Rapid Wien vs. Sturm Graz – die Spielvorschau

Rapid Wien gegen Sturm Graz - die Spielvorschau

Gelingt Rapid Wien oder Sturm Graz der dritte Sieg in Folge? Was sagen die beiden Trainer vor dem Spiel? Wer fehlt bei den Hütteldorfern?

 

Ausgangssituation:

Einen Schönheitspreis hat Rapid am Tivoli nicht gewonnen, dafür aber in letzter Sekunde noch die so wichtigen drei Punkte fixiert. Der zweite Siegtreffer in der Nachspielzeit hintereinander.

Nun beginnt die Woche der Wahrheit – wieder einmal. Nach dem Schlager gegen Sturm Graz geht es am Donnerstag in der Europa League um den Aufstieg in die KO – Phase und neben wichtigen Punkten für die Fünfjahreswertung und den eigenen Klubkoeffizienten um viel Geld. Wir haben bereits darüber berichtet. Der Herbst wird dann am kommenden Sonntag mit dem Derby in der runderneuerten Generali Arena abgeschlossen. Gelingen in dieser Woche drei Siege, darf der Rekordmeister nicht nur international überwintern – hier würde auch ein Unentschieden reichen -, sondern auch etwas hoffnungsfroher auf das Mindestziel Meisterplayoff blicken.

Nach nur 38 Spielen war die Ära von Trainer Heiko Vogel auch schon wieder vorbei. 15 Siege, 8 Remis und 15 Niederlagen ergeben einen Punkteschnitt von 1,39 – 55 geschossenen Toren stehen 56 gegenüber. Alles in allem Mittelmaß und zu wenig für die Ansprüche der Grazer.

Dass der Deutsche ein guter Trainer ist, steht außer Zweifel, aber er dürfte zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sein. Trotz der großen Fußstapfen von Teamchef Franco Foda ist ihm souverän Platz 2 in der Meisterschaft und der viel umjubelte Cupsieg gegen Ligakrösus RB Salzburg geglückt, doch der Umbruch im Sommer war für die eigenen Ambitionen offenbar zu groß. Und bei den steirischen Landeshauptstädtern hat man eine Jahrhundertchance vergeben. In der Qualifikation für die Champions League war gegen Ajax Amsterdam erwartungsgemäß nichts zu holen, aber gegen den zypriotischen Verein AEK Larnaka mit einem Gesamtscore von 0:7 unterzugehen, war blamabel. Zumal im Playoff mit dem slowakischen Club AS Trencin ein durchaus schlagbarer Gegner gewartet hätte. Die infolge eines Becherwurfs ausgesprochene Strafe von 30.000 Euro und ein „Geisterspiel“ beim nächsten Europacupheimmatch runden den verkorksten internationalen Auftritt ab.

Ähnlich wie Rapid Wien hat sich Sturm Graz mit Roman Mählich eine Vereinslegende als neuen Trainer geholt. Im Vorjahr wäre ihm mit dem SC Wiener Neustadt beinahe der Aufstieg in die Bundesliga geglückt und auch als TV-Experte hat er eine gute und fachkundige Figur gemacht. Sein Debüt bei Sturm ist ihm mit einem 2:0-Erfolg in Altach geglückt und gegen den Meisterplayoff-Konkurrenten WAC hat es einen deutlichen 3:0-Sieg gegeben. In beiden Spielen ist er in der Defensive mit einer Fünferkette aufgetreten – damit hatte der SK Rapid Wien in dieser Saison mehrfach Probleme.

Bereits vor dem Auswärtsspiel haben wir euch die Grazer näher vorgestellt: Sturm Graz vs. Rapid Wien – die Spielvorschau und die Matchanalyse nach dem Spiel findet ihr hier: Sturm Graz vs. Rapid Wien – die Matchanalyse.

 

Rapids Personalsituation:

In den letzten beiden Spielen wusste Trainer Didi Kühbauer mit seinen Aufstellungen zu überraschen. In Moskau hat das sehr gut geklappt, in Innsbruck trotz spätem Sieg weniger.

Neben den Langzeitausfällen Ivan Mocinic, Tamás Szántó und Paul Gartler, werden auch Andrija Pavlovic, Christopher Dibon und Marvin Potzmann fehlen.

