Rapid Wien vs. TSV Hartberg – eine Nachbetrachtung

Blamage pur. Der SK Rapid Wien verpasst die Qualifikation für das Meisterplayoff. Nach 22 Runden mit letztendlich Platz 8 und 3 Punkten Rückstand auf das rettende Ufer sogar deutlich.

 

Hausaufgaben machen!

Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“ hat Trainer Didi Kühbauer vor dem Spiel angekündigt. Sportdirektor Fredy Bickel hat gemeint: „Wir wollen unsere Hausaufgaben erledigen.“ Oder um auch die Nummer 10 Thomas Murg zu zitieren: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.“

 

Hausaufgaben erledigen hätte bedeutet: Rapid gewinnt gegen TSV Hartberg mit 4 Toren Differenz, um gegebenenfalls den WAC zu überholen oder mit 5 Toren Differenz, falls Sturm Graz patzt.

19.200 Fans sind bei schönem Wetter ins Stadion gepilgert und wollen das Rapidteam beim Aufstiegswunder unterstützen. Weshalb der Rekordmeister mit den meisten und besten Fans und dem zweitgrößten Budget überhaupt ein Wunder braucht? Selbstverschuldet. Mit einer beeindruckenden Choreographie soll die Mannschaft gepusht werden.

Und die Hütteldorfer beginnen überfallsartig. Bereits nach 4 Minuten pfeift Schiedsrichter Manuel Schüttengruber nach einem Foul von Torhüter Rene Swete an Christoph Knasmüllner Elfmeter. Im Stadion wirkt der Strafstoß ein bisschen Dings, wie Wolf Haas schreiben würde, aber Kapitän Stefan Schwab vollendet gekonnt. Die frühe Führung ist geglückt!

Das 2:0 erfolgt auf Raten. In Minute 20 wird ein regulärer Treffer von Maximilian Hofmann fälschlicherweise aberkannt. Pech. 9 Minuten später fällt es durch Thomas Murg nach Vorlage von Philipp Schobesberger. Das Stadion bebt.

Zur Pause führt Rapid in der Ballbesitzstatistik leicht, hat 11 Torschussversuche abgegeben. 4 wurden geblockt, 5 gingen neben das Tor, die beiden auf das Tor waren erfolgreich. In Graz steht es 0:0, in Wolfsberg führt Admira Wacker. Allerdings haben sich beide Kandidaten für eine etwaige Schützenhilfe mit Ausschlüssen geschwächt. Dem Rekordmeister fehlen noch 2 Tore. Die fallen innerhalb weniger Minuten. Allerdings auf der falschen Seite. Erst patzt Torhüter Richard Strebinger. Bei seinem Schussabwehrversuch nach vorne trifft er Mannschaftskollegen Maximilian Hofmann. 3 Minuten später bauscht sich das Netz ein weiteres Mal. Rajko Rep darf den Ball in der Rapidhälfte so lange unbedrängt spazieren führen, bis Innenverteidiger Michael Huber im Rapidstrafraum angekommen ist und zum Ausgleich trifft. Hartbergs Torhüter Rene Swete wird sich vermutlich ärgern, dass nicht er den Sprint gewagt hat. Zeit genug hätte er gehabt. Ironie am Rande – schon in Mattersburg hat den entscheidenden Treffer ein Innenverteidiger erzielt. Das sollte zu denken geben. Zwischenzeitlich ist in Wolfsberg der Ausgleich gefallen und die Grazer führen.

Die Rapidmannschaft reagiert. Geschockt. Die Gäste wittern die Chance auf die Sensation und sind dem dritten Tor zeitweise näher. Auch Trainer Didi Kühbauer reagiert. Einfallslos. 2 offensive Mittelfeldspieler ersetzen 2 offensive Mittelfeldspieler und 1 Stürmer einen Stürmer. Volle Offensive? Fehlanzeige. In der Nachspielzeit hämmert der eingewechselte Andrei Ivan den Ball an die Latte. Symptomatisch. Es läuft nicht. Nach dem Abpfiff quittieren die Fans den Leistungseinbruch in der zweiten Halbzeit mit einem gellenden Pfeifkonzert. Der Block West möchte die Mannschaft zu sich zitieren, die Spieler verschwinden sofort in den Katakomben. Nicht einmal der Kapitän stellt sich. Traurig.

