Sommertransferzeit 2018: Die Abgänge

Mit 31. August 2018 hat das Sommertransferfenster geschlossen. Eine Zeit hektischer Betriebsamkeit, wo eifrige Spielerberater ihre Schäfchen noch bis in die letzten Minuten und Sekunden zu besseren Vereinen mit lukrativeren Verträgen bringen wollen. Da kann es schon passieren, dass Spieler trotz eines gültigen Vertrags in den Streik treten, um doch noch die Freigabe zu erhalten.

Dass das Transferfenster in England heuer schon früher geschlossen hat, hat sich positiv auf den normalen Wahnsinn der letzten Stunden ausgewirkt. Häufig hat so ein Last Minute-Transfer einen ganzen Rattenschwanz an weiteren Transfers hinter sich hergezogen.

Auch der SK Rapid Wien war in der Vergangenheit vor solchen Entwicklungen nicht gefeit.

Stefan Maierhofer wurde am letzten Transfertag im Sommer 2009 noch nach Wolverhampton verkauft und durch Hamdi Salihi ersetzt – im Nachhinein für Rapid kein Nachteil.

Im Sommer 2010 erpresste Nikica Jelavic seinen Transfer zu den Glasgow Rangers, indem er sich Stunden vor dem Europacupmatch gegen Aston Villa weigerte, nochmals für Rapid Wien aufzulaufen.

Am 31. August im Sommer 2015 wurde der slowenische Stürmer Robert Beric zum französischen Erstligisten AS St. Étienne verkauft. Als Ersatz wurde aus der slowakischen Fortuna liga der Kroate Matej Jelic verpflichtet, der für MSK Zilina nach Belieben getroffen hatte. Daran konnte er bei Rapid nicht mehr anknüpfen. Auch der Schreiber dieser Zeilen ist sich sicher, dass in dieser Saison mit Robert Beric als Stürmer der Meistertitel möglich gewesen wäre. Er wurde aber verkauft.

In der Sommerübertrittszeit 2018 ist Rapid Wien von Last Minute-Transfers verschont geblieben. Um Boli Bolingoli gab es zwar Gerüchte, spätestens der Einzug in die Gruppenphase der Europa League ließ auch diese verstummen.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Abgänge dieses Sommers:

 

Wie ergeht es den Ex-Rapidlern bei ihren neuen Clubs?

 

Louis Schaub (23 Jahre alt):

Der Sohn des viel zu früh verstorbenen Fred Schaub spielte seit 2007 bei Rapid und durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaften. Mit 17 Jahren debütierte er bei der Kampfmannschaft und brachte es für den Rekordmeister auf 160 Bundesligaspiele mit 25 Toren und 24 Torvorlagen. In 14 Cupspielen kam er auf 8 Scorerpunkte und speziell im Europacup blühte der im deutschen Fulda geborene Offensivspieler regelmäßig auf. 7 Tore und 1 Vorlage in 20 Spielen der Europa League Gruppenphase, 6 Tore in 6 Qualifikationsspielen und zur knapp verpassten Qualifikation der Champions League 2015/16 steuerte er 3 Tore und einen Assist bei. Unvergessen bleibt seine Performance in Amsterdam mit 2 Treffern gegen Ajax.

Auch in der österreichischen Nationalmannschaft wusste Schaub zu gefallen. 5 Tore in 10 Einsätzen, obwohl er nur in einem Spiel über die volle Distanz gehen durfte, können sich sehen lassen.

Im Sommer nutzte der gerade aus der deutschen Bundesliga abgestiegene Traditionsverein 1. FC Köln eine Ausstiegsklausel in Schaubs Vertrag und lotste unsere Nummer 10 in die Karnevalsstadt. Von den kolportieren 3,5 Millionen Euro sollen aufgrund der Vertragssituation bloß 2,2 am Konto von Rapid gelandet sein.

Beim 1. FC Köln ist Louis Schaub Stammspieler und wurde sowohl beim Sieg im DFB-Cup beim BFC Dynamo als auch in allen 4 Spielen der zweiten deutschen Bundesliga eingesetzt. Beim 5:3-Sieg in St. Pauli explodierte seine Leistung und er steuerte 3 Torvorlagen zum Sieg bei. Nach 4 Runden ist der 1. FC Köln mit 10 Punkten Tabellenführer.

