Rapid Wien vs. Inter Mailand – die Matchanalyse

Rapid Wien gegen INter Mailand

Rapid Wien unterliegt im Sechzehntelfinalhinspiel knapp mit 0:1! Wie hat Trainer Didi Kühbauer aufgestellt? War der Sieg von Inter Mailand verdient? Was bedeutet das für das Rückspiel?

 

Rapid Wien – Inter Mailand – die Aufstellungen:

Rapid Wien:

Berisha

Ivan                  Schwab          Thurnwald

Grahovac          Ljubicic

Bolingoli   Hofmann   Sonnleitner   Potzmann

Strebinger

Ersatz: Knoflach, Auer, Müldür, Knasmüllner, Martic, Murg, Schobesberger.

Inter Mailand:

Martínez

Perisic        Nainggolan        Politano

Vecino         Valero

Asamoah       Miranda       De Vrij        Soares

Handanovic

Ersatz: Padelli, D´Ambrosio, Nolan, Ranocchia, Roric, Candreva, Schirò.

 

Rapid Wien im 4-23-1 geplant – als 4-4-1-1 umgesetzt:

Christopher Dibon fällt wieder einmal verletzt aus, weswegen Mario Sonnleitner seinen Part in der Innenverteidigung übernimmt. Vor der Doppel-Sechs soll Kapitän Stefan Schwab den Zehner geben. Im rechten Mittelfeld wird wie schon in der Vorbereitung Manuel Thurnwald aufgeboten und Veton Berisha soll die Verteidigung beschäftigen. Der neu verpflichtete Stürmer Aliou Badji ist nicht spielberechtigt, Deni Alar und Andrija Pavlovic sitzen auf der Tribüne.

 

Luciano Spalletti setzt auf sein 4-2-3-1:

Der 59jährige überrascht mit seiner Aufstellung nicht – die gesperrten Milan Skriniar und Marcelo Brozovic werden durch Miranda und Borja Valero ersetzt, der unwillige Mauro Icardi durch Lautaro Martínez. Auf der Bank nehmen drei Spieler aus der Primavera Platz.

 

Das Spiel:

Der haushohe Favorit Inter Mailand übernimmt von Beginn weg das Spiel und hat bereits in der zweiten Spielminute seine erste Torchance.

Sind die Italiener in Ballbesitz, verteidigen die Hütteldorfer in einem 4-4-1-1. Zwei tief stehende defensive Vierketten mit wenig Raum dazwischen, an vorderster Front Stürmer Veton Berisha, der die Verteidiger beschäftigen soll und als Verbindungsglied Stefan Schwab. Die Mannschaft verschiebt gut gegen den Ball und lässt den prominenten Gegenspielern sehr wenig Raum. Der ballführende Spieler wird zumeist von mehreren Akteuren unter Druck gesetzt.

Rapids Spielaufbau mit langen Bällen ist zum Scheitern verurteilt. Auch ansonsten ist das Passspiel zu unpräzise und die Italiener haben nach eigenem Ballverlust wenig Probleme, den Ball wieder zurückzuerobern. Das liegt vor allem daran, dass die Heimmannschaft nach einem Ballgewinn zu wenige Spieler vor dem Ball hat und ein schnelles Umschalten nicht möglich ist. Dadurch wird die italienische Defensive nie unsortiert vorgefunden.

Die Hütteldorfer sind über die linke Seite deutlich aktiver als über rechts. Andrei Ivan hat aber auch mehr Offensivpotential als sein Pendant Manuel Thurnwald.

Obwohl Mario Sonnleitner bereits nach 12 Minuten verwarnt wird und in Minute 32 mit Stefan de Vrij zusammenstößt und am Kopf blutend liegenbleibt, ist er in der Defensive der Fels in der Brandung und gewinnt die meisten Zweikämpfe.

Das Tor für die Mailänder fällt glücklich. Zwar ist das Foul von Manuel Thurnwald unstrittig, jedoch hätte der Schiedsrichter zuvor nach Foul von Ivan Perisic an Marvin Potzmann abpfeifen müssen.

In der zweiten Hälfte stehen die Nerazzurri tiefer und lassen das Heimteam kommen. Die Grün-Weißen werden durch die offensiven Wechselspieler deutlich stärker und mutiger und nutzen durch Spielverlagerungen das Spielfeld nun besser. Allerdings erweisen sich Flanken gegen die starke Innenverteidigung als kein probates Mittel. Zumal sie auch viel zu unpräzise sind.

