SCR Altach vs. Rapid Wien – Die Matchanalyse

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Rapid gibt eine zweimalige Führung aus der Hand! Erste Halbzeit hui, zweite pfui – was ist schief gelaufen? In welcher Formation und mit welcher taktischen Ausrichtung hat Didi Kühbauer seine Spieler aufgestellt? Was kann Rapid nun tun?

 

SC Rheindorf Altach – Rapid Wien – die Aufstellungen:

Altach:

Gatt      Grbic

Fischer              Nutz

Schreiner                    Müller                 Gebauer

Luckeneder       Piesinger     Oum-Gouet

Kobras

Ersatz: Lukse, Lienhart, Dobras, Meilinger, Mwila, Gubari, Karic.

Rapid Wien:

Pavlovic

Knasmüllner

Ivan        Schwab      Martic      Murg

Bolingoli Barac Sonnleitner Potzmann

Strebinger

Ersatz: Haas, Müldür, Malicsek, Kostic, Alar, Ljubicic, Guillemenot.

 

Didi Kühbauer stellt auf ein 4-4-1-1 um:

Der Rapidtrainer schickt sein Team mit zwei, auf einer Höhe spielenden, dicht gestaffelten Viererketten auf das Spielfeld. An vorderster Front stürmt der Doppeltorschütze von Wolfsberg Andrija Pavlovic, dahinter Christoph Knasmüllner.

Wie erwartet, ersetzt der zuletzt schwächelnde Mateo Barac, den mit einer Gehirnerschütterung ausfallenden Christopher Dibon. Als rechter Außenverteidiger kommt statt Mert Müldür Marvin Potzmann zum Einsatz, im defensiven Mittelfeld Manuel Martic für den auch nicht hundertprozentig fitten Dejan Ljubicic. Da auch Andrei Ivan angeschlagen ist, kommt Veton Berisha am linken Flügel zu seinem Comeback.

 

Werner Grabherr setzt auf ein 3-5-2.

Der 33jährige Trainer der Altacher stellt gegenüber der Cuppleite gegen den LASK an mehreren Stellen um.

Im Tor steht Kapitän Martin Kobras statt Andreas Lukse. Drei gelernte Innenverteidiger bilden die defensive Dreierkette. Der erst 19jährige Valentino Müller macht das defensive Mittelfeld dicht und im Halbfeld vor ihm agieren Stefan Nutz und Manfred Fischer. Flankiert werden sie links von Emanuel Schreiner und rechts Christian Gebauer, der offensiv stärker ist. In der Rückwärtsbewegung lassen sich die beiden Außenspieler in eine Fünferkette zurückfallen. Das Sturmduo bilden der agile US-Amerikaner Joshua Gatt und U21-Teamspieler Adrian Grbic.

 

Das Spiel:

War es in Mattersburg noch eine Raute im Mittelfeld, setzt Didi Kühbauer nun auf zwei dicht gestaffelte Viererketten, die situativ verschieben. Pressing wird von den Altachern unterlassen, kommen aber auch nicht richtig ins Spiel. Rapid attackiert zumeist den Ballführenden mit einem Spieler, stellt die ohnehin schon dichten Räume zu, lauert auf Fehler und schaltet schnell um.

Folgerichtig geht Rapid rasch in Führung und hätte sie ausbauen müssen. Erst eine Fehlentscheidung und dann eine Schlamperei bringen die bis dahin komplett ungefährlichen Altacher zurück ins Spiel.

Nach dem 1:1 stellt Trainer Werner Grabherr in der Dreierkette um, Simon Piesinger geht auf die rechte Seite, Samuel Oum-Gouet verteidigt nun zentral. In der Pause ersetzt der 21jährige Emir Karic den schwachen Emanuel Schreiner.

Kurz vor dem Seitenwechsel gelingt Rapid die abermalige Führung und in der Pause ist die Stimmung unter den Fans zuversichtlich. Doch statt des schnellen 1:3 muss Rapid den Ausgleich hinnehmen. Danach geht fast nichts mehr. Altach wartet nun clever auf die Fehler der Hütteldorfer und schaltet schnell um. Und profitiert von der zunehmenden Passivität der Rapidler.

In den letzten Minuten nehmen die Gäste das Tempo aus dem Spiel und versuchen, wenigstens den einen Punkt aus dem Ländle mitzunehmen. Das gelingt.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

04. Minute: Chance für Rapid: Mario Sonnleitner blockt eine versuchte Hereingabe von Adrian Grbic. Der Ball gelangt zu Christoph Knasmüllner, der das Spielgerät schön abdeckt und zu Kapitän Stefan Schwab weiterverarbeitet. Mit einem perfekt getimten Pass in die Tiefe setzt er Stürmer Andrija Pavlovic ein, der sich im Laufduell mit Felix Luckeneder durchsetzt und nach einem Haken in die Mitte zieht. Sein Schussversuch geht knapp über das Gehäuse der Altacher.

