Salzburg vs. Rapid – Spielvorschau

Schlager der Runde zwischen den beiden erfolgreichen Europacupfightern! Im Europacup hui, in der Meisterschaft pfui – kann Rapid die positive Energie vom Triumph gegen Spartak Moskau in die Meisterschaft mitnehmen? Stellt Goran Djuricin abermals um?

 

Ausgangssituation:

In Wals Siezenheim trifft im Rahmen des Spitzenspiels der 8. Meisterschaftsrunde der aktuelle Meister RB Salzburg auf den Rekordmeister SK Rapid Wien. Selten waren die Voraussetzungen schon zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaft größer als dieses Mal.

Mit 7 Siegen aus 7 Spielen ziehen die Salzburger in der Tabelle jetzt bereits einsame Kreise. 5 Punkte beträgt der Vorsprung auf den zweitplatzierten LASK. Auch eine Punktehalbierung nach 22 Runden würde die Mozartstädter kaum aus der Ruhe bringen.

Bei Rapid Wien ist in der Meisterschaft der Wurm drin. 9 Punkte nach 7 Runden bedeuten nicht nur 12 Zähler Rückstand auf den Tabellenführer, sondern mit Rang 7 würde man aktuell auch das Meister-Playoff verpassen. Der Super-Gau für den Verein. Statt Kampf um Meistertitel, Europacupplätze und volles Stadion, Tristesse pur im Abstiegs-Playoff.

Rapid und Salzburg sind mit einem Erfolgserlebnis in die Gruppenphase der Europa League gestartet und haben gegen vermeintlich stärkere Gegner reüssiert. Zudem mit 0,8 Punkten die heuer bislang traurige Bilanz der UEFA-Fünfjahreswertung aufgebessert.

 

Gibt es bei Rapid nach den Europacupstrapazen Umstellungen?

Vermutlich nur wenige. Durch die nicht gerade gelungene Rotationen in den letzten Spielen ist Rapid erst in die unerfreuliche Lage in der Meisterschaft gekommen.

Vor allem die Rückkehr des verletzten Boli Bolingoli in die Startelf würde Rapids Chancen verbessern. Innenverteidiger Mert Müldür schlägt sich als rechter Außenverteidiger wacker, spätestens gegen Spartak Moskau wurden ihm aber seine Grenzen deutlich aufgezeigt. Abgesehen einmal davon, dass vor ihm Thomas Murg als rechter Flügel verhungert.

 

RB Salzburg 2017/18: Souveräner Meister, Cupfinalist und Halbfinalist der Europa League:

Mit dem SK Sturm hatte man lange Zeit einen hartnäckigen Konkurrenten. Letztendlich wurden die Salzburger mit 83 Punkten und 13 Zählern Vorsprung auf die Grazer souverän Meister. Die beste Heimmannschaft, das beste Auswärtsteam, die meisten Tore geschossen, die wenigsten erhalten und bloß 3 Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Dass Erfolg in der Meisterschaft nicht zwingend sexy macht, zeigen die Zuschauerzahlen, welche trotz der Erfolge im Europacup unter dem Wert der Vorsaison blieben.

Im Cup traf man erst im Halbfinale mit Mattersburg auf einen Bundesligaverein und konnte sich im Elfmeterschießen durchsetzen. Im Finale setzte sich Sturm Graz in der Verlängerung mit 1:0 durch.

Nach der üblichen Pleite in der Qualifikation zur Champions League begann eine denkwürdige Performance in der Europa League. In der Gruppenphase blieben die Salzburger unbesiegt und in der Folge wurden Real Sociedad, Borussia Dortmund und Lazio Rom nach teilweise unglaublichen Spielen aus dem Bewerb gekickt. Im Halbfinale gab es ein Wiedersehen mit Gruppenphasengegner Olympique Marseille – erst in der Verlängerung platzte der Finaltraum unglücklich.

 

Eine ruhige Transferzeit in Salzburg: Weniger Aderlass als erwartet:

Trotz der tollen Europacupsaison konnte Salzburg den Kader weitgehend zusammenhalten. Einzig Vizeweltmeister Duje Caleta-Car ließ man sich von Olympique Marseille vergolden und auch für Valon Berisha musste Lazio Rom tiefer in den Geldbeutel greifen. Die bereits verliehenen Valentino Lazaro und Dimitri Oberlin wurden von Hertha BSC und FC Basel fix verpflichtet, der Südkoreaner Hee-chan Hwang zum HSV in die zweite deutsche Bundesliga verliehen. Aufgrund der langen Verträge und der – weiter unerfüllten – Sehnsucht nach der Champions League konnten weiteren Wechselwünschen ein Riegel vorgeschoben werden.

