SKN St. Pölten vs. Rapid Wien – die Match-Analyse

Rapid Wien
Kantersieg in St. Pölten! War der Sieg auch verdient? Wie sind die Tore entstanden? Was war gut und wie geht es weiter?

 

SKN St. Pölten – Rapid Wien – die Aufstellungen:

SKN St. Pölten:

Gartler

Schütz   Mislov   Ljubicic R.   Fountas

Bajrami    Drescher    Luan    Meisl    Rasner

Riegler

Ersatz: Vollnhofer, Ambichl, Luxbacher, Vucenovic, Balic, Ingolitsch, Pak.

 

Rapid Wien:

Pavlovic

Ivan     Knasmüllner     Murg

Ljubicic D.    Grahovac

Bolingoli   Hofmann   Sonnleitner   Auer

Strebinger

Ersatz: Knoflach, Müldür, Schobesberger, Berisha, Potzmann, Badji, Alar.

 

Rapid Wien in einem 4-23-1. Zumindest am Papier:

Als rechter Außenverteidiger darf abermals Stephan Auer sein Können zeigen und verbannt den zuletzt erkrankten Marvin Potzmann auf die Ersatzbank. Die gesperrten Stefan Schwab und Manuel Martic werden wie erwartet durch Dejan Ljubicic und Srdjan Grahovac ersetzt. Den linken Flügel beackert Andrei Ivan statt Philipp Schobesberger, den rechten Thomas Murg statt Veton Berisha.

 

St. Pöltens geplantes 3-5-2 wird letztendlich zum 5-4-1:

Der Brasilianer Luan ist der Abwehrchef und wird von Daniel Drescher und Luca Meisl flankiert. Eldis Bajrami und Martin Rasner sollten sich am Flügel auch offensiv einschalten, im Endeffekt bilden sie zumeist eine Fünferabwehrkette. Im zentralen Mittelfeld sollen Robert Ljubicic und Roko Mislov die Löcher stopfen, am rechten Flügel Taxiarchis Fountas und über links Daniel Schütz Druck erzeugen. Als Solospitze fungiert Ex-Rapidler René Gartler.

 

Das Spiel:

7.195 Fans bedeuten den Rekordbesuch für die Gastgeber in dieser Saison. Die NV Arena ist allerdings deutlich in grün-weiß getaucht. Und die Fans sorgen von der ersten Minuten an für eine tolle Atmosphäre und zeigen, in welche Richtung das Spiel gehen soll.

Das von Trainer Ranko Popovic geplante 3-5-2 entpuppt sich bereits nach wenigen Minuten als defensives 5-4-1.

Sind die St. Pöltner am Ball bilden die Gäste – wie zuletzt auch – 2 Viererketten und davor versuchen Andrija Pavlovic und Christoph Knasmüllner zu stören.

Ist der SK Rapid in Ballbesitz, rückt die Mannschaft sehr hoch auf. Vor dem Innenverteidigerpaar Mario Sonnleitner und Jubilar Maximilian Hofmann (100. Bundesligaspiel) positionieren sich die beiden Sechser Srdjan Grahovac und Dejan Ljubicic und zeichnen sich für den Spielaufbau verantwortlich. Rapids Außenverteidiger Boli Bolingoli und Stephan Auer versuchen Druck über den Flügel zu erzeugen und legen ihr Spiel recht offensiv an.

Ex-Rapidler René Gartler soll als Stürmer zwar für Unruhe sorgen, ist aber zumeist alleine auf weiter Flur und somit wirkungslos. Die Viererkette im Mittelfeld der Heimmannschaft agiert sehr passiv und erzeugt wenig Druck auf die Gäste.

Das Spiel geht intensiv los – bereits nach 10 Sekunden pfeift Schiedsrichter Dominik Ouschan den ersten Freistoß für Rapid. Für ein taktisches Foul kassiert Thomas Murg in der 4. Spielminute eine Gelbe Karte. 4 Minuten darauf gibt Rapids Nummer 10 den ersten Torschuss ab – sein Versuch geht am langen Eck vorbei. Eine Minute später ein kurzer Aufreger: Taxiarchis Fountas geht nach einem Zweikampf im Strafraum mit Maximilian Hofmann und doppeltem Überschlag spektakulär zu Boden. Die Pfeife des Schiedsrichters bleibt jedoch nicht nur taub – wie ein ehemaliger Rapidtrainer in Rage gemeint hat – sondern auch stumm. Dominik Ouschan liegt dabei vollkommen richtig, denn Maximilian Hofmann spielt den Ball und die Einlage des Griechen ist nur für ausgewiesene Neymar-Fans ein Leckerbissen.