 

Giorgi Kvilitaia (24):

Der 1,93 m große Georgier zerschoss in der Saison 2015/16 die georgische Liga regelrecht, weswegen er in den Fokus von Rapid und Sportdirektor Andreas Müller geriet. Obwohl verletzt, wurde der damals 22jährige im August 2016 verpflichtet. In seiner Premierensaison in Hütteldorf verbuchte er in 35 Spielen 9 Tore und 5 Torvorlagen.

In der Spielzeit 2017/18 kam er aufgrund einer Adduktorenverletzung lange nicht in Schuss und erst gegen Ende der Saison konnte er mit 9 Treffern in 10 Bundesligaspielen sein Potential ausschöpfen. Die letzten beiden Spiele musste er jedoch wegen eines Knöchelbruchs auslassen. Dennoch kaufte ihn der belgische Erstligist KAA Gent aus seinem Vertrag. Die Ablösesumme dürfte zwischen 2-3 Millionen Euro betragen haben.

In der zweitgrößten Stadt Flanderns gelang ihm nach seiner Verletzungspause ein perfekter Einstand. Gegen Lokeren avancierte er Sekunden nach seiner Einwechslung zum Matchwinner und auch in seinen 5 Minuten Einsatzzeit bei Cercle Brugge steuerte er einen Treffer bei – 2 Tore in 8 Minuten!

In der Qualifikation zur Europa League war Girondins Bordeaux – wie erwartet – stärker, in der belgischen Jupiter Pro League ist Gent nach 6 Runden mit 13 Punkten Vierter.

Am Montag wurde bekannt, dass er sich mit einem Knochenbruch im Fuß erneut eine Verletzung zugezogen hat und ausfällt – Grünaufweiß wünscht ihm gute Besserung!

 

Lucas Galvao (27):

Der Brasilianer war erst im August 2017 aus Altach verpflichtet worden. Nachdem der Motor von Rapid Wien auch nach der vorhergegangenen Horrorsaison am Beginn stotterte, besserte Sportdirektor Fredy Bickel nach und verpflichtete kurzerhand Veton Berisha, Thanos Petsos und eben auch Verteidiger Galvao. Der als Innenverteidiger und linker Außenverteidiger einsetzbare Brasilianer sollte mehr Ruhe und Variabilität ins Spiel der Grün-Weißen bringen und ist vor allem aufgrund seiner Stärken im Aufbauspiel bekannt.

Obwohl nur 26 Bundesliga- und 2 Einsätze im Cup auf seiner Visitenkarte für Rapid stehen, wusste er aufgrund seines Spielstils das kritische Hütteldorfer Publikum zu überzeugen.

Schon bald nach seiner Verpflichtung kamen Gerüchte über mögliche Wechsel auf – letztendlich ging der Transfer im Sommer sehr schnell über die Bühne. Der deutsche Zweitligist FC Ingolstadt 04 sicherte sich für etwas über 2 Millionen Euro die Dienste des Brasilianers und er soll den Schanzern beim Projekt Aufstieg helfen.

In allen 5 Bewerbsspielen ging Lucas Galvao über die volle Distanz. Im Cup musste man sich jedoch überraschend in Paderborn geschlagen geben, in der Meisterschaft liegt man bloß auf Rang 12.

 

Mario Pavelic (24):

Der im burgenländischen Eisenstadt geborene Außenverteidiger wechselte 2009 in den Nachwuchs von Rapid. Sein Pflichtspieldebüt für die Kampfmannschaft erfolgte 2013 im Europacup gegen Asteras Tripolis und in der Meisterschaft kurz darauf in Wiener Neustadt.

Für den SK Rapid Wien absolvierte er 134 Spiele mit 6 Toren und 16 Torvorlagen.

Da sein Vertrag im Sommer nicht verlängert wurde, wechselte er zum kroatischen Spitzenclub HNK Rijeka, wo er in 6 Spielen 1 Tor und 1 Assist beisteuern konnte. Im Europacup war gegen den norwegischen Außenseiter Sarpsborg 08 Schluss. In der Meisterschaft rangieren die Hafenstädter an der Kvarner-Bucht nach 6 Runden auf Platz 3, 2 Punkte hinter Dinamo Zagreb.

