Rapids Bundesligasaison 2018/19 im großen GRÜN AUF WEISS-Check – Teil 2

 

Rapid Wiens eklatante Heimschwäche wurde in Teil 1 (http://gruenaufweiss.at/rapids-bundesligasaison-2018-19-im-grossen-gruen-auf-weiss-check-teil-1/) angesprochen. In Teil 2 widmet sich GRÜN AUF WEISS einem Thema, dem wir schon im Herbst unsere Aufmerksamkeit gegönnt haben und wollen es nun final in Zahlen gießen.

 

Teil 2 – Die schwache 2. Halbzeit:

Darüber, dass Rapid Wien in der Spielzeit 2017/18 nach den ersten 45 Minuten Meister gewesen wäre, haben wir euch hier berichtet (http://gruenaufweiss.at/rapid-wien-krise-teil-1/). Und auch über den Absturz in der zweiten Halbzeit. Nur noch Platz 5. Das hat aber zumindest immer noch den dritten Endrang bedeutet. Davon waren die Grün-Weißen heuer Lichtjahre entfernt.

 

Der Grunddurchgang: 3+11=8!

1. Halbzeit:Punkte:Torverhältnis:
Salzburg4022:6
LASK3815:10
Rapid Wien3516:11
Sturm Graz3211:8
Austria3015:10
SKN St. Pölten3011:15
WAC2714:14
Hartberg2213:17
Admira Wacker2210:16
Wacker Innsbruck207:13
Mattersburg207:15
Altach1911:17

 

2. Halbzeit:Punkte:Torverhältnis:
LASK4525:9
Salzburg4329:12
Mattersburg3321:21
Altach3119:15
SKN St. Pölten3115:14
Sturm Graz2815:15
Austria2814:18
WAC2718:17
Hartberg2722:28
Admira Wacker2216:26
Rapid Wien2110:18
Wacker Innsbruck1710:21

 

Gesamt:Punkte:Torverhältnis:
Salzburg5551:18
LASK4640:19
Sturm Graz3126:23
WAC3032:31
Austria3029:28
SKN St. Pölten3026:29
Mattersburg2928:36
Rapid Wien2726:29
Hartberg2635:45
Admira Wacker2126:42
SCR Altach1830:32
Wacker Innsbruck1717:34

 

Für Platz 1 nach 45 Minuten wie im Vorjahr hat es zwar nicht gereicht, aber nach 22 Runden immerhin noch für Rang 3. Mit 5 Punkten Rückstand auf den FC Salzburg. Auffällig: Unter den ersten 7 befinden sich alle 6 Mannschaften, die das Meisterplayoff erreicht haben. Die Basis für ein erfolgreiches Match wurde somit schon in den ersten 45 Minuten gelegt. Nur nicht im Westen Wiens.

Mit 9 Siegen – ebenso wie der FC Salzburg und LASK – 8 Remis und 5 Niederlagen hätten die Hütteldorfer bereits 8 Punkte Vorsprung auf Rang 7 herausgearbeitet gehabt. Zudem die zweitmeisten Tore erzielt und die viertwenigsten erhalten. Alles mehr als solide und kaum wer hätte gedacht, dass die Mannschaft noch so nachlassen könnte. Doch sie konnte.

Nimmt man nur die zweiten 45 Minuten, sieht es bitter aus. Diese Tabelle spuckt den österreichischen Rekordmeister auf Rang 11 und somit dem vorletzten Platz aus. 5 Siege, 6 Unentschieden und gleich 11 Niederlagen lautet die traurige Bilanz. Bloß 10 Tore – gleich wenig wie Schlusslicht Wacker Innsbruck – wurden in 22 zweiten Halbzeiten geschossen. Dafür 18 erhalten. Somit gingen in den zweiten 45 Minuten insgesamt 8 Punkte verloren, die für die Hütteldorfer aufgrund der starken ersten Halbzeit möglich gewesen wären. Zuviel, um sich für das Meisterplayoff zu qualifizieren.

