Baustellen nach dem Ausverkauf bei Rapid

Kaderumbruch nach Seuchenjahr

Sechs Spieler haben zur neuen Saison den Sprung in den Kader des SK Rapid geschafft. Thorsten Schick und Taxiarchis Fountas wurden noch vom ehemaligen Geschäftsführer Sport Fredy Bickel engagiert. Maximilian Ullmann und Koya Kitagawa waren die ersten Verpflichtungen des neuen Geschäftsführer Sport Zoki Barisic. Nicholas Wunsch und Leo Greiml von der zweiten Mannschaft hochgezogen und sollen die nächsten Nachwuchsspieler werden, die den Sprung schaffen und anderen als Vorbild dienen.

Fünf Rapidspieler wurden abgebaut, weil man bei Ihnen nicht mehr an den Durchbruch geglaubt hat. Bei Andrei Ivan lief die Leihe aus, Andrija Pavlovic und Deni Alar wurden verliehen, bei Ivan Mocinic und Manuel Thurnwald die Verträge aufgelöst. Für Boli Bolingoli musste Celtic Glasgow in die Geldbörse greifen und wurde Kapital für die Verpflichtungen der bereits erwähnten Ullmann und Kitagawa verfügbar gemacht.

So weit, so gut und auch nach vollziehbar. Allein international fallen heuer zwölf Spiele weg. Ohne Europacupplayoff noch einmal drei Begegnungen. Und wenn Salzburg in der zweiten Cuprunde nicht eliminiert wird, noch einmal vier Matches. Bei bis zu 19 Saisonspielen weniger ist eine Kaderverkleinerung legitim. Und auch eine Möglichkeit, um jungen talentierten Rapidlern eine Chance zu geben.

Versöhnung mit den Fans

Allerdings sind die Verantwortlichen und vor allem die Spieler in einer Bringschuld. Die abgelaufene, peinliche Saison werden viele nicht so schnell vergessen. Ein nicht einmal halb volles Stadion die logische Antwort auf zu viele Enttäuschungen.

24.200 Rapidfans sind zum Auftakt gegen den Ligakrösus aus Salzburg in das Weststadion gepilgert, um eine mentalitätsverbesserte Rapidmannschaft im neuen 3-5-2 zu sehen. Sie sahen eine 0:2 Niederlage. Nicht alles schlecht, aber eben eine Heimpleite. In St. Pölten gab es ein schwaches 2:2 und erste Kritik. Zu patschert in der Defensive und zu wenig kreativ in der Offensive.

Dann dieser Anfang daheim gegen SCR Altach. Zwei Tore in nur elf Minuten. Wahnsinn. War dann der Rest des Spiels. Von Gemeinsam. Kämpfen. Siegen. blieb unverdienterweise, aber praktisch für die Tabelle, das Siegen übrig. Jetzt am Wochenende der Erfolg in Graz. In einem Saison Best-of wird man das Spiel nicht zwingend in voller Länge zeigen müssen, aber auch diese drei Punkte sind äußerst wertvoll und bedeuten den Sprung auf Rang 4.

Mit sieben Punkten aus vier Spielen ist man in Hütteldorf halbwegs im Soll. Nicht mehr und nicht weniger. Spielerisch dürfte es deutlich besser sein, aber das soll noch kommen, wenn sich die Mannschaft eingespielt hat. Doch das wird schwierig.

Abgangshattrick bei Rapid Wien

Der Name Wydra ist den meisten Rapidfans geläufig. Dominik hat über den Nachwuchs den Sprung in die Erste geschafft und 66 Pflichtspiele für Rapid bestritten. Mittlerweile kickt er bei seiner dritten Station in der zweiten deutschen Bundesliga und hat sich zu einem soliden Fußballer entwickelt.

Philipp Wydra – talentierter Nachwuchsspieler

Sein jüngerer Bruder Philipp galt bis letzte Woche als eines der größten Talente im Rapidnachwuchs. Er hat in der U16 nach Belieben getroffen und auch schon Spiele für die U18 absolviert. Umso überraschender sein letzten Donnerstag verkündeter Wechsel zur U17 des 1. FC Köln.

Jetzt ist der 1. FC Köln ein durchaus sympathischer Verein und hat mit Louis Schaub und Florian Kainz zwei Ex-Rapidler im Kader – eine große Nummer im deutschen Fußball ist der dreifache Meister nicht. Bedauerlich, wenn ein hochtalentierter Nachwuchsspieler nicht bei Rapid bleiben möchte, aber als singuläres Ereignis wäre es kein Problem gewesen.

Rapid Wien, Marvin Potzmann und der LASK

Einen Tag nach dem Sieg in Graz wurde dann seitens des Geschäftsführer Sport Zoki Barisic vermeldet, dass Außenverteidiger Marvin Potzmann Hütteldorf in Richtung Linz verlässt. Jetzt ist der sportliche Fußabdruck, den eines der letzten Überbleibsel der Ära Bickel hinterlässt, nicht allzu tief, aber irgendwie kommt der Abschied doch überraschend. Immerhin ist er von Sturm Graz als angehender Teamspieler und Vizemeister verpflichtet worden. Konnte aber in Wien nie richtig Fuß fassen. Wieder einer, dem das nicht gelungen ist.

Als Backup wäre er aber allemal gut gewesen und vor allem mutet das Ziel LASK etwas seltsam an. Noch dazu wenige Tage bevor wir den Vizemeister der abgelaufenen Saison im Weststadion empfangen.

