Rapid Wien vs. Villarreal Club de Fútbol – die Matchanalyse

Rapid Villareal

Nullnummer im Weststadion gegen den spanischen Spitzenclub Villarreal! Welche Spieler hat Trainer Didi Kühbauer in die Startelf nominiert? Wer konnte bei Rapid überzeugen? Wie haben die Spanier ihr Spiel angelegt?

 

Rapid Wien – Villarreal – die Aufstellungen:

Rapid Villareal AufstellungVanderals

 

Rapid Wien zurück zum 4-2-3-1

Beim SC Rheindorf Altach war es ein 4-4-1-1, gegen die Spanier kehrt Trainer Didi Kühbauer zur altbewährten Formation zurück. Richard Strebinger soll seinen Kasten sauber halten. Christopher Dibon gibt für den zuletzt hoffnungslos überforderten Mateo Barac den linken Innenverteidiger neben Mario Sonnleitner. Rechter Außenverteidiger ist Mert Müldür, sein linkes Pendant Marvin Potzmann. Boli Bolingoli hat beim Auswärtsmatch nicht gerade brilliert und sitzt auf der Bank.

Auf der Sechs spielt wieder Dejan Ljubicic und verbannt Manuel Martic in die Warteschleife. Unterstützung erhält er von Kapitän Stefan Schwab. Thomas Murg ist dieses Mal auf der Zehn positioniert, seinen üblichen Platz am rechten Flügel übernimmt Veton Berisha, am linken Flügel darf Andrei Ivan das Leder streicheln. Andrija Pavlovic soll als Solospitze für die nötigen Tore sorgen.

 

Javier Calleja offensiv: 4-1-3-2 oder eher ein 3-4-3?

Angesichts der tristen Situation in der spanischen Meisterschaft setzt Javier Calleja nicht sein bestes Team ein, dennoch ist seine Elf auf Sieg eingestellt.

In einem 4-1-3-2 soll auch das Rückspiel gewonnen werden, das sich in der linkslastigen Vorwärtsbewegung häufig als 3-4-3 offenbart.

Im Tor spielt, wie in den internationalen Spielen üblich, Andrés Fernández. Die Innenverteidigung bilden der im Hinspiel verletzte Víctor Ruiz und der 37jährige Italiener Daniele Bonera. Mario Gaspar darf den rechten Außenverteidiger interpretieren, Alfonso Pedraza den linken – und wird es sehr offensiv anlegen. Der Argentinier Santiago Cáseres räumt im defensiven Mittelfeld auf und hält dem zweifachen Europameister Santi Cazorla den Rücken frei. Der mexikanische WM 2018-Teilnehmer Miguel Layún beackert den rechten Flügel, auf der linken Seite positioniert sich deutlich offensiver der Deutschitaliener Nicola Sansone. Daniel Raba und der 20 Millionen Euro-Einkauf Gerard Moreno sollen im Weststadion die Tore schießen.

 

Das Spiel:

Rapid Wien agiert wieder in einem 4-2-3-1. In der 3. Minute deutet Villarreal seine Gefährlichkeit an, in der 11. Minute gibt Andrei Ivan einen ersten Warnschuss für Rapid ab. Defensiv ist Rapid zu passiv und ohne Pressing, offensiv mit zahlreichen technischen Fehlern. Somit kommen die Spanier immer besser ins Spiel. Vor allem über ihre linke Seite rollen Angriff auf Angriff. Alfonso Pedraza ist zwar als Außenverteidiger nominiert, spielt aber am linken Flügel. Nicola Sansone gibt dafür den dritten Stürmer, wodurch die Spanier in der Vorwärtsbewegung als 3-4-3 zu erkennen sind. Bis zur Pause hält Torwart Richard Strebinger sein Team mit tollen Paraden im Spiel.

Die Einwechslung von Christoph Knasmüllner und der Pausentee oder die richtigen Worte des Trainers tun den Hütteldorfern sichtlich gut. Wie verwandelt steht der Rekordmeister nun am Platz. Der Gegner wird höher attackiert und angepresst, wodurch die Spanier zu Ballverlusten gezwungen werden. Christoph Knasmüllner bringt mehr Tempo ins Offensivspiel und sorgt für Unruhe bei den Gästen. Ähnlich ergeht es den Spaniern nach dem Eintausch von Toko Ekambi.

Mit der verletzungsbedingten Auswechslung von Christopher Dibon muss Didi Kühbauer die Viererkette komplett umbauen.

Bis zum Spielende bleibt Villarreal über die linke Seite sehr aktiv und hätte in letzter Sekunde beinahe noch den Lucky Punch geschafft. Insgesamt ist das Remis leistungsgerecht.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

15. Minute: Chance für Villarreal:

Bei einer der vielen Angriffe über die linke Seite setzt sich Alfonso Pedraza gegen Veton Berisha durch, sein Schuss wird jedoch von Mario Sonnleitner ins Torout geblockt. Beim anschließenden Eckball Richtung erster Stange setzt sich Mario Gaspar im Kopfballduell gegen Mert Müldür durch und verlängert den Ball. Von Mario Sonnleitner springt das Spiekgerät zu Gerard Moreno und der Stürmer legt zum außerhalb des Strafraums postierten Santiago Cáseres zurück. Bei seinem verdeckten Flachschuss taucht Richard Strebinger blitzschnell ab und kann den schwierigen Ball parieren.

