Spartak Moskau vs Rapid Wien – die Matchanalyse

Spartak Moskau gegen Rapid Wien die Matchanalyse

Rapid Wien gelingt die Sensation in Moskau! Wie hat Trainer Didi Kühbauer umgestellt? Was bedeutet das für das Endspiel in 2 Wochen? Wer konnte überzeugen?

 

Spartak Moskau – Rapid Wien – die Aufstellungen:

 

 

Spartak Moskau Ersatz: Maksimenko, Ananidze, Bocchetti, Samedow, Popov, Rasskazov

Rapid Wien Ersatz: Knoflach, Schobesberger, Schwab, Malicsek, Thurnwald, Auer, Guillemenot

 

Rapid Wien im 4-4-1-1:

Trainer Didi Kühbauer wirbelt die Startaufstellung gehörig durch. Für den erkrankten Mario Sonnleitner beginnt der genesene Maximilian Hofmann, Mateo Barac springt für Christopher Dibon ein. Rechter Verteidiger spielt Mert Müldür, links Marvin Potzmann. Mit der Doppelsechs Manuel Martic und Dejan Ljubicic war zu rechnen, mit Veton Berisha am rechten Flügel auch, mit Boli Bolingoli über links weniger. Christoph Knasmüllner mimt den offensivsten Mittelfeldspieler und verbannt Kapitän Stefan Schwab auf die Ersatzbank. Deni Alar macht auf Solostürmer.

 

Oleg Kononov bleibt beim 4-4-2.

Der russische Trainer verzichtet in seinem zweiten Spiel auf der Betreuerbank auf Rotation. Der brasilianische defensive Spielmacher Fernando darf natürlich nicht auflaufen, ist er doch wegen 3 gelber Karten gesperrt. Das ist mir im Vorfeld leider entgangen. Dadurch läuft der Eigentorschütze von Wien – Artem Timofeev – im Mittelfeld auf und soll gemeinsam mit Kapitän Denis Glushakov die Mitte dicht machen. Am rechten Flügel beginnt Lorenzo Melgarejo.

 

Das Spiel:

Obwohl in der heimischen Meisterschaft in einer Krise steckend, ersatzgeschwächt und gleich an 9 Positionen verändert, beginnt der österreichische Rekordmeister engagiert und offensiv eingestellt. Vor nur rund 20.000 Zuschauern vermisst die Heimmannschaft den gelb-gesperrten Brasilianer Fernando von Beginn weg. Rapid versucht hoch zu stehen und die Russen durch aggressives Pressing nicht ins Spiel kommen zu lassen. Das gelingt zwar nicht immer mit fairen Mitteln – 26 Fouls wird der kleinlich pfeifende polnische Schiedsrichter gegen die Gäste geben – erfüllt aber seinen Zweck.

Nach 4 Minuten putzt der gegen den LASK inferiore Mateo Barac erstmals erfolgreich aus, in der 8. Minute gibt Christoph Knasmüllner den ersten Torschuss ab, in der 12. Minute probiert sich Manuel Martic als Freistoßschütze. Vor allem im Spielaufbau hapert es bei den Moskowitern, da Rapid die Mitte durch die Doppelsechs hervorragend zustellt. Christoph Knasmüllner agiert dabei mit Deni Alar fast auf der selben Höhe und beide beackern die gegnerische Verteidigung.

Umso ärgerlicher ist die Führung von Spartak, die aus dem Nichts fällt. Trotzdem bleiben die Hütteldorfer ruhig und haben bereits Sekunden nach dem Rückstand die nächste Torchance. Das Heimteam begeht den Fehler, sich weiter hinten reinzustellen, anstatt auf das zweite Tor zu spielen. So bleiben Torchancen Mangelware. Vor allem der im linken Mittelfeld aufgebotene Boli Bolingoli ist ein Unruheherd und wird von Marvin Potzmann unterstützt, während auf der rechten Seite Mert Müldür erstaunlich offensiv agiert, aber Veton Berisha viel zu viele technische Fehler passieren. Auch wenn er sehr bemüht ist.

