Rapid Wien vs. FC Salzburg – die Spielvorschau

Neues Spiel, neues Glück heißt es bekanntlich. Wobei man sich auf den Faktor Glück in einer langen Meisterschaft weniger verlassen sollte. In einzelnen Situationen mag Glück zum Tragen kommen und Erfolg ist im Fußball auch nicht immer planbar, aber am Ende setzen sich die Vereine und Mannschaften durch, wo am Besten gearbeitet wird.

Selbstverständlich auch, wenn diese bessere Arbeit durch größere finanzielle Mittel ermöglicht wird. Ein Vorwurf, der gerne in Richtung des mit Brausekonzernmillionen unterstützten Salzburger Serienmeisters gemacht wird. Wenn ein österreichischer Verein allerdings in einem Transferfenster durch den Verkauf von aktuell acht Spielern über 50 Millionen Euro lukriert, sollte das einem zu denken geben. Zumal das Geld nicht in irgendwelche Pseudostars investiert wird, sondern in den Nachwuchs der Generation, die jetzt für die „Alten“ übernehmen soll. Und da ist trotz aller Abgänge noch genügend Qualität vorhanden.

Beim SK Rapid Wien hat man in den letzten Jahren auch hauseigene Transferrekorde erzielt, die Summen lassen sich allerdings mit den Salzburgern nicht einmal ansatzweise vergleichen. Bis das Trainingszentrum fertiggestellt ist und in Betrieb genommen werden kann, wird es jedoch noch bis 2021 dauern und der Abstand zum Meister in dieser Hinsicht nicht schrumpfen. Denn die Salzburger gewinnen nicht nur die Meistertitel bei den Profis, sondern räumen auch von der U15, über die U16 bis zur U18 regelmäßig fast alle Titel ab.

Zudem wäre der SK Rapid Wien in Österreich ohne die Salzburger der Ligakrösus. Trotz deutlich höherer finanzieller Mittel haben sich die Hütteldorfer aber im Vorjahr von Vereinen sportlich abhängen lassen, deren pekuniäre Mittel deutlich hinterher hinken.

Mit Zoki Barisic als neuer Geschäftsführer Sport soll dieser Vorsprung an Mittel und Infrastruktur auch am Spielfeld und in der Tabelle wieder ersichtlich werden und die klaffende Lücke zu den Salzburgern zumindest verringert werden. Eine ambitionierte Aufgabe, an der seine Vorgänger Andreas Müller und Fredy Bickel letztendlich gescheitert sind.

Ausgangssituation

Nachdem der SK Rapid nun schon das zweite Mal in nur drei Jahren das internationale Geschäft verpasst und die Fans in der letzten Saison sukzessive aus dem Stadion gespielt hat, liegt in der neuen Saison der Fokus darauf, die verärgerten Fans wieder zu versöhnen und zurück ins Weststadion zu holen.

Dass dies kein leichtes Unterfangen wird, zeigen die Vorverkaufszahlen für den Schlager gegen Salzburg. 19.000 verkaufte Tickets sind für österreichische Verhältnisse vielleicht ganz in Ordnung, dennoch sollte so ein Spiel ausverkauft sein. Urlaubszeit hin oder her.

Das wird hoffentlich bald wieder der Fall sein, wenn die Mannschaft den Worten der Verantwortlichen Taten folgen lässt. Ausreden haben die Fans in den letzten Jahren wirklich mehr als genug zu hören bekommen. Dass der Funke schnell rüberspringen kann, hat man im Winter nach dem 2:0 Erfolg gegen Salzburg gesehen.
 

Personalsituation

Vom langzeitverletzten Tamás Szántó gibt es keine neuen Nachrichten, somit werden wir ihn auch nicht in jeder Spielvorschau erwähnen. Es bleibt zu hoffen, dass der Eigenbauspieler nicht ein ähnliches Schicksal wie Ivan Mocinic widerfährt. Ansonsten ist noch Mario Sonnleitner verletzt. Dejan Ljubicic dürfte noch Trainingsrückstand aufweisen. Das Fehlen von Aliou Badji im Cup Vorsichtsmaßnahme gewesen sein.
 