 

09. Minute: TOR für Rapid: Nachdem zuvor schon Veton Berisha, nach Pass von Andrija Pavlovic, die Chance aus spitzem Winkel auf die Führung vergeben hat, kommt es zum Eckball. Von links tritt wie gewohnt Christoph Knasmüllner an und zirkelt den Ball mit dem rechten Fuß Richtung erste Stange. Dorthin hat sich Mario Sonnleitner bewegt und dabei Bewacher Valentino Müller abgeschüttelt. Emanuel Schreiner versucht noch auf den Kopfball zu gehen, kommt jedoch zu spät und unser Innenverteidiger versenkt das Leder gekonnt im langen Eck. 0:1!

 

22. Minute: Abseitstor von Rapid: Folgend auf einen Eckball landet der Ball bei Linksverteidiger Boli Bolingoli. Der Belgier flankt in den Strafraum auf den noch aufgerückten Goalgetter Mario Sonnleitner und der Routinier schnürt vermeintlich den zweiten Doppelpack seiner Karriere. Leider sieht der Schiedsrichterassistent eine Abseitsstellung wo keine ist und versagt Rapid den regulären Treffer.

 

27. Minute: Chance für Rapid: Nach einer Flanke von Veton Berisha Richtung zweiter Stange setzt sich Christoph Knasmüllner im Kopfballduell gegen den um 9 cm größeren Felix Luckeneder durch. Der zu schwache Versuch geht knapp am kurzen Eck vorbei, Torhüter Martin Kobras wäre wohl zur Stelle gewesen.

 

32. Minute: TOR für Altach: Einen seitlichen Rückpass von Thomas Murg nimmt Stefan Schwab schlampig an. Sein Rettungsversuch landet bei Joshua Gatt, der zweifache Teamspieler nimmt Tempo auf und dribbelt nach links in den Strafraum. Dabei umrundet er an der Toroutlinie Mario Sonnleitner, der auf ein Elfmeterfoul verzichten will und legt den Ball zurück. Aus sieben Meter Entfernung kann der mitgesprintete Mittelfeldspieler Manfred Fischer ohne Probleme vollenden. Boli Bolingoli hat ihn zwar begleitet, verpasst es aber, ihn entscheidend zu stören. 1:1!

 

42. Minute: TOR für Rapid: Stefan Schwab sichert in der eigenen Hälfte am linken Flügel den Ball und passt zu Boli Bolingoli. Zwischen zwei Altacher Mittelfeldspieler hindurch setzt er Christoph Knasmüllner ein, der sich schön in den freien Raum vor der gegnerischen Viererkette bewegt hat. Der 26jährige spielt einen perfekten Lochpass auf Thomas Murg, der sich von Emanuel Schreiner freigelaufen hat. Da Simon Piesinger das Abseits aufhebt, kann der gebürtige Voitsberger Torhüter Martin Kobras umrunden und mit dem linken Fuß zur neuerlichen Führung abschließen – 1:2!

 

46. Minute: Chance für Rapid: Nur wenige Sekunden ist die zweite Halbzeit alt und Altach bekommt in der Verteidiung den Ball nicht weg. Einen Fehlpass von Christian Gebauer nimmt Manuel Martic an und zieht mit rechts aus 25 Meter ab. Mit Mühe fischt der Torhüter den Ball aus dem Kreuzeck und wehrt ihn im zweiten Versuch zur Strafraumgrenze ab. Dort wartet Christoph Knasmüllner, dessen Schussversuch von Verteidiger Felix Luckeneder ins Torout abgewehrt werden kann.

 

48. Minute: TOR für Altach: Marvin Potzmann offenbart bei der Ballannahme in der Hälfte der Altacher technische Schwierigkeiten und verliert das Spielgerät. Die Altacher kombinieren gefällig in die Hälfte der Gäste. Innenverteidiger Mateo Barac verlässt die Viererkette, um ungestüm und zu langsam Stefan Nutz zu attackieren. Der Ball landet bei Valentino Müller und der 19jährige verlagert das Kunstleder auf die rechte Seite zu Christian Gebauer. Der gelernte rechte Mittelfeldspieler spielt einen perfekten Pass in den von Mateo Barac verwaisten Raum zwischen Boli Bolingoli und Richard Strebinger. Der Rapidtorhüter legt sich beim Herauslaufen etwas zu früh hin, wodurch Manfred Fischer keine Mühe hat, den Ball zum Ausgleich über ihn drüber zu heben. 2:2!