Mateo Barac und Manuel Martic holen sich bereits in der ersten Halbzeit gelbe Karten ab, eine dritte für Maximilan Hofmann wird folgen. Trotz der 26 Fouls von Rapid ist das Spiel nicht brutal.

In den ersten 5 Minuten nach dem Seitenwechsel wirkt Rapid unkonzentriert und der übliche Leistungsabfall nach der Pause ist zu befürchten. Die Mannschaft erfängt sich allerdings und bekommt in der 64. Minute neue Impulse durch einen Doppeltausch – Stefan Schwab und Philipp Schobesberger für Dejan Ljubicic und Deni Alar.

Beide Joker stechen – und wie! 2 Tore in der Rapidviertelstunde bedeuten einen wichtigen Sieg in der Europa League und Platz 2 in der Gruppe.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

10. Minute: Chance für Spartak:

Dejan Ljubicic kann einen hohen Pass der Russen an der eigenen Strafraumgrenze nicht unter Kontrolle bringen und verliert das Leder an Lorenzo Melgarejo. Der Ball landet bei Außenverteidiger Andrey Eshchenko, der mit Artem Timofeev einen Doppelpass spielt. Knapp vor dem Torout bringt der Außenverteidiger den Ball noch zur Mitte, Mateo Barac wehrt schlecht ab und Sofiane Hanni kann sich im Rapidstrafraum das Leder sichern. Seinen Pass leitet Artem Timofeev zu Lorenzo Melgarejo weiter, sein Schuss geht aber knapp am kurzen Eck vorbei.

18. Minute: Chance für Rapid:

Eine Kopfballvorlage von Deli Alar nimmt Boli Bolingoli mit dem linken Fuß halbvolley – der Ball senkt sich hinter der Latte über das Tor.

20. Minute: TOR für Spartak:

Der Spielzug beginnt mit einem Einwurf für Rapid auf der rechten Seite durch Mert Müldür. Manuel Martic versucht erst volley, dann per Kopf das Spiel in die gegnerische Hälfte zu verlagern – beide Male kommt der Ball postwendend zurück. Beim zweiten Mal sprintet Maximilan Hofmann aus der Viererkette heraus, um per Kopf den Ball gegen Sofiane Hanni zu klären. Das gelingt nicht, der Ball wird zu Lorenzo Melgarejo gepasst, der sofort in den frei gewordenen Raum spielt und Zé Luís einsetzt. Mert Müldür versucht noch mitzukommen, der Stürmer aus Kap Verde lässt sich jedoch nicht beirren und trifft zur Führung1:0!

21. Minute: Chance für Rapid:

Nur Sekunden nachdem das Spiel wieder aufgenommen wurde, wird Mateo Barac in der Vorwärtsbewegung nicht attackiert und stößt gemächlich in die gegnerische Hälfte vor. An der linken Grundlinie wird Marvin Potzmann angespielt, der sofort zu Boli Bolingoli weiterpasst. Auf Höhe der Strafraumgrenze legt der Belgier auf Deni Alar quer, dem der Schussversuch abreißt und von Veton Berisha Richtung Tor abgefälscht wird – Artem Rebrov hat wenig Probleme.

42. Minute: Chance für Spartak:

Einen Freistoß aus der eigenen Hälfte flankt Innenverteidiger Georgiy Dzhikiya weit in Richtung Rapidstrafraum. Die Flanke ist lange in der Luft, Mateo Barac und Maximilian Hofmann übergeben einander Zé Luís schlecht und der Stürmer legt für Luiz Adriano ab. Von der Strafraumgrenze jagt der Brasilianer ungehindert den Ball in den eiskalten Nachthimmel.

