0:0 und 1:1). Im Cuphalbfinale gelang dem Stürmer Emeka Eze in der Verlängerung das entscheidende Tor zum 3:2, mit dem 4:2 daheim durch Tore von Eze (zweimal), Zulj und Jeggo konnte der Vizemeistertitel abgesichert werden.

Der letzte Rapidsieg in Graz datiert aus der Saison 2015/16, als Philipp Schobesberger den Auswärtssieg mit 2 Treffern sicherte.

 

Heiko Vogel – ein taktisch sehr flexibler Trainer:

Der 42jährige Deutsche erbte das Amt des Sturmtrainers erst im Winter von Franco Foda, der zum neuen Trainer der österreichischen Nationalmannschaft bestellt wurde.

Der studierte Sportwissenschaftler musste seine Spielerkarriere aufgrund einer schweren Verletzung bereits mit 20 Jahren aufgeben und arbeitete sich als Nachwuchstrainer beim FC Bayern München hoch.

2008 folgte er Thorsten Fink als Co-Trainer nach Ingolstadt, 2009 wurden beide vom FC Basel verpflichtet. Nach Thorsten Finks Wechsel zum HSV wurde Heiko Vogel 2011 Cheftrainer vom FC Basel und konnte die Meisterschaft und den Cup gewinnen.

Nach seinem Rauswurf beim FC Basel kehrte er nach München zurück und übernahm erst die U19 und dann die zweite Mannschaft des FC Bayern, wo ihm jedoch der sportliche Erfolg versagt blieb.

Anfang Dezember 2017 wurde er als Nachfolger von Franco Foda bei Sturm Graz präsentiert.

 

Mögliche Aufstellung Sturm Graz:

In welcher Formation der Trainer sein Team gegen Rapid Wien auf das Feld schicken wird, lässt sich vorab schwer einschätzen. Am ehesten wäre ein 4-3-1-2 zu erwarten. Aber Heiko Vogel hat in dieser Saison schon öfters umgestellt, weswegen wir von einer Prognose absehen.

 

Meine Einschätzung:

Ein richtungsweisendes Duell für 2 Mannschaften, deren sportlichen Ansprüchen die Tabellenplätze 5 und 6 wohl kaum genügen.

Wie die Grazer Fanszene auf Wechsel nach Hütteldorf reagiert, hat sie dereinst bei Florian Kainz und Robert Beric – wenig geschmackvoll – gezeigt. Für Marvin Potzmann und vor allem Deni Alar wird es kein leichtes Spiel. Beide sollte ihre Nerven im Zaum halten.

Beide Teams sind mit 8 Punkten aus 5 Spielen schlecht in die Meisterschaft gestartet. Rapid konnte zumindest international reüssieren. Sturms Cupsieg zählt natürlich für die Ewigkeit, dennoch werden sich die Grazer allmählich fragen müssen, ob aus diesem Erfolg das Optimum herausgeholt wurde. 4 internationale Spiele – 4 glatte Niederlagen. Weder wurde eine Gruppenphase erreicht, noch etwas für den wichtigen Klubkoeffizienten getan. Den großen Reibach hat man mit Spielertransfers auch nicht gemacht. Es ist das erste Mal, dass Sportdirektor Günter Kreissl müde und ratlos wirkt.

Rapid Wien muss noch dieses Spiel über die Bühne bringen und dann wird man die 2 Wochen Pause zur Regeneration und zur Analyse nützen können. Die Chance, dass der eine oder andere verletzte Spieler in den Kader zurückkehrt, besteht. Vor allem auf Andrija Pavlovic ruhen viele Hoffnungen.

Dass Trainer Gogo Djuricin in diesen 14 Tagen gefeuert wird, ist nicht zu erwarten. Da müsste in Graz schon sehr viel schief laufen.