Rapid vs. Altach – die Match-Analyse

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Wir haben unseren Grün-Weißen beim ersten Heimspiel genau auf die Beine gesehen. Hier unsere Spielanalyse zum Unentschieden gegen den SC Rheindorf Altach aus Vorarlberg:

 

Aufstellung:

 

Alar

Ivan – Knasmüllner – Murg

Ljubicic – Schwab

Bolingoli – Barac – Sonnleitner – Potzmann

Strebinger

Ersatz:

Berisha

Martic

Auer

Kostic

Haas

Guillemenot

Müldür

 

Taktik:

Trainer Goran Djuricin hat unsere Mannschaft in einem 4-2-3-1 auf den Platz geschickt. Gegenüber dem Erstrundenauftakt gegen die Admira ersetzt Innenverteidiger Mario Sonnleitner den verletzten Maxi Hofmann. Auf der Ersatzbank nimmt statt Philipp Malicsek Jérémy Guillemont Platz und Mert Müldür rückt in den Matchkader auf.

Nach dem Offensivfurioso in der Südstadt mit 78% Ballbesitz nach den ersten 45 Minuten und 3 Toren geht Rapid zwar mit der fast identen Aufstellung in das erste Heimspiel, legt das Spiel aber taktisch anders an – und vollzieht einen Rückschritt in die Vorsaison. Die Innenverteidiger stehen deutlich tiefer und haben somit weniger Zugriff auf das Spiel, dadurch stehen auch die beiden Außenverteidiger tiefer und unsere Flügelspieler können weniger die Halbpositionen im Mittelfeld besetzen, sondern weichen öfters auf die verwaisten Flügel aus. Dies verunmöglicht die im letzten Match kurzen – und dadurch schwer zu verteidigenden – Pässe, Doppelpässe und Tempodribblings und Altach gelingt es durch starkes Pressing und antizipatives Spiel, Rapid zu Abspielfehlern zu zwingen. Fabelpassquoten von weit über 90% sind dadurch nur noch sporadisch und vor allem in eher ungefährlichen Bereichen möglich.

In der ersten Halbzeit wird das fluide Positionsspiel noch teilweise umgesetzt, mit Fortdauer der Partie verfallen wir jedoch, bedingt durch das Pressing der Vorarlberger und eigener Passivität, in immer unbeweglichere Strukturen – anstatt den Gegner durch hohe Fluidität zu zermürben und zu Fehlern zu zwingen.

 

Der Gegner:

Ich habe das Gefühl, dass Altach das Match gegen Mattersburg mit der selben Passivität verloren hat, die wir am Samstag vor allem in der zweiten Halbzeit gezeigt haben – allerdings dürften Werner Grabherr und sein Team die richtigen Lehren gezogen haben. Altach ist immens giftig im Pressing, nach dem Ballgewinn wird nicht sofort der Abschluss gesucht, sondern das Spiel erst einmal beruhigt, um auch den Gegner laufen zu lassen und Energie zu sparen. Das Spiel wird dabei immer wieder geschickt verlagert. Das Ziel ist möglichst lange das Match offen zu halten und auf den einen richtigen Moment zu warten. Und der ist gekommen, obwohl die Mannschaft auch in der 88. Spielminute noch kein Offensivfeuerwerk gezündet hat – im entscheidenden Angriffsdrittel waren 3 Altacher aktiv und 1 Altacher passiv beteiligt – der Rest hat defensiv abgesichert, während Rapid mit bis zu 7 Spielern im eigenen Strafraum raumgedeckt hat. Doch dazu später.

Besonders positiv fällt mir der Kameruner Samuel Oum Gouet auf, der seine Mitspieler mit positiver Körpersprache immer weiter antreibt, einteilt und zudem selbst viele Zweikämpfe erfolgreich bestreitet.

 

Tore:

1:0 – Deni Alar (Rapid)

Nachdem der Spielaufbau über rechts nicht möglich ist, landet der Ball wieder bei Mateo Barac. Er zieht in die gegnerische Hälfte und spielt einen perfekten Pass Richtung linker Grundlinie hinter der 5er-Abwehrkette der Altacher. Nun kommt Linksverteidiger Boli Bolingoli zum Ball und schlägt eine Flanke in Richtung zweitem Pfosten, dort setzt sich Kapitän Schwab im Kopfballduell durch und serviert den Ball an die Strafraumgrenze zu Mittelfeldspieler Knasmüllner zurück, der sofort mit rechts abzieht. Der Schuss reißt im jedoch etwas ab, landet aber glücklicherweise bei Stürmer Deni Alar, der sich den Ball herrichtet und überlegt mit dem linken Fuß zum 1:0 einschiebt.

