Rapid Wien vs. WAC – Match-Analyse

Rapid gegen WAC, Match Analyse

Wir haben unseren Grün-Weißen beim zweiten Heimspiel genau auf die Beine gesehen. Hier unsere Spielanalyse zum torlosen Unentschieden gegen den WAC.

 

Aufstellungen:

 

Rapid WAC AufstellungMarkus Felkel / Vanderals

Rapid-Ersatz: Bolingoli, Sonnleitner, Murg, Malicsek, Knoflach, Ljubicic, Guillemenot

WAC-Ersatz: Gschweidl, Jovanovic, Gölles, Rnic, Soldo, Schmerböck, Kigbu

 

Taktik:

Trainer Goran Djuricin bleibt auch im Heimspiel gegen den WAC seiner Lieblingsformation: 4-2-3-1 treu. Nach den Europacupstrapazen rotiert er wie erwartet gehörig – Müldür, Martic, Auer und Ivan ersetzen Sonnleitner, Ljubicic, Bolingoli und Thomas Murg.

 

Christian Ilzer macht auf Ancelotti und schenkt Rapid einen Tannenbaum:

Tief in die Taktikkiste greift der WAC-Trainer und lässt sein Team in einem 4-3-2-1 spielen – eine Formation, die auch gerne als „Tannenbaum“ bezeichnet wird. Trainerlegende Carlo Ancelotti wandte dieses System beim AC Milan sehr erfolgreich an.

Vorteile:

Das Zentrum ist kompakt besetzt.

Das Spiel des Gegners wird auf den Flügel gelenkt.

Nach dem Ballgewinn können die beiden offensiven Mittelfeldspieler durch schnelles Umschalten in die gefährlichen Räume eindringen.

Ballsicherheit durch erleichterte Dreiecksbildungen.

Nachteile:

Zumeist eine Unterzahl am Flügel.

Anfällig für Steilpässe in die Tiefe.

Der WAC setzt das wie folgt um:

Die defensive Viererkette versucht, möglichst hoch zu stehen. Vor ihr agieren drei Mittelfeldspieler, wobei Leitgeb den 6er macht und Wernitznig und Spangler das Halbfeld links und rechts besetzen. Die beiden offensiven Mittelfeldspieler (Liendl und Ritzmaier) hinter der Solospitze bewegen sich in den Raum hinter Rapids 6er und Abwehrviererkette.

Ist der WAC in der Vorwärtsbewegung, bewegen sich die beiden Innenverteidiger nach außen, damit die Außenverteidiger die verwaisten Flügel besetzen können. Um dennoch defensiv stabil zu bleiben, lässt sich der 6er zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und sichert somit ab. Ist der SK Rapid Wien im Ballbesitz und versucht von hinten herauszuspielen, wird unsere Viererkette vom gegnerischen Stürmer und den beiden offensiven Mittelfeldspielern angepresst.

Um das System zu perfektionieren, verschiebt der WAC extrem gegen den Ball und „verkleinert“ somit das Spielfeld. Die passive Seite wird zumeist nur mit einem Spieler besetzt.

 

Tore:

Keine.

 

Vergebene Halbchancen:

In der 7. Spielminute zieht unser linker Flügelspieler Berisha in die Mitte, spielt einen Pass zu Christoph Knasmüllner und läuft in den gegnerischen Strafraum. Knasmüllner spielt einen direkten Diagonalpass in Berishas Laufweg und der Norweger kann mit dem rechten Fuß abschließen. Der Schuss fällt jedoch viel zu harmlos aus. Dennoch bleibt das der einzige Schuss auf das Tor der Kärntner.

In der 43. Spielminute wird Kapitän Stefan Schwab von Rechtsverteidiger Auer im Strafraum des WAC rechts in der Höhe des Torraums angespielt. Anstatt den Ball zurück auf den freigelaufenen Knasmüllner zu passen, versucht er einen Stanglpass auf Alar. Leider stehen der Idee zur erfolgreichen Umsetzung gleich 4 Kärnter im Weg, die den Ball mühelos klären können.

