Rapid und seine größten Baustellen

Rapid Wien

„Wonns laft, donn laft´s“, hat der 1991 viel zu früh verstorbene österreichische Spitzenschifahrer Rudi Nierlich gesagt. Der SK Rapid Wien scheint derzeit beweisen zu wollen, dass auch das Gegenteil wahr ist. Denn beim österreichischen Rekordmeister läuft es ganz und gar nicht.

 

Stürmersuche:

Während das Sommertransferfenster das El Dorado für seriöse bis windige Spielerberater und Vermittler ist, herrscht in der Wintertransferzeit zumeist noble Zurückhaltung. Selbst in der sonst so kaufwütigen englischen Premier League passiert derzeit nicht viel. Der FC Chelsea hat zwar 64 Millionen Euro an Borussia Dortmund für Christian Pulisic überwiesen, der eigentliche Ortswechsel findet allerdings erst im Sommer statt. Das Wintertransferfenster ist eine Art Zwischenzeugnis für die vorangegangene Sommerübertrittszeit. Es muss schon einiges schief gegangen sein, wenn ein Verein im Winter nachbessern muss.

Auch der SK Rapid ist kein großer Freund von Wintertransfers. Dass dafür Geld in die Hand genommen wird, kommt äußerst selten vor. Ende Jänner 2016 sollen 700.000 Euro an die SV Ried für Thomas Murg geflossen sein. Anfang 2013 350.000 € für Marcel Sabitzer an Admira Wacker. 2 Jahre davor 250.000 € für Michael Schimpelsberger an Twente Enschede.

Die Verpflichtung des Brasilianers Maurides Roque Junior wäre den Hütteldorfern teurer gekommen, als alle drei genannten Spieler zusammen. Mit etwaigen Bonuszahlungen hätte es die Verpflichtung unter die Top 3 der teuersten Neuzugänge geschafft. Aber ähnlich wie bei den Rekordhaltern Arnór Ingvi Traustason und Ivan Mocinic hat Rapid Wien kein glückliches Händchen. Der bullige brasilianische Mittelstürmer dürfte sich an den Weihnachtskeksen zu sehr gütlich getan haben und ist bei den sportmedizinischen Tests durchgefallen. Eine Blamage für alle Beteiligten. Zwar ist man bei Rapid noch draufgekommen, bevor Geld überwiesen wurde, jedoch lässt das nicht allzu positive Rückschlüsse auf die Scoutingabteilung zu und setzt den Geschäftsführer Sport Fredy Bickel noch mehr unter Druck. Nicht nur, dass der neue Stürmer sinnvollerweise zwecks Integration schon beim Trainingslager dabei sein sollte, macht das mögliche Alternativen sicher nicht billiger. Der serbische Millionär Milan Mandaric, Präsident von NK Olimpija Ljubljana und ohnehin als Exzentriker bekannt, braucht sich nur zurücklehnen und kann die Zeitkarte spielen.

Womit wir allgemein bei der Stürmersuche sind. Im letzten Sommer wurden den Rapidfans die verpflichteten Stürmer von Fredy Bickel beinahe überschwänglich präsentiert:

Andrija Pavlovic:

“Pavlovic passt aufgrund seiner fußballerischen Qualitäten bestens in unsere Mannschaft und zeichnet sich durch gute Abschlussstärke aus, hat aber auch immer ein gutes Auge für den Nebenmann und ist ein mannschaftsdienlicher Spieler. Auch durch seine Körpergröße (189 cm, Anm.) ist er mit dem Kopf ein steter Gefahrenherd. Ich bin zudem zuversichtlich, dass er sich sehr rasch in unser Team integriert, da er einen sehr offenen und zugänglichen Charakter sein eigen nennt.”

Deni Alar:

“Ich freue mich ungemein, dass Deni Alar wieder zum SK Rapid kommt. Er ist ein spezieller Stürmer mit einer riesigen Qualität im Abschluss und zudem sehr spielstark. Er kennt nicht nur die Liga, sondern auch unseren Verein bestens und wird so sehr rasch und leicht integriert werden. Ich hoffe und bin guter Dinge, dass er bei uns rasch an seine Hochform der letzten beiden Jahre anschließen kann.”

Jérémy Guillemenot:

“Jeremy ist ein Spieler, den ich schon seit frühester Jugend verfolge und der ein großartiges Potenzial mitbringt. Er ist wahrscheinlich etwas zu früh zu einem solch großen Klub wie dem FC Barcelona gewechselt, kann aber nun bei uns sicher neu durchstarten und eine echte Verstärkung sein. Ich freue mich sehr, dass er sich zu einem Wechsel nach Hütteldorf entschieden hat, denn gerade in der Schweiz hätte er viele Optionen gehabt.”

 

Andrija Pavlovic zog sich noch in der Vorbereitung einen Muskelriss im Hüftbereich zu. Nach seiner Genesung hat es bloß in einem Cupspiel zu zwei – allerdings wichtigen – Toren gereicht. Im Heimspiel gegen den LASK schied unsere Nummer 22 erneut verletzt aus.