In Minute 16 spielt Srdjan Grahovac einen perfekten Pass hinter die gegnerische Viererkette auf Christoph Knasmüllner, dessen Schuss von Torhüter Christoph Riegler noch leicht berührt wird und über das Tor streicht. Den anschließenden Eckball tritt Thomas Murg und Andrija Pavlovic jubelt über seinen ersten Meisterschaftstreffer für die Hütteldorfer. Die Rapidfans stimmen “Magischer SCR” an.

Nach 2 tollen, durch Andrei Ivan und Andrija Pavlovic, vergebenen Torchancen fällt nach 35 Minuten Daniel Drescher bei einem Zweikampf auf den Fuß von Thomas Murg und der Rapidler wird verletzt ausgewechselt. Bis sein Ersatz Philipp Schobesberger das Spielfeld betritt, dauert es ein paar Minuten und die Heimischen haben nun ihre beste Phase im Spiel und ihre größte Torchance – der Schuss des im Nachwuchs von Rapid ausgebildeten Eldis Bajrami geht am Tor vorbei.

In dieser Phase erhöhen die Hütteldorfer kurz vor der Pause auf 0:2. Nach einem Fehlpfiff des Schiedsrichters erzielen die Gäste auch das zweite Tor aus einer Standardsituation.

 

Pausenstatistik:

Ballbesitz: 37:63%

Torschüsse: 5:7

Auf das Tor: 1:4

 

Zur Pause kommt Kwang-Ryong Pak für Daniel Schütz und soll noch den Umschwung aus der Sicht der Heimmannschaft bringen. Philipp Schobesberger flitzt nun am rechten Flügel und Andrei Ivan kehrt auf links zurück.

Die St. Pöltner beginnen ambitioniert und bereits wenige Sekunden nach Wiederbeginn schraubt sich der eingewechselte Nordkoreaner in die Höhe – sein Kopfball geht allerdings klar über das grün-weiße Gehäuse. Nur 2 Minuten später ist die Aufholjagd beendet. Ausgerechnet Kwang-Ryong Pak leitet einen Konter der Gäste ein, der überragende Philipp Schobesberger lässt Daniel Drescher wie einen Schulbuben stehen und seine Flanke vollendet Christoph Knasmüllner zu seinem zweiten Saisontor. Der dritte Kopfballtreffer an diesem Abend.

Nach 60 Minuten ist das Spiel für Dejan Ljubicic beendet – Mert Müldür betritt das Spielfeld und Stephan Auer wechselt ins defensive Mittelfeld.

8 Umdrehungen sind dem Sekundenzeiger gestattet, dann ist die Partie endgültig entschieden. Philipp Schobesberger findet das Knie von Mario Sonnleitner und schon ist der Innenverteidiger Rapids erfolgreichster Meisterschaftstorschütze.

Für die letzte Viertelstunde ersetzt Aliou Badji den starken Andrija Pavlovic, auf einen fünften Treffer hoffen die Gästefans vergeblich.

 

Spielstatistik:

Ballbesitz: 41:59%

Torschüsse: 12:13

Auf das Tor: 1:8

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

17. Minute: TOR für Rapid:

Nach schönem Pass von Srdjan Grahovac schließt Christoph Knasmüllner aus großer Distanz ab. Torwart Christoph Riegler ist noch mit den Fingerspitzen dran. Beim anschließenden Eckball von Thomas Murg setzt sich Stürmer Andrija Pavlovic gegen Daniel Drescher durch und bringt die Hütteldorfer in Führung – 0:1!

 

20. Minute: Chance für Rapid:

Nach einem Freistoß für die Heimmannschaft rollt der Konter über Dejan Ljubicic am rechten Flügel. Der 21jährige setzt seinen um 1 Jahr älteren Teamkollegen perfekt in Szene, da Martin Rasner das Abseits aufhebt. Der Rumäne ist jedoch alleine vor dem gegnerischen Schlussmann zu unschlüssig und kann ihn nicht überwinden.

