Sturm Graz vs. Rapid Wien – Match-Analyse

Sturm Graz gegen Rapid Wien

Emotionales Duell gegen Sturm Graz! Schiedsrichter Schüttengruber mit 2 Fehlentscheidungen! Ein Remis, das beiden Mannschaften nicht hilft.

 

Sturm Graz – Rapid Wien – die Aufstellungen:

 

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Rapid-Ersatz: Martic, Malicsek, Knoflach, Auer, Kostic, Guillemenot, Ivan

Sturm-Ersatz: Lovric, Pink, Hosiner, Ferreira, Schützenauer, Obermair, Eze

 

Rapid Wien: 4-2-3-1 und wenig Rotation:

Eingedenk der zweiwöchigen Länderspielpause gibt es – wie erwartet – keine Extremrotation bei Rapid. Maximilian Hofmann ersetzt den auch in Bukarest in der ersten Halbzeit sehr unsicheren Mateo Barac und bildet mit Evergreen Mario Sonnleitner das Innenverteidigerduo. Am linken Flügel bekommt der zuletzt gesperrte Veton Berisha den Vorzug gegenüber Andrei Ivan. Boli Bolingoli laboriert an einer Muskelverletzung und wird, wie gegen den FCSB, vom 19jährigen, gelernten Innenverteidiger Mert Müldür ersetzt, der schon bald zu türkischen Teamehren kommen könnte. Bedauerlich, denn der gebürtige Wiener wäre auch für die österreichische Nationalmannschaft eine Bereicherung gewesen.

Mangels Pressing der Grazer hat der Rekordmeister wenig Probleme mit dem Spielaufbau. Ljubicic fungiert zumeist als 6er und die defensive Viererkette agiert ähnlich asymmetrisch wie gegen Slovan Bratislava. Rechtsverteidiger Mert Müldür erledigt hauptsächlich seine defensiven Aufgaben, während Linksverteidiger Marvin Potzmann in das Offensivspiel eingebunden ist und deutlich höher steht.

 

Heiko Vogel macht hinten dicht: Die Grazer agieren in einem 5-3-2:

3 Innenverteidiger werden von 2 Außenverteidigern flankiert, die in der Vorwärtsbewegung ein 3-5-2 bilden sollen. Das bleibt jedoch graue Theorie, da sie hauptsächlich mit Defensivarbeiten beschäftigt sind.

Ein aggressives Pressing seitens der Heimmannschaft findet nicht statt. Etwa 10 Meter in der Hälfte von Rapid stehen links Grozurek, zentral Kiteishvili und rechts Huspek auf einer Linie und stellen die Mitte zu. Rapid ist somit gezwungen, auf die Flügel auszuweichen. Kein schlechter Schachzug, da die Flügelachsen nicht in Bestbesetzung aufgestellt sind. Potzmann fühlt sich als linker Außenverteidiger deutlich weniger wohl, bei einigen Spielzügen in der Vorwärtsbewegung rückt Stefan Schwab an seine Stelle und der ehemalige Grazer ins Zentrum. Berisha ist weder Vollstrecker noch Vorbereiter und erwischt einen schwachen Tag. Rechts ist Müldür eine Notlösung und erledigt vornehmlich Defensivaufgaben, Thomas Murg befindet sich in einem hartnäckigen Formtief.

Offensiv läuft bei den Blackies jedoch herzlich wenig. Durch die defensive Ausrichtung sind zu wenig Spieler in die Offensivbemühungen involviert und Rapid kann Sturm Graz lange Zeit mühelos vom eigenen Strafraum fernhalten.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels kompakt:

7. Minute: Riesenchance für Rapid: Freistoß von Christoph Knasmüllner in den Strafraum, Stefan Schwab kann sich den Ball mit der Brust/Schulter stoppen – sein Schuss geht an die Unterkante der Latte.

25. Minute: Gelb statt Rot – Stefan Schwab im Glück: Derbes Einsteigen von unserem Kapitän auf der Mittellinie gegen Lukas Grozurek. Der Ex-Rapidler bleibt glücklicherweise unverletzt, hätte Rot sein müssen.