1:1 – Hannes Aigner (Altach)

Der Kameruner Oum Gouet spielt einen Pass auf den eingewechselten linken Flügel Kristijan Dobras, der von unserem Außenverteidiger Marvin Potzmann nicht attackiert wird. Zu diesem Zeitpunkt ist von den Altachern im Strafraum Joshua Gatt, der von Mario Sonnleitner gedeckt wird und Hannes Aigner, der sich im Blickfeld von Mateo Barac befindet. Altachs Außenverteidiger Emanuel Schreiner trabt eher gemächlich in den gegnerischen Strafraum und kann jederzeit von Dejan Ljubicic beamtshandelt werden. Dazu decken noch Schwab, Berisha und Bolingoli den Raum an der Strafraumgrenze ab, sprich Rapid ist im eigenen Strafraum in einer Überzahl. Joshua Gatt nimmt den Ball mit dem Rücken zum Tor an und Sonnleitner scheint damit zu rechnen, dass er zwecks Ballhaltung Richtung Cornerfahne dribbeln wird. Dem ist nicht so, mit einer geschickten Körpertäuschung gewinnt Gatt die wichtigen Zehntelsekunden und kann mit dem schwächeren linken Fuß an Sonnleitner vorbei in den Torraum flanken. Mateo Barac hat mittlerweile Gegenspieler Aigner komplett aus den Augen verloren und versucht der Flanke entgegenzugehen. Der ursprünglich richtigerweise am kurzen Pfosten aufgestellte Torhüter Strebinger versucht noch in die Mitte zu sprinten, allein es ist vergeblich, Routinier Hannes Aigner hat keinerlei Mühe den Ball mit dem Kopf zu verarbeiten und auf 1:1 zu stellen.

Vergebene Topchancen:

In der 43 Spielminute setzt Deni Alar im zentralen offensiven Mittelfeld zu einem kurzen Dribbling an und sieht den links optimal in den Strafraum mitgelaufenen Ivan, den er mit einem perfekten Pass bedient. Ivans Abschluss fällt leider zu überhastet aus, weswegen der zu schwach angetragene Schuss eine leichte Beute für Torhüter Lukse wird. Da wäre mehr möglich gewesen.

In der 45. Spielminute unterläuft unserem rechten Außenverteidiger Potzmann in der Vorwärtsbewegung ein unnötiger und leichtfertiger Ballverlust – die Flanke von Schreiner wird an die von Mateo Barac ausgestreckte Hand abgefälscht – hier wäre ein Elfmeterpfiff für Altach die richtige Entscheidung gewesen.

In der 75. Spielminute spielt Außenverteidiger Bolingoli einen perfekten Pass in den Lauf von Veton Berisha, der den Ball kurz vor der Toroutlinie stoppt und mit dem rechten Außenrist auf Christoph Knasmüllner spielt. Sein direkter Versuch aus 4 Meter Entfernung landet jedoch nicht im Tor, sondern an der Stange – das hätte ein Treffer sein müssen.

Nur Sekunden nach dem Ausgleich wird es turbulent. Veton Berisha schickt Christoph Knasmüllner mit einem perfekten Pass über die gegnerische Verteidigungskette auf die Reise, Knasmüllner überhebt den herauslaufenden Torhüter elegant, bevor er jedoch den Ball über die Torlinie bugsieren kann, wird der Ball von Innenverteidiger Zwischenbrugger an die Stange gelenkt. Statt des Balls landet bloß Knasmüllner im Tor – das zählt leider nicht. Beim anschließenden Eckball prüft Bolingoli Torhüter Andreas Lukse mit einem technisch perfekten Volley – Lukse wehrt den Ball ab.

In der 92. Spielminute passt Deni Alar in den Strafraum auf Christoph Knasmüllner, der seinen Gegenspieler mit einer technischen Einlage düpieren kann und die Flanke auf den mitgelaufenen Deni Alar schlägt – Alars Kopfball streicht um Zentimeter über das Tor.

 

Leistungsbewertung:

Positiv:

Aufgrund der Toptorchancen hätte Rapid das Spiel gegen Altach gewinnen müssen. Auch wenn es kein gutes Match von Rapid war, gab es dennoch genügend Möglichkeiten.

Die erste Halbzeit war nicht gut, aber noch deutlich besser. 9:3 Schüsse, 3:1 Schüsse auf das Tor, 67% Ballbesitz und eine Passgenauigkeit von 83% sind in Ordnung.

Die Fans: An mangelnder Unterstützung durch den Block West kann die Mannschaft das Resultat nicht aufhängen – eine Dezibelmessung wäre spannend gewesen – guter Support.