Herausragend waren dabei die Salzburger: Die Bilanz von 9 Pausenführungen und 13 Unentschieden wurde nach dem Seitenwechsel noch in 17 Siege umgewandelt, bei nur einer einzigen Niederlage – ausgerechnet im Weststadion.

Als wahre Meister der Effizienz haben sich in dieser Hinsicht die Wolfsberger gezeigt – Platz 7 in der ersten und Platz 8 in der zweiten Hälfte ergeben für die Kärntner Rang 4. Als Stümper die Altacher, welche nach schwachen ersten 45 Minuten, trotz ansprechender Leistungen nach der Pause, sogar noch einen Punkteverlust in der Endabrechnung hinnehmen mussten.

 

Das Abstiegsplayoff: Verbessert!

1. Halbzeit:Punkte:Torverhältnis:
Rapid Wien158:4
Mattersburg154:3
Admira Wacker147:8
Wacker Innsbruck126:6
Altach104:5
Hartberg95:8

 

2. Halbzeit:Punkte:Torverhältnis:
Altach2314:7
Rapid Wien1714:11
Admira Wacker129:12
Mattersburg119:9
Wacker Innsbruck119:11
Hartberg118:13

 

Gesamt:Punkte:Torverhältnis:
Rapid Wien1922:15
Altach1918:12
Mattersburg1413:12
Wacker Innsbruck1215:17
Admira Wacker1216:20
Hartberg913:21

 

Im Abstiegsplayoff haben sich die Hütteldorfer verbessert gezeigt. Alle 3 Pausenführungen wurden auch gewonnen, 3 der 6 Halbzeitremis noch in Siege umgewandelt. Das kuriose Heimspiel gegen TSV Hartberg und das bedeutungslose Match daheim gegen SCR Altach gingen letztendlich verloren, dafür wurden in Vorarlberg in den letzten Minuten 2 Tore wett gemacht.

 

Das Europa-League-Playoff: Verschlechtert!

Das Halbfinale gegen SV Mattersburg war bereits nach wenigen Minuten entschieden – der 2:0-Endstand schon nach 13 Minuten besiegelt. Die zweite Halbzeit diente dann zwecks Kraft sparen der Verwaltung des Ergebnisses.

Im Finalhinspiel gegen Sturm Graz stand es zur Pause noch 0:0. Stefan Schwab gelang sogar die Führung, den Gästen das Spiel zu drehen. Auch auswärts fiel der Gästetreffer bereits in der ersten Halbzeit – nach der Pause konnten die Grazer die knappe Niederlage irgendwie über die Zeit retten.

 

Rapids Gesamtbilanz Halbzeit/Endstand:

Spiele:S/S:S/U:S/N:U/S:U/U:U/N:N/S:N/U:N/N:
GD:22531224014
AP:10300312001
EP:3200001000
=351031537015

Legende:

S = Sieg, U = Unentschieden, N = Niederlage

GD = Grunddurchgang, AP = Abstiegsplayoff, EP = Europacupplayoff

 

Das Problem im Grunddurchgang ist klar ersichtlich: Während es den Salzburgern gelungen ist, nicht nur alle 9 Halbzeitführungen, sondern auch 8 Unentschieden in Siege umzuwandeln, hat die Mannschaft des SK Rapid von 9 Halbzeitführungen bloß 5 über die Zeit gebracht. Den Altachern ist es in beiden Spielen geglückt, eine drohende Niederlage in Unentschieden umzuwandeln. Die Hartberger haben in Wien einen 2 Tore-Rückstand aufgeholt. Das Match in Wolfsberg ging sogar verloren. Nur 2 Pausenremis konnten gewonnen werden, gleich 4 mündeten in Niederlagen. Der WAC konnte 3 Halbzeitrückstände noch komplett drehen, die Hütteldorfer nicht einen einzigen.

Im Abstiegsplayoff ist es besser gelaufen, allerdings auch gegen schwächere Gegner. Im Europacupplayoff konnte keine einzige zweite Halbzeit „gewonnen“ werden.

