Rapids Bundesligasaison 2018/19 im großen GRÜN AUF WEISS-Check – Teil 1

Rapid Wien im Check

Bereits im November vergangenes Jahres hat sich das Team von GRÜN AUF WEISS auf Spurensuche über die Ursachen der sportlichen Krise des SK Rapid Wien begeben und dabei einige erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. Nun wollen wir nach dem Ende dieser verkorksten Saison nachlegen und das Spieljahr anhand einiger Statistiken aufarbeiten.

Wiederum gilt, dass nicht jedes Match durch Statistiken erklärbar ist, aber sich im Laufe einer kompletten Spielzeit Tendenzen herauslesen lassen, die kein Zufall sind. Zumindest sollten sie ergiebiger sein, als Ausreden wie Pech oder der Schiedsrichter war schuld.

 

Teil 1 – Die Heimschwäche:

Was haben AS Trencin, Austria Wien, WAC, Sturm Graz, FC Salzburg, SCR Altach, SKN St. Pölten, LASK, Inter Mailand und TSV Hartberg gemeinsam? Sie alle kennen das Gefühl, das Weststadion als Sieger zu verlassen. Mindestens einmal. Deutlich zu viele in nur 3 Saisonen. Über die Heimderbybilanz breiten wir sowieso den Mantel des Schweigens.

 

Der Grunddurchgang: Daheim pfui – auswärts noch mehr:

Heimtabelle:Punkte:Torverhältnis:
Salzburg2924:6
LASK2322:10
Austria1924:17
SKN St. Pölten1816:14
WAC1718:16
Sturm Graz1615:12
Rapid Wien1610:8
Hartberg1515:14
Mattersburg1514:20
Wacker Innsbruck117:13
Admira Wacker915:20
Altach717:19

 

Auswärtstabelle:Punkte:Torverhältnis:
Salzburg2627:12
LASK2318:9
Sturm Graz1511:11
Mattersburg1414:16
WAC1314:15
SKN St. Pölten1210:15
Admira Wacker1211:22
Altach1113:13
Rapid Wien1116:21
Austria115:11
Hartberg1120:31
Wacker Innsbruck610:21

 

Gesamt:Punkte:Torverhältnis:
Salzburg5551:18
LASK4640:19
Sturm Graz3126:23
WAC3032:31
Austria3029:28
SKN St. Pölten3026:29
Mattersburg2928:36
Rapid Wien2726:29
Hartberg2635:45
Admira Wacker2126:42
SCR Altach1830:32
Wacker Innsbruck1717:34

 

Mit lediglich 4 Heimsiegen, 4 Unentschieden und gleich 3 Niederlagen hat es nicht einmal in der Heimbilanz für die ersten 6 Teams der Tabelle gereicht.

Vor allem gegen die direkten Konkurrenten um das Meisterplayoff wurde im Weststadion furchtbar gepatzt. Niederlagen im Derby, LASK und SKN St. Pölten. Remis gegen WAC und Sturm Graz. Einzig der Frühjahrsauftakt gegen die Salzburger hat gezeigt, welches Potential in der Mannschaft schlummert. Auch wenn der Erfolg durch eine Rote Karte begünstigt wurde.

Zwar haben die Hütteldorfer die zweitwenigsten Tore erhalten, allerdings auch nur die zweitwenigsten geschossen. Bloß 10 Tore in 11 Spielen sind einfach nicht rapidwürdig. Der erreichte Punkteschnitt von 1,45 auch nicht.

Auswärts ist die Bilanz noch düsterer. 3 Siegen und 2 Punkteteilungen stehen 6 Niederlagen und ein Torverhältnis von 16:21 gegenüber.

Platz 7 daheim und Platz 9 auswärts konnten letztendlich nicht zur Qualifikation für die Top 6 und das Meisterplayoff reichen.

 

Das Abstiegsplayoff: Deutlich verbessert, aber nicht makellos:

Heimtabelle:Punkte:Torverhältnis:
Mattersburg118:2
Rapid Wien910:7
Altach810:10
Admira Wacker79:10
Hartberg67:9
Wacker Innsbruck66:9

 

Auswärtstabelle:Punkte:Torverhältnis:
Altach118:2
Rapid Wien1012:8
Wacker Innsbruck69:8
Admira Wacker57:10
Mattersburg35:10
Hartberg36:12

 

Gesamt:Punkte:Torverhältnis:
Rapid Wien1922:15
Altach1918:12
Mattersburg1413:12
Wacker Innsbruck1215:17
Admira Wacker1216:20
Hartberg913:21

 

2 zweite Plätze in der Heim- und Auswärtsbilanz haben nicht nur das Abstiegsgespenst in kürzester Zeit aus dem Westen Wiens vertrieben, sondern auch zu Platz 1 und somit der Qualifikation für das Europacupplayoff geführt.