 

Ausreden:

Didi Kühbauer: „Wir hätten eigentlich 3:0 führen müssen.“

 

War es in Mattersburg noch der schlechte Rasen, so hat laut dem Trainer das dritte Tor gefehlt. Ob er damit die Fehlentscheidung meint? Nach dem zweiten Treffer hatte Rapid noch mehr als 60 Minuten Zeit, um entscheidend nachzusetzen.

 

Stefan Schwab: „Wir sind ein richtig hohes Tempo gegangen und in der zweiten Halbzeit haben wir dem hohen Tempo Tribut gezollt.“

Thomas Murg: „Vielleicht ist es in der zweiten Hälfte auch an der Fitness gelegen, in diesem Bereich muss jeder noch mehr machen.“

 

Bei aller Wertschätzung, aber ist das ernst gemeint? Schon im Herbst hat es immer wieder geheißen, dass die Ausdauerwerte nicht stimmen. Jetzt gibt es eine intensive Wintervorbereitung und die Fitness passt immer noch nicht? Der Staff von Rapid Wien verfügt – gefühlt – über mehr Trainer als Kaderspieler und es gibt auch keine Doppelbelastung mehr. Man wird sich doch von den Spielern erwarten dürfen, dass sie einmal in der Woche 90 Minuten laufen können, ohne in der Halbzeitpause ein Sauerstoffzelt zu benötigen. Die Spieler von Aufsteiger TSV Hartberg schaffen das ja auch.

 

Didi Kühbauer: „Wir haben das obere Playoff im Herbst verloren, wo wir die Doppelbelastung nicht verkraftet haben.“

 

Es soll Mannschaften geben, die sich auf den Europacup freuen. Bei Rapid ist er eine Belastung. Hat der Sportdirektor nicht gewusst, dass wir international spielen? Es heißt immer, dass der Kader zu groß ist und dann ist die Mannschaft für die Meisterschaft zu erschöpft? Bayern München hat für die deutsche Bundesliga, den Cup und die Champions League 19 Feldspieler im Kader. Davon sind 2 Spieler mittlerweile 35 Jahre alt.

Fredy Bickel hat im Sommer 8 Spieler verpflichtet, 2 im Winter. 2 Sommer- und ein Winterneuzugang sind gegen Hartberg in der Startelf gestanden. Ein Spieler ist schon wieder weg, 3 haben es nicht in den Matchkader geschafft. Eine desaströse Transferbilanz.

 

Abstiegsgespenst:

Rapid Wien spielt in den kommenden 10 Runden im Abstiegsplayoff. Gut, es gibt wohl eine euphemistischere Bezeichnung dafür. „Eh nicht ganz so oasch-Playoff“ vielleicht. Nach der Punkteteilung trennen die Hütteldorfer nun nur noch 5 Punkte vom Tabellenende. Schon vor 2 Jahren gab es das große Zittern. Im Abstiegskampf sind Mentalität und Charakter gefragt. Keine Attribute, mit denen die Mannschaft in letzter Zeit geglänzt hat.

Platz 7 ist jetzt das neue Ziel. Dann schafft es Rapid noch ins Europacupplayoff. Dort muss zuerst der Fünfte des Meisterplayoffs und dann in einem Hin- und Rückspiel der Vierte besiegt werden. 3 Spiele in 6 Tagen. Ob die Mannschaft dafür körperlich fit genug ist?

Freuen dürfen sich die „Abo plus“-Besitzer. Beide Heimspiele wären inkludiert. Ein schwacher Trost.

 

 

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