 

Mögliche Ursachen:

Wenn etwas einmal passiert, mag es Zufall sein. Wenn aber die Mannschaft des SK Rapid Wien in 2 Spielzeiten hintereinander in der zweiten Halbzeit einen eklatanten Absturz erleidet, dann muss wohl mehr dahinterstecken. Was sind die möglichen Ursachen?

Mangelnde Fitness?

Diese Antwort liegt auf der Hand. Irgendetwas muss in der Trainingssteuerung vollkommen falsch gelaufen sein. Nicht umsonst hat Trainer Didi Kühbauer bereits im November Alexander Steinbichler als neuen Fitnesstrainer zurückgeholt. Zu oft haben die Spieler nach der Pause platt gewirkt. Auch die Spritzigkeit hat zu wünschen übrig gelassen. Glaubt man den Medienberichten, war der Vorgänger von Alexander Steinbichler die Empfehlung eines Politikers und Mitglied des Beirats. Und Ex-Trainer Gogo Djuricin mit der Trainingssteuerung spätestens seit letztem Sommer nicht mehr glücklich.

Zu viele Spiele?

53 Pflichtspiele in einem Jahr sind eine ganze Menge und hinterlässt selbstverständlich Spuren. Allerdings waren die Gruppenphase der Europa League und das Cupfinale ausdrückliches Ziel der Vereinsverantwortlichen – und natürlich auch der Fans. Einzig das Europacupplayoff war eher nicht eingeplant. Darauf muss man bei der Kaderplanung vorab Rücksicht nehmen – das schaffen andere Teams auch. Zumal ja auch kräftig rotiert wurde.

Fehlende Kaderdichte?

Bleiben wir gleich beim Thema Rotation. Der Kader hat nicht den Eindruck erweckt, dass alle Positionen qualitativ gleichwertig doppelt besetzt werden könnten. Einige Spieler konnten oder wollten die sich aufgrund der Rotation ergebenden Möglichkeiten zur eigenen Profilierung nicht nützen. Hier ist nun Geschäftsführer Sport Zoki Barisic gefragt.

Mentalitätsproblem?

Passiert im Spiel etwas Unvorhergesehenes, bricht die Mannschaft auseinander. Von echten Führungspersönlichkeiten war in der letzten Spielzeit wenig bis nichts zu sehen. Kapitän Stefan Schwab scheinen die Fußstapfen seines Vorgängers noch deutlich zu groß zu sein. Rapid Wien braucht weniger Mitläufer und dafür mehr echte Leader.

Kein Plan B?

Welche Wendungen das Spiel auch immer genommen hat, die Trainer Didi Kühbauer und Gogo Djuricin haben stur an ihrem 4-2-3-1 festgehalten. Selbst in den letzten bangen Minuten in Graz kam Stürmer Andrija Pavlovic für Stürmer Aliou Badji. Wie man anhand der aktuellen Vorbereitung sieht, versucht Didi Kühbauer nun endlich Abhilfe zu schaffen.

 

Fazit:

Gemeinsam. Kämpfen. Siegen.” heißt das Motto des SK Rapid Wien. Dafür müssen aber auch die notwendigen Grundlagen geschaffen werden.

Wenn die Mannschaft schon nach 45 Minuten so fertig ist, das sie in der Pause ein Sauerstoffzelt benötigen würde, kann sie in der zweiten Halbzeit nicht mehr nachsetzen.

Wenn die Ersatzbank zu schwach ist und/oder die Spieler nicht an sich glauben, können Spiele kaum noch in die richtige Richtung gedreht werden.

Wenn der Trainer keinen Plan B oder taktische Kniffe parat hat, kann auch von außen nur wenig bewegt werden.

An der Belastung durch zu viele Spiele wird es heuer nicht liegen. Dafür hat die Mannschaft leider selbst gesorgt.

 

Schreibe einen Kommentar