 

Leistungsbewertung:

Positiv:

Nicht verloren.

Mert Müldür.

Die Fans: 90 Minuten Unterstützung für die Mannschaft.

Negativ:

Sowohl die Spieler als auch unser Trainer samt Kompetenzteam finden keine Antwort auf das Tannenbaumsystem von Christian Ilzer. In der 7. Minute hätte man einen Schlüssel gefunden gehabt, um das System zu überwinden. Ein zweiter Versuch fand nie wieder statt.

Kein Plan B:

Während der Trinkpause in der ersten Halbzeit stehen insgesamt 6 Betreuer um unsere 11 Spieler – beim WAC ist es bloß Trainer Ilzer – und dennoch wird den Spielern kein Plan vermittelt, wie sie den WAC knacken können. Wenn das System krankt, macht es keinen Sinn, einzelne Spieler eins zu eins auszutauschen, sondern das Spielsystem muss adaptiert werden.

Auf die Idee, mittels Steilpässe auf schnelle Spieler hinter ihre Abwehr zu gelangen, ist keiner gekommen. Wäre aber auch schwierig gewesen, Kostic hat es nicht in den Matchkader geschafft und Bolingoli versauerte 90 Minuten auf der Ersatzbank.

In der Spieleröffnung wird Rapid von 3 Kärntnern permanent angepresst, und wir finden 90 Minuten lang kein probates Gegenmittel. Außer mit hohen Bällen die Abwehr zu überbrücken. Darauf ist der WAC eingestellt.

Pressing findet nicht statt. Von Gegenpressing möchte ich gar nicht reden. Immer nur der ballführende Kärntner wird halbherzig attackiert, ansonsten findet Bewegung ohne den Ball kaum statt. Auch offensiv nicht. Die technisch beschlagenen Spieler in der Rapidmannschaft tauchen mit Fortlauf des Spiels immer weiter ab und lassen sich die Schneid abkaufen.

Auer und Martic waren schlichtweg nicht rapidtauglich. Da fehlt es am technischen Rüstzeug. Und gerade bei einem 4-3-2-1 wäre der Außenverteidiger sehr wichtig gewesen. Auer bemüht sich, bekommt das aber nicht hin. Martic ist in allen Belangen überfordert.

Berisha läuft zwar viel, aber teilweise komplett sinnbefreit und ohne taktische Zuordnung. Einmal abgesehen von seiner Abschlussschwäche.

Ein harmloser Schuss auf das Tor des Gegners stellt wohl einen Negativrekord für Heimspiele des SK Rapid auf.

Wer übernimmt in der Mannschaft Verantwortung? Kapitän Stefan Schwab scheint nicht fit zu sein. Ersatzkapitän in der zweiten Halbzeit war der Torwart, der aber auch sehr introvertiert zu sein scheint? Ernsthaft?

Ausblick:

Es wird ungemütlich in Hütteldorf. Trotz einer sehr günstigen Auslosung sind wir bereits nach 3 Spieltagen 4 Punkte hinter Salzburg. Dazu noch die Niederlage in Bratislava. Gogo Djuricin und sein Team müssen endlich liefern. Die Mannschaft wird aber von Spiel zu Spiel schlechter und ratloser.

Scheiden wir im Europacup gegen Slovan Bratislava aus, wird Trainer Djuricin nicht zu halten sein. Kommen wir irgendwie drüber, verschiebt sich die Diskussion bis zur nächsten Pleite. Trainer Djuricin ist angezählt, nur selten konnten Trainer in so einer Situation erfolgreich das Ruder rumreißen. Ich wünsche es Gogo und seinem Team, mich plagen allerdings Zweifel.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Fehlerlos. In der zweiten Halbzeit Kapitän. Sagt auch einiges aus.

Mateo Barac:

Defensiv solide. In der Spieleröffnung bemüht, aber fehlerhaft. Ein Dribbling in die gegnerische Hälfte mit einem Ballverlust und 2 lange Pässe ins Seitenout.