37. Minute: TOR für Sturm: Hofmann foult Huspek knapp außerhalb des Strafraums – zur allgemeinen Überraschung verlegt Schiedsrichter Schüttengruber das Vergehen in den Strafraum und gibt Elfmeter – Fehlentscheidung! Peter Zulj jagt den Strafstoß ins Kreuzeck – 1:0!

41. Minute: Riesenchance für Sturm: Nach einem schnellen Angriff über mehrere Stationen kommt Philipp Huspek zum Abschluss – Innenstange!

59. Minute: Riesenchance für Rapid: Knasmüllner spielt Alar ideal frei, der Stürmer schießt aus kurzer Distanz über das gegnerische Gehäuse.

78. Minute: TOR für Rapid: Wieder wird Deni Alar von Christoph Knasmüllner im Strafraum perfekt bedient – ein zweites Mal lässt sich der Stürmer die Chance nicht nehmen.

86. Minute: Riesenchance für Sturm: Nach unglücklicher Kopfballvorlage von Mario Sonnleitner steht Verteidiger Lukas Spendlhofer alleine vor Richard Strebinger. Seinen Schuss, nach einem kurzen Haken, kann Kapitän Stefan Schwab in höchster Not blocken.

 

Was war gut?

Die Mannschaft hat sich durch den ungerechtfertigten Elfmeter nur kurz aus dem Konzept bringen lassen. Sturm Graz hatte insgesamt wenig Torchancen, die erste in Minute 41 – da aber gleich einen Stangenschuss.

Christoph Knasmüllner hat neben der Torvorlage auch die meisten Topchancen vorbereitet.

Mert Müldür hat gezeigt, dass er auch als Außenverteidiger spielen kann und eine weitere Talentprobe abgegeben.

 

Was war nicht gut?

Die erste Topchance hatte Rapid in Minute 7, die zweite in Minute 59 – dazwischen war nicht viel los.

Auch wenn die Zweikampfstatistik ziemlich ausgeglichen war, wurden viele entscheidende Duelle in der Offensive verloren.

Rapid hatte zwar mehr Ballbesitz, jedoch waren die Ballstafetten gegen das Abwehrbollwerk der gut verteidigenden Grazer kein probates Mittel. Viel zu viele Bälle gingen verloren. Einige lange Pässe wurden probiert, dafür bedarf es jedoch kopfballstarker Offensivspieler. Das hat Rapid nicht. Auch ein schneller Konterstürmer fehlt.

 

Fazit und Ausblick?

Insgesamt ist das Remis leistungsgerecht. Sturm Graz war überraschend defensiv eingestellt. Nach den deutlichen Niederlagen im Europacup einerseits verständlich, andererseits schade, da Spiele zwischen Sturm und Rapid in der Vergangenheit häufig fußballerische Leckerbissen waren.

Einige Schwächen in der Kaderzusammenstellung lassen sich bereits nach 11 Saisonspielen konstatieren:

Nur 2 gute Außenverteidiger sind zu wenig. Dass der 19jährige Innenverteidiger Mert Müldür gegenüber dem 27jährigen Stephan Auer den Vorzug erhält, spricht Bände.

Bolingoli, Schwab, Murg und Berisha befinden sich nicht oder nicht mehr in Form – von der Bank kommt allerdings zu wenig.

Die Qualität der Neuzugänge ist sehr unterschiedlich zu bewerten:

Christoph Knasmüllner, Deni Alar und Marvin Potzmann sind Topverstärkungen.

Andrei Ivan und Mateo Barac haben ihre Klasse aufblitzen lassen, da muss aber noch deutlich mehr kommen.

Philipp Malicsek, Manuel Martic und Jérémy Guillemenot müssen ihre Rapidtauglichkeit erst unter Beweis stellen. Malicsek war zumindest gegen Wacker Innsbruck gut.

Nach der schwachen Leistung daheim gegen den WAC ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Am Einsatz und der Lauffreudigkeit mangelt es nun nicht mehr, ob das Trainerteam die Mannschaft weiterentwickeln kann, bleibt dahingestellt.

Rapid hat es verabsäumt, dem Trainerteam rechtzeitig den Rücken zu stärken. Ein fataler Fehler, der sich nun zu rächen droht.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Wiederum ein fehlerloser Auftritt unseres Torhüters. Seit Wochen in toller Form.