Tor: Mit einem sensationellen Reflex nach einem Kopfball hat Richard Strebinger sein Team in Innsbruck im Spiel gehalten und ist Einsertorhüter. Tobias Knoflach muss weiter auf seine Chance warten.

Innenverteidigung: Mario Sonnleitner ist gesetzt, Christopher Dibon verletzt und Mert Müldür Kandidat als rechter Außenverteidiger vorgesehen. Bleiben Maximilian Hofmann und Mateo Barac als linker Innenverteidiger, wobei der Kroate wohl die etwas größere Chance auf die Startelf hat.

Außenverteidigung:

Marvin Potzmann ist aufgrund seiner Verletzung kein Thema. Recht unspektakulär hat ihn in Innsbruck nach seiner Auswechslung Routinier Stephan Auer ersetzt. Boli Bolingoli könnte nach seinen beiden Ausflügen ins linke Mittelfeld auf seine angestammte Position zurückkehren. Rechts wird Mert Müldür abermals seinen Offensivdrang vom Tivoli unter Beweis stellen dürfen. Manuel Thurnwald darf sich nur wenig Chancen auf einen Einsatz in der Startelf ausrechnen.

Zentrales Mittelfeld:

Manuel Martic hat sich gegenüber Dejan Ljubicic einen leichten Vorteil erarbeitet, war aber in Innsbruck schwächer als in Moskau. Stefan Schwab hat überhaupt eine sehr ambivalente Leistung gezeigt. Offensiv hui, defensiv pfui. Christoph Knasmüllner konnte am Tivoli nur wenige Akzente setzen, würde aber maximal einer Systemumstellung zum Opfer fallen. Philipp Malicsek muss wohl von der Tribüne aus zuschauen.

Flügel: Viel wird davon abhängen, wer den Stürmer und den linken Außenverteidiger gibt. Rechts könnte trotz bescheidener Leistung Thomas Murg eine neue Chance erhalten und Veton Berisha in die Warteschleife schicken. Links rittern eben Boli Bolingoli, Andrei Ivan und Philipp Schobesberger um einen Startplatz. Aleksandar Kostic hat nur theoretische Chancen in den Matchkader zu rutschen.

Sturm: Andrija Pavlovic ist verletzt und ein Einsatz von Jérémy Guillemenot wäre eine Überraschung. Deni Alar hat zuletzt gegen seine ehemaligen Teamkollegen getroffen, seither herrscht bei ihm Torflaute. Andrei Ivan wusste in Innsbruck nicht zu überzeugen, Veton Berisha hat zwar das entscheidende Tor erzielt, hat aber dennoch bloß Außenseiterchancen.

 

Sturm Graz 2018/19:

Mit einem Erfolg im Cup und zwei knappen Siegen gegen die beiden Aufsteiger sind die Grazer in die Saison gestartet. International war der Auftritt eher blamabel und im Cup war in der zweiten Runde in Wien Favoriten Schluss. Wettbewerbsübergreifend ist Heiko Vogel ab dem 04. August 2018 in 14 Spielen nur ein Sieg gelungen. Unter dem neuen Trainer Roman Mählich soll nun alles besser werden und die beiden Siege beim SCR Altach und gegen den WAC sind ein vielversprechender Anfang. Vor allem die Defensive wurde stabilisiert und vorne werden gefährliche Konter gefahren.

Die interne Torschützenliste in der Meisterschaft führen Peter Zulj und Lukas Grozurek mit je 4 Treffern an. Die beiden Ex-Rapidler Peter Zulj und Philipp Huspek kommen auf jeweils 4 Torvorlagen.

Jakob Jantscher ist verletzt, Philipp Huspek angeschlagen und somit fraglich. Ansonsten kann Roman Mählich aus dem Vollen schöpfen.

 

Bilanz:

201 Meisterschaftsspiele ist die Rivalität zwischen Rapid Wien und Sturm Graz alt. Exakt 100 Siege konnten die Wiener bei 50 Unentschieden und 51 Niederlagen verbuchen. Auch das Torverhältnis ist mit 380 zu 226 positiv.

