Rapid Wien vs. Spartak Moskau – die Spielvorschau

spartak moskau

Im Rahmen der Europa League trifft der österreichische auf den russischen Rekordmeister! Kann Rapid die Derbyniederlage vergessen machen? Worauf muss Rapid aufpassen? Wo liegen die Schwächen von Spartak Moskau?

 

Ausgangssituation:

Auch wenn sich der SK Rapid Wien in die Gruppenphase der Europa League geduselt hat (das wienerische Äquivalent möchte ich aus Jugendschutzgründen nicht verwenden), ist der Start in das neue Spieljahr komplett in die Hose gegangen. Zu viele Transfers, Verletzungen, Platz 7 in der Meisterschaft, Fanproteste gegen den Trainer und die Ausschreitungen nach dem Match am Sonntag lassen leider keinen anderen Schluss zu. Dabei spielt Rapid zeitweise sogar einen sehr guten Fußball, wie die erste Halbzeit im Derby bewiesen hat.

Der Europacup bietet eine große Chance, sich zu rehabilitieren und für etwas Ruhe zu sorgen. Zumindest bis zum Gastspiel in Salzburg.

Beim russischen Rekordmeister und Tabellendritten der letzten Saison läuft auch nicht alles rund. Vor allem das Ausscheiden in der Qualifikation zur Champions League gegen PAOK Saloniki hat geschmerzt. Der Verkauf von Quincy Promes spülte zwar viel Geld in die Vereinskassa, hinterließ aber auch eine große Lücke. Vermutlich.

Dass mit Samuel Gigot der Rekordtransfer des Sommers aufgrund eines Kreuzbandrisses lange ausfällt, ist extrem bedauerlich. Zudem darf auch Stürmerstar Luiz Adriano wegen einer unnötigen roten Karte erst ab dem vierten Spieltag mitwirken.

 

Trainer Massimo Carrera:

Der 54jährige Italiener ist seit Sommer 2016 in Amt und Würden und hat in 80 Spielen 46 Siege, 16 Unentschieden und 18 Niederlagen eingefahren. Gleich in seiner Debütsaison wurde er mit Spartak Moskau Meister und Supercupsieger.

Nach dem enttäuschenden dritten Platz der letzten Saison und dem Aus in der Champions League-Qualifikation gegen PAOK Saloniki steht der Italiener in der Kritik. Dass er 2 Stützen seiner Mannschaft wegen des Likens eines kritischen Internetbeitrags suspendiert, untermauert das.

Taktik und mögliche Aufstellung:

Spartak Moskau ist in einem 4-3-3 zu erwarten. Da die russische Spitzenmannschaft im Sturm das Kopfballspiel forciert, werden wohl zahlreiche Flanken auf die zentrale Solospitze erfolgen.

Zé Luíz

  Hanni/Rocha                                 Lomovitskiy/Tashaev

Popov    Zobnin

Fernando

Kombarov   Bocchetti   Dzhikiya   Rasskazov

Maksimenko

 

Der Kader von Spartak Moskau:

 

Tor:

Aleksandr Maksimenko (20 Jahre alt): Das 1,87 m große Eigengewächs ersetzt den verletzten Stammtorwart Aleksandr Selikhov. Sein Patzer im Derby gegen Dynamo Moskau blieb ohne Folgen, sein Fehler in Saloniki bedeutete den letztendlich entscheidenden dritten Gegentreffer.

Alexandra Selikhov (24): Der nominelle Einsertorhüter wurde bereits in den russischen Teamkader einberufen, auf einen Einsatz wartet er noch. Nach einer Achillessehnenoperation fällt er jedoch aus.

Artem Rebrov (34): 2015 durfte er für 45 Minuten das russische Teamtor hüten, gegen Rapid Wien wird er auf der Ersatzbank Platz nehmen.

 

Innenverteidigung:

Georgyi Dzikiya (24): Der russische Teamspieler wurde Anfang 2017 von Amkar Perm verpflichtet. Die Heim-WM verpasste er aufgrund eines heuer im Jänner erlittenen Kreuzbandrisses. Ist nach seiner Genesung als Abwehrchef gesetzt.

Salvatore Bocchetti (31): Aufgrund der Verletzungen von Samuel Gigot und Ilya Kutepov wird der italienische Routinier neben Dzikiya verteidigen. Seine 5 Länderspiele sind viele Jahre her, beim AC Milan konnte er sich nicht durchsetzen. Vier Spiele hat er heuer bereits wegen einer Verletzung verpasst.

Ilya Kutepov (25): Bei der WM durfte er in allen 5 Begegnungen über die volle Distanz ran, aktuell setzt ihn eine Leistungsverletzung außer Gefecht. Könnte im Rückspiel in Moskau wieder fit sein.