 

29. Minute: Chance für Rapid:

Srdjan Grahovac im Spielaufbau mit einem seiner wenigen Fehler. Maximilian Hofmann und Mario Sonnleitner können den Konter gemeinsam unterbinden. Beim Abschlag des 32jährigen setzt sich Andrei Ivan per Kopf gegen Luca Meisl durch und der Ball gelangt in den Lauf von Andrija Pavlovic. Der serbische Stürmer versucht von außerhalb des Strafraums Torhüter Christoph Riegler zu überheben, sein gefühlvoller Lupfer geht am langen Eck vorbei.

 

41. Minute: Chance für St. Pölten:

Rapid steht in Unterzahl sehr defensiv und bekommt den Ball nicht weg. Der aufgerückte Luan sieht am linken Flügel Eldis Bajrami, dessen Schuss knapp am kurzen Kreuzeck vorbeigeht.

 

42. Minute: Abseitstor St. Pölten:

Ausgerechnet vom eigenen Bruder lässt sich Dejan Ljubicic den Ball tief in der eigenen Hälfte abluchsen. Der 19jährige Robert Ljubicic spielt in den Lauf von René Gartler, der Torhüter Richard Strebinger mit einem Gurkerl bezwingt. Allerdings hat sich der Routinier bei der Ballabgabe klar im strafbaren Abseits befunden. Korrekte Entscheidung des Schiedsrichterteams.

 

45. Minute: TOR für Rapid:

In der Hälfte der Niederösterreicher foult Maximilian Hofmann Stürmer René Gartler offensichtlich. Nicht für alle. Schiedsrichter Dominik Ouschan ahndet das aus dem Foul entstandene Handspiel des Routiniers zu Gunsten der Gäste. Eine Fehlentscheidung. Den Freistoß zirkelt Philipp Schobesberger in den Strafraum, Maximilian Hofmann setzt sich im Kopfballduell gegen Luan durch, Dejan Ljubicic reagiert gedankenschneller als Luca Meisl und gegen seinen Kopfball ist Torhüter Christoph Riegler machtlos – 0:2!

 

52. Minute: TOR für Rapid:

Ein langer Pass von Luca Meisl springt dem eingewechselten Kwang-Ryong Pak im Zweikampf mit Stephan Auer exakt in den Lauf von Philipp Schobesberger. Rapids Nummer 7 nimmt Fahrt auf, spitzelt das Spielgerät rechts an Daniel Drescher vorbei, umrundet ihn links, flankt in Richtung langes Eck, wo Luca Meisl zu spät kommt und Christoph Knasmüllner aus vollem Lauf per Kopf einnickt – 0:3!

 

65. Minute: Chance für Rapid:

Srdjan Grahovac spielt Philipp Schobesberger am rechten Flügel an, mit einer flachen Hereingabe wird Christoph Knasmüllner an der Strafraumgrenze freigespielt. Sein Schuss geht um Zentimeter am langen Eck vorbei.

 

68. Minute: TOR für Rapid:

Der eingewechselte Mert Müldür holt einen Eckball heraus. Philipp Schobesberger tritt an und mit dem Knie erzielt der im Strafraum ledig gebliebene Innenverteidiger Mario Sonnleitner sein viertes Meisterschaftstor – 0:4!

 

76. Minute: Chance für Rapid:

Philipp Schobesberger, mittlerweile wieder am linken Flügel zu finden, spielt einen Traumpass in den Strafraum auf Christoph Knasmüllner. Der 26jährige nimmt sich den schwierigen Ball gekonnt herunter, sein Heber landet jedoch auf der Latte. Pech!

 

Was war gut?

Zweiter Sieg in Folge und wieder kein Tor bekommen. Sogar nur einen einzigen Schuss auf das Tor zugelassen.

Die Handschrift des Trainers ist nun deutlich zu erkennen und die Mannschaft viel stärker als im Herbst.

3 Tore aus Standardsituationen. Dazu auch noch spielerisch stark.

3 Kopfballtore hat Rapid lange nicht mehr erzielt – auch das war eine große Schwäche im Herbst.

Das Glück scheint langsam wieder nach Hütteldorf zurückzukehren. Gegen Salzburg war es eine unnötige Ampelkarte nach einem Blackout, in St. Pölten hat ein Fehlpfiff vor dem zweiten Tor geholfen.

7.195 Fans haben auswärts für eine tolle Heimkulisse für Rapid gesorgt. Und das nach diesem schlechten Herbst. Ein Sieg gegen die Salzburger hat gereicht und schon ist das Feuer wieder entfacht.

