Derby-Time in Hütteldorf – Rapid Wien vs. Austria Wien

Derby Rapid Austria Wien

Am Sonntag steigt im Weststadion das 327. Wiener Derby vor ausverkauftem Haus! Gelingt Rapid der erste Heimsieg gegen den Erzrivalen im neuen Stadion? Wie steht es um Rapids verletzte Spieler? Was ist vom Gegner unter Trainer Thomas Letsch zu erwarten? Grünaufweiß mit der Spielvorschau:

 

Ausgangssituation:

Der SK Rapid Wien empfängt als Fünftplatzierter den viertplatzierten Erzrivalen aus Wien Favoriten.

Bei den Hütteldorfern ist trotz der Qualifikation für die Europa League Feuer am Dach und die Fans sind – vor allem mit der Performance in der Meisterschaft – unzufrieden. Diesbezügliche Unmutsäußerungen ergießen sich aktuell über das von Goran Djuricin angeführte Trainerteam. Teile der organisierten Fanszene fordern vehement den Rauswurf des Trainers. Da von Seiten der Vereinsführung nur spärliche, aber zumindest von Teilen der Mannschaft deutliche Sympathiebekundungen für Trainer Djuricin geäußert wurden, wird Rapid mit ihm auch in das 327. Wiener Derby gehen.

Auf den Rekordmeister warten 3 anstrengende Wochen – nicht weniger als 7 Spiele in 21 Tagen gilt es erfolgreich zu absolvieren. Nach dem Derby empfängt Rapid in der Europa League Spartak Moskau, dann folgt die schwierige Auswärtsfahrt nach Salzburg. Nach dem Cupmatch in Mattersburg empfangen die Hütteldorfer den SKN St. Pölten, fliegen nach Glasgow zu den Rangers und schließen das Mammutprogramm mit einem Heimspiel gegen den SV Mattersburg ab.

Bei Rapids Langzeitverletzten entspannt sich die Lage allmählich. Christopher Dibon ist sein Comeback bei Rapid II gegen Ebreichsdorf bereits geglückt und auch Andrija Pavlovic wirkte in einem Testspiel der Nachwuchsrapidler mit. Philipp Schobesberger und erfreulicherweise auch Ivan Mocinic trainieren mit der Mannschaft mit. Auch wenn es bei beiden Spielern noch dauern wird, bis sie wieder im Rapidtrikot zu bewundern sein werden. Einzig bei Tamás Szántó steht eine Rückkehr noch in den Sternen.

Ansonsten dürften noch Boli Bolingoli und Manuel Thurnwald verletzt ausfallen.

 

Am Verteilerkreis soll heuer alles besser werden. Nach der katastrophalen letzten Saison wurde der Kader komplett umgebaut und an die Philosophie von Trainer Thomas Letsch angepasst. Der 50jährige Deutsche konnte das Verpassen des Europacups nicht verhindern, mit dem neu eröffneten Stadion im Rücken, muss er nun liefern.

Mit 10 Punkten aus 6 Spielen hinken auch die Violetten den Erwartungen der Fans hinterher. Die Heimsiege gegen Wacker Innsbruck und SV Mattersburg fielen zudem knapp und glücklich aus. Das Unentschieden in St. Pölten und die Niederlage beim WAC entsprachen nicht den Erwartungen.

Personell haben die Violetten wiederum mit einigen Langzeitverletzten zu kämpfen. Die Neuzugänge Cristian Cuevas, James Jeggo und Maximilian Sax fallen aus und gesellen sich zu den ebenfalls verletzten Christoph Martschinko, Petar Gluhakovic und Dominik Fitz.

 

Austria Wien 2017/18: Vom selbsternannten Titelaspiranten auf Platz 7:

Mit großen Ambitionen startete der Vizerekordmeister in die vergangene Saison. Die Posse um den Abgang von Larry Kayode sollte die Mannschaft nicht belasten, dennoch fielen die Ergebnisse recht bescheiden aus und die Neuzugänge konnten die Abgänge nicht ersetzen. Zudem wütete der Verletzungsteufel im 10. Wiener Gemeindebezirk gehörig und legte wichtige Teile der Mannschaft lahm. Vor allem in der Defensive musste immer wieder improvisiert werden.

