Wolken über Hütteldorf. Rapid Wien weiter in der Krise

Wolken Hütteldorf Rapid Krise

Gerade einmal drei Bundesligarunden sind in der Meisterschaft 2019/20 absolviert und schon brennt es in Hütteldorf wieder lichterloh. Wobei das „wieder“ genau genommen ungenau ist, gehen doch die Wogen eher immer noch hoch.
 
Was gab es nicht vor der Saison für salbungsvolle Worte der Rapidverantwortlichen. Die Fans sollten versöhnt und zurück ins Stadion geholt werden. Dieses an und für sich hehre Ziel scheint derzeit weit entfernt zu sein. Die Mannschaft hat ein Spiel gewonnen, eines remisiert und eines verloren. Gleich zweimal wurden die Rapidspieler von den Fans ausgepfiffen. Nicht bei der Heimniederlage gegen den Ligakrösus aus Salzburg, sondern ausgerechnet bei den beiden Punktegewinnen in St. Pölten und daheim gegen Altach. Man kann natürlich trefflich darüber streiten, ob ein Sieg tatsächlich der richtige Zeitpunkt ist, um die eigene Mannschaft auszupfeifen. Allerdings darf man eben auch nicht vergessen, dass den Rapidfans eine eklatante und signifikante Leistungssteigerung versprochen wurde, wovon – beim besten Willen – (noch?) nicht viel zu sehen ist.
 
Doch der Reihe nach und am besten hanteln wir uns chronologisch durch die erst drei Spiele alte Meisterschaft 2019/20 vor.
 

SK Rapid Wien – FC Salzburg

Es hat gedauert bis der Funke bei den Rapidfans übergesprungen ist. Der Vorverkauf verlief anfangs schleppend. Und trotzdem hat dann der Saisonauftakt gegen den FC Salzburg 24.200 Fans ins Stadion gelockt. Davon war nur ein Bruchteil aus der Mozartstadt angereist. Insgesamt nicht überragend, aber in Ordnung.
 
Das Spiel verlief dann aus grünweißer Sicht zwar unerfreulich, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Einsatz, Kampfgeist und Laufbereitschaft haben gepasst, spielerisch hat wenig geklappt. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz, mehr Schüsse auf das Tor und auch eine höhere Passqualität. Die Hoffnungen, dass die Salzburger nach dem Trainerwechsel und den vielen Abgängen schwächer geworden wären, sollten sich als unberechtigt herausstellen. Bis auf einen knappen Fehlschuss des zur Rapidviertelstunde eingewechselten Christoph Knasmüllner hatte der Gästetorwart einen geruhsamen Abend. Trotz der deutlichen Unterlegenheit wurden die Rapidspieler von den Fans mit Applaus verabschiedet.
 

SKN St. Pölten – SK Rapid Wien

Die Rapidler starteten ambitioniert und offensiv orientiert in der fast ausverkauften NV Arena. Hätten allerdings nach 18 Minuten nur noch zu zehnt am Platz stehen dürfen. Ein klares Torraubfoul von Maximilian Hofmann am schnelleren Husein Balic blieb von Schiedsrichter Christopher Jäger ungeahndet. Vor den Augen des japanischen Neuzugangs Koya Kitagawa brachte dann Ex-St. Pöltner Taxiarchis Fountas den Rekordmeister nach einem verunglückten Rückpass in Führung. Die nach nur wenigen Minuten und einem furchtbar schlecht verteidigten Eckball durch Robert Ljubicic ausgeglichen wurde.
 
Der Pausentee muss geschmeckt haben, denn nur Sekunden nach Wiederanpfiff war es Mert Müldür nach einer perfekten Flanke des eingewechselten Philipp Schobesberger vorbehalten, seine Farben erneut in Führung zu bringen. Die abermals nach einem Eckball durch Luan ausgeglichen wurde. Da der flinke Philipp Schobesberger den Matchball zwar über den Torhüter, aber auch am Tor vorbei verarbeitete, blieb es bei der Punkteteilung und den Pfiffen von den Rängen.
 
Dass die Pfiffe der linke Innenverteidiger der Dreierkette Maximilian Hofmann überhaupt miterleben durfte, war einer weiteren Fehlentscheidung des Unparteiischen geschuldet, der eine rüde Attacke des 26-Jährigen zur allgemeinen Überraschung nur mit dem gelben statt dem roten Karton geahndet hat. Dass auch Manuel Haas nach einem brutalen Foul an Mert Müldür vom Platz hätte fliegen müssen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Rapid Wien insgesamt zwar mit deutlich mehr Ballbesitz, mehr Schüssen auf das Tor, einer höheren Pass- und Zweikampfquote als die Gastgeber, aber eben auch mit zwei entscheidenden Schnitzern nach Standardsituationen.
 

Rapid Wien – SCR Altach

Statt des verletzten Kapitäns Stefan Schwab sollten im zentralen Mittelfeld die offensiven Christoph Knasmüllner und Thomas Murg gemeinsam die Fäden ziehen. Die verstärkten Offensivbemühungen sollten sich bereits nach 4 Minuten mit einem schönen Treffer von Taxiarchis Fountas auszahlen. Als nur sieben Zeigerumdrehungen später der Grieche seinen Doppelpack schnürte, rechneten wohl nur die wenigsten, der bloß 12.800 Fans im Stadion, damit, dass dieses Match noch einmal spannend werden könnte. Doch es wurde. Denn was die Rapidspieler in den restlichen 80 Minuten auf den Rasen zauberten, war ein Hohn für die magere Zuschauerkulisse. Vom 0:2 nicht geschockt und im Mittelfeld angetrieben von der überragenden Salzburg-Leihgabe Ousmane Diakité entwickelten die Vorarlberger alsbald ein deutliches Übergewicht. Und kamen infolge einer schlechten Rückgabe von Srdjan Grahovac zum Anschlusstreffer. Maximilian Ullmann und Philipp Schobesberger hätten bis zum Pausenpfiff den Zweitorevorsprung wieder herstellen können, so ging es allerdings nur mit einem knappen 2:1 in die Kabinen.
 