Daheim durften die wenigen Fans 3 Heimsiege gegen Admira Wacker, SV Mattersburg und Wacker Innsbruck bejubeln. Die Heimniederlage gegen TSV Hartberg war neben vieler Eigentore auch Produkt einer eigenwilligen Regelauslegung des Unparteiischen. Die Pleite in der letzten Runde gegen SCR Altach Schonkost für den missglückten Sturm auf den Europacupstartplatz. Der Punkteschnitt ist im Abstiegsplayoff auf 1,80 angewachsen.

Auswärts konnte sogar 1 Zähler mehr eingefahren werden.

 

Das Europa-League-Playoff: 2 Siege und doch nichts erreicht:

Im Halbfinale gegen SV Mattersburg konnten die Rapidler die Weichen schnell auf Sieg stellen. Das Hinspiel des Finales gegen Sturm Graz wurde zum nächsten Selbstfaller. Nicht nur, dass die Führung leichtfertig aus der Hand gegeben wurde, setzte es sogar noch eine unnötige 1:2-Niederlage. Der eine Treffer im Rückspiel reichte zwar zum Sieg, aber nur noch zum Sturz in das Tal der Tränen.

 

Punkteschnitt der Rapid-Heimspiele im Vergleich:

Jahr:Heim:Auswärts:Endrang:
2018/191,561,417
2017/181,781,673
2016/171,720,835
2015/162,111,502
2014/151,941,782
2013/142,111,332
2012/131,671,503
2011/121,891,562
2010/111,721,225
2009/102,611,443
2008/092,331,562
2007/082,281,561
2006/072,060,834
2005/061,721,005
2004/052,501,441
1993/941,441,175

  

Die Basis für jede erfolgreiche Saison ist eine starke Heimbilanz. 2018/19 war sie ein Desaster. Lediglich 1,555 Punkte hat die Mannschaft des SK Rapid Wien in insgesamt 18 Heimspielen erwirtschaftet. 8 Siege, 4 Unentschieden und 6 Niederlagen sind zu wenig.

Den Rekord der letzten Jahre brachte die Spielzeit 2009/10 mit unglaublichen 2,61 Punkten pro Heimspiel – oder 15 Siege, 2 Remis und eine einzige Niederlage. In der Meistersaison 2004/05 waren es 2,50 Zähler pro Spiel. Um eine schlechtere Heimbilanz zu finden, muss man die Archive bis in das Spieljahr 1993/94 durchforsten. Da lag der Schnitt gar nur bei 1,44.

 

Mögliche Ursachen:

Als das Weststadion gebaut wurde, sollte eine echte Festung errichtet werden und an die legendäre Pfarrwiese und das Hanappistadion anschließen. Davon ist Rapid meilenweit entfernt. Einzig das entscheidende Heimspiel gegen Glasgow Rangers brachte heuer Gänsehautstimmung im Stadion, aber ansonsten war da nicht viel.

Einst schlotterten den Gegnern die Knie, wenn sie auswärts beim österreichischen Rekordmeister antreten mussten. Jetzt kann man sich von Altach über Hartberg bis hin zum Verteilerkreis Gedanken machen, wie hoch man gewinnt. Den Torhüter im Hütteldorfer Gehäuse zu bezwingen, geht einfach zu einfach.

Über die Ursachen lässt sich spekulieren.

Der schlechte Rasen?

Die Probleme mit dem oft holprigen Geläuf bestehen seit der Stadioneröffnung. Aber auch der Gegner muss sich auf dem Acker zurecht finden. Und fand sich zu oft besser.

Druck durch den Block West?

Es stimmt schon, dass heuer das Tischtuch zwischen den organisierten Fans und dem Trainer bereits nach wenigen Runden zerschnitten war und das für die Spieler nicht immer angenehm ist. Aber mit Verlaub, das sind Profifußballer mit – für österreichische Verhältnisse – gut dotierten Verträgen. Ein bisschen Druck und Kritik muss auszuhalten sein.

Zu wenig Fans?

Der Zuschauerschnitt geht seit dem Eröffnungsjahr kontinuierlich runter. Das ist aber den schwachen Leistungen der Mannschaft geschuldet. Kaum hatten die Fans auch nur einen Funken Hoffnung, sind sie wieder ins Stadion geströmt. Dass die Blamage mit dem Abstiegsplayoff viele Fans verprellen würde, war zu erwarten und ist verständlich. Wer möchte 40€ für ein Spiel gegen den Abstieg oder für ein Europa-League-Playoff-Halbfinale berappen?

  

Fazit:

Pech, Schiedsrichter, die vielen Spiele – vielleicht auch noch der Klimawandel und Chemtrails – die Ausreden für schlechte Ergebnisse waren heuer durchaus mannigfaltig. Und eigentlich war die Leistung zumeist eh ganz super und Rapid klar überlegen. Aber…

Das Weststadion muss – endlich – zu einer Festung werden. Zu einem Hexenkessel. Die gegnerischen Spieler müssen im Bus am Weg zum Stadion mit Respekt und Bange sitzen. Die Trainer sich Gedanken machen, wie sie ein Debakel verhindern können. Und wenn sie dann den Rasen betreten, soll ihnen die tolle Atmosphäre Sorge bereiten. Und nicht möglicher Pilzbefall.

 

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