Rapid vs. Spartak – die Match-Analyse

Rapid Wien gelingt der Start in die Europa League! Im Rekordmeisterduell setzen sich die Hütteldorfer mit 2:0 durch. Ein Geduldspiel ohne große Höhepunkte.

 

Vanderals / Markus Felkel

 

Goran Djuricin rotiert nicht: Rapid im gewohnten 4-2-3-1:

Trainer Goran Djuricin gibt den Derbyverlierern eine Chance zur Rehabilitierung und rotiert nicht. Mario Sonnleitner und Mateo Barac bilden abermals das Innenverteidigerpaar, Mert Müldür beginnt wiederum als rechter Außenverteidiger und Andrei Ivan am linken Flügel.

 

Massimo Carrera muss rotieren: Das 4-3-3 bleibt dennoch.

Neben den zahlreichen Verletzten und der Sperre von Luiz Adriano verzichtet der italienische Trainer aus disziplinären Gründen auf Kapitän Denis Glushakov und Außenverteidiger Andrey Eshchenko. Beide haben im Internet ein Schmähvideo gegen ihn geliked.

Für Glushakov beginnt nicht – wie erwartet – der bulgarische Teamkapitän Ivelin Popov, sondern der defensivere Artem Timofeev. Den Part von Eshchenko als rechter Außenverteidiger übernimmt der 20jährige Nikolay Rasskazov.

Auf der linken Außenverteidigerposition erhält der Paraguayer Lorenzo Melgarejo überraschend den Vorzug gegenüber Dmitri Kombarov. Da nach dem Verkauf von Quincy Promes auch der Algerier Sofiane Hanni verletzt ausfällt, bekommt der im Vorjahr um 12 Millionen Euro verpflichtete Brasilianer Pedro Rocha seine Chance.

 

Das Spiel:

Vor dem Spiel wird der verletzte Exrapidler Veli Kavlak begrüßt und von den Fans gefeiert.

Das Match beginnt sehr zerfahren, da die nötige Präzision im Passspiel fehlt und beide Teams einander abwartend beschnuppern. Rapid versucht über Ballstafetten Sicherheit zu gewinnen, Spartak Moskau steht sehr kompakt und ist aggressiv gegen den Ball.

Mert Müldür unterlaufen Stellungsfehler und ist auch sonst nicht sattelfest – aus einem dieser Fehler entsteht nach 12 Minuten beinahe die Führung der Gäste.

Auch Mateo Barac fabriziert im Spielaufbau immer wieder Abspielfehler, wodurch einige Bälle verloren gehen.

Der auffällige Andrei Ivan befindet sich ab der ersten Minute in einem harten Fight mit dem jungen Außenverteidiger Nikolay Rasskazov, beide bleiben einander nichts schuldig.

Rapids Abschlussversuche resultieren aus Weitschüssen, die jedoch nicht zwingend gefährlich werden. In der 13. Minute geht ein Schuss von Christoph Knasmüllner am Tor vorbei. Thomas Murg schießt nach einem schönen Angriff über Marvin Potzmann und Deni Alar zu zentral auf Torhüter Aleksandr Maksimenko.

Der in der heimischen Premjer-Liga kopfballstarke russische Rekordmeister verzichtet auf Flanken in den Strafraum von Rapid und startet viele Angriffsversuche über links, wo Mert Müldür Probleme mit dem Stellungsspiel hat. Dass Spartak Moskau daraus kein Kapital schlagen kann, ist eher der schwachen Performance des Brasilianers Pedro Rocha zuzuschreiben, der seinem Vorgänger Quincy Promes nicht annähend das Wasser reichen kann.

Versucht Rapid aus der Abwehr herauszuspielen, antwortet Spartak mit einem 4-4-2, in dem der ballnähere Mittelfeldspieler (in diesem Fall Roman Zobnin) attackiert:

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

Rapid antwortet über Mario Sonnleitner mit einem Wechselpass auf Marvin Potzman am linken Flügel, wo Stefan Schwab defensiv absichert und Potzmann und Andrei Ivan den Rücken für einen Angriff freihält:

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

Beide Teams versuchen sehr kompakt zu stehen und der gegnerischen Offensive kaum Platz zu geben.

