Das große Interview mit Fredy Bickel – Teil 2

Gruen auf Weiss Interview mit Fredy Bickel und Christian Felkel

In Teil 2 unseres großen Interviews erfahrt ihr:

🎯 Was Fredy Bickel bei Rapid Wien verändert hat.

🎯 Wie er zum Fußball gekommen ist.

🎯 Weshalb bei Rapid ständig Unruhe herrscht.

🎯 Wieso er schon 3 Kabinenrenovierungen bezahlen musste.

 

Was hat Fredy Bickel bei Rapid verändert?

“Ich habe erst einmal Analyse und Scouting zusammengelegt. Wir konnten – das ist Tatsache – keine Analyse über den gesamten Bereich machen, weil jeder sein eigenes System hatte.”

 

GRÜN AUF WEISS: Sie haben das Amt offiziell am 01. Jänner 2017 übernommen und werden evaluiert haben, wo die Baustellen sind. Welche sind Ihnen aufgefallen und was ist schon erledigt?

Fredy Bickel: Ich war eigentlich schon den ganzen Dezember da. Man hat schon in den ersten Tagen gespürt, dass die Mannschaft und der Trainer (Damir Canadi, Anm.) überhaupt nicht miteinander funktionieren. Da habe ich 3 bis 4 Monate investiert, weil ich nicht kommen wollte und als ersten Schritt den Trainer entlasse. Ich habe mich viel zu lange damit herumgeplagt, da ich die beiden Parteien zusammenbringen wollte. Dadurch sind auch Dinge liegen geblieben, die so wichtig gewesen wären. Zum Beispiel der Kader der Kampfmannschaft. Wir hatten 34 Spieler und du konntest keine Strukturen hineinbringen. Nach dem Abschied von Damir Canadi habe ich mit dem Kaderumbau begonnen. Im Nachhinein muss ich auch da sagen, für mich war wichtig, dass wir für jeden eine vernünftige und gute Lösung finden, die für alle Parteien stimmt. Das hat aber auch zum Teil dazu geführt, dass es Monate oder sogar bis in die nächste Transferzeit gedauert hat, bis dann der Spieler weg war.

 

GAW: Damir Canadi hat davor und danach funktioniert. Wieso?

Fredy Bickel: Nichts gegen Damir Canadi, der grundsätzlich ein sehr guter Trainer ist. Es hat einfach nicht gepasst, weil die Mannschaft in wenigen Monaten 3 Trainer hatte, in der ganzen Saison sogar 4. Da bringt man keine Stabilität rein. Das ist verrückt. Bei Zoki Barisic wurde sehr viel auf den Nachwuchs gesetzt, da wurden sehr viele Spieler mit Profiverträgen ausgestattet. Der nächste Trainer hatte nicht mehr so viel Spaß an diesen Nachwuchsspielern und jeder wollte noch 1 bis 2 Zugänge und so ist man eben auf diese Spielerzahl gekommen. So etwas abzubauen – wenn du es sauber und fair machen möchtest – braucht Zeit. Da wäre es gescheiter gewesen, ich hätte mir diese Zeit nicht genommen. Es hätte dann eine Riesendiskussion gegeben, weil man 10 bis 15 Spieler ausbezahlt und auf die Straße stellt. Es passt nicht zu mir, aber vielleicht wäre es in dieser Situation notwendig gewesen.

 

Fredy Bickel und das Grün auf Weiss TeamA
Alexander WELZIG, Christian FELKEL, Markus FELKEL, Fredy BICKEL, Mathias PÜSCHE

 

GAW: Was haben Sie beim Scouting konkret verändert?

Fredy Bickel: Eigentlich alles. Erstens hattest du kein internes Scouting. Ich habe erst einmal Analyse und Scouting zusammengelegt. Wir konnten – das ist Tatsache – keine Analyse über den gesamten Bereich machen, weil jeder sein eigenes System hatte. Das habe ich noch nie erlebt. Ich konnte keine Spieler mit der ersten Mannschaft oder der U18 vergleichen. Da war nichts da. Du hast bemerkst, dass wir uns zuvor auf das Ausland konzentriert haben und nicht mehr in Österreich. Da hast du Scouts erst einmal verabschiedet und zu denen, die noch da waren, gesagt: „Ihr bekommt ein neues Gebiet. Ihr schaut in Österreich und diese Regionen durch.“

Das Zweite war, dass ein System eingeführt wurde, das überall gleich ist. Für die Analyse ist wichtig, dass von oben bis unten alle gleich ausgerüstet sind, damit du diese Daten auch erfassen kannst und du dann die einzelnen Spieler mit eventuellen Neuzugängen vergleichen kannst.