20. Minute: Chance für Villarreal:

Abermals geht es über die linke Seite der Spanier. Alfonso Pedraza wird in der Rapidhälfte nur halbherzig von Veton Berisha unter Druck gesetzt. Nicola Sansone hat sich im Rücken von Mert Müldür freigelaufen, Christopher Dibon hebt das Abseits auf. Durch einen perfekten Lochpass kommt der Italiener alleine vor Richard Strebinger zum Abschluss – den Flachschuss kann der Torhüter zur Ecke abwehren.

24. Minute: Chance für Villarreal:

Nächster Angriff über links: Ausgangspunkt ist allerdings die rechte Seite von Villarreal. Rapid steht mit zwei dicht gestaffelten Viererketten viel zu tief in der eigenen Hälfte. Mit zwei Pässen verlagern die Spanier ihren Angriff auf die linke Seite, wo Veton Berisha, Mert Müldür und Dejan Ljubicic sehr passiv sind und sich ausspielen lassen. Nach mehreren Spielstationen landet der Ball wieder bei Alfonso Pedraza – seine flache Hereingabe hinter die Rapidviererkette findet auf der Höhe des Elfmeterpunkts Daniel Raba. Sein Schuss wird jedoch vom eigenen Mann – Nicola Sansone – gestört. Der Unterschenkel von Mario Sonnleitner lenkt den Ball Richtung Tor ab, Richard Strebinger kann erneut mit einem tollen Reflex abwehren.

33. Minute: Chance für Rapid:

Víctor Ruiz vertändelt am eigenen Strafraum den Ball. Andrija Pavlovic legt für den heranstürmenden Veton Berisha auf, der Norweger schließt aber aus zu spitzem Winkel ab – Torhüter Andrés Fernández lässt sich nicht übertölpeln.

53. Minute: Chance für Rapid:

Nach einem Foul an Christoph Knasmüllner reagiert Rapid blitzartig. Veton Berisha fordert am Flügel den Ball und nimmt Tempo auf. Stefan Schwab sieht ihn und flankt perfekt auf die rechte Seite in seinen Lauf. Fast schon von der Toroutlinie legt er in den Strafraum für Andrija Pavlovic auf. Der Serbe ist schneller als Víctor Ruiz am Ball und spitzelt das Runde hauchzart am langen Eck vorbei.

57. Minute: Chance für Rapid:

Christoph Knasmüllner fängt tief in der Rapidhälfte einen Querpass ab und leitet einen Konter über Stefan Schwab ein. Seine weite Flanke kann Andrija Pavlovic sichern. Er setzt sich rustikal gegen Víctor Ruiz durch, am herausgeeilten Andrés Fernández bringt er den Ball jedoch nicht vorbei.

70. Minute: Chance für Villarreal:

Auf der linken Seite vernascht Nicola Sansone Mert Müldür und schießt Richtung Strafraum. Der eingewechselte Kameruner Toko Ekambi stellt seinen Fuß dazwischen und fälscht aus kurzer Distanz über das Tor ab.

82. Minute: Chance für Rapid:

Einen hohen Ball von Stefan Schwab in den Strafraum wehrt Alfonso Pedraza nach vorne zur Strafraumgrenze ab, wo Christoph Knasmüllner lauert. Sein Schuss ist scharf, aber geht genau auf den spanischen Torhüter, der das Geschoss zur Seite klären kann.

84. Minute: Chance für Villarreal:

Einen langen Ball nimmt sich Toko Ekambi mit und geht an Marvin Potzmann vorbei. Sein Abschluss aus extrem spitzen Winkel geht ins Außennetz.

95. Minute: Chance für Villarreal:

Wieder ein langer Ball hinter die Rapidabwehr auf den schnellen Ekambi. Zwischen Richard Strebinger und Marvin Potzmann durch, legt er quer. Marvin Potzmann kann den Ball noch von der Torlinie kratzen.

 

Was war gut?

Einsatz und Mentalität haben vor einen tollen Kulisse, samt genialer Choreographie des Block West, gepasst. In der zweiten Halbzeit ist mit der Einwechslung von Christoph Knasmüllner mehr Tempo und spielerischer Leichtigkeit auf den Platz gekommen und Rapid Wien hat sich zu einem ebenbürtigen Gegner gemausert. Langsam lässt sich auch die Handschrift des neuen Trainers erkennen, es muss nun nicht mehr alles spielerisch gelöst werden. In der zweiten Halbzeit haben eher die Spanier müde gewirkt und Rapid auf den Sieg gespielt. Das haben die Fans in dieser Saison häufig anders erlebt.

 

Was war nicht gut?