 

70. Minute: Stangenschuss von Altach: Der eingewechselte Mert Müldür erkennt, dass Manuel Martic im Mittelfeld zu weit weg von Stefan Nutz steht. Beim Versuch dies zu korrigieren, kommt er, wie Mateo Barac zuvor beim Ausgleich, zu spät und reißt somit eine Lücke in der Viererkette auf. Stefan Nutz hat das Objekt der Begierde bereits blitzschnell nach links auf Kristijan Dobras weiter gespielt. Bei seiner Hereingabe setzt sich Adrian Grbic gegen Mario Sonnleitner durch, den Ball jedoch nur an die Außenstange.

 

74. Minute: Chance für Altach: Gegen viel zu passive Rapidler bauen die Altacher einen Angriff über ihre linke Seite auf. Emir Karic spielt einen Querpass zu Adrian Grbic. Dessen schlechte Ballannahme geht zu Stefan Nutz, der von Boli Bolingoli attackiert wird. Den liegen gebliebenen Ball schnappt sich abermals Adrian Grbic und setzt Manfred Fischer perfekt in Szene, der alleine vor Richard Strebinger zum Abschluss kommt. Der Rapidtorhüter ist dieses Mal länger stehen geblieben, macht seinen Körper breit und verhindert somit die Führung der Vorarlberger und den dritten Treffer des Altacher Mittelfeldspielers.

 

76. Minute: Chance für Rapid: Veton Berisha legt am rechten Flügel quer zu Stefan Schwab. Mit dem linken Fuß aus etwa 22 Meter versucht er Torhüter Martin Kobras zu bezwingen, der Ball senkt sich jedoch zu spät und geht über das Tor.

 

94. Minute: Chance für Rapid: In letzter Sekunde hat Rapid noch die Chance auf den Siegtreffer. Einen Freistoß von Stefan Schwab verlängert Manuel Martic per Kopf in den Strafraum. Auf den eingewechselten Deni Alar hat die Altacher Verteidigung vergessen und der Stürmer kommt knapp außerhalb des Fünfmeterraums mit einem Halbvolley zum Abschluss. Martin Kobras hat jedoch die Situation rechtzeitig erkannt, den Winkel verkleinert und kann parieren.

 

Was war gut?

Die erste Halbzeit. Speziell in den ersten 30 Minuten war Rapid drückend überlegen. Durch die Systemumstellung waren die Altacher harmlos, der Ausgleich ist aus einem individuellen Fehler entstanden. Ansonsten hatte Rapid Wien das Spiel fest im Griff und hätte die Führung ohne die falsche Abseitsentscheidung ausgebaut.

Die Eckbälle von Christoph Knasmüllner sind eine Waffe und sehr schwer zu verteidigen.

 

Was war nicht gut?

Die zweite Halbzeit. Die erste Minute noch ausgenommen. Nach dem schnellen Ausgleich waren die Rapidspieler sichtlich geknickt. Und einige nach 60 Minuten platt. Ab diesem Zeitpunkt sind die Spieler zumeist nur noch den eigenen Fehlern hinterhergelaufen. Eine schlechte Ballannahme hier, ein Fehlpass dort, Passivität statt Pressing und eine geistige und körperliche Müdigkeit hat den Gastgebern in die Karten gespielt. Die auch noch von der Bank Impulse setzen konnten. Bei Rapid wurde ein inferiorer Innenverteidiger ausgewechselt, ein formschwacher Stürmer hat den müden Einserstürmer ersetzt und am Ende wurde mit einem defensiven für einen offensiven Mittelfeldspieler das Ergebnis zu verwalten versucht.

 

Fazit und Ausblick?

Mit einem Auswärtssieg wäre der Rekordmeister am Wiener Erzrivalen vorbei gezogen und gleichauf mit den starken Hartbergern gewesen. Zudem der Rückstand auf Platz zwei verkürzt worden. Der Sieg wäre auch aufgrund der ersten Halbzeit verdient gewesen, aufgrund der zweiten Halbzeit jedoch nicht. Wieder einmal präsentieren sich die Hütteldorfer in zwei Halbzeiten vollkommen konträr. Herauszufinden, woran das liegt, wird die Primäraufgabe des neuen Trainers und seines Betreuerteams sein. Dass es konditionelle Ursachen hat, liegt auf der Hand, aber auch diese Leidenschaftslosigkeit nach Rückschlägen ist nicht erklärbar.

Auch die Unform einiger Spieler. Allen voran Mateo Barac, der von Spiel zu Spiel schwächer wird. Oder Stefan Schwab, den die Kapitänsschleife zu hemmen wirkt. Ein sensibles Thema, keine Frage, aber hier könnte Trainer Didi Kühbauer einen Impuls setzen und etwa Mario Sonnleitner als Kapitän einsetzen. Das Rapidler „Stehaufmandl“ überzeugt auf dem Platz mit einer viel positiveren Körpersprache.

