SK Rapid Wien: Grünweiße Comebacks

Rapid Wien Analyse Comeback

Sieg-Hattrick für den SK Rapid Wien! Nach dem souveränen Erfolg im Wiener Derby und dem Kantersieg gegen Admira Wacker konnten auch aus Tirol die drei Punkte mit nach Hause ins Weststadion genommen werden. Drei Meisterschaftssiege am Stück – das gab es schon seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr. Sollte man meinen, doch es ist gar nicht so lange her.
 
Im letztjährigen Abstiegsplayoff gab es gleich zu Beginn drei volle Erfolge gegen Admira Wacker, Wacker Innsbruck und SV Mattersburg, ehe die Serie in Altach mit einem 2:2 riss. Kommendes Wochenende gastiert TSV Hartberg in Wien Hütteldorf, danach geht es ins Burgenland. Beides Mannschaften, die dem SK Rapid im Vorjahr wichtige Punkte weggenommen haben, aber kein Stolperstein sein dürfen, wenn man ein Comeback in den Top drei der Liga anstrebt.
 

Comebacks in Grünweiß

Comeback ist ein gutes Stichwort. Denn in den letzten drei Spielen haben einige Protagonisten aufgezeigt, mit denen so in dieser Form nicht unbedingt zu rechnen gewesen ist.
 

Die zweite Halbzeit

In unserer Analyse der letzten Saison haben wir die Schwächen des SK Rapid in der zweiten Hälfte thematisiert. Was auch immer die Spieler von Rapid Wien als Pausentee zu sich genommen haben, es muss das Falsche gewesen sein. Und auch die Rapidviertelstunde hat viel von ihrem einstigen Schrecken eingebüßt. Doch im Derby am Verteilerkreis, gegen die Auswahl aus Maria Enzersdorf und nun am Tivoli haben die Hütteldorfer bärenstarke Leistungen nach Wiederanpfiff abgeliefert.
 
Gegen die biedere Truppe von Christian Ilzer wurde ein 1:1 in ein verdientes 3:1 umgewandelt. Die 1:0 Führung nach etwas zähen ersten 45 Minuten gegen Admira Wacker dank eines Angriffsfurioso in ein 5:0. Und auch das 0:0 zur Pause im heiligen Land noch in ein 2:0.
 

Die Viererkette

Eine der Hauptkritikpunkte der letzten Saison war die fehlende taktische Variabilität. In der Sommerpause wurde ein 3-5-2 einstudiert. Da sich aber vor allem die Innenverteidiger des SK Rapid regelmäßig verletzen, ist diese Variante mit ständig wechselndem Personal schwer zu perfektionieren.
 
Seit der Umstellung auf eine klassische Abwehrviererkette macht die Defensive einen deutlich stabileren Eindruck. Torhüter Richard Strebinger durfte am Tivoli einen recht geruhsamen Nachmittag verbringen. Tobias Knoflach bei seinen Einsätzen davor auch. Ob diese Einschätzung richtig ist, wird sich am Mittwoch im Pokalschlager gegen den FC Salzburg zeigen. Da wird den Rapidlern im Duell Rekordmeister gegen amtierender Meister wohl alles abverlangt werden.
 

Stephan Auer

Zu Beginn der Saison waren die Aussichten auf Einsatzminuten für den 28-Jährigen nicht gerade rosig. Mit Thorsten Schick, Marvin Potzmann und Mert Müldür standen gleich drei Spieler auf seiner Position in der Hierarchie vor ihm in der Reihe. Ein Platz für ihn auf der Tribüne war reserviert. Zwei Akteure wurden jedoch noch abgegeben und der Neuzugang aus der Schweiz hat sich schwer verletzt. Somit darf der Routinier, der seit 2015 bei Rapid Wien tätig ist, sein Können zeigen – und er macht das ausgesprochen gut. Vor allem im Derby war er einer der Väter des Sieges und auch danach hat er durchaus respektable Leistungen gezeigt. Top!

