Der Rapid-Nachwuchs brilliert bei internationalem Spitzenturnier

Rapid Wien Nachwuchs

Am 05. und 06. Jänner 2019 fand im baden-württembergischen Sindelfingen in der Nähe von Stuttgart die 29. Auflage des Mercedes-Benz Junior Cup statt. Die aus Spielern von der U18 und Rapid II zusammengestellte Mannschaft musste sich nach tollen Leistungen erst im Finale gegen den Nachwuchs des großen Liverpool FC geschlagen geben. Das eingeschworene Rapid-Team – blendend eingestellt von Trainer Muhammet Akagündüz – hat sich mit Bandenzauber und spielerischer Raffinesse nicht nur in die Herzen der Zuschauer, sondern sich wohl auch der ein oder andere Spieler in die Notizblöcke der zahlreichen Scouts gespielt. Mit dem erst 15-jährigen überragenden Yusuf Demir hat Rapid nicht nur den Spieler des Turniers gestellt, sondern mit Daniel Markl auch den Torschützenkönig!

 

Das Turnier:

Das Hallenturnier für acht U19-Teams wird seit 1991 ausgetragen und hat sich zu einem internationalen Turnier mit vielen prominenten Teilnehmern entwickelt. Mit Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes, Christoph Kramer und Sami Khedira haben auch 5 Weltmeister 2014 als Nachwuchsspieler teilgenommen.

Der SK Rapid Wien war bereits in den Jahren 1991 bis 1993 bei dem Turnier Gast und konnte bei seiner Rückkehr 2016 sensationell gewinnen. Von den damaligen 12 Rapidspielern haben es Dejan Ljubicic und Manuel Thurnwald in den Profikader geschafft, der damalige „Spieler des Turniers“ Julian Küssler spielt in der Regionalliga Ost beim Wiener Sportclub. 2017 reichte es immerhin für Platz 3.

Gespielt wird zweimal 9 Minuten auf einem Kunstrasenfeld umgeben von einer Holzbande.

 

Der Verlauf:

Gleich am ersten Tag gab es mit einem 3:0 gegen die U19 von Hertha BSC einen deutlichen Sieg, der noch von einem 4:0 gegen Bayern München getoppt wurde. Einzig gegen die robuste Mannschaft der Glasgow Rangers musste eine knappe 0:1-Niederlage hingenommen werden.

Am zweiten Tag wurde in der Zwischenrunde zuerst Lokalmatador VfB Stuttgart mit 4:2 und mit dem selben Ergebnis der Nachwuchs des ruhmreichen Liverpool FC besiegt.

Im Halbfinale gab es ein Wiedersehen mit den Glasgow Rangers und nach zwischenzeitlich klarer 3:0-Führung wurde es noch knapp, aber ein 4:3 über die Zeit gebracht – Finale!

Im Finale gegen den Liverpool FC gelang zwar die Führung, aber die jungen Engländer erwiesen sich als das stärkere Team und zogen auf 1:3 davon. Der Anschlusstreffer durch Yusuf Demir kam zu spät und somit musste eine bittere Finalniederlage hingenommen werden.

 

Die Spieler:

Niklas Hedl: Der 17-jährige Sohn des Ex-Rapid-Torhüters Raimund Hedl ist bereits seit 2007 im Nachwuchs des SK Rapid und hat sämtliche Nachwuchsmannschaften durchlaufen. Aktuell spielt er bei Rapid II in der Regionalliga Ost und wurde in 9 Spielen eingesetzt. Fünfmal wurde der 188 cm große Torhüter in den Kader der österreichischen U17-Nationalmannschaft einberufen, zu einem Einsatz hat es bislang nicht gereicht. Sein Vertrag bei Rapid wurde erst kürzlich bis 2021 verlängert.

Nikolas Polster: Mit seinen erst 16 Jahren hat er beim Turnier mit tollen Paraden aufgezeigt. Im Herbst durfte er je einmal das Tor der U16 und Rapid II hüten, sein tägliches Brot ist die U18, wo er 9 Spiele absolviert hat. Bei einem Testspiel der Profimannschaft im Sommer gegen ASK Ebreichsdorf durfte er für 30 Minuten sein Können zeigen und für die U17-Nationalmannschaft hat er 3 Spiele erfolgreich bestritten. Sein Arbeitspapier endet im Sommer 2020. Vorerst.

Yusuf Demir: Der erst 15-jährige „Spieler des Turniers 2019“ wechselte 2013 aus der Vienna Jugend zu den Hütteldorfern. Seither geht es Schlag auf Schlag bergauf. Für die U15 hat er im Oktober 2017 mit einem Zaubertor von der Mittelauflage geglänzt. Nach 13 Treffern wurde er für das Frühjahr 2018 zur U16 hochgezogen, wo er ein Tor beisteuern konnte. Seit diesem Sommer ist er fixer Bestandteil des U18-Teams und hat in 11 Spielen 6 Tore geschossen und einen Treffer vorbereitet. Für die österreichische U15-Nationalmannschaft hat er in 8 Spielen zehnmal getroffen, für die U17 in 7 Einsätzen viermal. Sein Vertrag bei Rapid Wien wurde erst Anfang 2018 bis Sommer 2020 verlängert, eine langfristige Bindung bei Rapid wäre spätestens nach seinen jüngst gezeigten Leistungen im Dress des österreichischen Rekordmeisters wünschenswert. Es wäre wohl keine Überraschung, wenn ihn Trainer Didi Kühbauer ins Trainingslager der Profis mitnimmt. Aber auch der ÖFB ist gefordert, möchte man sich so ein großes Talent nicht abwerben lassen.

