Möglicher Rapid-Präsident Martin Bruckner bei der Ordentlichen Hauptversammlung im Interview

Laut eines Berichts des Kurier soll Martin Bruckner, Finanzreferent des SK Rapid Wien, ein heißer Kandidat für die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Michael Krammer sein. Der 54jährige ist Mitglied und Sprecher des Vorstands der Allianz Investment Bank AG und bei der Ordentlichen Hauptversammlung des SK Rapid am 26. November 2018 zu Wort gekommen. GRÜN AUF WEISS hat für euch mitgeschrieben:

 

Andy Marek: Ich darf weiter machen. Ich bitte als nächstes Martin Bruckner zu mir, wir sind beim Bericht des Finanzreferenten. Martin, wir haben schon vieles gehört vom Christoph (Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft Anm.), der Geschäftsbericht ist online, der Geschäftsbericht wurde heute verteilt. Wie siehst du als – im Präsidium zuständig für die Finanzen – zuständiger Referent das Ergebnis des heurigen Jahres?

Martin Bruckner: Ein herzliches Willkommen von meiner Seite!

Wir haben sehr vieles gehört, was jetzt alles nicht funktioniert hat und was alles nicht geht. Es geht schon etwas. Ich glaube wir haben in einem ganz schwierigen Jahr ein sensationelles Ergebnis hingestellt. Wir können mit dem, was wir geschaffen haben, frei und völlig von der Leber heraus über das Trainingszentrum diskutieren und ich kann das nur wiederholen, der Christoph (Peschek, Anm.) hat völlig Recht. Vor 3, 4 Jahren hätten wir über das Thema nur träumen können. Jetzt haben wir es. Wir müssen einfach, wenn wir als Frosch in der Milch drin sitzen, wir müssen treten, bis das Ganze Butter ist. Wenn wir das nicht tun, gehen wir unter. Wir haben keine Staus und wir werden das so durchziehen. Und genau so verhält es sich mit dem Ergebnis, das wir im Finanzbereich gesehen haben. Wir haben jetzt ein Eigenkapital von 15 Millionen Euro. 15 Millionen Euro war der Umsatz, den wir vor 4 Jahren im alten Hanappistadion national gemacht haben. Wir sind in völlig andere Dimensionen vorgestoßen. Das kann ich jetzt sagen, weil wir es das dritte Jahr hintereinander geschafft haben, solche Ziffern zu stellen. Mit solchen Ziffern können wir dem Sport wirklich viel ermöglichen und ich bin mir sicher, gemeinsam werden wir aus dem Thema herauskommen und dann ist es vorbei. (Applaus)

 

Andy Marek: Der Präsident hat es angesprochen, Christoph hat es angesprochen, dieses Thema mit der schwarzen Null. Da gibt es jetzt in der Planung einen Wechsel. Was hat das auf sich?

Martin Bruckner: Als ich gekommen bin, war es der große Job, als Sparmeister zu schauen, dass wir die ganze Geschichte zusammenhalten. Und das haben wir 2 Jahre, 3 Jahre sehr gut saniert – ich spreche von der ersten Phase. Irgendwann einmal haben wir gemerkt, es verschiebt sich etwas tektonisch. Wir haben geplant mit einer schwarzen Null und dann mit 1 Million aus Transfererlösen – also nicht wahnsinnig viel. Wir haben immer wieder gehofft, dass wir das national rüberbringen und international noch 2-3 Millionen.

Aber, und das muss man auch sagen, wir haben in den letzten paar Jahren immer einen Rekordtransfer nach dem anderen gemacht. Das heißt, das, was wir vor 5 Jahren, 6 Jahren uns überlegt haben, das hat irgendwann einmal nicht mehr gestimmt. Wir haben eine Situation vorgefunden, wo wir als SK Rapid, der in der UEFA-Liga nicht ganz oben in der Hackordnung mitspielt, auf einmal viel mehr von dem Kuchen abbekommen.

Und da haben wir auf einmal folgende Problemstellung gehabt: Wenn wir mit der schwarzen Null bilanzieren oder planen und wir machen ein paar gute Transfers und wir qualifizieren uns für einen internationalen Wettbewerb, dann haben wir auf einmal ein Ergebnis von plus 6,7,8 Millionen – und wen freut das? Es freut dann die Banken, weil wir uns in den Krediten, die wir damals von den Banken aufgenommen haben, verpflichtet haben, einen gewissen Betrag zurückzuzahlen. Und nachdem wir ein Sportclub sind und wir uns nicht wirklich auf den wirtschaftlichen Erfolg als oberste Messlatte aufgestellt haben, haben wir gesagt, wir müssen dieses Konzept überdenken und das haben wir getan und genau das wird in den nächsten Jahren weiter verfeinert. Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Wir haben intensiv darüber nachgedacht, wie wir das durchführen wollen und wir werden das mit Maß und Ziel, mit Risikobereitschaft, aber nur so viel, wie wir tragen können, durchziehen. Wir werden keine Hasardspiele machen, sondern das, was notwendig und erforderlich, was unter Abwägung aller Risiken und Chancen, möglich ist. Ich glaube das ist eine wirklich tolle Weiterentwicklung des Konzepts der schwarzen Null. Wir können jetzt über verschiedene Ergebnisbeiträge dem Sport wirklich nachhaltig diese Gelder zur Verfügung stellen. Es ist wirklich die Weiterentwicklung eines sehr, sehr stabilen Zustandes, den wir fortsetzen wollen. Denn andererseits, hätten wir dieses Konzept nicht durchgezogen, dann hätten wir vielleicht nächstes Jahr die Frage gehabt, ihr macht so viel Gewinn, warum investiert ihr nicht in den Sport? Mir ist lieber ich erkläre die schwarze Null, dass wir sie aufgeben und in den Sport investieren, als ich muss erklären, warum wir solche Gewinne machen. (Applaus)

 

Andy Marek: Alles klar. Jetzt ist unser Geschäftsbericht, den wir auch heute beim Eingang verteilt haben, ein richtiges Buch geworden. Da gibt es, das muss man ganz ehrlich sagen, sehr viele technische Zahlen, Fakten, Aufgliederungen. Was bedeutet das für Menschen, die sich vielleicht nicht so gut auskennen, die nicht täglich mit solchen Fachausdrücken herumschmeißen?

