Rapid Wien in Europa 2018/19 – eine Bilanz

Angesagte Revolutionen finden nicht statt. Sagt man. Angesagte Sensationen leider auch nicht. Sah man gestern. Trotz einer gesunden Portion Zuversicht und 5.000 enthusiasmierter Fans ist nicht einmal ansatzweise Spannung aufgekommen. Mit gnadenloser Effizienz haben die Nerazzurri die ersten Fehler der Rapidler mit Toren bestraft. Glücklicherweise nicht jeden, sonst wäre der Abend noch bitterer verlaufen.

Mit dem 0:1 und 0:4 wurden dem österreichischen Rekordmeister von dem italienischen Spitzenverein die Grenzen aufgezeigt. Und zwar deutlich. Natürlich könnte man lapidar anmerken: Eh nur halb so schlimm wie gegen Valencia (Gesamtscore 0:10), aber das wird wohl niemanden ernsthaft zufrieden stellen.

Muss man als Rapidfan jetzt Trübsal blasen? Mitnichten!

 

Lassen wir die Europacupsaison noch einmal Revue passieren:

Der slowakische Rekordmeister Slovan Bratislava wurde, nach einer enttäuschenden Auswärtsniederlage, mit einem klaren 4:0 im Weststadion auf die Heimreise geschickt. In der Fortuna Liga sind die Hauptstädter nach 19 Runden ungeschlagen und steuern auf den ersten Meistertitel seit 2014 zu.

Zur Halbzeit im Rückspiel des Europa League-Playoffs war Rapid Wien gegen FCSB de facto ausgeschieden. Die Rumänen hatten nicht nur den Zweitorerückstand aus dem Hinspiel aufgeholt und waren durch das Auswärtstor im Vorteil, sondern auch spielerisch überlegen. Erst durch einen bösen Torwartschnitzer sind die Grün-Weißen zurück ins Spiel und letztendlich in die Gruppenphase der Europa League gekommen.

In der Gruppenphase wurde der russische Spitzenclub Spartak Moskau zweimal besiegt. Die 0:5-Niederlage beim FC Villarreal war ein zwischenzeitlich herber Rückschlag, das 0:0 im Weststadion hat zumindest teilweise entschädigt. Nach der Auswärtsniederlage in Schottland durften die Rapidfans einen legendären Europacupabend im Heimspiel genießen und mit dem 1:0-Sieg gegen die Glasgow Rangers der Aufstieg in das Sechzehntelfinale gefeiert werden.

Nach dem Hinspiel gegen Inter Mailand wurde Trainer Didi Kühbauer für sein striktes Defensivkonzept kritisiert. Ganz falsch kann es nicht gewesen sein, wie das Rückspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion gezeigt hat. Ein Verein, der mit 281 Millionen Euro Umsatz ungefähr das Siebenfache des österreichischen Spitzenclubs bewegt, locker mal einen Stürmer mit einem Marktwert von etwa 100 Millionen Euro auf die Tribüne setzen kann und hauptsächlich erfolgreiche Nationalteamspieler in seinem Kader begrüßen darf, MUSS klar überlegen sein.

Mit 5 Siegen, einem Remis und 6 Niederlagen – Torverhältnis 15:19 – ist die sportliche Bilanz zwar knapp negativ, dennoch darf man als Rapidfan auf die Saison stolz sein.

Finanziell hat sich die Saison ausgezahlt. Allein 5,82 Millionen überweist die UEFA an Startgeld und Prämien. Dazu kommen noch Gelder aus der Koeffizientenrangliste und dem Marktpool. Mit den Einnahmen aus dem Ticketing, Merchandising und Fernseheinnahmen wird am Ende ein namhafter Nettomillionenbetrag übrig bleiben.

Viele tausend Kilometer haben die Rapidfans auf sich genommen, um die Mannschaft mit fantastischen Choreographien und ihrer Stimmgewalt zu unterstützen. Jede einzelne Reise kostet nicht nur viel Zeit und Geld, sondern auch viel Aufwand. Bei negativen Vorkommnissen wird medial jede Mücke zum Elefanten aufgeblasen. Man muss sich auch einmal die Zeit nehmen und den Rapidfans für ihren unermüdlichen Einsatz und die tolle Unterstützung danken!

 

Was kann Rapid mitnehmen und lernen?

Kurz bevor die Mannschaft des SK Rapid in Mailand eine Lehrstunde erhalten hat, hat die Salzburger Filiale eines bekannten Getränkekonzerns den amtierenden belgischen Meister aus dem Stadion geschossen. Nicht bloß mit Spielern, die für Millionen verpflichtet, sondern erfolgreich ausgebildet und gescoutet wurden. Sowie mit einem modernen Spielsystem. In Linz versucht man beim LASK das Erfolgsmodell zu kopieren und rangiert in der Tabelle auf Platz 2. Mit 14 Punkten Vorsprung auf den österreichischen Rekordmeister. Die Mannschaft wird seit Jahren zusammengehalten und punktuell verstärkt und das Nachwuchsteam darf sich in der zweithöchsten Liga für höhere Aufgaben beweisen. Und nicht in der Regionalliga.

Möchte Rapid Wien nicht nur international, sondern vor allem auch national wieder im Konzert der Großen mitspielen, muss viel passieren. Einiges ist nun auf Schiene, bei anderen Themen fehlt es noch an einem Konzept. Rapids Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Peschek macht einen hervorragenden Job. Die Arbeit seiner Abteilung ist aber die Basis für den Geschäftsführer Sport Fredy Bickel. Zu oft hatte man in der Vergangheit das Gefühl, es wäre umgekehrt.

 

Am Sonntag kommen die Salzburger nach Hütteldorf. Für Rapid Wien ein Pflichtsieg, um den Traum auf das Meisterplayoff am Leben zu erhalten. Und um zu zeigen, dass die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse aus dem erfolgreichen Auftreten im Europacup, aber dem schwachen Abschneiden in der Meisterschaft gezogen haben.

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