In dieser Situation befinden sich alle 10 Feldspieler von Spartak Moskau in der eigenen Hälfte, Christoph Knasmüllner steht verkehrt zum gegnerischen Tor und kann offensiv keine Akzente setzen:

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

Bei diesem schnellen Angriff von Spartak Moskau mit Verlagerung auf den rechten Flügel ist Rapids Defensive zunächst unsortiert, kann aber durch die Überzahl und gutes Stellungsspiel den Angriff abfangen:

Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

Da beide Teams offensiv kaum zu Überzahlsituationen kommen, bleibt das Spiel chancenarm.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

12. Minute: Riesenchance für Spartak: Mert Müldür möchte im eigenen Strafraum ausputzen, sein Versuch gerät viel zu kurz und er setzt damit den gegnerischen Außenverteidiger Lorenzo Melgarejo perfekt ein, dessen Flanke am langen Eck von Artem Timoffev in einen Torschuss verwandelt wird. Torhüter Richard Strebinger ist rechtzeitig in das kurze Eck geeilt und kann den Ball abwehren.

50. Minute: TOR für Rapid Wien: Einen Eckball von der linken Seite schlägt Tomas Murg mit dem linken Fuß in den Strafraum. 4 Spartakspieler haben Stefan Schwab und Mateo Barac im Blick, vergessen aber auf Mert Müldür, der zentral aus etwa 9 Metern zum Kopfball kommt. Torhüter Aleksandr Maksimenko wehrt den Ball auf den Zentmeter vor ihm stehenden Artem Timofeev ab, von dem der Ball die Torlinie zur Führung von Rapid Wien überschreitet – 1:0!

56. Minute: Riesenchance für Spartak: Aus etwa 30 Meter Entfernung hämmert der brasilianische Defensivspezialist Fernando einen Freistoß knapp unter dem Kreuzeck an die Innenstange. Der Abpraller bewegt sich parallel zur Torlinie und wird von Innenverteidiger Salvatore Bocchetti über die Linie befördert – der 31jährige hat sich jedoch zuvor im strafbaren Abseits befunden.

68. Minute: TOR für Rapid Wien: Schneller Angriff von Rapid aus der eigenen Hälfte über Stefan Schwab. Seinen Doppelpasspartner Deni Alar attackiert der russische Kapitän und Innenverteidiger Georgiy Dzhikiya ungestüm und ohne Chance auf den Ball und öffnet somit eine Lücke in der defensiven Viererkette. In diesen Raum sprintet Thomas Murg, der von Stefan Schwab perfekt angespielt wird, Tormann Maksimenko überläuft und mit links den Ball im leeren Tor unterbringt – 2:0!

73. Minute: Riesenchance für Spartak: Angriff über die rechte Seite des russischen Rekordmeisters. Außenverteidiger Nikolay Rasskazov spielt einen Doppelpass mit Artem Timofeev, seine Hereingabe kann Mario Sonnleitner nicht wegspitzeln, wodurch Stürmer Zé Luíz frei zum Schuss kommt – sein Versuch geht allerdings weit über das Tor.

Was war gut?

Die Effizienz. Die war schlichtweg überragend. Dass Spartak Moskau nur wenige Chancen zulassen wird, war zu erwarten, umso wichtiger, wenn die Möglichkeiten genutzt werden. Gleichwohl auch Glück dabei war.

Die Mannschaft hat nach dem negativen Derbyerlebnis den Kopf nicht hängen lassen und konzentriert agiert. Vor allem in der Defensive hat man wenig zugelassen.

 

Was war nicht gut?

In den ersten 45 Minuten ist Rapid Wien ohne hundertprozentige Torchance geblieben.

In der Spieleröffnung gibt es immer noch Luft nach oben.