Paul Gobara: Erst vor etwas mehr als einer Woche wurde der Vertrag des 18-jährigen Innenverteidigers bis 2021 verlängert. 19 Länderspieleinsätze von der U15 bis zur U19 hat er auf seiner Visitenkarte stehen. Beim SK Rapid Wien pendelt er derzeit zwischen Rapid II (3 Spiele) und der U18 (10 Spiele).

Leo Greiml: Mit 186 cm gleich groß ist der gebürtige 17-jährige Horner, der erst im Sommer aus dem Nachwuchs von St. Pölten verpflichtet wurde. Neben 3 Spielen für Rapids U18 durfte er sich für Rapid II in 10 Einsätzen beweisen und stand auch schon bei den Profis im Herbst zweimal im Matchkader. 7 Einsätze für die österreichische U16 und 8 für die U17, teilweise auch als Kapitän, runden sein großes Talent ab.

Marco Hofer: Im Sommer wurde der 18-jährige aus der AKA Tirol verpflichtet und ist seither in 2 Spielen für die U18 und 7 Spielen für Rapid II zum Einsatz gekommen. Ein Torerfolg ist dem Flügelspieler bislang versagt geblieben. Zu 3 Freundschaftsspielen der österreichischen U18-Auswahl wurde er einberufen, sein Vertrag bei Rapid dauert bis Sommer 2020.

Mehli Ibrahimoglu: Der 18-jährige schnürt seit der U13 seine Schuhe bei Rapid. Anfang 2018 wurde sein Vertrag bis Sommer 2019 verlängert, im November gleich bis 2021. Obwohl er (noch) keine Teamspielerfahrung hat, setzt man bei Rapid große Stücke auf den Mittelfeldspieler. Für Rapid II hat er im Herbst 5 Tore geschossen und 8 vorbereitet.

Mustafa Kocyigit: Der U18-Teamspieler hat für Österreich in diversen Auswahlen bereits 12 Länderspiele in den Beinen. Beim SK Rapid ist der 17-jährige Kreativspieler seit 2014 und hat im Herbst in 10 Einsätzen für Rapids U18-Mannschaft 8 Tore erzielt und 2 aufgelegt. Im April 2018 wurde sein Vertrag bis Sommer 2020 verlängert.

Daniel Markl: 18 Jahre hat der Stürmer auf dem Buckel und wurde beim diesjährigen Turnier in Sindelfingen Torschützenkönig. Bei Rapid hat er in 14 Spielen für Rapid II sieben Mal zum Torjubel abgedreht, aber auch 3 Assists sprechen für einen gelungenen Herbst. Die Länderspielkarriere ist seit 2016 ins Stocken geraten, bei Rapid endet sein erst kürzlich verlängerter Vertrag im Sommer 2021.

Martin Moormann: So wie Leo Greiml ist auch der 17-jährige Verteidiger im Sommer aus St. Pölten nach Wien gewechselt und ist vorerst für 2 Jahre gebunden. Im Herbst gab es für ihn je 6 Einsätze bei Rapids U18 und Rapid II, viermal lief er für Österreichs U15 und zwölfmal für die U17 auf.

Lion Schuster: Bereits seit 2012 ist der 18-jährige bei den Hütteldorfern aktiv und hat sich bis zu Rapid II hochgearbeitet. In 13 Spielen in der Regionalliga Ost war er im Herbst am Feld und erzielte einen Treffer. Ende 2017 wurde sein Vertrag bis Ende Juni 2020 verlängert, eine weitere Verlängerung in absehbarer Zeit würde nicht überraschen. Für Österreich hat er in den diversen Nachwuchsauswahlen bislang 27 Spiele absolviert.

Lukas Sulzbacher: Schon 29 Länderspiele hat der 18-jährige rechte Außenverteidiger in seinen Beinen und hat im Herbst 5 Spiele für Rapids U18 und 7 Begegnungen für Rapid II bestritten. Seine letzte Vertragsverlängerung wurde 2016 bis Sommer 2019 vereinbart.

 

Fazit:

Ein Nachwuchs-Hallenturnier darf nicht überbewertet werden. Der Sprung zu den Profis ist sehr groß. Trotzdem zeigen die aktuellen Leistungen, dass im Nachwuchs des SK Rapid Wien gut gearbeitet wird und interessante Talente heranreifen. Hätte der österreichische Rekordmeister seine Nachwuchsakademie bereits, wäre eine Bindung der Talente vermutlich leichter, aber mit Talentemanager Steffen Hofmann hat der Verein ein Ass im Ärmel.

Damit der Sprung von Rapid II zu den Profis möglichst gering ist, muss der Aufstieg in die zweite Liga geschafft werden. Eine Kooperation wie aktuell mit dem FAC mag zwar überbrückend helfen, kann aber nicht das Ziel sein. Erst wenn die Nachwuchsspieler im Profibereich gefordert werden, ist eine optimale Förderung möglich. Die 10 Punkte Rückstand auf den FC Mauerwerk – Tabellenführer der Regionalliga Ost – werden wohl nicht aufzuholen sein, somit müssen Rapids Talente vermutlich auch in der Saison 2019/20 mit der dritten Liga vorlieb nehmen.

An Talenten wie dem 15-jährigen Yusuf Demir wird man die Arbeit der Rapidverantwortlichen messen. Wenn etwa europäische Spitzenvereine wie Liverpool FC, Real Madrid, Bayern München oder Juventus Turin bei einem Spieler anklopfen, wird es schwer sie zu halten. Mit der richtigen Perspektive aber nicht unmöglich.

Schreibe einen Kommentar