Louis Schaub Transfer News: HSV statt Rapid Wien

Louis Schaub Transfer von FC Köln zu HSV

Der ehemalige Rapidler Louis Schaub hat einen neuen Verein gefunden. Nachdem der 25-Jährige im Vorjahr dem 1. FC Köln zum Aufstieg verholfen hat, soll er nun den Hamburger SV zurück in die Beletage des deutschen Fußballs führen. Medial wurde über eine Rückkehr nach Hütteldorf spekuliert, jedoch sollten sich die Fans nicht allzu sehr grämen. GRÜN AUF WEISS – der Rapid Blog wirft einen Blick auf die Situation.
 

Louis Schaub: Wieso nicht zurück zu Rapid Wien?

Zunächst muss ich eines klarstellen: Auch ich hätte mich sehr gefreut, wenn der verlorene Sohn nach Hütteldorf heimgekehrt wäre. Das ist ja klar. Aber zu welchen Konditionen? Rapid Wien hätte sicher einen Vertrag ohne Ausstiegsklausel ausverhandelt, Louis Schaub uns zum Meistertitel und somit in die Champions League geschossen. Und als Rapidler für Österreich bei der EM 2020 nach Belieben getroffen. Ungefähr so wird der Traum einiger Rapidler ausgeschaut haben.

Die Realität ist aber leider zumeist etwas komplizierter. Weswegen hat der SK Rapid Wien nicht zugeschlagen? Und weshalb ist das auch gut so?
 

Rapid Wien Weststadion
© GRÜN AUF WEISS Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

Louis Schaub: Zu teuer

Schon seine letzte Vertragsverlängerung beim SK Rapid Wien war eine komplizierte Angelegenheit. Und nur mit einer Ausstiegsklausel in bescheidener Höhe machbar. Die der 1. FC Köln gezogen hat, um den Aufstieg in die deutsche Bundesliga zu schaffen. Selbst in der 2. Bundesliga sind die finanziellen Rahmenbedingungen mit denen der österreichischen Bundesliga nicht einmal ansatzweise zu vergleichen. Das beginnt mit den exorbitanten Fernsehgeldern, die auch schon in der zweiten Liga verteilt werden und endet bei einem Zuschauerschnitt von fast 50.000, welche die Domstädter bereits in der Aufstiegssaison hatten.
 

Rapid Wien hat wichtigere Baustellen

Ca. 2,5 Millionen Euro soll dem HSV das fixe Engagement des vierzehnfachen österreichischen Teamspielers nach der Leihe kosten. Dazu kommen noch die üblichen Nebengeräusche und ein üppiges Gehalt. Rapid Wien hat zwar in der Vergangenheit bereits ähnliche Transfers gestemmt, ist aber dabei nicht allzu glücklich gefahren. Jetzt in eine Verpflichtung mit diesem finanziellen Umfang zu investieren, wäre der falsche Zeitpunkt gewesen.
 

Die Vertragsverlängerungen

Mit Stefan Schwab und Christopher Dibon stehen aktuell zwei wichtige Vertragsverlängerungen an, die einer Klärung bedürfen. Sowohl der Kapitän als auch sein Ersatz sind in einem Alter, wo sie vermutlich ihren letzten, lukrativen Vertrag unterschreiben werden. Dabei geht es auch um die Laufzeit. Das sind Kosten, die man keinesfalls unterschätzen darf. Und auch Begehrlichkeiten bei anderen Spielern wecken könnten. Zudem ist der SK Rapid Wien mit Rentenverträgen in letzter Zeit nicht wirklich glücklich gefahren.
 

Die Altlasten

Mit Deni Alar und Andrija Pavlovic kehren im Sommer zwei teure Spieler von Auslandsleihen zurück. Zwar haben sowohl Levski Sofia als auch APOEL Nikosia Kaufoptionen, allerdings müssen die erst einmal gezogen werden. Ansonsten tun sich für Geschäftsführer Sport Zoki Barisic neue Baustellen auf.
 

Der Nachwuchs

Beim Mercedes-Benz JuniorCup 2020 hat der Nachwuchs des SK Rapid Wien erneut aufgezeigt. Und nach 2016 das Turnier zum zweiten Mal gewonnen. Etliche Jungrapidler haben eine Talentprobe abgegeben. So wie die vielen Nachwuchsspieler, die bereits im Herbst in die Kampfmannschaft reinschnuppern durften. Dieser Weg muss und wird konsequent fortgesetzt werden. Ein wichtiger Schritt ist der Aufstieg in die 2. Liga. Dann können sich die Spieler auf einem noch höheren Niveau beweisen und weiterentwickeln. Das wird viel Geld kosten. Und bedarf vorhergehender Planung. Dadurch werden die Hütteldorfer ihre Talente leichter halten können.
 

Das Trainingszentrum

Auch dieser Punkt darf nicht vergessen werden. Anstatt der geplanten großen Lösung ist das neue Trainingszentrum aktuell nur in einer Sparvariante umsetzbar. Der Verein vermag die finanzielle Lücke nicht zu schließen. Und dennoch führt kein Weg daran vorbei, die Infrastruktur des österreichischen Rekordmeisters auf ein Topniveau zu heben.
 

Die sportliche Perspektive

Einen Louis Schaub hätte man nicht nach Wien zurückgeholt, um ihn dann auf der Bank versauern zu lassen. An wessen Stelle hätte der ehemalige Nationalspieler aber auflaufen sollen? Thomas Murg? Christoph Knasmüllner? Wer von der aktuellen Mannschaft hätte sich hinten anstellen sollen? Konkurrenzkampf ist enorm wichtig, muss aber auch fair und transparent verlaufen.
 

Fazit

Louis Schaub wäre für den SK Rapid Wien eine große Bereicherung gewesen. Das steht außer Zweifel. Und hätte vielleicht unter den Fans eine gewisse Aufbruchstimmung entfacht. Die ist aber dennoch angebracht. Wie das Turnier in Sindelfingen gezeigt hat.

Erst wenn die Hütteldorfer all ihre Hausaufgaben erledigt haben, kann man sich Gedanken über teure Investitionen in den Kader machen. Und selbst da wäre es wohl sinnvoller, das Geld in jüngere Spieler zu investieren.