Maximilian Hofmann:

Pech beim Elfmeter. Zu langsam im Laufduell mit Huspek. Foul ja, im Strafraum nein. Ansonsten eine solide Leistung. Nach 60 Minuten angeschlagen ausgeschieden.

Mario Sonnleitner:

Die Formkurve des 31jährigen zeigt weiter nach oben. Ermöglichte kurz vor Schluss mit einer unglücklichen Kopfballverlängerung die Riesenchance von Spendlhofer. Hat derzeit Mateo Barac den Rang abgelaufen.

Mert Müldür:

Erst Außenverteidiger, dann Innenverteidiger. Hat beim Stangenschuss von Huspek in der Entstehung zu zaghaft attackiert. Muss sich offensiv noch mehr zutrauen und die technischen Fehler abstellen.

Marvin Potzmann:

Bemüht, aber auf der linken Seite deutlich schwächer als rechts.

Dejan Ljubicic:

Defensiv wie immer stark, jedoch mit zu wenigen gelungenen Offensivaktionen.

Stefan Schwab:

Viele Ballkontakte, aber auch sehr viele Fehler. Unnötig hartes Einsteigen gegen Grozurek. Pech beim Lattenschuss. Großartige Rettungstat gegen Spendlhofer.

Thomas Murg:

Er läuft und bemüht sich, spielerisch gelingt ihm wenig. Nicht in Form.

Veton Berisha:

Schwaches Spiel des Norwegers. Zu Recht für Andrei Ivan ausgetauscht.

Christoph Knasmüllner: Guter Freistoß nach 7 Minuten, ansonsten eher schwache Standards. Die Chancen von Alar, Murg und das Tor vorbereitet. Da Berisha und Murg nicht in Form sind, fehlt im ein kongenialer Partner.

Deni Alar:

Hat die Anfeindungen ertragen, die erste Chance noch vergeben, die zweite dann zum Ausgleich verwertet.

Stephan Auer:

Gelbe Karte wegen eines taktischen Fouls nach einem verunglückten Volleyschussversuch. Schwächer als Müldür auf dieser Position.

Andrei Ivan:

Lässt seine Klasse immer wieder aufblitzen, sein letzter Salto nach einem Tor ist nun auch schon mehr als ein Monat her.

 

Der Spielverlauf im Detail:

1. Halbzeit:

Chance Rapid! 7. Spielminute: Peter Zulj reißt Veton Berisha in der Hälfte von Sturm Graz ungestüm um. Den fälligen Freistoß zirkelt Christoph Knasmüllner gekonnt in den gegnerischen Strafraum. Stefan Schwab löst sich von Verteidiger Avlonitis und stoppt sich das Spielgerät mit der Brust. Sein Schussversuch landet aus 5 Meter Entfernung an der Unterkante der Latte und springt von dort zu Torhüter Siebenhandl.

Chance Sturm! 11. Spielminute: Eine Flanke von Peter Zulj köpfelt Anastasios Avlonitis weit über das Tor der Rapidler. Ungefährlich.

Foul von Rapid! 25. Spielminute: Einen Einwurf in der Höhe der Mittellinie kann Stefan Schwab nicht bändigen und er verliert den Ball. Bei dem Versuch, seinen Fehler wieder gutzumachen, senst er Lukas Grozurek um – Glück, dass sich Grozurek nicht verletzt und Schwab bloß mit einer Gelben Karte verwarnt wird.

Elfmeter: Sturm! 36. Spielminute: Einen weiten Abschlag von Torhüter Jörg Siebenhandl kann Stefan Schwab nicht blocken und der Ball landet bei Otar Kiteishivili. Der Georgier verarbeitet das Leder in den Lauf von Philipp Huspek, der im Duell mit Maximilian Hofmann um einen Deut schneller ist und nur durch ein Foul gestoppt werden kann. Obwohl der Regelverstoß klar außerhalb des Strafraums passiert, entscheidet Schiedsrichter Manuel Schüttengruber nach Rücksprache mit seinem Schiedsrichterassistenten auf Elfmeter. Fehlentscheidung.

TOR Sturm! 1:0 37. Spielminute: Peter Zulj hämmert den Ball mit dem linken Fuß ins linke Kreuzeck. Unhaltbar!