53. Minute: Chance für Spartak:

Der linke Außenverteidiger Dmitri Kombarov schlägt von der rechten Seite eine Freistoßflanke mit dem linken Fuß in den Strafraum. Richard Strebinger faustet den Ball viel zu kurz weg, Sofiane Hanni kann das Spielgerät noch im Strafraum sichern und auf das Tor bringen. Kurz vor der Torlinie rettet Mateo Barac für seine geschlagenen Vorderleute.

64. Minute: Chance für Rapid:

Eine weite Flanke von Mert Müldür versucht der russische Innenverteidiger Georgiy Dzhikiya an der Strafraumgrenze akrobatisch zu klären. Deni Alar stoppt sich den Ball im Strafraum und schließt nach einer Körperdrehung ab – genau auf Torhüter Artem Rebrov.

70. Minute: Dodelfanaktion Spartak:

Ein Denis Glushakov offenbar nicht allzu freundlich gesonnener Spartakfan flitzt auf das Feld, um den eigenen Kapitän zu attackieren. Der 31-jährige ehemalige Spieler von Lokalrivale Lok Moskau hat wenig Mühe, um sich diese Person vom Leib zu halten. Dennoch eine sehr seltsame Situation.

80. Minute: TOR für Rapid:

Der eingewechselte Stefan Schwab versucht sich mit einem Weitschuss, Andrey Eshchenko wehrt den Versuch mit dem Kopf ins Torout ab. Den folgerichtigen Eckball zirkelt der ebenfalls eingewechselte Philipp Schobesberger in die Mitte, eine Zuteilung findet in der russischen Defensive nicht statt und der vor allem von Lorenzo Melgarejo sträflich vernachlässigte Mert Müldür verlängert mühelos ins lange Eck1:1!

92. Minute: TOR für Rapid:

Exakt auf der Mittellinie kann sich Stefan Schwab den Ball sichern. Er wird von Artem Timofeev, dem eingewechselten Aleksandr Samedov und zuletzt auch noch Andrey Eshchenko attackiert, kann sich aber nicht nur durchsetzen, sondern spielt einen perfekten Pass in den Raum hinter der Abwehr und vor dem Torhüter. Philipp Schobesberger, vielleicht um Millimeter aus dem Abseits gestartet, ist schneller als Artem Rebrov, spitzelt den Ball am herauseilenden Torwart vorbei und schießt das Siegtor1:2!

 

Was war gut?

Von der Verunsicherung der letzten Spiele war trotz der zahlreichen Umstellungen nichts zu sehen. Im Gegenteil. Starkes Pressing, oft schon in der gegnerischen Hälfte, mit vielen Balleroberungen. Auch der Gegentreffer hat die Mannschaft nicht aus dem Konzept gebracht.

Den fast schon üblichen Einbruch nach dem Pausentee hat es nicht gegeben. Es ist eine konstant gute Leistung über 90 Minuten.

Minimal mehr Ballbesitz, 11 zu 4 Torschüsse und 26 zu 12 Fouls unterstreichen die tolle Leistung.

Erstmals seit mehr als einem Jahr (4:2 daheim gegen den WAC) hat Rapid wieder ein Spiel gedreht.

2 Tore in der Rapidviertelstunde.

2 Assists und 1 Tor von Wechselspielern.

Der Trainer hat sich bei der Aufstellung und den Wechsel etwas gedacht.

 

Was war nicht gut?

Der Gegentreffer war unnötig. Dieser Fehler ist aber in dieser Saison nicht zum ersten Mal passiert.

 

Fazit und Ausblick?

Endlich wieder einmal ein Erfolgserlebnis für die Mannschaft und die geschundene Fanseele. Am 13. Dezember steigt das Endspiel um den Aufstieg in das Sechzehntelfinale daheim gegen die Glasgow Rangers. Während den Wienern bereits ein Remis für den Aufstieg reicht, müssen die Schotten unbedingt gewinnen.

