Rapid Wien vs. Sturm Graz – eine Nachbetrachtung

Grün auf weiss

Der SK Rapid Wien steht vor dem absoluten Super-GAU. War das Abstiegsplayoff schon eine Blamage, droht nun nach dem Hinspiel des Europacupplayoff-Finales das Verpassen des internationalen Geschäfts. 3 Runden müssten die Hütteldorfer überstehen, um abermals in die Europa League einziehen zu können. Mit ziemlicher Sicherheit wäre man allerdings aufgrund des guten Klubkoeffizienten immer gesetzt.

Nach der unnötigen 1:2-Heimniederlage gegen Sturm Graz brauchen sich die Fans vermutlich aber keine Gedanken mehr machen, welche mehr oder weniger exotischen Destinationen auf sie warten könnten.

 

1899:

Was wird nicht immer über die bösen Rapidfans abgelästert. Passiert auch nur minimal irgendetwas, überschlagen sich vom Boulevard bis zu den Qualitätsmedien die negativen Schlagzeilen.

Gegen Sturm Graz ist ein Polizeihubschrauber über dem Geschehen gekreist und – gefühlt – Hundertschaften von Polizisten rund um das Weststadion gewesen. Und haben letztendlich die meiste Zeit in ihren Autos verbracht und mit den Handys gespielt. Von Ausschreitungen keine Spur – im Gegenteil. Vertreter des Block West haben eines verstorbenen Grazer Fans gedacht und den Gästen einen Kranz und 1.899€ für die Familie überreicht. Böse Fans…

 

Müde:

Was auch immer sich die Verantwortlichen bei der Planung dabei gedacht haben, 2 Spiele innerhalb von 48 Stunden anzusetzen – viel kann es nicht gewesen sein. Aber die Verantwortlichen des SK Rapid Wien haben dem Zeitplan damals zugestimmt. Und sicher nicht damit gerechnet, dass es gleich in der ersten Saison den österreichischen Rekordmeister treffen könnte.

Das Spiel gegen SV Mattersburg war gut und schnell entschieden. Leider nicht wirklich. Nach dem frühen 2:0 hat es die Mannschaft verabsäumt, für die wirkliche Vorentscheidung zu sorgen.

Anstatt das Tempo und den Gegner zu kontrollieren und mit frühen Wechseln Kraft zu sparen, stand das Spiel im erschütternd schütter besuchten Weststadion bis zum Abpfiff auf Messers Schneide. Auch wenn die Burgenländer ohne nennenswerte Offensivaktionen geblieben sind.

Gegen die von ihren eigenen Fans nicht unterstützten Steirer startete Rapid abermals wie von der Tarantel gestochen und wollte schon möglichst früh in Führung gehen. Zählbares ist dabei leider nicht herausgekommen und Chancen blieben hüben wie drüben Mangelware.

 

Lazarus:

Nach schöner Vorarbeit und einem technisch anspruchsvollen Abschluss von Kapitän Stefan Schwab ist Rapid mit 1:0 in Führung gegangen. Wohl nicht einmal die Gästefans haben zu diesem Zeitpunkt an eine Auferstehung ihrer Mannschaft geglaubt. Dass Sturm Graz überhaupt zurück in das Spiel gekommen ist, müssen sich die Rapidler selbst ankreiden. Man hat einen Toten zum Leben erweckt. Unmittelbar vor dem Ausgleich muss Stürmer Aliou Badji für das 2:0 sorgen. Das hat er verpasst.

 

Sieben:

Mateo Barac, Christopher Dibon, Maxi Hofmann, Mert Müldür und Mario Sonnleitner sind die 5 nominellen Innenverteidiger bei Rapid. Patrick Obermüller hat gegen SCR Altach sein Debüt gegeben. Leo Greiml ist nun der bereits siebente Innenverteidiger, der bei Rapid diese Saison gespielt hat. Ich kann mich nicht erinnern, wann die Hütteldorfer zuletzt so viele verletzte Innenverteidiger hatten – und das über die gesamte Saison verteilt.

Der hochveranlagte 17-Jährige hat prinzipiell ein gutes Spiel gemacht, fast jeden Zweikampf gewonnen und mit gutem Stellungsspiel geglänzt. Bis zum Elfmeterfoul. Da hat sich die größere Routine von Otar Kiteishvili bemerkbar gemacht. Viel war es nicht, der Elfmeterpfiff aber dennoch korrekt.

Weshalb nicht Mert Müldür den Part des Innenverteidigers übernommen und Stephan Auer an seiner statt außenverteidigt hat, ist Didi Kühbauers Geheimnis geblieben. Mit Leo Greiml ist nächste Saison dennoch zu rechnen. Der U-18-Teamspieler wurde erst letzten Sommer vom scheidenden Geschäftsführer Sport Fredy Bickel verpflichtet.

 

Torwartpatzer:

Auch wenn Trainer Didi Kühbauer die Schuld am zweiten Gegentreffer beim Schiedsrichter sucht – Torhüter Richard Strebinger muss auf den ersten Ball energischer gehen. Natürlich wird er etwas behindert, aber da muss er sich durchsetzen. Leo Greiml trifft keine Schuld. Leider nicht der erste Torwartpatzer in dieser Saison.

 

Kein Plan B:

Wieder einmal auffällig: Rapid ist taktisch nicht variabel. Ein Plan B existiert nicht.

Auch die Wechsel konnten wenig bewirken. Beim Stand von 1:0 ersetzt der defensive Dejan Ljubicic den offensiven Christoph Knasmüllner. Nach dem Ausgleich der nächste Saison nicht mehr benötigte Andrei Ivan den leider sehr schwachen Philipp Schobesberger. 

 

Ausblick: 

Ein letzter Strohhalm für grünweiße Hoffnungen ist die latente Heimschwäche der Grazer.

Am 21. Feber 2016 hat Rapid zuletzt in Graz gewonnen. Philipp Schobesberger hat damals beide Treffer erzielt. Am Sonntag wäre ein guter Zeitpunkt für eine Wiederholung.

 

 

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