Obwohl mit dem Einzug in die Gruppenphase der Europa League ein Saisonziel erreicht wurde, rissen Ablösegerüchte um Trainer Thorsten Fink nicht ab. Auch als Nachfolger von Teamchef Marcel Koller wurde er gehandelt. Nachdem der Kader in der Winterpause mit Madl und Stangl verstärkt wurde, in den ersten 3 Frühjahrsrunden dennoch nur ein einziger Punkt – ausgerechnet im Derby – erobert werden konnte, wurde Thorsten Fink durch Thomas Letsch ersetzt. Die beiden Auftaktsiege erwiesen sich als Strohfeuer – mit Platz 7 verpassten die Violetten den angestrebten 5. Platz um 8 Punkte.

 

Viele Abgänge und viele Zugänge aus Graz:

Im Sommer verließen Raphael Holzhauser, David de Paula, Patrizio Stronati und Osman Hadzikic die Veilchen ablösefrei, die Leihen von Felipe Pires, Ruan Renato, Ibrahim Alhassan, Stefan Stangl und Jin-hyeon Lee nicht verlängert. Robert Almer beendete seine Karriere und Tarkan Serbest, Mohammed Kadiri und Michael Blauensteiner wurden verliehen.

Mit Maximilian Sax und Thomas Ebner wurden 2 Stützen von Admira Wacker verpflichtet, Alon Turgeman von Maccabi Haifa. Der vereinslose Ivan Lucic wurde als Ersatztorhüter engagiert und Cristian Cuevas, Igor und Ewandro Costra ausgeliehen. Ebenfalls per Leihe stieß vom FC Kopenhagen Uros Matic zum Rekordcupsieger, der zuvor bei Sturm Graz Publikumsliebling war. Nicht der letzte Bezug zur steirischen Landeshauptstadt, denn mit dem Ex-Rapidler Christian Schoissengeyr, James Jeggo und Bright Edomwonyi folgten noch 3 weitere Kicker der Blackies nach Favoriten. Sehr zum Unmut der Grazer Fans und der Vereinsverantwortlichen.

 

Bilanz gegen Rapid:

Insgesamt wurde das Wiener Derby bereits 326 Mal ausgetragen. 135 Siegen von Rapid Wien stehen 74 Unentschieden und 117 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 610:517 gegenüber. In der Meisterschaft ging der Klassiker bislang 293 Mal über die Bühne – 123 Siege, 71 Remis und 99 Niederlagen stehen in der Bilanz. Torverhältnis: 542:440.

In der Saison 2017/18 fand das Derby gleich fünfmal statt. Rapid konnte alle 3 Auswärtsspiele – zweimal Meisterschaft und einmal Cup – für sich entscheiden, daheim musste man sich jedoch mit 2 Remis begnügen. Schlimmer – im neuen Weststadion warten die Rapidfans immer noch auf den ersten Sieg. Den letzten Heimsieg gab es am 17. April 2016 im Ernst-Happel-Stadion, als der Spanier Tomi nach Vorarbeit von Louis Schaub den einzigen Treffer zum 1:0-Sieg beisteuerte.

 

Thomas Letsch – funktioniert er auch außerhalb des RB-Universums?

Seine ersten Sporen als Trainer verdiente sich der Deutsche bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Nach einer erfolgreichen Zeit in der Oberliga Baden-Württemberg bei Sonnenhof-Großaspach heuerte der heute 50jährige beim RB-Konzern an und übernahm die dortige U16-Akademiemannschaft. Bis zum FC Liefering arbeitete er sich empor und durfte sogar als Interimstrainer die Kampfmannschaft für 2 Spiele coachen, ehe er wieder nach Liefering zurückkehrte. Ab dem Sommer 2017 sollte er den deutschen Zweitligisten FC Erzgebirge Aue in höhere Sphären führen, nach 3 Niederlagen war jedoch bereits wieder Schluss. Nach einem halben Jahr Pause folgte er am 27. Feber dieses Jahres auf seinen Landsmann Thorsten Fink als Cheftrainer unseres Lokalrivalen.

