Rapid Wien vs. TSV Hartberg – eine Nachbetrachtung

Nichts für schwache Nerven war das Doppel zwischen dem SK Rapid Wien und Aufsteiger TSV Hartberg. Am Dienstag revanchierten sich die Hütteldorfer für die 0:3-Abfuhr im Herbst, wobei die Leistung der Gäste in der ersten Halbzeit durchaus Erinnerungen daran weckte. Zwar unglaubliche 68% Ballbesitz, allerdings nur 2 Torschüsse, wovon kein einziger den Weg auf das Gehäuse der Heimmannschaft fand. Im Gegensatz dazu die Oststeirer, die immerhin 7 ihrer 10 Möglichkeiten auf das Tor zirkelten.

Weshalb der österreichische Rekordmeister dennoch in Führung ging, lag an einem furchtbaren Eigentor von Torhüter Rene Swete, das stark an den Patzer von Ramazan Özcan bei seinem Länderspieldebüt für Österreich gegen Italien im Jahr 2008 erinnerte. Wohl aus Solidarität unter Torhütern patzte dann auch Richard Strebinger bei einem haltbaren Freistoß und mit einem 1:1 ging es zum Pausentee, der den Gästen offensichtlich besser getan hat. Durch die erste herausgespielte Torchance, eine wunderbare Ballannahme und ein perfekter Assist von Thomas Murg und ein Traumtor von Andrija Pavlovic zogen die Gäste auf 1:4 davon, ehe den Gastgebern noch die Ergebniskosmetik gelang. Wieder hat der Schlussmann der Wiener dabei nicht ganz sattelfest gewirkt.

 

ET – außerirdisch:

Wer am Samstag im Weststadion einen Blick auf eine der beiden Videowalls geworfen hat, dem ist als mehrfacher Torschütze „ET“ angeboten worden. Insgesamt 4 der 7 Treffer wurden letztendlich von der Bundesliga als Eigentor gewertet. Wer bei dieser Häufung an Spiele aus weniger korruptionsresistenten Ligen erinnert wird, kann beruhigt sein. Beim ersten Eigentor wollte Christoph Knasmüllner offenbar seine am Innsbrucker Tivoli so schmerzlich vermissten Goalgetterqualitäten unter Beweis stellen und die anderen 3 Unglücksraben hatten schlichtweg Pech, da sie den Ball ins eigene Gehäuse abfälschten.

 

Christopher Jäger – unterirdisch:

Der 34jährige Schiedsrichter hat sich in den letzten Jahren hochgearbeitet und 55 Bundesligaspiele seit 2015 geleitet. Anfang 2018 wurde ihm das Prädikat FIFA-Schiedsrichter verliehen. Im Weststadion verbuchte er seinen heuer bereits 13. Bundesligaeinsatz, auch das Cupviertelfinale zwischen dem SK Rapid Wien und TSV Hartberg stand unter seiner – unauffälligen – Leitung. War der Salzburger den meisten Rapidfans bislang vermutlich eher unbekannt, wird sich das nach seiner Leistung bei der 3:4-Heimniederlage geändert haben.

Beim ersten Elfmeter gegen Rapid Wien hat er das hohe gestreckte Bein von Rajko Rep nicht geahndet.

Beim zweiten Elfmeter war es eher noch ein Foul von David Cancola an Marvin Potzmann, als umgekehrt.

Bei der Gelb-Roten Karte für Thomas Murg hat der Salzburger wenig Fingerspitzengefühl gezeigt. Sich von einem Daumen nach oben provoziert zu fühlen, ist schon aberwitzig. Da müsste jede Geste nach einer Schiedsrichterentscheidung geahndet werden.

Beim unnötigen und harten Foul von Zakaria Sanogo an Boli Bolingoli – der Belgier scheint sich schwerer verletzt zu haben und droht länger auszufallen – war für Christopher Jäger eine Gelbe Karte ausreichend. Bitter, wenn die Gesundheit der Spieler für einen Schiedsrichter weniger wichtig ist, als ein gezeigter Daumen nach oben.