Bei einer 2:0-Führung kurz vor Schluss kann man auch einmal versuchen, den Ball zu halten. Da braucht es keine Kunstpässe.

 

Fazit und Ausblick?

So seltsam ist der Fußball. Im Derby hat Rapid in den ersten 45 Minuten 6 Topchancen kreiert und nicht getroffen. Und viel Kritik geerntet. Gegen Spartak Moskau reicht ein Eigentor und ein Konter und es erklingen Schalmeientöne. Das macht es auch so schwierig, die Leistung der Mannschaft richtig einzuschätzen.

Gegen die im Filialenduell ebenfalls siegreichen Salzburger wird es deutlich schwerer. Bei jetzt schon 12 Punkten Rückstand ist Rapid zum Siegen verdammt.

In der Europa League darf man sich über den geglückten Auftakt freuen. Nun geht die Reise nach Glasgow. Auch die Rangers sind keine Übermannschaft, das Ibrox Stadium wird aber voll sein. Im Gegensatz zu unserem Heimspiel gegen Spartak Moskau.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Fehlerlos. Der Stangenfreistoß war zwar aus großer Distanz, aber zu perfekt geschossen. Ist ja auch nichts passiert…

Mateo Barac:

Defensiv stark, im Spielaufbau wiederum mit vielen Mängeln.

Mario Sonnleitner:

Defensiv überragend. Zumal er nebenbei auch noch die Schnitzer von Mert Müldür ausbügeln musste. Europäische Weltklasse…

Mert Müldür:

Solche Geschichten schreibt der Fußball. In den ersten 45 Minuten wirklich nicht gut und dann köpfelt er den Ball zum 1:0 auf das Tor. Auch wenn es die UEFA als Eigentor von Timofeev gewertet hat. Zu 80% gehört es Mert Müldür.

Offensiv hat er sich fast nicht eingebracht und defensiv hatte er Probleme mit dem ebenfalls schwachen Pedro Rocha.

Vorwurf möchte ich ihm keinen machen, es ist eben nicht seine angestammte Position.

Marvin Potzmann:

Der Wiener hatte auch mit dem engmaschigen Netz der Russen zu kämpfen. Er hat aber seine Sache sehr gut gemacht auch offensiv versucht, Akzente zu setzen.

Dejan Ljubicic:

Sein Energieanfall über die rechte Seite führte zum Eckball vor dem 1:0. Besser als im Derby.

Stefan Schwab:

Im Spielaufbau bemüht die richtige Position zu finden. Schade, dass er sich offensiv nicht mehr so einbringen kann. Traumvorlage zum 2:0.

Thomas Murg:

Wie schon im Derby am rechten Flügel auf sich alleine gestellt. Wenn er in die Mitte zieht, bräuchte er einen Spieler, der ihn auf der Grundlinie hinterläuft und so anspielbar ist.

Mittels Eckball Assist zum 1:0, das 2:0 selbst erzielt. Danach hat man ihn mit breiter Brust gesehen.

Andrei Ivan:

Hatte mit den beiden 20jährigen Russen lauf- und zweikampfstarke Gegenspieler. Auffällig, aber glücklos.

Christoph Knasmüllner:

In der ersten Halbzeit mit Abschlüssen. Auffälliger als im Derby, aber gegen den massierten Abwehrblock in einer schwierigen Situation. Glück, dass er keine gelbe Karte bekommen hat.

Deni Alar:

Mehr als Vorbereiter tätig. Glück, dass die Schiedsrichter nicht auf eine komplett abstruse Schwalbe von Georgiy Dzhikiya reingefallen sind.

Andrija Pavlovic:

In der 71. Minute eingewechselt. Da Rapids Fokus der Defensive galt, ohne bleibenden Eindruck.

Veton Berisha:

5 Minuten später, ansonsten siehe Pavlovic.

Manuel Martic:

In der 86. Minute statt Christoph Knasmüllner eingewechselt. Mit ihm erfolgte in der Defensive die Umstellung auf eine Fünferkette.

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