Samuel Gigot (24): 8 Millionen Euro ließ sich Spartak Moskau den französischen Innenverteidiger von KAA Gent kosten. Gleich in seinem ersten Meisterschaftsspiel gelang ihm nach einem schweren Torwartfehler der entscheidende Siegtreffer. Beim Auswärtssieg gegen FK Krasnodar bereitete er das einzige Tor im Spiel per Kopf vor. Gegen Zenit St. Petersburg musste er bereits nach 27 Minuten vom Feld – Kreuzbandriss, weswegen er in beiden Spielen gegen Rapid Wien keine Option sein wird.

 

Außenverteidigung:

Andrey Eshchenko (34): Der Rechtsverteidiger durfte in seiner Karriere 14mal für die Sbornaja – zuletzt bei der WM 2014 – auflaufen. Viel Offensivpower ist von dem Routinier, der seit 2 Jahren die Farben von Spartak Moskau trägt, nicht zu erwarten. Wurde gestern von Trainer Carrera wegen eines Internetvergehens suspendiert.

Nikolay Rasskazov (20): Auch als Linksverteidiger einsetzbar. Der Eigenbauspieler durchlief sämtliche russische Nachwuchsnationalmannschaften und spielt aktuell für die U21. Wird vermutlich Ersatz sein.

Marko Petkovic (26): Der Rechtsverteidiger wurde 2017 von Roter Stern Belgrad verpflichtet, brachte es aber nur auf sporadische Einsätze.

Dmitri Kombarov (31): Der Linksverteidiger hat 47 Länderspiele für Russland bestritten, den Sprung in den WM-Kader hat er jedoch verpasst. 2010 wechselte der Routinier vom Erzrivalen Dynamo zu Spartak. Bei den Niederlagen gegen PAOK Saloniki und Akhmat Grozny führte er sein Team als Kapitän auf das Feld. Ist gesetzt.

Lorenzo Melgarejo (28): 2016 wurde der zweifache Teamspieler aus Paraguay von Kuban Krasnodar verpflichtet. Seine Qualitäten liegen in der Offensive, Linksverteidiger ist er nebenberuflich. Im Derby gegen Dynamo Moskau gelang ihm nach einem Eckball per Kopf das wichtige 2:0.

 

Zentrales Mittelfeld:

Fernando (26): Der Brasilianer ist im defensiven Mittelfeld gesetzt und durfte 8mal das Trikot der Selecao überstreifen. Auch wenn es bereits mehrere Jahre her ist. Im Sommer 2016 wurde er für mehr als 12 Millionen Euro von Sampdoria Genua verpflichtet. Sehr gefährlich bei Freistößen.

Artem Timofeev (24): Der defensive Mittelfeldspieler darf auf Einsatzminuten als Ersatzspieler hoffen. Hat keine realistische Chance, an Fernando vorbeizukommen.

Roman Zobnin (24): Dauerläufer im zentralen Mittelfeld. Der 2016 von Dynamo Moskau verpflichtete Mittelfeldspieler hat nicht nur bei der WM, sondern auch in der aktuellen Saison alle Spiele über die volle Distanz bestritten.

Denis Glushakov (31): Trotz 57 Länderspieleinsätzen hat er den Sprung in den russischen WM-Kader verpasst. Bei Spartak spielt er bereits seit 2013 und ist im zentralen Mittelfeld gesetzt. Auch er wurde kurzerhand wegen eines Internetvergehns suspendiert. Und wird seiner Mannschaft fehlen

Ivelin Popov (30): Der Kapitän der bulgarischen Nationalmannschaft kommt normalerweise bei Spartak Moskau an Denis Glushakov nicht vorbei, durch dessen Suspendierung wird er in die Startelf rutschen.

Jano Ananidze (25): Nach einem Kreuzbandriss letzte Saison wartet der 36fache georgische Teamspieler heuer noch auf einen Einsatz in der Meisterschaft oder im Europacup.

Roman Eremenko (31): Der ehemalige finnische Teamspieler ist im Hinspiel kein Thema, da er bis Anfang Oktober eine zweijährige Dopingsperre wegen Kokainkonsums absitzt. Sehr zum Ärger der Fans von ZSKA Moskau, die auf ihn gewartet hätten. Im Rückspiel könnte er eine Option sein. Sofern kein Schnee liegt.

 

Flügelstürmer:

Aleksandr Lomovitskiy (20): Auch der Rechtsaußen wurde im Sommer aus der zweiten Mannschaft hochgezogen und ist heuer bei 4 Pflichtspielen zum Einsatz gekommen.