100 Spiele gingen in Hütteldorf über die Bühne, mit 69 Siegen, 15 Remis und 16 Pleiten darf der Rekordmeister hoffen. 247:96 ist das Torverhältnis.

In der letzten Saison blieben die Grazer im Weststadion ungeschlagen. Im ersten Spiel sorgten Deni Alar und Thorsten Röcher für die Führung, ehe Stephan Auer nur noch der Anschlusstreffer gelang. Im zweiten Heimspiel der Grün-weißen brachte Thorsten Röcher sein Team nach Vorlage von Deni Alar voran, Boli Bolingoli konnte knapp vor Schluss ausgleichen.

Im Mai 2017 sorgte Tamás Szántó mit dem einzigen Treffer des Spiels für den letzten Heimsieg von Rapid Wien.

 

Stimmen vor dem Spiel:

Didi Kühbauer: “Wir haben am Sonntag ein wichtiges Spiel, wo uns ein Sieg sehr helfen und uns für die nächsten Aufgaben das nötige Selbstvertrauen mitgeben würde. Das Training in dieser Woche war wunderbar. Wir haben ganz gut trainiert und die Jungs haben das sehr gut gemacht. Ich erwarte mir am Sonntag, dass wir die Trainingsleistungen am Platz umsetzen können und wir als Sieger vom Platz gehen. Es wird aber ein hartes Stück Arbeit, aber mit dem muss man gegen Sturm rechnen.

Wenn du ein Spiel in der Nachspielzeit gewinnst, ist das für die Mannschaft immer wertvoll und es war wichtig, dass wir auch einmal in der berühmten Rapidviertelstunde zugeschlagen haben. Die Mannschaft ist frisch und wird eine gute Energie an den Tag bringen. Siege, die in der letzten Minute passieren, sind umso schöner und können jedem Profi helfen und uns im Trainerteam genauso.“

Philipp Schobesberger: „Ich bin bereit, es braucht sich keiner um mich sorgen machen. Es muss unser Ziel sein, dass wir wieder einen Dreier holen. Wir haben das zweimal hintereinander spät geschafft, wenn es wieder spät gelingt, passt es auch. Lieber wäre uns natürlich, je früher desto besser.

Roman Mählich:Ich denke es spricht für uns, dass wir in einer schwierigen Situation, zwei schwere Spiele gewonnen haben. Das spricht für die mentale Verfassung der Mannschaft. Der Fakt, dass wir zweimal zu Null spielen konnten, spricht für die Organisation der Mannschaft. Der Fakt, dass wir fünf Tore geschossen haben, spricht für die Qualität in der Offensive. Die zwei Spiele bisher waren gut, aber nicht mehr und nicht weniger.

Thomas Schrammel: „Sie werden sehr mutig und offensiv auftreten und wollen uns sicher die ersten 30, 40 Minuten hineindrücken. Wir müssen stabil dagegenhalten und unsere Konter sehr gut setzen. Je länger es 0:0 steht oder wir führen, desto unruhiger werden die Fans und die Mannschaft – das kann ein großer Vorteil für uns sein.“

 

Meine Einschätzung:

Für den österreichischen Rekordmeister ist die Ausgangssituation fast schon simpel – es muss gewonnen werden. Taktieren bringt nichts. Aber auch der aktuelle Cupsieger ist gefordert und darf nicht allein darauf bedacht sein, den Abstand von drei Punkten zu halten. Die punktegleichen Hartberger dürfen im Aufsteigerduell mit Wacker Innsbruck auf einen Sieg spekulieren und könnten an ihren steirischen Landsleuten vorbeiziehen.

Trotzdem ist von einem offenen Schlagabtausch eher nicht auszugehen. Für beide Teams steht zu viel auf dem Spiel und das erste Tor kann diese Begegnung bereits entscheiden. Zudem ist bei den Gästen abermals eine defensive Fünferkette und Konter durch schnelles Umschaltspiel zu erwarten.

Bis Freitag waren erst 17.000 Tickets verkauft. Da die Gäste allgemein für einen sehr guten Auswärtssupport stehen, wäre es erfreulich, wenn auch die Heimsektoren gut gefüllt wären. Die Mannschaft braucht die Unterstützung jedes Rapidlers und jeder Rapidlerin.

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