Trotz der deutlich aktiveren Spielweise können Konter der Italiener zumeist früh gestört und abgefangen werden.

In den letzten Spielminuten nimmt die Mannschaft des SK Rapid noch mehr Risiko und attackiert bereits tief in der gegnerischen Hälfte. Bis auf die Großchance von Christoph Knasmüllner in Minute 65 gibt es allerdings keinen nennenswerten Abschluss mehr.

Nach fast 95 Minuten beendet der Schiedsrichter das Match – Inter Mailand gewinnt im Weststadion knapp mit 0:1.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

2. Minute: Chance für Inter:

Eine Flanke des rechten Außenverteidigers Cédric Soares klärt Torhüter Richard Strebinger nach vorne, Matteo Politano stoppt sich den Ball, sein Schuss geht knapp am Tor vorbei.

 

38. Minute: Tor für Inter:

Schwacher Ausschuss von Richard Strebinger ins Seitenout. Beim anschließenden Zweikampf um den Ball wird das Leder quer gespielt, Boli Bolingoli geht zu lasch in den Zweikampf mit Borja Valero und der Spanier kann den Angriff in der Hütteldorfer Hälfte einleiten. Nach seinem Pass auf die linke Seite versucht Ivan Perisic in den Strafraum einzudringen, stolpert jedoch und fällt in Außenverteidiger Marvin Potzmann hinein – ein klares Foul. Leider nicht für Schiedsrichter Tobias Stieler. Beim anschließenden Versuch von Manuel Thurnwald, den Ball zu klären, trifft er den schnelleren Lautaro Martínez am Fuß und der Referee entscheidet auf Strafstoß. Der gefoulte Argentinier tritt selbst an und hämmert den Ball in die Mitte – 0:1.

 

45. Minute: Chance für Inter:

Nach einem Eckball patzen sowohl Manuel Thurnwald als auch Andrei Ivan und Stürmer Lautaro Martínez kommt sogar zweimal zum Abschluss. Seinen ersten Versuch kann Richard Strebinger bändigen, der zweite Abschluss landet knapp im Außennetz.

 

45+3. Minute: Abseitstor Rapid:

Angriff über die linke Seite. Eine Hereingabe von Stefan Schwab können die Lombarden kurz abwehren, der Ball gelangt im Strafraum zu Dejan Ljubicic, sein geblockter Schuss bei Veton Berisha und der Norweger legt mit dem Kopf auf den Rumänen Andrei Ivan zurück. Dessen Volleyschuss landet im Tor. Allerdings ist Veton Berisha bei seinem vermeintlichen Assist klar im Abseits gestanden. Richtige Entscheidung.

 

60. Minute: Chance für Inter:

Nach einem kurz abgespielten Freistoß zirkelt Matteo Politano eine Flanke in den Strafraum. Richard Strebinger reagiert schlecht, Matías Vecino köpft jedoch über das verwaiste Tor.

 

65. Minute: Chance für Rapid:

Langer Ball von Stefan Schwab in die Spitze auf Philipp Schobesberger. Nach perfekter Ballannahme passt er auf den rechten Flügel zum mitgelaufenen Veton Berisha. Seine scharfe flache Hereingabe verarbeitet Christoph Knasmüllner sofort, mit einem sensationellen Reflex bleibt Torhüter Samir Handanovic Sieger und wehrt den Ball über sein Gehäuse ab.

 

74. Minute: Chance für Inter:

Ivan Perisic setzt sich am linken Flügel gegen Stefan Schwab durch. Auch Marvin Potzmann kommt zu spät. Sein Pass in den Rücken der Rapidverteidigung übernimmt Radja Nainggolan direkt, sein Schuss geht knapp am Tor vorbei.

 

Was war gut?

Es war zwar nicht hübsch anzusehen, aber die Defensive hat weitgehend hervorragend funktioniert. Immerhin ist Inter Mailand eine mit Stars gespickte europäische Spitzenmannschaft.

Die Choreographie in Minute 12 war über- und die Stimmung hervorragend! Ein großes Lob an die Fans!

 

Was war nicht gut?

Die erste Halbzeit. Wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange stehen, ist fast noch eine Untertreibung.

Eine echte Torchance in 90 Minuten ist dürftig.

Das eigene Spiel auf die Flügel zu verlagern, war vernünftig. Es gegen diese starke Innenverteidigung mit Flanken ohne gelernten Stürmer zu probieren, weniger.

