Rapid Wien – Glasgow Rangers – die Matchanalyse

Rapid Wien

Rapid gelingt der Aufstieg in die KO-Phase der Europa League! Auf welche Spieler hat Didi Kühbauer gesetzt? Wie wollte die ehemalige Liverpoollegende Steven Gerrard reagieren? Wie hat sich das Spiel entwickelt?

 

Rapid Wien – Glasgow Rangers – die Aufstellungen:

Rapid Wien:

Berisha

Murg

Bolingoli                                             Ivan

Schwab                    Martic

Auer   Barac   Hofmann   Müldür

Strebinger

Ersatz: Knoflach, Schobesberger, Dibon, Thurnwald, Knasmüllner, Alar, Ljubicic.

Glasgow Rangers:

Morelos

Middleton    Coulibaly    Jack     Arfield

McCrorie

Barisic    McAuley    Goldson    Tavernier

McGregor

Ersatz: McCrorie, Flanagan, Halliday, Katic, Worrall, Grezda, Lafferty.

 

Rapid Wien im 4-23-1:

Mateo Barac ersetzt den angeschlagenen Mario Sonnleitner. In der Mittelfeldzentrale wird doch auf eine Doppel-Sechs verzichtet – Manuel Martic gibt als Sechser die Passzentrale, Kapitän Stefan Schwab den Achter, wobei er es sehr defensiv anlegt und Thomas Murg versucht sich als Zehner. Im rechten Mittelfeld sorgt Andrei Ivan für Schwung und etwas überraschend stürmt Veton Berisha – immerhin Torschütze in Glasgow.

 

Steven Gerrard überrascht mit einem 4-5-1.

In der Innenverteidigung kommt statt dem 21-jährigen Joe Worrall der seit kurzem 39 Jahre junge Gareth McAuley zum Zug. Als linker Außenverteidiger Borna Barisic für Jon Flanagan.

Etwas unerwartet mimt Ross McCrorie, sein Zwillingsbruder ist als Ersatztorwart eingeplant, den Sechser und soll Lassana Coulibaly und Ryan Jack unterstützen. Die linke Seite beackert Glenn Middleton, über rechts kommt Scott Arfield. Als Solospitze fungiert wie erwartet Alfredo Morelos.

 

Das Spiel:

Die Stimmung im Stadion ist schon vor dem Spiel herausragend. Die Rapidfans erfreuen sich bei der Choreographie des Datums, die Rangers ihren Farben. Schaut alles sehr gut aus!

Rapid ist anfangs in den Zweikämpfen sehr bissig, wird aber von technischen Fehlern torpediert. Der Rasen mag seinen Teil dazu beitragen.

Die Rangers spielen überraschend defensiv. Mit dem 4-5-1 halten sie die Heimmannschaft zwar auf Abstand, sind aber selbst wenig offensiv präsent. Weder ein Pressing noch ein schnelles Umschalten ist erkennbar.

Rapid setzt sich allerdings auch wenig durch. Boli Bolingoli agiert fehlerhaft, auch Manuel Martic ist nicht immer sattelfest und vorne ist Veton Berisha bemüht, aber wenig effektiv.

Einen Freistoß der Gäste nach 15 Minuten bändigt Richard Strebinger sicher, ein ähnlicher Versuch von Thomas Murg gefährdet das gegnerische Tor nicht.

In der Pause weicht er für Christoph Knasmüllner.

Die Statistik bestätigt das zwischenzeitliche Remis. Der Ballbesitz ist mit 54:46% zugunsten der Hütteldorfer. Die Zweikampfstatistik mit 39:61% nicht. Beiden Teams sind je 2 Torschüsse gelungen, auf das Tor jedoch nicht. 2:1 Eckbälle für Rapid.

Christoph Knasmüllner erzeugt viel mehr Schwung im grün-weißen Offensivspiel. Boli Bolingoli und Stephan Auer tauschen öfters die Position.

Rapid steht bei gegnerischen Angriffen etwas tiefer, lässt aber dennoch wenig zu. Offensiv wirken die Hütteldorfer weiter wenig eingespielt und erzeugen kaum Gefahr.

Nach 61 Minuten kommt Philipp Schobesberger für Andrei Ivan. Veton Berisha rückt auf den rechten Flügel.

Nach 78 Minuten ersetzt Dejan Ljubicic Manuel Martic. Auf der anderen Seite kommt mit Kyle Lafferty ein zweiter Stürmer ins Spiel.

Bei einem Weitschuss von James Tavernier zeigt Richard Strebinger Unsicherheiten, drei Minuten später gelingt Rapid der Siegtreffer.

Alfredo Morelos versucht sich in der letzten Minute der Nachspielzeit noch mit einer Schauspieleinlage, ist damit aber ähnlich wenig erfolgreich wie die Rangers.

Nach dem Abpfiff zeigt uns die Statistik einen minimalen Vorsprung der Schotten beim Ballbesitz (49:51%). Die Zweikampfbilanz hat sich mit 40:60% nur wenig verändert. Je sieben Torschüsse wurden abgegeben, wobei von Rapid vier auf das gegnerische Tor gegangen sind. Die Schotten nur einen. 5:5 steht es bei den Eckbällen.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

22. Minute: Stangenschuss Rangers:

Eine Hereingabe von James Tavernier blockt Boli Bolingoli außerhalb des Strafraums mit den Händen ab – die Freistoßentscheidung ist korrekt. Der rechte Außenverteidiger flankt zur Mitte, Innenverteidiger Connor Goldson setzt sich gegen Maximilian Hofmann durch und köpft den Ball an die Latte.