Mert Müldür:

Für mich unser bester Mann am Platz. Hat einige Male in letzter Not gerettet. Ein verlorenes Kopfballduell nach einem Eckball und ein Ballverlust nach einem Dribbling in der eigenen Hälfte als Manko.

Marvin Potzmann:

Er hat sich anfangs noch versucht, in das Offensivspiel einzubringen, ist mit der Zeit immer mehr abgetaucht. Zumindest einmal ein Spiel ohne gelber Karte.

Stephan Auer:

Man muss es beim Namen nennen – Stephan Auer ist leider viel zu schwach für den SK Rapid Wien. Gerade in einer Mannschaft, die offensiv agieren möchte, ist er komplett fehl am Platz.

Manuel Martic:

Viel zu langsam und statisch. Hat sich zeitweise zwischen die Innenverteidiger fallen lassen, um den kaum erfolgreich möglichen Spielaufbau zu unterstützen, ist ihm aber auch nicht gelungen. Dazu noch viele individuelle Fehler, meines Erachtens viel zu wenig für den Rekordmeister.

Stefan Schwab:

Offensichtlich nicht ganz fit und mit Abspielfehlern. Zur Pause ausgetauscht.

Andrei Ivan:

Konnte sich am rechten Flügel gegen seinen Gegenspieler Schmitz überhaupt nicht durchsetzen. Zur Pause ausgetauscht.

Christoph Knasmüllner:

In der 7. Spielminute mit einem direkten Pass auf Berisha die beste Chance vorbereitet, danach von der Kärntner Defensive immer mehr aus dem Spiel herausgenommen.

Veton Berisha:

Vom Einsatz und Willen her wie immer sehr bemüht und er hat auch die beste Chance eingeleitet und abgeschlossen, das Können hinkt leider deutlich hinterher.

Deni Alar:

In 64 Minuten ein – geblockter – Torschuss. Heute hätte es eines kopfballstarken Stürmers oder eines Spieler, der blitzschnell in den Raum hinter der gegnerischen Viererkette stößt, bedurft. Beides ist seine Spielweise nicht.

Thomas Murg:

Zur Halbzeit für den glücklosen Ivan gekommen, hat einige Tempodribblings versucht, ist aber nie durchgekommen. Mangels Unterstützung von Auer ähnlich glücklos wie Ivan

Dejan Ljubicic:

Zur zweiten Halbzeit eingetauscht. Defensiv mit einigen Ballgewinnen, die er jedoch in der Vorwärtsbewegung gleich wieder verloren hat.

Jérémy Guillemenot:

In der 64. Spielminute für Deni Alar gekommen und gleich in der Versenkung verschwunden. Kein Torschuss.

 

 

1 thought on “Rapid Wien vs. WAC – Match-Analyse”

  1. Profunde Matchanalyse! Der „Tannenbaum“ des WAC war sehr dicht, dass es im Gegenpressing fast schon ein 4-3-3 war. Das Kärntner Verschieben in Hoch- und Seitwärtsbewegung war sehenswert. Wären da noch ein paar Fußballer dabeigewesen, wäre der SK Rapid in ein Debakel gelaufen.
    Auer und Martic würde ich allerdings nicht verdammen. Beide haben ihre Schwächen, aber auch Stärken. Martic darf man auf jeden Fall nicht beginnen lassen und ihm schon gar nicht 2. Hz Schwabs Aufgaben übertragen. Damit war er definitiv überfordert.
    Lange stand ich hinter Gogo. Schön langsam überzeugt er mich aber der Mannschaft keinen (bzw. nur einen) Matchplan mitgeben zu können. Mit dem Kader muss definitiv mehr rausschauen.
    Vielleicht kann man Peter Stöger ja schmackhaft machen sich als Trainer beider Wiener Vereine den Meistertitel zu holen. Mit Zusatzsponsor vielleicht leistbar …

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