Der SK Rapid Wien und der Cup

Am 01. Mai 2019 wird im Wörthersee Stadion das Finale des UNIQA ÖFB Cup 2018/19 ausgetragen. Der österreichische Rekordmeister und 14fache Titelträger Rapid Wien trifft auf den FC Salzburg.

Ein Titel, der heuer besonders viel wert ist. Durch den Höhenflug in der UEFA-Fünfjahreswertung qualifiziert sich der Cupsieger direkt für die Europa League 2019/20. Auch wenn die Fans Reisen in der Qualifikationsphase an mehr oder weniger exotische Orte vermissen werden, können die Vereinsverantwortlichen mit den Fixeinnahmen in Millionenhöhe planen und den Kader dementsprechend gestalten.

 

Der Challenge Cup:

Zwischen 1897 und 1911 wurde der von John Gramlick – ein Mitbegründer des Vienna Cricket and Football-Club (Fußballsektion bis 1936), ansonsten ist über ihn leider nur sehr wenig bekannt – ins Leben gerufene Challenge Cup insgesamt 10 Mal ausgetragen. Rekordsieger ist der Wiener AC (später Fusion mit Austria Wien) mit 3 Titeln.

Der noch sehr junge SK Rapid Wien hat sich in diesem Bewerb sehr schwergetan.

Beim ersten Antritt am 26. November 1899 setzte es gegen die längste Zeit mit nur 10 Mann agierenden Cricketer ein 0:11 Debakel.

Am 15. März 1903 fand die Eröffnung des Rudolfsheimer Platzes statt. Gegner im Viertelfinale des Bewerbs war der SK Graphia Wien – ein Urahn des heutigen SV Schwechat. In der Verlängerung mussten sich die Rapidler mit 0:3 geschlagen geben.

Im Bewerb 1904/05 setzte es bei den Cricketern ein deutliches 0:5.

Am 09. Mai 1909 mussten sich die Grün-Weißen Germania Schwechat Fusionsclub aus SK Graphia Wien und ASK Schwechat – geschlagen geben.

Im letzten Austragungsjahr des Challenge Cups konnte Rapid unter Trainer Dionys Schönecker den ersten und einzigen Sieg des Bewerbs erringen. Der First Vienna Football Club konnte auswärts auf der Hohen Warte besiegt werden. Das Halbfinale gegen den Wiener Sportclub musste beim Stand von 1:3 abgebrochen werden, da der Schiedsrichter vom Publikum beleidigt wurde.

 

Österreichischer Cup:

In der Saison 1917/18 organisierte der Niederösterreichische Fußballverband einen – inoffiziellen – Cupbewerb, bei dem die Teilnahme freiwillig war. Der SK Rapid Wien und etwa auch der damals sehr erfolgreiche WAF nahmen daran nicht teil. Das Finale zwischen dem Floridsdorfer AC und dem Wiener Amateure SV (heute Austria Wien) wurde von beiden Teams wegen Schlechtwetter eigenmächtig verschoben, weswegen beide Teams disqualifiziert wurden. Im selbst organisierten Finale am Sportclubplatz setzten sich die Floridsdorfer mit 4:3 durch.

 

Rapid Wien: Erster offizieller Cupsieger und Double!

Ein Jahr darauf wurde dann der erste offizielle Bewerb ausgetragen.

Nach Siegen über Wiener Bewegungsspieler, WAF und SC Rudolfshügel zog Rapid Wien in das Finale gegen den Wiener Sportclub ein. Am 07. Juli 1919 setzten sich die Rapidler am WAF-Platz vor 12.000 Zuschauern souverän mit 3:0 durch. Pepi Uridil (2x) und Rigo Kuthan sorgten für die Tore beim ersten offiziellen Cupfinale. Mit Rapidtrainer Dionys Schönecker, WSC-Trainer Willy Schmieger und Schiedsrichter Hugo Meisl waren 3 weitere Größen des österreichischen Fußballs bei diesem historischen Ereignis dabei. Durch den ebenfalls gewonnenen Meistertitel gelang den Hütteldorfern auch gleich das erste Double.

Mit einem deutlichen 5:2 Sieg gegen Wiener Amateure-SV konnte das Kunststück auch im folgenden Jahr wiederholt werden.