Der Sprung in das Meisterplayoff wurde wieder verpasst und der Rückstand ist auf zwei Punkte angewachsen. Es sind nur noch neun Runden zu spielen und die Mannschaft wirkt nicht gerade druckresistent. Am Donnerstag geht es gegen den FC Villarreal um die Chance, international zu überwintern und vor der Länderspielpause folgt noch die Reise nach Wolfsberg. Danach ein kurzes Trainingslager irgendwo außerhalb Wiens einlegen, um den Kopf frei zu bekommen und das Teambuilding zu stärken, wäre keine verkehrte Idee.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Am 1:1 schuldlos. Beim 2:2 hat er sich zu früh hingelegt. Das steht allerdings am Ende einer langen Fehlerkette. Hat dann Rapid vor einer Niederlage bewahrt.

Mateo Barac:

Schwächster Mann bei Rapid. In der Spieleröffnung fünf haarsträubende Fehlpässe. Wenn sie im Nirvana landen, ist das ja noch weniger schlimm, aber ein Querpass in der eigenen Hälfte zum Gegner darf nicht passieren. Durch das ungestüme und unnötige Attackieren vor dem 2:2 hat er die entscheidende Lücke für den Gegner geöffnet. Nach 60 Minuten durch Mert Müldür ersetzt.

Mario Sonnleitner:

Erst rechter Innenverteidiger und nach der Auswechslung des Kroaten linker Innenverteidiger. Rechts fühlt er sich wohler und kann seine Schwächen im Spielaufbau eher kaschieren. Vor dem 1:1 war Joshua Gatt zu schnell für ihn, ansonsten war er zusätzlich damit beschäftigt, die Fehler seiner Kollegen auszubügeln.

Boli Bolingoli:

Hatet die meisten Ballaktionen des Spiels und versucht sich sehr aktiv ins Spiel einzubringen. Aber immer wieder mit Fehlern. Insgesamt defensiver als zuletzt. Die Achse Boli Bolingoli – Andrei Ivan funktioniert deutlich besser als das Zusammenspiel mit Veton Berisha.

Marvin Potzmann:

Ebenfalls mit sehr vielen Ballaktionen. Durch einen technischen Fehler bei der Ballannahme hat er den zweiten Gegentreffer eingeleitet. Wenn Thomas Murg in die Mitte gezogen ist, hat er ihn hinterlaufen, seine Hereingaben waren jedoch ungefährlich.

Manuel Martic:

Wiederum guter Passgeber. Bei den Tacklings agiert er zu langsam, weswegen er öfters zu Fouls greifen muss. Schöner Schuss kurz nach der Pause.

Stefan Schwab:

Starker Beginn. Seine schlampige Ballannahme in der eigenen Hälfte hat das 1:1 eingeleitet. Wirkte nach 60 Minuten platt und insgesamt außer Form.

Veton Berisha:

Für Andrei Ivan eingesprungen. Er läuft viel, es aber nicht bei ihm. Immer wieder im Abseits.

Thomas Murg:

Stark im Zusammenspiel mit Christoph Knasmüllner. Beim Tor zum 1:2 mit einem schönem Laufweg und fast wäre eine Kopie – in umgekehrter Reihenfolge – vom dritten Tor beim WAC geglückt.

Christoph Knasmüllner:

Wenn er von Rapids linker Angriffsseite mit dem rechten Fuß zum Eckball antritt, brennt es im gegnerischen Strafraum lichterloh. Auch den zweiten Treffer hat er mit einem perfekten Lochpass aufgelegt. Nach dem Ausgleich war auch von ihm nicht mehr viel zu sehen und wurde in der 80. Minute zur Absicherung des Unentschiedens durch Dejan Ljubicic ersetzt.

Andrija Pavlovic:

Nach vier Minuten mit dem ersten Ausrufezeichen. Solange er die Kraft hatte, war er sehr fleißig und hat auch defensiv ausgeholfen. Mit Fortdauer des Spiels ist er in der Versenkung verschwunden und wurde nach 73 Minuten von Stürmerkollegen Deni Alar abgelöst.

Mert Müldür:

Mit einem ähnlichen Fehler wie Mateo Barac. Wenn er die Viererkette verlässt, um weiter vorne zu attackieren, muss er den Ball auch haben. Daraus resultierte der Altacher Stangenschuss.

Deni Alar:

Konnte dem Offensivspiel wenig Impulse geben. In der 94. Minute mit der Chance auf das grünweiße Happy End.

Dejan Ljubicic:

Wurde, um den einen Punkt abzusichern, eingetauscht.

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