Wir haben auch eingeführt, dass Juniorenspieler am Montag auf dem Tablett ihre Szenen vom Wochenende bekommen. Wo du dann mit dem Trainer die Analyse erarbeitest hast und all diese Dinge.

Wir haben vor einem Jahr 2 Scouts eingestellt, um ganz Österreich abzudecken.

Das sind Gründe, wieso die jungen Talente wieder gekommen sind.

Jetzt im Winter haben wir eine Schippe draufgelegt, indem wir mit einem der modernsten Programme verbunden sind. Der Trainer kommt und sagt, welchen Spielertyp er haben möchte. Du gibt alles ein und dann kommen zum Beispiel 10 Spieler raus, die passen. Wir sind da erst seit dem Winter dabei. Und dann hast du auch Leute, die ich gleich für eine Woche zu Trainings von Spielern schicken möchte.

Es wurde vieles übertüncht von dem, dass du einen sehr guten Scoutingchef gehabt hast, vielleicht zu gut, weil er alles verdeckt hat. Da hat es zu wenig Zusammenarbeit gegeben.

 

GAW: Kritik am Scouting gibt es ja schon lange. Und dann war da nichts da?

Fredy Bickel: Es waren schon Leute da. Es waren auch gute Jugendtrainer da, aber es war führungslos. Jeder Jugendtrainer hat für sich das Beste gemacht, aber jeder in seinem Bereich. Kein großes Ganzes.

 

Über seinen Werdegang:

“Wir konnten in Ruhe etwas aufbauen. Uns ist sicher entgegengekommen, dass der erste Titel mit dem Cupsieg bereits 2005 gekommen ist, obwohl wir zuvor angekündigt haben, dass man uns 3 Jahre geben soll um etwas aufzubauen. Das hat dann für Ruhe gesorgt. 2006, 2007 und 2009 folgten drei Meistertitel.”

 

GAW: Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Fredy Bickel: Ich habe selbst gespielt und war überzeugt davon, dass ich nicht viel lernen muss, weil ich hundertprozentig Fußballprofi werde. Ich hatte ein gewisses Talent. Als ich 16 Jahre alt wurde, hat mich Trainer Otto Luttrop – eine Trainerlegende – beim SC Zug, die waren damals in der dritthöchsten Spielklasse, in die Kampfmannschaft hinaufgezogen und ist in dieser Saison auch in die zweithöchste Liga aufgestiegen. Sein Nachfolger war übrigens Ottmar Hitzfeld. Otto Luttrop hat mir nach wenigen Monaten gesagt: „Ich glaube für dich ist es besser, du konzentrierst dich auf eine Lehrstelle.“ Das war sehr bitter für mich. Otto Luttrop war aber anschließend bis zu seinem Lebensende ein Freund von mir und ich habe ihm auch immer wieder gesagt: „Du hast völlig Recht gehabt.“ Ich habe sehr gerne, aber eben zu gerne gespielt. Gearbeitet habe ich auf dem Platz nicht sehr gerne.

 

GAW: Welche Position haben Sie gespielt?

Fredy Bickel: Flügel. Ich war beidfüßig, hatte ein relativ gutes Auge und ich war ziemlich schnell. Aber nach hinten arbeiten, war nicht so mein Ding. Als er mir das gesagt hat, war für mich klar: Nie mehr irgendetwas mit Fußball und ich habe über 2 Jahre keinen Ball mehr berührt.

 

GAW: Irgendwann ist es aber dann doch passiert.