Deni Alar hat zwar in der Meisterschaft schnell 3 Tore erzielt, seit Anfang September ist er jedoch auf der Suche nach dem richtigen Zielwasser. Mit seinen Leistungen konnte er nicht an seine erfolgreiche Zeit in Graz anschließen, sondern erinnert frappant an sein letztes Jahr im grün-weißen Dress.

Jérémy Guillemenot wird wohl überhaupt als großes Missverständnis in die Rapidgeschichte eingehen. Auf 108 Einsatzminuten in 5 Spielen ist der Schweizer für die Profis gekommen, für Rapid II hat er immerhin 3 Tore erzielt. Der Durchbruch wird ihm von den Verantwortlichen nicht mehr zugetraut, somit durfte er auch in das Wintertrainingslager nicht mehr mitfliegen. Es darf davon ausgegangen werden, dass sein Engagement in naher Zukunft endet.

Auch der im Sommer vom FK Krasnodar ausgeliehene Andrei Ivan wurde an vorderster Front ausprobiert, er konnte jedoch die hohe Erwartungshaltung bislang nicht erfüllen.

Mit Veton Berisha rundet eine weitere Verpflichtung des Geschäftsführer Sport die Riege der potentiellen Stürmer ab. Doch auch der Norweger ist nicht der gesuchte Knipser und wird – wenn überhaupt – zumeist am Flügel aufgeboten.

Der aktuell gesuchte Stürmer wäre somit die Nummer 6 in der etwas mehr als 2jährigen Ära Bickel. Und soll künftig die Torflaute beenden. Doch obwohl finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, gestaltet sich die Suche schwierig. Mit dem Angebot von Celtic Glasgow an den slowakischen Erstligisten Dunajska Streda für den Ivorer Vakoun Issouf Bayo konnte Rapid nicht mithalten. Der Argentinier Andrés Vombergar schien den Verantwortlichen auch zu teuer zu kommen, weswegen der Brasilianer Maurides auf die Pole-Position rückte. Bis zum Fitness-Check.

Sowohl der Ivorer als auch der Brasilianer haben im Herbst einige Kopftore erzielt – der Argentinier nicht. Aber auch diese Lücke sollte ein neuer Stürmer schließen können. Einen weiteren Kandidaten soll Fredy Bickel noch in der Hinterhand haben. Man darf gespannt sein.

 

Beirat:

Gestern gab der SK Rapid in einer Aussendung bekannt, dass die beiden Mitglieder des „Beirats des SK Rapid“ – Hans Peter Doskozil und Michael Tojner – ihre Mitgliedschaft ruhend gestellt haben. Grund ist eine gerichtliche Auseinandersetzung, die allerdings mit dem Verein nichts zu tun hat. Zwar hat dieses Gremium bloß eine beratende Funktion, jedoch wird beiden Protagonisten ein Interesse an der Nachfolge von Präsident Michael Krammer nachgesagt. Eine Schlammschlacht um diesen so wichtigen Posten wäre fatal.

 

Rasen:

Seit der Eröffnung des Weststadions hat der SK Rapid immer wieder Probleme mit dem Rasen. In einer im Feber 2017 veröffentlichten Umfrage der Spielergewerkschaft VdF landete das Geläuf in Hütteldorf auf dem vorletzten Platz. Auch die neu verlegte Spielwiese hielt nicht lange. Im August 2018 wurde der Rasen von einem Pilz befallen und musste innert kürzester Zeit ausgetauscht werden. Geholfen hat es nicht lange, denn in den letzten Spielen der Herbstsaison glich das desolate Spielfeld einem Acker. Ob der holprige Untergrund der Mannschaft geschadet hat, lässt sich schwer messen, hilfreich war es sicher nicht.

Rapid hat reagiert und um teures Geld schweres Gerät angeschafft. Man hofft nun, das Problem endlich in den Griff zu bekommen.

 

Fans:

Das skandalöse Betragen der Polizei gegenüber Rapidfans rund um das Wiener Derby am 16. Dezember 2018 wird weiter aufgearbeitet. Es kommt wohl nicht allzu häufig vor, dass ein Innenminister aufgrund eines Fußballspiels in das Parlament zitiert wird. Der Innenminister und der Wiener Polizeipräsident brachten zwar im Staccato ihre Stellungnahmen und Vorwürfe gegen die Rapidfans vor, trotzdem wollte nicht einmal der nicht gerade als polizeikritisch bekannte Boulevard sekundieren und hat überraschend neutral berichtet.

Nur wenige Tage später wurde von Rapidfans Geld gesammelt und an das „Ö3-Weihnachtwunder“ gespendet. Für 1312 Euro wünschte man sich den Klassiker „I Shot The Sheriff“. Auch wenn Präsident Michael Krammer um eine Deeskalation bemüht ist, ist von einer Lösung des Konflikts in nächster Zeit nicht auszugehen. Im Gegenteil.

 

 

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