Mit dem ablösefreien Zlatko Junuzovic von Werder Bremen ist den Salzburgern ein spektakulärer Transfer gelungen. Ansonsten wurde wieder in Perspektivspieler investiert und auch Ablösen bezahlt. Der 18jährige Erling Braut Haland stößt zwar erst im Winter zu Salzburg, hat sich aber bei Molde FK für höhere Weihen empfohlen. Der bereits ausgeliehene Jérome Onguéné wurde vom VfB Stuttgart fix engagiert, aus St. Gallen Innenverteidiger Jasper van der Werff verpflichtet und mit Darko Todorovic die rechte Außenverteidigerposition verstärkt. Aus der Leipziger Filiale stießen Torwart Philipp Köhn und Außenverteidiger Kilian Ludewig zum Verein – beide dürften aber vorerst für den komplett unabhängigen FC Liefering vorgesehen sein. Wie auch der erst 16jährige deutsche U17-Teamspieler Karim Adeyemi aus dem Nachwuchs von Unterhaching und dem Malier Ousmane Diakité.

 

Bilanz:

Inklusive Meisterschaft und Cup ist die Bilanz gegen den Brausekonzern in 53 Spielen deutlich negativ. 12 Siegen und 15 Unentschieden stehen gleich 26 Niederlagen gegenüber.

Der letzte Auswärtserfolg in der RB-Arena gelang Rapid Wien am 01. August 2015. Thanos Petsos und Stefan Schwab brachten die Hütteldorfer mit 0:2 in Führung, Dmitri Oberlin glückte nur noch der Anschlusstreffer. Von der damals erfolgreichen Mannschaft dürften Stefan Schwab und Mario Sonnleitner in der Startformation stehen, Stephan Auer auf der Ersatzbank Platz nehmen.

 

Marco Rose – ein Trainer made in RB:

Der RB-Konzern bildet nicht nur Spieler aus, sondern auch seine Trainer. Und das mit Erfolg, wie der 42jährige Leipziger, dessen aktive Spielerkarriere mit bescheidenem Erfolg verlief, beweist. Seine ersten Sporen als Cheftrainer verdiente er sich in der Regionalliga Nordost bei Lok Leipzig, danach wechselte er in die Nachwuchsabteilung von RB Salzburg.

Mit der U16 wurde er Meister. Mit der U18 zweimal und gewann die UEFA Youth League im Finale gegen die Nachwuchsmannschaft von Benfica Lissabon. Zuvor wurden mit dem FC Barcelona, Atletico Madrid, Paris St. Germain und Manchester City weitere namhafte Vereine aus dem Bewerb verabschiedet. Allesamt mit einer 4-3-1-2-Formation, die er jetzt auch erfolgreich bei der Kampfmannschaft von Salzburg umsetzt.

Mit der Saison 2017/18 beerbte er den erfolgreichen Spanier Óscar García und konnte seiner Trophäensammlung den österreichischen Meistertitel hinzufügen. Im Cupfinale scheiterte man in der Verlängerung an Sturm Graz, im Halbfinale der Europa League in der Verlängerung an Olympique Marseille.

 

Mögliche Aufstellungen:

Nachdem beide Mannschaften erst am Donnerstag international aktiv waren, verzichten wir auf Spekulationen bezüglich der eingesetzten Spieler. Dass Salzburg in einem 4-3-1-2 und Rapid in einem 4-2-3-1 beginnen wird, ist zu erwarten.

 

Meine Einschätzung:

RB Salzburg ist Favorit und Rapid derzeit in allen Belangen überlegen. Das Ausscheiden in der Champions League-Qualifikation gehört zu einer der wenigen RB-Traditionen, ansonsten stimmt die Infrastruktur, das Scouting und der Trainer.

Rapid Wien hat mit den Niederlagen beim LASK und im Derby heuer bereits Erfahrungen mit von RB Salzburg ausgebildeten Trainern sammeln dürfen. Es wäre an der Zeit, wenn der große Trainerstaff bei Rapid einen erfolgreichen Gegenplan entwickelt.

Chancenlos möchte ich Rapid dennoch nicht einschätzen, gerade gegen stärkere Gegner ist Rapid immer wieder über sich hinausgewachsen.

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