Fredy Bickel: Ich hatte einen Freund – Hans Jucker, er ist auch schon gestorben – der war eine Fernsehlegende in der Schweiz. Er hat die Skirennen mit sehr viel Schmäh kommentiert. Er war aus meinem Nachbarort und wollte mich zu seinem Fußballclub in der 4. Liga, wo er Präsident war, holen. Ich wollte aber nicht. Er hat zu mir gesagt: „Gib deine Träume nicht auf. Such dir einen Weg, wie du anderweitig zum Fußball kommen kannst.“  weil er mir gesagt hat: „Mach Journalist, du wirst sehen, im Fußball bekommt das mit der Pressearbeit ein immer größeres Gewicht. Das kann ein Weg für dich sein.“ Und genau so ist es gekommen. Ich habe bei Lokalradiosendern begonnen, ich habe Zeitungsartikel geschrieben und dann haben die Grasshoppers einen Pressechef und Buchhalter gesucht. Sie waren der erste Club, der einen Pressechef – wenigstens 50:50 – gesucht hat. Mit meinem Namen – Fredy Bickel ist auch mit einer großen Fußballlegende bei Grasshoppers verbunden – konnten sie gar nicht anders, als mich zu nehmen. Ich wusste ja, dass ich die Buchhaltung nicht wollte, das ging dann 3 bis 4 Monate, bis auch sie gemerkt haben, dass ich im Fußball besser als in der Buchhaltung aufgehoben bin. So bin ich Assistent vom Sportchef geworden und die Dinge nahmen ihren Lauf.

 

GAW: Wie lange waren Sie bei den Grasshoppers?

Fredy Bickel: 1991 bis 1999.

 

GAW: Sie sind CEO gewesen, technischer Koordinator, UEFA-Delegierter, Sportchef – sind Sie ein „Wunderwuzzi“ oder wie sind Sie in die Aufgaben hineingewachsen?

Fredy Bickel: Es klingt nach viel mehr. Es hieß damals nicht Assistent vom Sportchef, sondern technischer Koordinator. Das war in den 1990er-Jahren noch so. Ich wollte aber immer selbst führen und selbst an der Spitze stehen. Bei Grasshoppers war das super – Erich Vogel war ein guter Lehrmeister. Er war aber nicht sehr viel im Büro und hat mir sehr viel übertragen, was mir sehr entgegen gekommen ist. Ich wollte das immer machen, aber eher in der zweiten Liga beginnen. Dann waren die Young Boys Bern kurz vor dem Konkurs und Tabellenletzter in der zweiten Liga. Die haben einen CEO gesucht, einen der alles macht, da sie einfach nicht das Geld hatten. So wurde ich CEO. Dann habe ich mich dort mit den Investoren angelegt, das war keine schöne Geschichte, die mit Polizeiaktionen geendet hat.

Im Dezember 2003 bin ich zum FC Zürich als Sportdirektor gegangen. Die waren Tabellenletzter und es war ähnlich wie hier. Sie haben von einem Titel geträumt und den besseren, früheren Zeiten. Lucien Favre wurde als Trainer verpflichtet und wir waren für fast 10 Jahre zusammen auf einem guten Weg. Wir konnten in Ruhe etwas aufbauen. Uns ist sicher entgegengekommen, dass der erste Titel mit dem Cupsieg bereits 2005 gekommen ist, obwohl wir zuvor angekündigt haben, dass man uns 3 Jahre geben soll um etwas aufzubauen. Das hat dann für Ruhe gesorgt. 2006, 2007 und 2009 folgten drei Meistertitel.

In dieser Zeit – die Investoren bei Young Boys waren weg – wollten sie, dass ich wieder nach Bern zurückkomme und das habe ich dann 2013 gemacht. Das war ein relativ schwieriger Schritt, weil ich mit dem Präsidenten des FC Zürich sehr eng befreundet bin. Ich wollte schon 1 oder 2 Jahre vorher gehen, weil mir die Entwicklung im Verein nicht gefallen hat. Er hat 2 Geldgeber ins Präsidium hereingenommen, die weit weg vom Fußball waren und einen ganz schlechten Einfluss hatten. Man hat gespürt, das wird nicht gut. Der Präsident hat mir immer versprochen: „Das ziehen wir durch und wenn ich das Geld nicht mehr brauche, dann sind sie weg.“ Irgendwann habe ich mir gedacht, ich mag nicht mehr, die machen uns alles kaputt, ich muss einen Strich ziehen und aufhören. Das habe ich gemacht. Er hat 3 Monate nicht mehr mit mir gesprochen und nach dem zweiten Monat die anderen rausgeworfen.

 

GAW: Wollten die Investoren Spieler verpflichten, die Sie nicht haben wollten?