Negativ:

Es ist mir schon klar, dass nicht jeder Gegner unser Weststadion als Opferlamm betritt, ich hätte mir jedoch den Mut und das Tempo aus dem Admiraspiel gewünscht. Wir müssen bei Heimspielen deutlich offensiver auftreten und die eigenen Stärken forcieren.

Wie auch schon bei Admira Wacker folgt auf die erste, eine leblose zweite Halbzeit. Kein Tempo, kein Pressing, keine Ballstafetten, kein Spielwitz, keine Leidenschaft.

Schon in der vergangenen Saison wurde das fehlende In-Game-Coaching von Trainer Djuricin bekrittelt – die Einwechslung von Berisha in der 63. Minute war noch nachvollziehbar und richtig, wieso der zweite Wechselspieler erst in der 84. Minute eingetauscht wurde und es einen dritten Wechsel bei 35 Grad Hitze gleich gar nicht gegeben hat, bleibt unverständlich. Wenn Djuricin bei der Pressekonferenz nach dem Spiel meint, dass das passive Verhalten der Spieler vor dem Spiel nicht so ausgemacht war, was hat er dann mit den Spielern während des Spiels – etwa bei den Trinkpausen – besprochen?

Die Fans: 15.200 Fans und damit ein fast halbleeres Stadion in einer 2-Millionen Stadt? Ernsthaft?? Ich verstehe es einfach nicht.

Ausblick:

Noch ist nicht viel passiert. In der Meisterschaft gab es in der Südstadt eine perfekte Halbzeit, in der die Mannschaft ihre mögliche Klasse aufblitzen ließ, die erste Hälfte gegen Altach war noch halbwegs okay, die beiden zweiten Hälften waren jedoch von unentschuldbarer Passivität geprägt. Da kann ich unser Leitbild einmotten und mich auf weitere Jahre ohne Titel einstellen.

Ich habe diesen blöden Spruch mal irgendwo gelesen, aber er passt zu unserer Situation: „Der einzige Ort, wo Erfolg vor Leistung kommt, ist das Wörterbuch“. Kommt hin.

In Bratislava und gegen den WAC muss die Mannschaft endlich beginnen, 90 Minuten Einsatz und Leidenschaft zu liefern.

 

Spielerbewertung:

 

Richard Strebinger:

Wurde kaum gefordert und war beim Tor meines Erachtens schuldlos.

Mateo Barac:

Drittes Spiel, dritter Schnitzer. Er zeigt seine Qualitäten in der Spieleröffnung, muss sich aber noch steigern, um Galvao vergessen zu machen.

Mario Sonnleitner:

Der Spielaufbau wird seine Sache nicht mehr werden, das ist teilweise furchtbar. Er hat sich leider im entscheidenden Moment von Joshua Gatt „einpacken“ lassen.

Marvin Potzmann:

Nicht so stark in das Offensivspiel eingebunden, dennoch mit klugen Pässen. Hat sich in der gegnerischen Hälfte schon wieder eine gelbe Karte abgeholt.

Boli Bolingoli:

Licht und Schatten. Hat mir in meiner Wahrnehmung im Stadion wegen zu vieler Abspielfehler nicht gefallen, war aber letztendlich an fast jeder gefährlichen Offensivaktion beteiligt.

Dejan Ljubicic:

Defensiv stabil, aber offensiv fehlt es leider an der nötigen Präzision.

Stefan Schwab:

Starker Kopfball auf Knasmüllner vor dem 1:0, ansonsten müsste er am Spielfeld präsenter sein.

Andrei Ivan:

In der 43. Spielminute hätte er Rapid komfortabel in Führung bringen können, ansonsten viel Leerlauf. Wird sich auch weiterhin mit Veton Berisha um den Startplatz am linken Flügel duellieren.

Christoph Knasmüllner:

Ein im Rahmen seiner Verpflichtung lanciertes Mentalitätsproblem kann ich nicht erkennen, für mich wieder das Um und Auf der Mannschaft. Der zweite Stangenschuss war Pech, der erste muss ein Tor sein. Das weiß er wohl auch selbst.

Thomas Murg:

Glücklos und hätte schon früher durch Kostic ersetzt werden sollen. In der Südstadt im Halbraum deutlich gefährlicher als rein am Flügel.

Deni Alar:

Hat die zufällig entstandene Vorlage perfekt zum 1:0 verarbeitet. War zudem auch als Torchancenvorbereiter tätig. Der Kopfball in der Nachspielzeit wäre besser zu verarbeiten gewesen.

Veton Berisha:

Veton wurde in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, gegen Altach war seine Leistung sehr gut. Beide Stangenschüsse „vorbereitet“.

Aleksandar Kostic:

Nachdem er erst in der 84. Minute eingewechselt wurde, konnte er dem Spiel keinen Stempel mehr aufdrücken.

 

 

 

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