Das zweite Erreichen der KO – Phase nach 2015 wäre auch finanziell lukrativ. 4,53 Millionen Euro hat die Europa League bereits an Prämien (Startgeld, Punkteprämien, Solidaritätszahlung) gebracht. Der Aufstieg würde von der UEFA mit 500.000 Euro vergütet werden, der zweite Platz in der Gruppe ebenfalls. Schaffen die Hütteldorfer auch noch den Gruppensieg, wird das sogar mit 1 Million Euro belohnt. Dazu kommen noch die Anteile aus der Koeffizientenrangliste und dem Marktpool. Etwa 7,633 Millionen Euro soll Rapid Wien in der Saison 2015/16 an Prämien eingenommen haben. Mit einer ähnlichen Summe wäre bei einem Aufstieg zu rechnen.

Rapid muss nun den Schwung auch in die Meisterschaft mitnehmen. Allerdings darf man das Spiel gegen Spartak nicht einfach auf die Aufgabe in Innsbruck umlegen. War Rapid in Moskau krasser Außenseiter und der Bewerb eher Ablenkung vom tristen Ligaalltag, muss in Tirol gewonnen werden. Bei einem Sieg kännte Platz 6 wieder näher rücken, bei einer Niederlage droht der Absturz auf Platz 10.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Beim Tor schuldlos, eine Flanke schlecht abgewehrt, aber von Mateo Barac auf der Linie ausgebügelt. Ansonsten kaum gefordert.

Maximilian Hofmann:

Furchtbarer Bock vor dem Gegentor – wenn er die Viererkette verlässt, muss er den Ball haben. Sonst stabil.

Mateo Barac:

Kein Vergleich zu dem absurden Auftritt gegen den LASK. Ist aber immer noch lange nicht dort, wo er sein müsste.

Mert Müldür:

Mutige Performance des türkischen Teamspielers. Hat sich auch stark in die Offensive eingeschaltet und mit dem wichtigen Ausgleichstreffer.

Marvin Potzmann:

Viel besser als seine pomadigen Leistungen in letzter Zeit. Hat Boli Bolingoli nicht nur den Rücken freigehalten, sondern sich häufig ins Offensivspiel miteingebracht.

Dejan Ljubicic:

Der defensive Sechser. Offensiv ist kaum etwas gegangen. Für Stefan Schwab ausgewechselt.

Manuel Martic:

Sehr viele Ballkontakte und gutes Passspiel. Ein gelungener Auftritt des oft etwas grobschlächtig wirkenden Sechsers.

Christoph Knasmüllner:

Nicht nur optisch verändert, sondern auch mit einer kämpferisch starken Leistung.

Veton Berisha:

Aufgrund seiner technischen Mängel immer wieder mit unnötigen Ballverlusten. Zu schwach für dieses Niveau. Durch Manuel Thurnwald ersetzt.

Boli Bolingoli:

Wieder eine starke Performance des Belgiers. Dieses Mal auf der für ihn ungewohnten Position im linken Mittelfeld. Gute Idee des Trainers.

Deni Alar:

Schöner Drehschuss. Ein Torerfolg würde ihm gut tun. Weiter zweikampfschwach. Für Philipp Schobesberger ausgewechselt.

Stefan Schwab:

In der 64. Spielminute eingewechselt. Überraschend nicht in der Startelf und Kapitän. Anfangs mit einigen Fehlpässen, aber mit einem abgefälschten Weitschuss den Eckball zum Ausgleich herausgeholt und vor dem Traumpass zum Siegtreffer gegen drei Spartakspieler durchgesetzt.

Philipp Schobesberger:

Gemeinsam mit Stefan Schwab eingewechselt. Mit seinem unkonventionellen Spielstil hat er die Russen überrascht. Assist zum Ausgleich und den Siegtreffer erzielt!

Manuel Thurnwald:

10 Minuten durfte er mitwirken, zu einem Torabschluss hat es gereicht.

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