Aleksandr Tashaev (24): Der Neuzugang von Dynamo Moskau wurde diese Saison auch bereits in 4 Begegnungen eingesetzt, Tor oder Vorlage ist ihm noch keine gelungen.

Aleksandr Samedov (34): Bei der WM wirkte er in allen 5 Spielen mit, nach dem Ausscheiden hat er seinen Rücktritt aus der russischen Nationalmannschaft verkündet. Er kämpft mit Lomovitskiy und Tashaev um den Platz am rechten Flügel.

Pedro Rocha (23): 12 Millionen soll Spartak vor einem Jahr an Gremio Porto Alegre für den brasilianischen Linksaußen überwiesen haben. Der Durchbruch blieb ihm verwehrt. Beim 0:0 bei Zenit St. Petersburg „erbte“ er den Platz als linker Flügelstürmer vom überragenden Quincy Promes, der am letzten Tag der Übertrittszeit noch vom FC Sevilla um 20 Millionen verpflichtet wurde. Nach 63 Minuten war sein Arbeitstag beendet.

Sofiane Hanni (27): Der algerische Teamspieler wechselte Ende Jänner 2018 um 8 Millionen Euro vom RSC Anderlecht nach Moskau. Bislang konnte sich der Offensivspieler auch nicht durchsetzen. Bei der Heimniederlage gegen Grozny durfte er sich über Linksaußen versuchen.

 

Sturm:

Zé Luís (27): Der Mittelstürmer aus Kap Verde kickt bereits seit 3 Jahren für den russischen Rekordmeister. In 82 Spielen zeichnete er sich für 23 Tore und 22 Vorlagen verantwortlich. Technisch beschlagen ist er und vor allem als Kopfballspieler ist er sehr gefährlich. Beide Saisontreffer sind ihm so gelungen. Im Hinspiel ist er gesetzt, da sein Konkurrent Luiz Adriano eine Rotsperre absitzt.

Luiz Adriano (31): im Jänner 2015 wechselte der ehemalige brasilianische Teamspieler ablösefrei vom AC Milan zu Spartak. In Saloniki holte er den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 0:2 heraus, ansonsten durfte er in dieser Spielzeit noch nicht anschreiben. Ließ sich im Rückspiel nach 33 Minuten zu einer Tätlichkeit hinreißen und darf die ersten 3 Spiele der Europa League darüber nachdenken.

 

Stärken und Schwächen:

4 der 8 Saisontore sind per Kopf nach Eckbällen gefallen – da muss Rapid Wien höllisch aufpassen. Auch ansonsten werden vermutlich viele Flanken in den grün-weißen Strafraum geschlagen werden.

Das Prunkstück ist das zentrale Mittelfeld mit Fernando, Zobnin und Glushenko.

Torhüter Maksimenko ist sicher sehr talentiert, aber mit 20 Jahren noch sehr jung und hat heuer bereits bei 2 von 5 Gegentreffern gepatzt.

Aufgrund der Verletzungen musste die Innenverteidigung bereits öfters umgebaut werden.

Der überragende Holländer Quincy Promes wurde verkauft und nicht ersetzt. Auch am rechten Flügel ist keine klare Nummer 1 erkennbar.

 

Meine Einschätzung:

Selbstverständlich ist die russische Liga höher einzuschätzen und Spartak Moskau Favorit. Fürchten wird sich Rapid jedoch nicht müssen.

8 Tore in 9 Spielen lassen nicht unbedingt ein Angriffsfurioso erwarten. Luiz Adriano ist gesperrt und Zé Luíz kein Goalgetter. Zudem ist mit dem Abgang von Linksaußen Quincy Promes eine riesengroße Lücke entstanden. Die beiden potentiellen Ersatzspieler wurden zwar um viel Geld verpflichtet, konnten sich allerdings noch nicht durchsetzen.

Durch die beiden Suspendierungen befindet sich die Mannschaft noch mehr in Unruhe und vor allem Glushakov ist schwer zu ersetzen.

In der Defensive trifft Rapid auf einen unroutinierten Torwart und eine durch Verletzungen neu zusammengestellte Innenverteidigung. Vor allem der Ausfall von Samuel Gigot schmerzt. In der Außenverteidigung bringt Spartak entweder ältere Semester mit sehr viel Erfahrung oder junge Spieler ohne.

Rapid Wien geht keineswegs chancenlos in dieses Spiel – bei allem Theater nach der unnötigen Derbyniederlage und dem schwachen Saisonstart. Dafür hat unser Kader zu viel Qualität. Sie muss nur abgerufen werden.

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