Was ist in der Wintervorbereitung falsch gelaufen? Die teuren Sommerverpflichtungen Deni Alar, Andrija Pavlovic und Mateo Barac sitzen bloß auf der Tribüne und die Kreativspieler Philipp Schobesberger, Christoph Knasmüllner und Thomas Murg nur auf der Bank? Dafür die limitierten Manuel Thurnwald und Veton Berisha in der Startelf.

 

Fazit und Ausblick?

Die erste Halbzeit war völlig mutlos. Bedingt auch durch die extrem defensive Aufstellung. Gerade einmal 29% Ballbesitz und kein einziger Schuss wurde auf das gegnerische Tor abgegeben.

In den zweiten 45 Minuten war die Mannschaft des SK Rapid Wien deutlich besser im Spiel und wurde durch die Einwechslungen immer stärker. 44% Ballbesitz zeigen das deutlich.

Das Elfmeterfoul von Manuel Thurnwald war zu geben, allerdings hätte der Schiedsrichter bereits davor nach Foul von Perisic an Potzmann abpfeifen müssen. Somit fällt die Niederlage unglücklich aus, auch wenn Inter Mailand ein klares Chancenplus hatte.

 

Was heißt das für das Rückspiel?

Nicht viel, denn gelingt den Hütteldorfern der erste Treffer, sind sie wieder voll im Rennen. Auf der defensiven Leistung kann man aufbauen, offensiv muss deutlich mehr geboten werden. Dafür muss das Trainerteam aber auch mutiger aufstellen und spielen lassen. Ob das drei Tage vor dem so wichtigen Meisterschaftsspiel gegen RB Salzburg riskiert wird?

Gut möglich, dass Inter Mailand das Rückspiel auf die leichte Schulter nimmt und ausverkauft wird das Stadion sicher nicht sein. Die Causa Icardi wird die Italiener noch länger beschäftigen.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Durch das Defensivkonzept weniger gefordert als erwartet. Unsicherheiten bei Flanken und schwache Abschläge mit dem Fuß. Das Geburtstagskind war schon besser.

Mario Sonnleitner:

Mann des Spiels. Trotz früher Verwarnung. Egal, ob mit oder ohne Turban.

Maximilian Hofmann:

Nicht ganz so präsent wie sein Nebenmann, aber auch stark in den Zweikämpfen.

Marvin Potzmann:

Hatte mit Ivan Perisic einen sehr starken Gegenspieler. Immer wieder mit Ballverlusten. Gegen Ende des Spiels auch offensiv mutiger.

Boli Bolingoli:

Defensiv solide, offensiv wirkungslos. Fehler im Passspiel und schwache Flanken.

Srdjan Grahovac:

Sehr unauffälliges Debüt bei seiner Rückkehr. Konnte keine Entlastungsakzente setzen und auch in den Zweikämpfen muss mehr kommen. Nach 64 Minuten war sein Arbeitstag beendet.

Dejan Ljubicic:

Gute Leistung des 21jährigen. Gute Passquote.

Manuel Thurnwald:

Pech, dass sein Elfmeterfoul nicht schon vorab abgepfiffen wurde. Ansonsten völlig überfordert. Nach 53 Minuten ausgewechselt.

Stefan Schwab:

Als Achter auf der Zehnerposition keine gute Idee. Mit den Umstellungen in der zweiten Halbzeit ist auch er besser zur Geltung gekommen. Kann aber deutlich mehr.

Andrei Ivan:

Lange Zeit einziger Kreativspieler am Platz und somit auf verlorenem Posten. Kämpfte und rackerte bis zum Schluss.

Veton Berisha:

Wie schon gegen die Rangers: „Als Stürmer überfordert. Mit viel Einsatz aber ohne Wirkung. Am rechten Flügel besser.“

Hat aber die größte Torchance vorbereitet. Nach 82 Minuten durfte er duschen gehen. Im Rückspiel ist der Norweger gesperrt.

Philipp Schobesberger:

Für Manuel Thurnwald eingewechselt und mit Veton Berisha die Position getauscht. Brachte Schwung in das bis dahin lahme Offensivspiel.

Christoph Knasmüllner:

Für Srdjan Grahovac ins Spiel gekommen und nach wenigen Augenblicken mit der besten Chance des Spiels. Arbeitete auch nach hinten.

Thomas Murg:

Kam für die letzten 10 Minuten statt Veton Berisha im Spiel. Zu wenig Zeit, um noch Akzente zu setzen.

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