 

Die 1920er: 1 Titel und die erste Finalniederlage

In den nächsten 6 Jahren setzte sich der Wiener Amateure SV gleich viermal durch, zudem konnten der WAF und der WSC je einen Titel holen.

Erst in der Saison 1926/27 stand der SK Rapid wieder in einem Endspiel und gewann vor 17.000 Zuschauern auf der Hohen Warte gegen Austria Wien mit 3:0.

2 Jahre später mussten die Hütteldorfer ihre erste Finalniederlage hinnehmen und dem First Vienna FC zum Titel gratulieren.

 

1930 bis zum „Anschluss“: Rekorddebakel

Am Ende der Cupsaison 1933/34 setzte es für die Rapidler im Finale eine herbe 0:8-Pleite gegen Admira Wien.

1935/36 nahm erstmals ein Vertreter aus Oberösterreich und der Steiermark teil. Sowohl der LASK als auch Sturm Graz konnten die erste Teilnahmerunde überstehen und die Grazer stießen – wie auch in den folgenden beiden Saisonen – jeweils bis ins Viertelfinale vor.

 

Nach dem 2. Weltkrieg: Rekordkulisse

Das erste Cupfinale nach dem Ende des 2. Weltkriegs fand am 20. Juni 1946 statt und lockte 50.000 Fans in das heutige Happel-Stadion. Der SK Rapid holte den Pokal gegen First Vienna FC dank 2 Toren von Franz Binder. Beim 2:1-Sieg der Hütteldorfer stand der mittlerweile 93jährige Alfred Körner auf dem Platz.

Aufgrund einer Modusänderung – Finalturnier aller Bundesligacupsieger – erreichte 1948 mit Sturm Graz erstmals ein Club aus den Bundesländern das Finale. In der folgenden Saison gelang dieses Kunststück Vorwärts Steyr.

Der neue Modus erwies sich jedoch als wenig tauglich und der Cup wurde bis 1958 abgeschafft.

 

Die Wiederauferstehung des Cups!

Bemühungen, den Cupbewerb wieder auszutragen, intensivierten sich in den folgenden Jahren und wurden durch die Idee eines eigenen internationalen Bewerbs für die Cupsieger bestärkt.

Im ersten Cupfinale nach der Pause stießen die Hütteldorfer bis ins Finale vor, mussten sich jedoch dem Wiener AC geschlagen geben. Auch im darauffolgenden Jahr ging das Finale verloren.

 

Die 1960er: 3 Titel und ein Minusrekord

Am 22. Juni 1961 konnte Rapid Wien nach einem 3:1-Sieg gegen First Vienna FC den Pokal wieder in die Höhe stemmen.

Zum ersten Cupsieger, der nicht aus der Hauptstadt stammt, krönte sich 1965 der LASK.

Nach einer Finalniederlage 1966 gegen Admira Wien konnten die Hütteldorfer am 23. Mai 1968 mit einem 2:0-Sieg gegen den GAK einen weiteren Cuptitel holen. Allerdings vor bloß 7.180 Fans.

Im Jahr darauf wurde im Finale der Wiener Sportclub mit 2:1 besiegt.

 

Die 1970er: 2 Titel, 2 nicht

Das Finale 1971 ging in der Verlängerung knapp verloren.

Dafür konnte die Trophäensammlung im folgenden Jahr erweitert werden. Eine 1:2-Niederlage gegen den WSC in Dornbach konnte im Rückspiel in der Verlängerung gedreht werden.

Aufgrund der Auswärtstorregel verloren die Wiener in der Saison 1972/73 das Finale gegen Wacker Innsbruck.

Die Revanche glückte im Jahr 1976, als sich der SK Rapid dank eines späten Treffers im Rückspiel – ebenfalls aufgrund der Auswärtstorregel – durchsetzen konnte.

 

Die 1980er: Goldene Ära!

Von 1982/83 bis 1987/88 stand der österreichische Rekordmeister gleich fünfmal hintereinander im Endspiel.

Im Finale 1983 wurde Wacker Innsbruck bereits in Wien mit 3:0 besiegt. Das Rückspiel am Tivoli endete mit einem 5:0 Auswärtstriumph. 4 der 8 Tore gingen auf das Konto von Hans Krankl.

Das Hinspiel im darauffolgenden Finale ging am Verteilerkreis mit 1:3 verloren. Im ausverkauften Gerhard Hanappi-Stadion gelangen jedoch rasch 2 Treffer und das Spiel war aufgrund der Auswärtstorregel gedreht.