Chance Sturm! 40. Spielminute: Freistoß von der linken Seite. Nach einem Doppelpass mit Stefan Hierländer spielt Peter Zulj den Griechen Anastasios Avlonitis im Strafraum an – seine Direktabnahme geht deutlich am Tor vorbei.

Chance Sturm! 41. Spielminute: Wieder ein weiter Abschlag von Jörg Siebenhandl. Mert Müldür verliert auf der rechten Seite das Kopfballduell gegen Grozurek, der Ball geht wiederum zu Kiteishvili und seine Volleyvorlage bringt Huspek in eine perfekte Schussposition von der Strafraumgrenze. Strebinger kann nicht mehr eingreifen, der Ball springt jedoch von der Stange zurück ins Feld. Potzmann klärt ins Torout.

Fazit 1. Halbzeit: Sturm im Glück mit dem geschenkten Elfmeter, Rapid mit der Gelben Karte. Beide Teams mit Aluminiumtreffern. Ansonsten ein Spiel mit wenig Höhepunkten.

2. Halbzeit:

Chance Sturm! 47. Spielminute: Nach Vorlage von Grozurek kommt Markus Lackner von der Strafraumgrenze zum Abschluss – Torhüter Strebinger pflückt das Leder mühelos runter.

Chance Sturm! 52. Spielminute: Nach Fehlern von Ljubicic und Müldür versucht sich Kiteishvili aus 20 Meter Entfernung – wieder kein Problem für Strebinger.

Chance Rapid! 59. Spielminute: Ljubicic mit dem perfekten Pass auf Knasmüllner, der den Ball zentral knapp außerhalb des gegnerischen Strafraums annimmt. Seine Weiterverarbeitung ist schlecht und der Ball scheint bereits verloren, jedoch erkämpft ihn sich Knasmüllner von Zulj zurück. Seinen Pass zu Murg verarbeitet der Zehner zu Deni Alar, nach einem Doppelpass mit Knasmüllner steht der Stürmer völlig frei vor Torhüter Siebenhandl – sein Abschlussversuch mit dem linken Fuß geht jedoch über das Tor.

Wechsel bei Rapid: 60. Spielminute: Stephan Auer ersetzt den angeschlagenen Maximilian Hofmann. Mert Müldür rückt auf die Innenverteidigerposition.

Wechsel bei Rapid: 63. Spielminute: Andrei Ivan ersetzt den glücklosen Veton Berisha am linken Flügel.

Chance Rapid! 71. Spielminute: Einen Freistoß aus aussichtsreicher Position jagt Thomas Murg doch deutlich über das Tor.

TOR Rapid! 78. Spielminute: Nach einem Einwurf auf der linken Angriffsseite passt Thomas Murg in die Mitte zu Dejan Ljubicic. Mittels schneller Verarbeitung kommt der Ball direkt zu Christoph Knasmüllner, der Deni Alar im Strafraum frei spielt. Alleine vor Goalie Siebenhandl netzt der Torjäger problemlos mit dem linken Fuß – 1:1!

Wechsel bei Sturm! 81. Spielminute: Stürmer Emeka Eze ersetzt Philipp Huspek.

Chance Sturm! 86. Spielminute: Freistoß in der Hälfte von Rapid nach einem Foul von Ivan an Zulj. Der Gefoulte flankt nach links, der Ball kommt direkt in den Strafraum und wird von Mario Sonnleitner scheinbar geklärt. Am langen Eck befindet sich jedoch Lukas Spendlhofer, der den Ball im Torraum annimmt und mit einem kurzen Haken versucht, in eine bessere Abschlussposition zu kommen. Kapitän Schwab kann in höchster Not den Gegentreffer verhindern.

Wechsel bei Sturm: 87. Spielminute: Stürmer Markus Pink kommt für Lukas Grozurek.

Chance Rapid! 92. Spielminute: Nach einem tollen Solo und einem Doppelpass mit Knasmüllner geht der Schuss von Thomas Murg, bedingt durch die Fingerspitzen von Jörg Siebenhandl, hauchzart am langen Eck vorbei. Das wäre die Entscheidung gewesen!

Fazit 2. Halbzeit: Rapid erzielt den verdienten Ausgleich – insgesamt ein gerechtes Remis.

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