Rapid Wien vs. Admira Wacker – eine Nachbetrachtung

Rapid Wien

Mit einem souveränen 3:0-Sieg ist der SK Rapid Wien am 29. Juli 2018 in der Südstadt in den Grunddurchgang der Meisterschaft 2018/19 gestartet. 243 Tage später hat es in der ersten Runde eines Bewerbs ebenfalls – abermals gegen Admira Wacker – zu einem souveränen 3:0-Sieg gereicht. Allerdings im Abstiegsplayoff. Hat der Erfolg im Sommer noch Euphorie und Vorfreude entfacht, ist davon nun nichts mehr übrig. Wut und Empörung werden stattdessen offen zur Schau gestellt.

 

Stell dir vor, es ist Rapid und keiner geht hin!

Dieses leicht abgewandelte Zitat von Carl Sandburg trifft zwar zu, aber irgendwie auch nicht. Bloß 11.600 Fans wollten sich den Auftakt zum Abstiegsplayoff nicht entgehen lassen. Etwa 2.000 Abos hat Rapid Wien für diese Saison mehr verkauft. Das ist dürftig. Aber auch verständlich. Zu viel Kredit hat die Mannschaft spätestens in dieser Saison verspielt. Trotzdem war dies das bestbesuchte Match der Runde. Nicht nur im Abstiegsplayoff. Auch im Meisterplayoff. Beim Schlager in Salzburg gegen den zweiterfolgreichsten Wiener Verein wurde die 10.000 gerade noch übersprungen. In Graz hat darauf einiges gefehlt. Dem Spiel zwischen dem WAC und dem LASK wohnten überhaupt nur 3.691 Zuschauer bei. Die Linzer spielen um den Meistertitel mit und deren Präsident Siegmund Gruber hat bei dem Streit um die TV-Gelder – wir haben darüber berichtet: Kommentar: Geänderte Verteilung der TV-Gelder – heftig gegen die Hütteldorfer opponiert. Viele Linzer haben an einem sonnigen Sonntag die knapp über 250 km lange Reise ins Lavanttal nicht auf sich genommen. Einzig in Hartberg haben sich noch weniger Sportbegeisterte versammelt.

 

Der 3:0-Sieg!

Es war zwar beileibe nicht alles ein Leckerbissen, aber es hat zumindest für einen klaren und ungefährdeten Erfolg gereicht. Zu harmlos haben sich die Gäste präsentiert und trotz vieler Leerläufe sind dem österreichischen Rekordmeister 3 Treffer geglückt. Somit ist zumindest etwas Ruhe bis zum Cuphalbfinale in Pasching beim LASK am Mittwoch eingekehrt. Danach stehen die Hütteldorfer entweder im Finale oder es bleibt ungemütlich und eine weitere Saison endet titellos.

Einen Elfmeter vernebelt Andrija Pavlovic leichtfertig.

In Minute 38 gewinnt Kapitän Stefan Schwab den Ball tief in der gegnerischen Hälfte, Philipp Schobesberger assistiert perfekt und Christoph Knasmüllner trifft gegen seine Ex-Kollegen zur Führung.

Nach den ersten 45 Minuten hat Rapid 60% Ballbesitz, aber bloß 3 Torschüsse – 2 davon auf das Tor – abgegeben. Zu wenig.

Trainer Didi Kühbauer „belohnt“ den schwach geschossenen Elfmeter mit der Auswechslung des Schützen und Winterneuzugang Aliou Badji betritt das Feld.

8 Minuten nach seiner Einwechslung legt der 21jährige Senegalese quer und der schnelle Philipp Schobesberger vollendet ins leere Tor zum zweiten Treffer. Bei der Einleitung dieses schnellen Angriffs hat Thomas Murg sein großes technisches Können gezeigt.