Mateo Barac

Der Kroate hat bislang eine Achterbahnfahrt in Hütteldorf erlebt. Als Nachfolger von Lucas Galvao geholt, war er längste Zeit einer der großen Verlierer der Ära Didi Kühbauer. Das kann man dem Jahrhundertrapidler aber auch nicht verdenken, hatte der Neuzugang vom NK Osijek zu oft schlechte Leistungen geboten. Dafür durfte sich der 25-Jährige in der Sommervorbereitung über die meisten Einsatzminuten freuen. Um dann wieder auf der Ersatzbank zu versauern.
 
Im Derby durfte der Linksfuß sein Können zeigen. Und hat seinen Kritikern mit einem furchtbaren Rückpass Munition geliefert. Danach hat er sich jedoch erfangen und eine gute Leistung gezeigt. Gegen die Südstädter hat er sein erstes Meisterschaftstor für den SK Rapid Wien erzielt. In Innsbruck noch eines nachgelegt. Damit scheint er sich vorerst seinen Stammplatz in der Viererkette gesichert zu haben.
 

Kelvin Arase

Auch die Karriere des mittlerweile 20-Jährigen hatte bislang mehr Tiefen als Höhen. Unter Trainer Mike Büskens hat er debütiert. Danach ging es bergab. Weder zurück bei Rapid II noch beim SV Horn hat der schnelle Spieler auf sich aufmerksam gemacht. Mit seiner Leihe zur SV Ried hätte seine Karriere in grünweiß wohl ihr Ende gefunden.

Doch dank der Verletzungsmisere und nach zwei Torvorlagen in zwei Einsätzen hat ihn Trainer Didi Kühbauer nach Hütteldorf zurückgeholt. Bei den drei Siegen wurde er jeweils eingewechselt. Gegen die Admira hätte ihm schon sein Premierentreffer gelingen müssen, sein Versuch wurde zumindest als Assist verbucht. Am Tivoli hat es jetzt geklappt und der Rechtsaußen hat sogar den so wichtigen Führungstreffer erzielt. Wie bei Stephan Auer läuft sein Vertrag im Sommer aus – schafft es der Youngster im zweiten Anlauf bei Rapid Wien?

Stefan Schwab

Hier von einem Comeback zu schreiben, ist natürlich etwas übertrieben. Aber auch der Kapitän stand in den letzten Monaten häufig in der Kritik und wurde für die schwache letzte Saison verantwortlich gemacht. Mit seinen beiden Assists hat er eine starke Leistung in die richtigen Zahlen gegossen und weitere Argumente für eine Vertragsverlängerung gesammelt.
 

Fazit und Ausblick

Nach der späten Heimniederlage gegen den LASK sind die Rapidler wieder in die Spur gekommen. Man könnte zwar monieren, dass mit den Siegen gegen Austria Wien, Admira Wacker und WSG Tirol bloß drei Mannschaften besiegt wurden, die aktuell dem Abstiegsplayoff zuzuordnen sind, aber auch gegen die sogenannten Kleinen muss erst einmal gewonnen werden.
 
Am Mittwoch, 25. September 2019 geht es im Cupbewerb um 20:45 Uhr gegen den FC Salzburg weiter. In der ersten Meisterschaftsrunde hat Rapid Wien den richtigen Dosenöffner nicht gefunden – ein volles Haus wäre da gewiss hilfreich.
 
Danach warten TSV Hartberg (H), SV Mattersburg (A) und der im Europacup sensationelle WAC. Der auch in der Tabelle den zweiten Rang einnimmt. Dann ist die Hälfte des Grunddurchgangs absolviert und es darf eine erste Bilanz gezogen werden. Setzen die Grünweißen ihre Siegesserie fort, sollte das Abstiegsplayoff kein Thema mehr sein und der treue Anhang darf sich auf das Meisterplayoff freuen.
 
Und wird hoffentlich wieder verstärkt ins Weststadion strömen. Denn es soll nicht nur darum gehen, wer der Gegner ist, sondern die Fans müssen sich auf die Mannschaft freuen können. Heute spielt Rapid Wien und da will ich hin. Komplett egal, wer der Gegner ist. Diese Geilheit braucht es. Wir schaffen das!
 

Schreibe einen Kommentar