Fredy Bickel: Nein, sie wollten um die Mannschaft herum sein, haben viel mit einzelnen Spielern gesprochen und haben ihnen irgendetwas erzählt. Der Ausschlag war, als der Trainer der zweiten Mannschaft zu mir gekommen ist und gesagt hat: „Du, jetzt arbeiten wir so lange zusammen, wieso sagst du mir nicht persönlich, dass du mich nicht mehr willst?“ Es hat sich dann herausgestellt, dass diese 2 Geldgeber einfach einen anderen Trainer angerufen haben. Das geht einfach nicht. Im Fußball kommst du nur mit Teamarbeit weiter. Sobald du Leute hast, die querschießen, wird es unheimlich schwierig. Es war für mich auch einfacher, weil ich wusste, dass Young Boys an mir dran ist und drückt, dass ich zurückkomme. Sie waren immer zwischen Platz 5 und 8 und hätten aber den Anspruch gehabt – ebenfalls wie hier und in Zürich – endlich nach 30 Jahren wieder einen Titel zu holen. Sie wollten, dass ich es so wie in Zürich aufbaue und habe dreieinhalb Jahre bekommen. Das hat eigentlich funktioniert.

In meiner Zeit wurde der Investor – in der Schweiz haben viele Vereine Investoren und sind Aktiengesellschaften – todkrank und wusste, dass sein Lebensende nahe ist. Er hat im Dezember 2015 entschieden, dass er einen anstellt, der ihn im Präsidium vertritt. Dummerweise war das eine Person, mit der ich schon seit 20 Jahren auf Kriegsfuß gestanden bin und ich habe schon bald gespürt, dass er mich möglichst schnell ersetzen möchte. Ich habe dann einen Fehler gemacht und mich wirklich dagegen aufgelehnt. Ich wollte nicht, dass man mir die Butter vom Brot nimmt und im September 2016 kam es zum Eklat, wo ich als Folge aufgehört habe und mir eigentlich hundertprozentig sicher war, dass ich mal 1 Jahr Pause brauche. Aber dann kam Rapid dazwischen (lacht).

 

Unruheherd Rapid?

“Wir haben uns jede 3, 4 Monate eine neue Baustelle aufgetan”

 

GAW: Gibt es aus diesem Background heraus die Angst oder Skepsis vor einem neuen Präsidium bei Rapid? Wenn man die Namen hört, die herumgeistern, können wir uns schon vorstellen, dass da ein paar Leute drinnen sind, die auch querschießen.

Fredy Bickel: Guter Punkt. Es ist für mich sehr wichtig, wer im Präsidium sitzt. Daher auch im letzten Jahr die Komplikation bis meine Vertragsverlängerung – oder die mündliche Vereinbarung – gestanden ist. Ich denke, das war sehr fair, da bin ich dankbar. Es ist ein Kompromiss für beide Seiten. Mein Vertrag läuft grundsätzlich bis 2021 weiter, aber sobald klar ist, wer Präsident werden könnte, kann ich innerhalb von 30 Tagen aussteigen und das Präsidium, das vom Präsidenten bestimmt wird, ebenfalls. Für mich hat das gestimmt.

 

Fredy Bickel (Rapid Wien) und Christian Felkel (Grünaufweiss)
Fredy Bickel (Rapid Wien) und Christian Felkel (Grünaufweiss)

 

GAW: Weshalb gibt es dieses Namedropping beim Sportdirektor?

Fredy Bickel: Das kommt von dieser Klausel, die ich eigentlich eine gute Idee gefunden habe. Nun macht sich jeder Gedanken, wer mit wem kann oder nicht. Das ist eben so.

 

GAW: Weshalb herrscht beim SK Rapid immer so viel Unruhe?

Fredy Bickel: Ich versuche immer mich selbst zu reflektieren und bin der Meinung, dass ich Fehler sehe und klar ansprechen kann. Ich werfe mir selbst vor, dass ich in diesen 2 Jahren nie eine Kontinuität hingebracht habe. Ich habe es mit 3 verschiedenen Trainern nicht hingebracht, ich habe es mit diversen Mentaltrainern und unterschiedlichen Aktionen nicht hingebracht. Wir hatten immer dieses Wellental.

Ich habe mich wirklich gut über Rapid erkundigt, mit vielen Leuten gesprochen und versucht, mich in das Thema einzulesen. Nach den Gesprächen mit dem Präsidium waren die Vorgaben: Neustrukturierung des Nachwuchs und des Scoutings, aber auch das Umfeld um die Profimannschaft auf einen anderen Stand bringen. Ich habe das mit Freude angenommen.