Martin Bruckner: Nachdem wir gemerkt haben, dass wir mit unseren wirtschaftlichen Aktivitäten – etwa der Bau des wunderbaren Stadions – in eine neue Dimension vorstoßen – haben wir überlegt, was ist eigentlich der Beitrag, den wir als SK Rapid, vor allem der Stadt Wien gegenüber, leisten und da haben wir mit SportsEconAustria einen Partner gefunden, der das für uns ausgewertet hat.

Kurz zusammengefasst: Der SK Rapid beschäftigt direkt und indirekt 1000 Menschen in Wien. Das heißt, durch verschiedenste Formen – einmal Angestellte beim SK Rapid, auf der anderen Seite Angestellte bei Partnern unseres Hauses, die uns zuarbeiten und auch durch euch, Fanaktivitäten und anderes – sind 1000 Menschen in Wien da, die einen Job haben, den sie sonst nicht gehabt hätten. Das ist schon eine wirkliche Dimension. Wir bringen 0,04% der Wirtschaftsleistung der Stadt Wien – als Sportclub ist das nicht schlecht. Wir sind als Verein für eine Wertschöpfung in Wien im vorigen Jahr von über 12 Millionen verantwortlich oder sagen wir so, wir bringen eine Wertschöpfung in Form von Steuern und Abgaben von über 12 Millionen an die Republik Österreich. Und eines, was mir ganz wichtig ist, der Christoph wird mit dem Trainingszentrum dann auch noch einmal genauer berichten – wir sind als SK Rapid ein wirklich toller Partner für die Stadt Wien. Wir haben in den letzten 10 Jahren, über verschiedenste Abgaben und Verträge mit der Stadt Wien, 15 Millionen Euro an die Stadt Wien abgeführt. Wenn man sich das überlegt, wir haben von der Stadt Wien eine Subvention für das Stadion bekommen und das haben wir über die letzten paar Jahre vielleicht ein bisschen angezahlt, aber jetzt sparen wir das ganz gut ab und wir sind für die Stadt eine wahnsinnig tolle Subventionsquelle, denn jeden Euro, den wir von der Stadt bekommen, geben wir mehrfach zurück und ich denke das ist auch eine wichtige Information, eine wichtige Botschaft, deswegen wollen wir auch gemeinsam hier unser Trainingszentrum aufbauen. Um hier in Wien etwas zu schaffen, weiterhin Wertschöpfung für die Stadt zu bringen, damit viele Leute hier arbeiten können. (Applaus)

 

Andy Marek: Als du 2013 mit dem Präsidium, gemeinsam mit Präsident Michael Krammer angetreten bist, hast du dir da gedacht, dass man 6 Jahre später in so einer Situation ist? Wirtschaftlich, nicht sportlich.

Martin Bruckner: Sicher nicht. Dass wir eine erfolgreiche Reise vor uns haben, davon war ich überzeugt. Die Konzepte, die wir hingelegt haben – Stadion und dieser Kreislauf des Erfolgsmodells – davon war ich überzeugt. Wir haben es umgesetzt, dass wir jetzt schon das dritte Jahr hier in diesem Stadion eine Hauptversammlung abhalten und dass wir als Verein ökonomisch in völlig neue Sphären aufsteigen. Man muss sich überlegen, wir haben vor 5 Jahren den Kredit für das Stadion über 35 Millionen aufgenommen und geplant haben wir, dass wir das über 25, 30 Jahre abbezahlen. Wir sind jetzt mit Ende dieses Jahres, Anfang nächstes Jahr bei 25 Millionen, das heißt wir haben schon 10 Millionen abbezahlen können. Davon hätte ich mir nie träumen lassen, da hätte ich viel dagegen gewettet und hätte verloren. (Applaus)

 

Andy Marek: Was hat es mit dieser Kreditkarte für Spielerkäufe auf sich?

Martin Bruckner: Das ist super. Der Herr Bortenschlager (Kronen Zeitung, Anm.) hat gemeint, jetzt ist die Kreditkarte aufgeladen und der Fredy (Bickel, Geschäftsführer Sport Anm.) geht einkaufen. Ja, das Konzept mit der Kreditkarte ist genau so gemeint gewesen. Nur der Punkt ist der, wir laden diese Kreditkarte einmal im Jahr auf und dann wird von dieser Kreditkarte abbezahlt. Das ist genau so wie eine Prepaid-Karte. Von der gibt es etwas und wir haben auf dieser Karte ein Vermögen drauf. Niemand wird von mir die Zahl bekommen, wie hoch sie ist und ob da noch etwas da ist, aber diese Kreditkarte ist das Synonym dafür, dass wir jedes Jahr einen Rahmen haben, um über Spielerkäufe und auch Verkäufe zu diskutieren. Denn auf eine Karte kann man auch wieder etwas zurückbuchen. Genau das war das Beispiel. Wir werden sie jedes Jahr befüllen, ob noch etwas drauf ist, das werde ich jetzt nicht erzählen.

 

Andy Marek: Lassen wir das so. Dankeschön und Applaus für Martin Bruckner, Bericht des Finanzreferenten (Applaus)

 

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