 

84. Minute: TOR für Rapid:

Ein furchtbarer Ausschuss von Torhüter Allan McGregor geht exakt zu Veton Berisha, der sich knapp innerhalb der gegnerischen Hälfte befindet. Der Norweger legt den Ball quer zu Dejan Ljubicic. Seine direkte Weiterverarbeitung zu Christoph Knasmüllner entwickelt sich zum Doppelpass und der 21-jährige defensive Mittelfeldspieler vollendet elegant zum 1:0!

 

Was war gut?

Bis auf den Kopfball an die Stange aus einer Standardsituation haben die Hütteldorfer wenig zugelassen. Bei dieser Ausgangssituation eine hervorragende Leistung. Das darf man schon anerkennen.

Obwohl ein Remis gereicht hätte, hat Rapid nicht Beton angerührt und auf das Ergebnis halten gespielt.

International ist die Heimbilanz hervorragend.

Trainer Didi Kühbauer hat den Torschützen und den Assistgeber eingewechselt.

Die Fans waren nicht gut. Sie waren sogar sensationell! Magischer SCR mit einer magischen Stimmung! Gänsehaut!!

 

Was war nicht gut?

Der Rasen gleicht einer Baustelle. War aber nicht ausschlaggebend.

Gut war das Spiel nicht, eine einzige Torchance in 90 Minuten ist dürftig.

Freistöße kann man üben. Die beiden direkten Versuche von Thomas Murg und Stefan Schwab waren komplett ungefährlich.

 

Fazit und Ausblick?

So muss Europacup! Rapid hat sich verdient für die nächste Runde qualifiziert! Das bringt auch nette Einnahmen – wir haben berichtet.

In der Fünfjahreswertung ist Österreich nur noch ein Remis hinter Holland und Platz 11. Ajax Amsterdam wird wohl kein leichtes Los in der Champions League erhalten, während Österreich noch mit zwei Vertretern im Bewerb ist. Platz 12 ist mit über drei Punkten Vorsprung abgesichert.

Im Club-Ranking scheint der Rekordmeister auf Platz 63 auf. Mit Luft nach oben.

Mit den bereits lukrierten Europacupeinnahmen sollte auch die aktuelle Saison finanziell positiv abgeschlossen werden können. Vielleicht sogar im Winter Geld für eine Verstärkung im Sturm übrig sein.

Die volle Konzentration muss nun dem Derby gelten und die Euphorie genutzt werden. Geht das Spiel verloren, ist der Zug für das Meisterplayoff de facto abgefahren. Trotzdem hat man als Fan seit dem Trainerwechsel wieder das Gefühl, dass die Mannschaft an sich glaubt. Es müssen nur alle an einem Strang ziehen. Mannschaft, Betreuer, Vereinsverantwortliche, Fans.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Ähnlich wie im Spiel gegen Sturm Graz wenig gefordert. Bei der besten Chance der Gäste durfte abermals Aluminium retten. Sehr aufmerksam im Spiel, auch außerhalb des Strafraums. Seine Abwehr in der 81. Minute nach vorne hätte ins Auge gehen können.

Maximilian Hofmann:

Hatte seine rechte Seite gut im Griff.

Mateo Barac:

Die beste Leistung seit er bei Rapid ist. Defensiv souverän und zumeist Zweikampfsieger, offensiv schnörkellos und hat oft ausgeputzt. Wieso nicht?

Mert Müldür:

Eine weitere Talentprobe des 19-jährigen. Langsam aber sicher darf sich Geschäftsführer Sport Fredy Bickel Gedanken machen, welches Preisschild er dem türkischen Nationalspieler umhängt. Für mich aktuell die größte Transferaktie.

Stephan Auer:

Eine souveräne Leistung des Routiniers. In der zweiten Halbzeit hat er öfters die Position mit seinem Vordermann Boli Bolingoli getauscht und auch offensive Akzente gesetzt.

Manuel Martic:

Er entwickelt sich immer besser. Wiederum Passschaltzentrale. Weiter zu langsam bei den Tacklings. Daher schon wieder mit einer gelben Karte. Der Grundspeed fehlt leider. Nach 78 Minuten für Dejan Ljubicic ausgetauscht.

Stefan Schwab:

Kaum offensiv präsent, dafür in der Defensive wertvoll.

Andrei Ivan:

Bemüht, aber weiterhin ohne nennenswerten Output. Ausgetauscht.

Thomas Murg:

Als aufgebotener Zehner ist das Spiel an ihm in der ersten Halbzeit größtenteils vorbeigelaufen. Zur Halbzeit durch Christoph Knasmüllner ersetzt.

Boli Bolingoli:

Eine schwächere Leistung des Belgiers. Musste aber auch auf seiner Seite die Wege des offensiv stärksten Rangersspieler James Tavernier stören. Das ist gelungen.

Veton Berisha:

Als Stürmer überfordert. Mit viel Einsatz aber ohne Wirkung. Am rechten Flügel besser.

Christoph Knasmüllner:

Viel konkreter in seinen Offensivbemühungen als Thomas Murg. Seine Abschlüsse aus der Distanz waren erfolglos, aber seine Torvorlage zum Siegtreffer war perfekt!

Philipp Schobesberger:

Als Konterstürmer gebracht. Ball halten und auf Zeit spielen, ist ihm gut gelungen, offensiv dafür zu wenig gefährlich.

Dejan Ljubicic:

Den Siegtreffer erzielt! Nach einem schönen Zusammenspiel mit Christoph Knasmüllner. Respekt!

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