Was auch immer dort vorgefallen ist, es kann nicht gut gewesen sein. Nach Wiederanpfiff präsentierten sich die Hütteldorfer in einem desolaten Zustand und lieferten den immer stärker werdenden Altachern ein Rückzugsgefecht. Torhüter Richard Strebinger und der Unfähigkeit der Gäste war es zu verdanken, dass ihnen nicht zumindest der verdiente Ausgleich gelungen ist. Chancen dazu hätte es in Hülle und Fülle gegeben. Die einzige aussichtsreiche Tormöglichkeit der Gastgeber in den zweiten 45 Minuten vergab Taxiarchis Fountas. Der „dreckige Sieg“, wie er hernach von Trainer Didi Kühbauer bezeichnet wurde, konnte zwar mit Glück und einer Systemumstellung auf das alte 4-2-3-1 über die Bühne gebracht werden, die Fans waren jedoch ob des desolaten Auftritts in der zweiten Halbzeit erbost und haben das lautstark zum Ausdruck gebracht. Gerade einmal 38,7% Ballbesitz in einem Heimspiel sprechen eine deutliche Sprache.
 

Neue Saison – alte Probleme

Wie ist es möglich, dass nach nur drei Meisterschaftsrunden die – Verzeihung – Kacke schon wieder so am Dampfen ist? Trotz der Beteuerungen, dass doch alles besser werden würde. Und die Mannschaft auf dem Platz eine bessere Mentalität zeigen würde. Deswegen wurden Spieler gegangen und neue geholt. Viel Verbesserung, wenn überhaupt, ist nicht zu erkennen. Dabei hat Rapid Wien in St. Pölten, die wegen einer Transfersperre gar keine neuen Spieler verpflichten durften, zweimal geführt. Daheim gegen die Altacher bereits nach wenigen Minuten mit 2:0. Und trotzdem bringt selbst ein günstiger Spielverlauf weder Ruhe in das Team, noch spornt es die Spieler zu höheren Leistungen an. Wie es die Salzburger Woche für Woche vorexerzieren.
 

Heimschwäche und Leistungsabfall nach der Pause

Über die Heimschwäche und die schwache 2. Halbzeit haben wir bereits geschrieben. Daran scheint sich nichts geändert zu haben. Die Salzburger konnten nicht ins Wanken gebracht werden und die Vorarlberger hat ein 0:2 Rückstand im Weststadion überhaupt nicht beeindruckt. Im Gegenteil. Wo, wenn nicht in Hütteldorf kann man so ein Spiel noch locker drehen. Von einem Heimnimbus oder einer Festung, wie es das alte St. Hanappi war, kann gar keine Rede sein. Geht es um die Punktevergabe lautet das Motto: Wer will, wer mag, wer hat noch nicht. Und auch die grottige zweite Halbzeit gegen drückend überlegene Altacher lässt nichts Gutes erahnen.
 

Formschwäche durch Systemumstellung?

Als Trainer Didi Kühbauer angekündigt hat, mit der Mannschaft ein neues Spielsystem einstudieren zu wollen, war der Zuspruch groß. Und es wäre auch falsch, bereits nach drei Spielen den Stab darüber zu brechen. Augenscheinlich ist aber, dass einige Spieler nicht in Form sind, respektive durch die neuen Positionen nicht so richtig zur Geltung kommen. Thomas Murg wusste am rechten Flügel besser zu gefallen, als er es bislang im Zentrum gezeigt hat. Der Versuch, ihn und Christoph Knasmüllner gegen Altach gemeinsam zu bringen, war kein Erfolg. Rapids Nummer 28 war überhaupt von der Rolle und hat – gefühlt – keinen einzigen Zweikampf gewonnen. Fraglich ist auch, weshalb Linksfuß Mateo Barac in der Vorbereitung als linker Verteidiger der Dreierkette gesetzt war und nun die Ersatzbank ziert. Und auch Aliou Badj, der bei seinem ersten Einsatz noch alles niederreißen wollte, erinnert von seiner Körpersprache her mittlerweile an seine Vorgänger im Sturm.
 

Ausblick

Noch ist nicht viel passiert. Es sind erst drei Runden gespielt. Trotzdem haben diese 270 Minuten frappant an die Leistungen der letzten Saison erinnert. Das merken auch die Fans. 24.200 Zuschauer gegen den FC Salzburg waren in Ordnung. Die 12.800 gegen den SCR Altach auf Abstiegsplayoffniveau. Die dürftige Darbietung könnte weitere Fans verprellt haben. Mit Sturm Graz auswärts, dem bärenstarken LASK daheim und danach dem Auswärtsderby geht es munter weiter. Sollte es zu keiner Leistungssteigerung und möglichst vielen Punkten kommen, könnte sich der Ärger der Rapidfans wohl wieder einmal am schwächsten Glied entladen – dem Trainer. Eine Diskussion, die es derzeit wirklich nicht braucht. Denn es sind die Spieler, die am Platz stehen und – wie gegen den SCR Altach – wieder einmal jegliche Rapidtugenden vermissen ließen. Wieder. Oder weiter.
 

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