Zu allem Überfluss hat dann der vierfache Teamspieler aus Burkina Faso auch noch den Schuss zum Eigentor von Maximilian Hofmann abgegeben, der letztendlich den Sieg für die Hartberger bedeutet hat.

Beim von den Rapidspielern reklamierten Handspiel in letzter Sekunde im Strafraum der Steirer ist der (an diesem Nachmittag nicht sehr) Unparteiische richtig gelegen. Der Ausgleich wäre mehr als verdient gewesen, aber man kann eben nicht 2 Fehlentscheidungen durch eine dritte kompensieren.

 

Rapid Wien – unkonzentriert:

Beim Eigentor von Christoph Knasmüllner ist der 26jährige vollkommen unbedrängt. Das darf ihm nicht passieren.

Vor dem ersten Elfmeter verliert der 1,93 m große Manuel Martic ein Kopfballduell im Mittelfeld. Danach hebt Außenverteidiger Marvin Potzmann das Abseits auf.

 

Rapid Wien – unkritisch:

Nach dem Schlusspfiff wurde fast ausschließlich die Schuld beim Referee gesucht. Bei allem verständlichen Ärger über den Schiedsrichter:

Die Extremrotation – 7 neue Spieler gegenüber dem Auswärtsspiel in Hartberg – hat überhaupt nicht funktioniert. Dafür ist das Leistungsgefälle im Kader zu groß. Das war ja schon im Herbst immer wieder zu erkennen. Manuel Thurnwald mag im Training alles geben und es ist auch positiv, wenn junge Eigenbauspieler eine Chance erhalten, aber für den SK Rapid Wien scheinen seine Qualitäten nicht zu reichen.

Wenn man schon das Glück hat und durch 2 Eigentore binnen 5 Minuten wieder zurück im Spiel ist – wieso nutzt die Mannschaft das Momentum nicht und geht noch vor der Pause konsequent auf den Führungstreffer los? Gerade da müssen die Rapidler den Frust bei den Gegnern in weitere Tore ummünzen.

Es gibt sicher Schiedsrichter, die das vollkommen unnötige Gelbfoul von Thomas Murg gleich mit einer Roten Karte geahndet hätten. Das war schon sehr nahe an einem groben Foul. Dann müsste der 24jährige seine Sperre im so wichtigen Cupfinale absitzen. Dumm.

Die Mannschaft hat viel zu wenige Torchancen kreiert. Über die rechte Seite ist wenig gegangen, auf der linken Seite hat Philipp Schobesberger immer wieder schnelle Tempodribblings abgewürgt, weil er im Strafraum nicht wusste, ob er abschließen oder aufspielen soll. Das zeigt auch, dass die Strafraumbesetzung nicht gepasst hat.

War Torhüter Richard Strebinger im Herbst noch einer der wenigen Lichtblicke, scheint er derzeit stark verunsichert zu sein. Die ständigen Wechsel bei der Startaufstellung der Abwehrviererkette dürften für ihn auch nicht hilfreich sein.

So wichtig das Cupfinale auch ist und so sehr der Verein und jeder Fan nach einem Titel lechzt – das Leben und der Fußball gehen nach dem 1. Mai weiter. Klappt der Cuptitel nicht – und die Hütteldorfer sind gegen den FC Salzburg gewiss nicht Favorit – muss die Qualifikation erst über das Abstiegs- und dann über das Europacupplayoff gelingen. Dafür muss jedes Spiel mit vollem Einsatz und größtmöglicher Ernsthaftigkeit angegangen werden.

 

Ausblick:

Am Mittwoch bestreitet der österreichische Rekordmeister das Cupfinale gegen FC Salzburg. Ein Sieg wäre nicht nur Balsam für die geschundene Seele der Rapidgemeinde, sondern würde auch die fixe Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League 2019/20 und Millioneneinnahmen bedeuten.

Trainer Didi Kühbauer wird seine Mannschaft hoffentlich in Bestbesetzung antreten lassen. Christopher Jäger wird die Begegnung nicht pfeifen. Gut so.

 

 

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