FC Salzburg

Auch beim FC Salzburg ist einiges neu. Erfolgstrainer Marco Rose ist nun bei Borussia Mönchengladbach. Wie erfolgreich Nachfolger Jesse Marsch sein Erbe antritt und was er verändert, wird sich zeigen. Neu ist auch, dass sich die Salzburger tatsächlich für die Champions League qualifiziert haben. Nach elf erfolglosen Versuchen. Damit spielen die Mozartstädter nicht mehr in der grauen Maus Europa League, sondern in der schillernden Welt der Champions League und im Konzert der ganz Großen. Von Mailand, München oder Madrid nach Mattersburg ist eine Umstellung.

Trotz der sportlichen Herausforderung haben auch dieses Transferfenster wieder einige Stammspieler den Verein verlassen. Und gutes Geld in die Klubkassen gespült. Die – der eigenen Philosophie folgend – in Teenager investiert wurden. Munas Dabbur, Stefan Lainer, Hannes Wolf und Xaver Schlager sind zwar weg, jetzt muss eben die Zeit von Dominik Szoboszlai, Antoine Bernede, Patson Daka und Erling Braut Haland kommen. Dafür wurden sie in Liefering seit Jahren aufgebaut und behutsam herangeführt.

Es mag sein, dass der Motor anfangs noch etwas stottert und die Dreifachbelastung eine Herausforderung darstellt. Topfavorit auf den Meistertitel bleiben die Salzburger dennoch.
 

Bilanz

Bezieht man in die Statistik den Vorgängerclub und Traditionsverein Austria Salzburg ein, sieht die Bilanz aus Hütteldorfer Sicht gut aus. Bilanziert man seit dem Einstieg des Brausekonzerns, hat sich das Gleichgewicht deutlich verschoben:

Rapid WienFC Salzburg (inklusive Austria Salzburg): 80 Siege, 46 Remis, 64 Niederlagen.
Rapid WienRB Salzburg (seit 2005): 13 Siege, 15 Remis, 28 Niederlagen.
 

Stimmen

Didi Kühbauer:
Wir glauben daran, dass wir Salzburg schlagen können. Wir haben eine gute Truppe zusammengestellt, schnelle Spieler geholt – und Tempo ist im Fußball nicht unwichtig. Sie haben nicht an Tempo verloren, deshalb werden wir ein leidenschaftliches Spiel benötigen, um bestehen zu können.“

Jesse Marsch:
Wir sind für dieses erste Spiel bereit, auch wenn wir noch nicht unser höchstes Level erreicht haben. Wir haben noch viel zu tun. Aber die ersten drei bis vier Wochen der Vorbereitung waren schon sehr gut, und wir haben jeden Tag, jede Woche und in jedem Spiel einen Schritt nach vorn gemacht. Das ist ein gutes Signal meiner Mannschaft.“
 

Ausblick

Die Salzburger sind Favorit. Auf den Sieg in Hütteldorf und die Meisterschaft. Daran ändert auch nichts, dass einige Stammspieler den Verein verlassen haben und ihr Glück in größeren Ligen suchen. Die nächste Generation übernimmt und wird die „Alten“ vergessen machen.

Allerdings ist das vermutlich der günstigste Zeitpunkt, um die Salzburger am falschen Fuß oder noch nicht so eingespielt zu erwischen. Dafür muss aber die Rapidmannschaft zeigen, dass sie aus den Fehlern der letzten Saison gelernt hat und endlich den Rapidgeist zeigt, den die Fans sehen wollen und wofür sie brennen. Dieser Funke muss endlich rüberspringen, damit auch das Weststadion endlich zur grünweißen Festung wird.

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