Christoph Knasmüllner trifft zwar noch das Tor, aber lediglich die Umrandung und in der Rapidviertelstunde gelingt Aliou Badji nach Vorarbeit von Dejan Ljubicic sein erster Pflichtspieltreffer im grün-weißen Dress.

Bei abermals 60% Ballbesitz geben die Hütteldorfer in der zweiten Halbzeit gleich 15 Torschüsse ab, wovon 3 auf und 11 neben das gegnerische Gehäuse gehen.

 

Fanboykott im Block West!

In den ersten 45 Minuten bleibt der Block West fast leer. Den organisierten Fans reicht es. Verständlich. Bereits zuvor haben sie von Kapitän Stefan Schwab die „Block West“-Kapitänsschleife zurückgefordert. Fußballgott Steffen Hofmann hat sie getragen und ist ein Zeichen für die uneingeschränkte Unterstützung durch die aktiven Fanszene. Das klingt vielleicht nach Aktionismus, aber Platz 8 und das Abstiegsgespenst im Nacken sind Realität und musste zu einer Reaktion führen.

 

SK „Lame Duck“ Rapid?

Als „Lame Duck („lahme Ente“) werden in den USA Politiker bezeichnet, die zwar noch im Amt, aber handlungsunfähig sind.

Präsident Michael Krammer hat bei der Ordentlichen Hauptversammlung im November 2018 verkündet, dass er aus – verständlichen – familiären Gründen im November 2019 nicht mehr für eine dritte Amtszeit kandidieren wird. Seither brodelt die Gerüchteküche um seine Nachfolge und wöchentlich werden von den Medien neue Namen ins Spiel gebracht. Bis zur Wahl vergehen noch fast 6 Monate und der Präsident wird bis zum letzten Tag sein Bestes geben. Aber es ist eine – zu – lange Zeit der Ungewissheit. Die Planung für die Zukunft muss jetzt stattfinden.

Der Vertrag von Geschäftsführer Sport Fredy Bickel war ursprünglich bis zum Ende dieser Saison datiert. Erst im Dezember 2018 hat der SK Rapid Wien bekannt gegeben, dass das Arbeitsverhältnis mit dem Schweizer – vorerst mündlich – bis Sommer 2021 verlängert wurde. Mit einer beidseitigen Option nach der Wahl des neuen Präsidenten und des Präsidiums im November 2019. Die schriftliche Ausfertigung wurde seither nicht verkündet und nach dem Verpassen des Meisterplayoffs scheint der Sportdirektor schwer angezählt und wurde von einigen Medien bereits abgeschrieben. Sollte dem österreichischen Rekordmeister doch noch die Qualifikation für einen europäischen Bewerb über den Cup oder das Europacupplayoff gelingen, ist der Verein – sofern man trotz Cupsieg nicht noch absteigt – mit einem blauen Auge davongekommen. Aber noch so eine Saison darf es nicht geben.

 

Blick nach vorne und Abschied!

Mit dem Sieg gegen die Südstädter ist der SK Rapid Wien mit 16 Punkten hinter Ligakrösus FC Salzburg, dem LASK und SKN St. Pölten Vierter. Blöderweise zählt das aber nicht. Am Mittwoch gastieren die Hütteldorfer bei den starken Linzern und sind glasklarer Außenseiter. Der Trainer-Staff rund um Didi Kühbauer wird sich etwas einfallen lassen müssen. 3 Tage später geht es weiter nach Innsbruck. Der letzte Torschütze am Tivoli war Veton Berisha. Der Norweger wurde am 30. März 2019 an den SK Brann Bergen in seine Heimat abgegeben. Der als „Mentalitätsmonster“ angekündigte Offensivspieler hat es auf 58 Einsätze, 9 Tore und 3 Vorlagen gebracht, zum Stammspieler hat es allerdings nicht gereicht. GRÜN AUF WEISS wünscht dem 24jährigen alles Gute auf seinem weiteren Karriereweg!

 

Schreibe einen Kommentar