Auch das Finale der Cupsaison 1984/85 hatte am Ende ein großes Wiener Derby zu bieten. Ursprünglich hätte es wieder ein Hin- und Rückspiel geben sollen, allerdings wollte die Austria aus finanziellen Gründen beide Spiele im Gerhard Hanappi-Stadion austragen. Sehr zum Missfallen der eigenen Fans – kommt einem bekannt vor. In Hütteldorf verwertete Karl Brauneder nach einem 3:3 nach 120 Minuten den entscheidenden Elfmeter zum Cupsieg.

Im Jahr darauf gelang den Favoritnern die Revanche in der Verlängerung.

Das Cupfinale 1987 wurde wieder in 2 Begegnungen ausgetragen. Der damalige FC Tirol wurde in Wien mit 2:0 besiegt, im Rückspiel reichte ein 2:2 zum insgesamt vierten Triumph in 5 Jahren.

 

Die 1990er: Pech, Blamage und der letzte Titel

Beim Finale 1990 lag Rapid bis in Minute 92 in Führung und musste noch den bitteren Ausgleich hinnehmen. In der anschließenden Verlängerung fing man sich noch 2 Treffer ein.

Im Jahr darauf schockte Zweitligist SV Stockerau die Rapidfans mit einem 2:1-Sieg. Eine Riesenblamage.

Auch das Finale 1993 endete mit einer Niederlage. Wacker Innsbruck entschied das Finale mit 3:1 für sich.

In der Cupsaison 1994/95 wurden erst SV Oed/Zeillern und FC Deutschkreutz klar besiegt. Im Achtelfinale der SV Wörgl knapp und im Viertelfinale der GAK im Elfmeterschießen.

Im Halbfinale avancierte Marcus Pürk mit 2 Treffern zum Matchwinner gegen Austria Salzburg.

Knapp 15.000 Fans pilgerten am 05. Juni 1995 ins Ernst-Happel-Stadion, um gegen den großen Außenseiter DSV Leoben den insgesamt 14. Cuptitel einzufahren. In einem nicht unbedingt hochklassigen Match hat der Treffer von Peter Guggi nach 20 Minuten zum bislang letzten Triumph gereicht.

 

Trostlos

Seither ist bei Rapid allerdings gehörig der Wurm drinnen und Blamagen haben die letzten 24 Jahre zumeist geprägt. Einzig 2 Finale konnten noch erreicht werden, die jedoch 2005 und zuletzt vor 2 Jahren verloren gingen.

Es wird Zeit, dass dieser „Fluch“ endlich endet.

 

Zuschauer:

Die Beziehung zwischen dem österreichischen Fußballfan und dem ÖFB-Cup ist nicht sehr innig. Das bestbesuchte Cupfinale fand – wie bereits erwähnt – am 20. Juni 1946 statt. 50.000 Fans strömten damals in das Praterstadion, um dem SK Rapid Wien und dem First Vienna FC zuzujubeln.

Das Finale am 28. Mai 1970 zwischen Wacker Innsbruck und dem LASK lockte bloß 1.800 Fans in die Südstadt.

Auch Teilnahmen des österreichischen Rekordmeisters bedeuten nicht zwingend volle Stadien. Dem letzten Cupsieg im Jahr 1995 gegen DSV Leoben wohnten gerade einmal 15.000 Fans bei. Trainer Didi Kühbauer war damals als Spieler dabei. Das letzte Wiener Derby in einem Cupfinale fand 2005 statt und lockte auch nur 28.000 Fans ins Ernst-Happel-Stadion. Das letzte Cupheimspiel gegen TSV Hartberg wollten trotz vergünstigter Ticketpreise lediglich 12.700 Fans sehen.

 

Rapidbilanz:

Titel: 14
Weitere Finalteilnahmen: 13

 

Spiele: 331

Siege: 241

Unentschieden: 12

Niederlagen: 78

Torverhältnis: 1055:443

 

Höchster Sieg:

17:0 gegen SK Neubau

 

Meiste Cupspiele:

Hans Krankl (54). Aktueller Kader: Mario Sonnleitner (28)

 

Meiste Cuptore:

Franz Binder (60). Aktueller Kader: Deni Alar, Thomas Murg, Philipp Schobesberger (je 5)

 

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