 

Was war nicht gut?

Wenn man nach dem Haar in der Suppe sucht – 23 Minuten hätte die Mannschaft nach dem vierten Treffer noch Zeit gehabt, um für das Torverhältnis etwas zu tun. Das ist nicht geglückt. Es kann im Rahmen um die Qualifikation für das Meisterplayoff noch auf das Torverhältnis ankommen. Es wäre extrem ärgerlich, sollte Rapid deswegen daran scheitern.

 

Fazit und Ausblick?

Frei nach Wilhelm Busch lässt sich fragen: „Dieses was der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich?“ Am nächsten Sonntag muss der Aufwärtstrend in Mattersburg fortgesetzt werden. Mit einem Sieg besteht die Hoffnung auf ein Endspiel in der letzten Runde daheim gegen TSV Hartberg. Aber auch die Burgenländer haben ihre Chance auf das Meisterplayoff mit einem Sieg in Innsbruck am Leben erhalten.

Nur einen Schuss auf das Tor haben die Hütteldorfer zugelassen. Die Mannschaft wirkt defensiv stabilisiert, läuferisch und kämpferisch viel frischer als im Herbst und offensiv stärker. Die Qualität ist zweifelsfrei vorhanden. 4 verschiedene Spieler haben in der NV Arena getroffen. Das macht das Team noch schwerer ausrechenbar.

„Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!!“ heißt es auch bei „Max und Moritz“. Damit das nicht passiert, sind auch die Fans weiter gefragt. Mattersburg ist nicht weit. Jeder, der den SK Rapid im Meisterplayoff sehen möchte, ist gefordert, die Mannschaft auch im Pappelstadion kräftig zu unterstützen.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Ein gemütlicher Abend für den Torhüter. Auch mal fein.

Mario Sonnleitner:

Nicht ganz so dominant wie in den letzten Spielen. Mit Fehlern im Spielaufbau. Trotzdem gut.

Maximilian Hofmann:

Hervorragende Leistung des 25jährigen in seinem Jubiläumsspiel. Einen Treffer vorbereitet und sein Ferserl hätte sich ein Tor verdient. Sehr stark!

Stephan Auer:

Solide Leistung des Routiniers. Erst als Außenverteidiger, dann als Sechser.

Boli Bolingoli:

Im Spielaufbau mit Fehlern, dafür defensiv stark. War aber insgesamt nicht ganz seine Partie.

Srdjan Grahovac:

119 Ballaktionen und 101 Pässe gespielt. Davon 62 in der gegnerischen Hälfte. Trotzdem mit einer Passquote von 91,1%. Sehr starke Leistung des Rückkehrers.

Dejan Ljubicic:

Hat mit dem Bosnier das Zentrum defensiv dicht gehalten und auch offensiv für Akzente gesorgt. Mit 92,1% die höchste Passquote aller Rapidler. Die Chance von Andrei Ivan vorbereitet. Der Ballverlust vor dem Abseitstor ausgerechnet gegen seinen Bruder hätte ins Auge gehen können.

Thomas Murg:

Schnell eine Gelbe Karte kassiert, schnell den ersten Torschuss abgegeben, schnell das erste Tor vorbereitet und schnell nach einer Verletzung ausgetauscht. Seine Beteiligung am Spiel war kurz, aber intensiv.

Christoph Knasmüllner:

Gutes Match des offensiven Mittelfeldspielers. Ein Tor erzielt und mit 3 Torschüssen sehr aktiv.

Andrei Ivan:

Der Rumäne war auch sehr aktiv, seine Chance alleine vor Torhüter Christoph Riegler hat er kläglich vergeben.

Andrija Pavlovic:

Endlich hat der Serbe sein erstes Meisterschaftstor erzielt. Auch ansonsten eine gute Leistung des Stürmers. Viele Wege gegangen, Bälle behauptet und verteilt. Es wird.

 

Philipp Schobesberger:

Mann des Spiels. 2 Tore direkt vorbereitet und einmal Assist-Assistgeber. Zudem auch noch den Lattenschuss vorbereitet. So muss Schobi!!!

Mert Müldür:

Hat den Eckball vor dem vierten Treffer herausgeholt.

Aliou Badji:

Braucht mehr Spielzeit. Konnte keine Akzente setzen.

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