Denn das Verhältnis zwischen Rapid Wien und LASK-Präsident Siegmund Gruber ist mehr als zerrüttet. Der streitbare Präsident hat in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen, um gegen den Rekordmeister, die Spieler und die Fans zu stänkern. Aufgrund des Vertragsbruchs und der neu ausverhandelten TV-Gelder hat Rapid viel Geld verloren.

Und diesem LASK mit seinem „sympathischen“ Präsidenten hilft man nun, indem man Ihnen einen Spieler überlässt? Zumal es ja auch unter den Rapidfans hoffnungslose Optimisten gibt, die tatsächlich meinen, dass der Club mit dem zweitgrößten Budget doch auch um den zweiten Platz mitspielen sollte.

Mert Müldür – der Unverkäufliche

Da hat der scheidende Präsident Michael Krammer auf den Tisch gehaut und das Eigengewächs in diesem Jahr für unverkäuflich erklärt. Der Duden umschreibt das Wort „unverkäuflich“ mit „nicht verkäuflich“ oder als Synonym „nicht zum Verkauf bestimmt“. „Wir geben ihn eh her, wenn du ein bisserl mehr zahlst“ steht da nirgends.

Man kann sich zwar freuen, wenn ein Spieler den Sprung in eine bessere Liga schafft und der Verein ein bisschen Geld lukriert – die Fans wollen aber bei Mitgliederversammlungen nicht mehr ausschließlich die wirtschaftliche Abteilung über gestiegenes Eigenkapital jubeln hören, sondern endlich wieder sportlichen Erfolg und Titel feiern.

Und da erscheint es absurd, wenn der wichtigste Aufbauspieler der Defensive mitten in der Saison den Verein verlässt. Und potentieller Ersatz nicht bereits zur Eingewöhnung vorab verpflichtet wurde.

Agieren statt reagieren

Es wird langsam mühsam zu sehen, wie der Abstand zu den Salzburgern von Saison zu Saison immer größer wird. Und das, obwohl dort jedes Jahr Spieler um hohe Millionenbeträge den Verein verlassen. Aber die Lücken werden bereits vorab geschlossen. Wer weint in der Mozartstadt noch Munas Dabbur auch nur eine Träne nach, der im Sommer um kolportierte 17 Millionen Euro zum FC Sevilla gewechselt ist? Wohl niemand, denn der bereits verpflichtete und behutsam aufgebaute Erling Braut Haland wurde durch hervorragendes Scouting nach Salzburg geholt. Und hat in vier Runden sechs Tore erzielt und zwei vorbereitet. Die geschätzten 5 Millionen Euro wurden rechtzeitig gut angelegt und werden neben dem sportlichen Erfolg eine hohe Rendite bringen.

Davon ist in Hütteldorf nichts zu sehen. Ein Stammspieler geht und – so erweckt es zumindest den Eindruck – dann wird erst überlegt, wen man stattdessen holt. Und verliert wichtige Zeit. Die man nicht hat, wenn es bereits nach 22 Runden zum Cut kommt. So müssen Nachfolger von Marvin Potzmann und vor allem Mert Müldür auch erst verpflichtet werden. Verhandlungen und eine Eingewöhnungsphase kosten noch einmal wertvolle Zeit, die man normalerweise nicht hat. Aliou Badji ist erst auf Betriebstemperatur gekommen, als sich Rapid Wien bereits im Abstiegsplayoff befunden hat.

Übergangssaison?

Es beschleicht einen als Fan das Gefühl, dass diese Spielzeit als Übergangssaison betrachtet wird. Die Qualifikation für den Europacup wird eh irgendwie funktionieren, weil wir sind eh so gut und hatten letztes Jahr eh nur Pech. Eh. Dazu passt auch noch der Wahlkampf um das Präsidentenamt, der den Verein zu lähmen scheint und eine kontinuierliche Weiterentwicklung aufschiebt.

Nur noch wenige Tage hat Geschäftsführer Sport Zoki Barisic Zeit, um den Abgang von Mert Müldür und Marvin Potzmann zu kompensieren. Mit Stephan Auer als Backup für die Außenverteidigung steht den Hütteldorfern keine rapidtaugliche Alternative zur Verfügung. So sympathisch der 28-Jährige auch ist, sportlich hat er keine Berechtigung im Kader zu stehen und sitzt nicht umsonst zumeist auf der Tribüne.

Zudem verdichten sich die Gerüchte um einen Abgang von Thomas Murg. Und wurden umgehend dementiert. Eine Baustelle, der wir uns separat widmen müssten. Die angeblichen Interessenten 1. FC Köln und SV Werder Bremen sind mit Niederlagen in die deutsche Bundesliga gestartet und haben bis 02. September noch zwei Runden zu absolvieren. Abwarten, was passiert, wenn einer der beiden Clubs nach drei Spieltagen mit Null Punkten dasteht.

Einen Innenverteidiger mit einem starken linken Fuß und Stärken im Spielaufbau zu finden, wird nach dem Abgang von Boli Bolingoli und der Verpflichtung von Maximilian Ullmann der nächste Königstransfer von Zoki Barisic. Rapid Wien hat sich die Baustelle selbst und ohne Not aufgemacht und scheint wieder einmal den sportlichen Erfolg, dem finanziellen opfern zu wollen. Wenn kein adäquater Ersatz, der noch dazu sofort einschlägt, kommt, werden die Wochen bis zur Präsidentenwahl vermutlich heiter werden…

Schreibe einen Kommentar