Die erste Halbzeit war sehr bescheiden und Villarreal im Endeffekt in fast allen Belangen überlegen. Die Rapidspieler sind mit dem Pressing der Spanier überhaupt nicht zurecht gekommen und es gab auch kaum längere Ballstafetten. Vor allem die rechte Seite mit Mert Müldür, Veton Berisha und Dejan Ljubicic war viel zu passiv und folglich vollkommen überfordert. Von einem Mannschaftspressing war nichts zu sehen, sondern vielfach wurde nur der Raum zugestellt und auf Fehler gelauert. Durch die vielen Spielverlagerungen und die technische Qualität der Akteure, brachten sich die Spanier jedoch immer wieder in gefährliche Positionen.

 

Fazit und Ausblick?

Villarreal hat das Potential, in der stärksten Liga der Welt unter den Top 6 zu landen. Und dementsprechende finanzielle Möglichkeiten. Somit darf man das Unentschieden als Erfolg verbuchen.

Nachdem Rapid offenbar nur eine starke Halbzeit spielen kann, ist es vermutlich besser, wenn es die zweite ist. Die Fans hätten wohl in umgekehrter Reihenfolge weniger positiv reagiert.

Durch das Remis und dem gleichzeitigen Sieg von Spartak Moskau gegen Glasgow Rangers sind die Hütteldorfer auf den letzten Platz der Gruppe G zurückgefallen. Allerdings nur 2 Punkte hinter Tabellenführer Villarreal. Möchte Rapid Wien auch am letzten Spieltag noch eine Chance auf den Aufstieg haben, darf in Russland nicht verloren werden. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man einen Blick auf die bisherigen Auswärtsleistungen in dieser Europacupsaison wirft. In vier Versuchen mussten die Grün-Weißen vier Niederlagen einstecken.

In der Meisterschaft geht es am Sonntag gleich sehr fordernd weiter. Der WAC mit Trainer Christian Ilzer wird wohl seine Lehren aus der Cuppleite gezogen haben und den Erfolgslauf der Lavanttaler prolongieren wollen. Rapid Wien fehlen aktuell zwei Punkte auf das Meisterplayoff und es sind nur noch neun Runden zu spielen. Der Druck steigt.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Mit solchen Leistungen empfiehlt er sich für höhere Weihen.

Christopher Dibon:

Erst von einer Verletzungspause zurückgekehrt und nach 75 Minuten wieder angeschlagen ausgetauscht. Hat die linke Seite dicht gemacht.

Mario Sonnleitner:

In der ersten Hälfte haben die Spanier sehr viel Druck – vor allem über ihre linke Seite – aufgebaut. Mit dem nötigen Glück und sehr viel Einsatz hat unser Abwehrchef die Defensive zusammengehalten.

Mert Müldür:

Wieder als rechter Außenverteidiger aufgeboten. Sehr viele Angriffe wurden über seine Seite aufgebaut, dementsprechend eine sehr herausfordernde Partie für den 19jährigen. In der ersten Halbzeit komplett überfordert, in der zweiten etwas offensiver. Die letzten 15 Minuten durfte er auf seiner Stammposition verbringen.

Marvin Potzmann:

Bis zu der Umstellung wegen der Verletzung von Christopher Dibon als linker Außenverteidiger im Einsatz und defensiv zwar wenig geprüft, aber dann bärenstark. Mit einer hervorragenden Abwehr hat er Rapid Sekunden vor dem Schlusspfiff vor der Niederlage bewahrt.

Dejan Ljubicic:

In der ersten Halbzeit ist das Spiel größtenteils an ihm vorbei gelaufen. In der zweiten Hälfte konnte er sich – wie der größte Teil der Mannschaft – deutlich steigern.

Stefan Schwab:

War an beiden Torchancen von Andrija Pavlovic maßgeblich beteiligt. In der ersten Halbzeit ist ihm wenig gelungen. In der zweiten Hälfte viel aggressiver.

Thomas Murg:

Auf der Zehn aufgeboten, konnte er dem Spiel seinen Stempel nicht aufdrücken. Zur Pause angeschlagen raus.

Andrei Ivan:

Zwar mit dem ersten Schuss auf das gegnerische Tor, aber insgesamt in seinen Bemühungen zu wenig konkret.

Veton Berisha:

Dank der zahlreichen spanischen Offensivbemühungen über seine Seite war er sehr viel defensiv gebunden. Da war er wenig sattelfest. Offensiv hat es ihm an Tempo und Technik gemangelt.

Andrija Pavlovic:

Bei der besten Rapidchance des Spiels hat er seine Klasse bewiesen. Ansonsten auch immer gefährlich und unangenehm für die gegnerische Verteidigung.

Christoph Knasmüllner:

Zur Pause eingetauscht und viel stärker als Thomas Murg.

Bolo Bolingoli:

Nach seiner schwachen Leistung in Villarreal nur Ersatz. Wieder mit defensiven Schwächen. Für 15 Minuten eingewechselt.

Manuel Martic:

Durfte kurz helfen, den Punkt zu verteidigen.

Schreibe einen Kommentar