Aber es war mir nicht bewusst, dass du hier nicht die Ruhe kriegst, auf so etwas hinzuarbeiten. Wir haben uns jede 3, 4 Monate eine neue Baustelle aufgetan. Du brauchst einfach länger, du wirst immer vom täglichen Geschehen zurückgeworfen. Die Mannschaft ist ein Abbild von dem. Im Nachhinein frage ich mich: „Hätte ich den Nachwuchs oder das Scouting ein wenig auf der Seite lassen und mich viel mehr sofort auf die Kampfmannschaft konzentrieren sollen?“ Nur glaube ich, du musst ein gutes Fundament, einen Unterbau, haben, wenn du mal eine Chance haben willst, falls Salzburg einen Hänger hat.

Das ist zu vergleichen mit Young Boys und dem FC Basel. Finanziell sind das Welten und da muss alles stimmen. Da musst du auch von unten Spieler nachziehen können, die dir helfen, damit der Abstand nicht so groß ist, weil mit dem Geld wirst du es nie machen können. Es gibt andere Wege dazu. Aber hier war eigentlich nie die Zeit und die Ruhe. Ich nehme das auf mich und es war ein Fehler, dass ich dem zu wenig Beachtung geschenkt habe und mehr den Fokus darauf hatte, hier etwas aufzubauen.

 

GAW: Wie war die Geschichte mit der Kreditkarte.

Fredy Bickel: Mir ist ein Fehler passiert, den ich nicht begreife. Sie machen eine Presskonferenz Wirtschaft. Ich komme ins Stadion, im gleichen Augenblick strömen die Journalisten heraus und fragen mich: „Du bekommst jetzt Millionen. Was machst du damit?“ Das war die Pressekonferenz mit der Kreditkarte. Und ich sage: „Na dann hole ich einen Stürmer.“ Ich habe keine Sekunde überlegt, was da passiert und ich hatte auch keine Informationen. Ich habe nicht damit gerechnet.

 

Peitschenknaller Fredy Bickel?

“Aber es sind auch schon Dinge herumgeflogen und man muss mal im Trainerzimmer eine Wand flicken, weil dummerweise ein schwerer Stuhl falsch geflogen ist.”

 

GAW: In Krisensituationen wird häufig der starke Mann, der Peitschenknaller verlangt. Sie wirken sehr empathisch, mit einer hohen sozialen Kompetenz – können Sie das?

Fredy Bickel: Doch, doch. Am wichtigsten ist für mich das Team. Nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Team rund um die Mannschaft. Mir gefällt der Titel Sportdirektor nicht besonders. Weil das ist man nicht. Wenn man sich die Wirklichkeit ansieht, ist man das Chamäleon oder einfach das Bindungsglied zwischen Präsidium, Trainer und Mannschaft. Es wird mir keiner weismachen können, dass irgendein Sportdirektor, auch wenn er es gerne sagt, einfach seine Linie durchzieht. Das kannst du bei einem Großverein machen, wo du auch genügend finanzielle Mittel hast. In der Schweiz und in Österreich geht das nicht. Du bist immer davon abhängig, welchen Trainer du hast, was du für einen Präsidenten hast, wie viel Qualität die Mannschaft hat, weil du kaum die Chance hast, mal 4 oder 5 rauszusetzen und 4 oder 5, die besser passen, reinzuholen. Das bedeutet, du musst das im Team machen und bedeutet, dass du dich immer den Stärken und Schwächen anpasst.

Ich hatte zum Beispiel Trainer Lucien Favre, der hat nie etwas gesagt und da musste ich die polternde Rolle übernehmen. Das hat zum Beispiel beim FC Zürich dazu geführt, dass ich dreimal die Renovierung der Kabine bezahlen musste, weil ich mich nach dem Spiel nicht im Griff hatte.

Hier ist es nicht ganz so schlimm gewesen, aber es sind auch schon Dinge herumgeflogen und man muss mal im Trainerzimmer eine Wand flicken, weil dummerweise ein schwerer Stuhl falsch geflogen ist. Aber das sind Dinge, die müssen intern sein. Auch wenn ich nach außen etwas kritisiere, weiß es die Mannschaft immer zuerst. Hier ist es für mich zehnmal wichtiger, dass ich Ruhe reinbringe. Ich muss mich den Verhältnissen anpassen und ich habe mich entschieden, dass es am meisten bringt, wenn ich versuche, ruhig zu wirken und zu kalmieren. Aber ich kann schon auch anders.

 

In Teil 3 erfahrt ihr:

🎯 Weshalb der Österreichertopf für Rapid Wien so wichtig ist.

🎯 Was Rapid vom LASK lernen kann.

🎯 Wieso Fredy Bickel den Abschied im Sommer bedauert.

 

Teil 3

 

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