Seine Bilanz am Verteilerkreis ist durchwachsen – von den 19 Spielen gewann sein Team 9 Begegnungen, dazu kommen noch 2 Unentschieden und 8 Niederlagen. Das Torverhältnis ist mit 29:23 positiv.

Die Spielphilosophie des Brausekonzerns hat er verinnerlicht, schnelles Umschalten und bedingungsloses Gegenpressing sind von ihm zu erwarten.

 

Mögliche Aufstellung Rapid Wien:

Nach der zweiwöchigen Länderspielpause erwarte ich mir keine großen Überraschungen. Fraglich ist, ob Bolingoli wieder fit ist und wer das Innenverteidigerduo bildet. Ich wäre nicht überrascht, wenn abermals der erfahrene Mario Sonnleitner gegenüber Mateo Barac den Vorzug erhält.

Alar

Berisha   Knasmüllner   Murg

Ljubicic   Schwab

Potzmann   Sonnleitner   Hofmann   Müldür

Strebinger

 

Mögliche Aufstellungen Austria Wien:

Thomas Letsch ist bekannt dafür, gerne in die Taktiktrickkiste zu greifen. Zudem hat er die RB-Philosophie verinnerlicht und setzt auf massives Pressing, Gegenpressing und ein dicht besetztes Zentrum zu Lasten des Flügels. Der WAC und der LASK haben bereits vorexerziert, wie man Rapid beikommen kann, es ist zu erwarten, dass auch Thomas Letsch auf diese Erkenntnisse zurückgreift. Denkbar wäre etwa ein 5-3-2 mit 3 Innenverteidigern und 2 defensiven Außenverteidigern, einem dicht gestaffelten Mittelfeld und 2 Stürmern, die den Spielaufbau des Rekordmeisters möglichst unterbinden sollen. Oder ein 4-3-1-2 mit einem zusätzlichen Spieler im zentralen Mittelfeld.

 

Aufstellungsvariante 1:

Turgeman   Edomwonyi

Grünwald

Ebner   Matic

Salamon   Schoissengeyr   Igor   Madl   Klein

Pentz

 

Aufstellungsvariante 2:

Turgeman   Edomwonyi

Prokop

Matic   Ebner   Grünwald

Salamon   Schoissengeyr   Madl   Klein

Pentz

 

Meine Einschätzung:

Für beide Trainer steht immens viel auf dem Spiel. Goran Djuricin ist bereits angezählt, für Thomas Letsch könnte es nach einer Derbyniederlage ungemütlich werden. Mit einem Punkteschnitt von 1,53 pro Spiel konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen bislang nicht erfüllen.

Während Rapid Wien sein 4-2-3-1 durchziehen und vermutlich mit wenig Innovationen aufwarten wird, ist vom Rivalen aus Favoriten mehr taktische Flexibilität zu erwarten.

Ein schneller Spieler wie Philipp Schobesberger, den man bei einem hoch stehenden Gegner mit Bällen hinter die Viererkette schicken kann, fehlt aktuell bei Rapid – daher ist es gut möglich, dass Deni Alar und der laufstarke Veton Berisha situativ die Positionen tauschen.

Auf die beiden Flügelachsen wartet viel arbeitet, da die Veilchen die Mitte gut zustellen werden. Veton Berisha muss endlich torgefährlicher werden und Thomas Murg zu seiner Form finden. Zudem ist Rapid mit Außenverteidiger Boli Bolingoli offensiv deutlich gefährlicher als mit der Notlösung Mert Müldür. Auch wenn der 19jährige seinen Job in Bukarest und Graz sehr gut gemacht hat.

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