 

Andreas Kuen (23):

Im Sommer 2014 wurde der talentierte Tiroler von Rapid verpflichtet. Immer wieder wurde der Offensivspieler von schweren Verletzungen zurückgeworfen, immer wieder kämpfte er sich zurück. Der Durchbruch bei Rapid blieb ihm jedoch versagt und sein Vertrag im Sommer nicht verlängert. Kurz nach seiner Vertragsunterschrift bei SV Mattersburg zog er sich seinen 3. Kreuzbandriss seiner noch jungen Karriere zu – auch ihm wünscht Grünaufweiß gute Besserung!

 

Matej Jelic (27):

Der Ersatz für Goalgetter Robert Beric konnte die hohe Erwartungshaltung bei Rapid nie erfüllen. Für rund 800.000 Euro von MSK Zilina verpflichtet, waren die Fußstapfen seines Vorgängers einfach zu groß. Die 9 Tore und 3 Vorlagen in 54 Spielen waren schlicht zu wenig. Auch eine Ausleihe zum heutigen Pavelic-Arbeitgeber HNK Rijeka blieb erfolglos.

Im Sommer wurde sein Vertrag aufgelöst und er wechselte in seine kroatische Heimat zu Slaven Belupo Koprivnica, wo ihm in 5 Spielen 1 Treffer gelungen ist. Der Verein aus der Stadt an der ungarischen Grenze liegt nach 6 Runden im gesicherten Mittelfeld der kroatischen Liga.

 

Maximilian Entrup (21):

Rapid Wien hat immer wieder Spieler mit Vergangenheit beim Stadtrivalen aus Favoriten – aktuell etwa Thomas Murg und Christoph Knasmüllner – verpflichtet. Dass jedoch ein aktives Mitglied der violetten Fanszene (Inferno) beim Block West keine Freude verursachen würde, hätte man bei den Verantwortlichen von Rapid zumindest erahnen können. So wurde diese Verpflichtung zu einem Drama mit lauter Verlierern.

Bei seinen 3 Kurzeinsätzen für die Kampfmannschaft durfte Entrup anschließend seine Kollegen nicht zum Jubel in die Kurve begleiten, der Verein stellte sich nur halbherzig hinter den eigenen Spieler und beim Auslaufen nach einem Europacupspiel wurde er von einem besonders großen Idioten mit einem Knallkörper beworfen.

Vor wenigen Tagen gab der österreichische Zweitligist SV Lafnitz die Verpflichtung des ehemaligen Nachwuchsteamspielers bekannt. Die kleine steirische Gemeinde belegt nach 6 Runden den 12. Platz und kämpft mit Ex-Rapidler Ferdinand Feldhofer als Trainer gegen den Abstieg.

 

Joelinton (22):

Joelinton Cassio Apolinário de Lira wurde im Sommer 2016 für 2 Jahre aus Hoffenheim ausgeliehen. Am hoch veranlagten Spieler schieden sich die Geister recht schnell – auf tolle Leistungen folgten stümperhafte Auftritte. In 79 Spielen für Rapid war er für 21 Tore und 9 Assists verantwortlich, eine durchaus ordentliche Bilanz. In wichtigen Spielen versagten ihm jedoch zu oft die Nerven und aufgrund der hohen Ablöseforderung von der TSG Hoffenheim stand eine fixe Verpflichtung nie im Raum.

Bei der TSG ist man mit seiner Entwicklung in Hütteldorf sehr zufrieden, im Cup in Kaiserslautern netzte er gleich dreimal und bereitete ein Tor vor, in der Meisterschaft durfte er gegen den FC Bayern und den SC Freiburg jeweils über die volle Distanz ran.

 

Thanos Petsos (27):

Der vierfache griechische Internationale ist ein Beleg dafür, dass nur ein Gulasch aufgewärmt gut ist. Bei seinem ersten Engagement bei Rapid war der gebürtige Düsseldorfer noch absoluter Leistungsträger, verlängerte jedoch seinen Vertrag im Sommer 2016 nicht und wollte sein Können in der deutschen Bundesliga bei SV Werder Bremen beweisen. Das gelang ihm nicht.

Bei seinen 21 Einsätzen nach seiner Rückkehr in der letzten Saison konnte er an seine früheren Leistungen nicht anschließen, weswegen Rapid von einem Transfer Abstand genommen hat. Bei Werder Bremen hat er keine Zukunft, sein Vertrag läuft noch bis Ende Juni 2019.

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