Rapid Wien dreht Spiel bei Sturm Graz

Rapid Wien Sieg Bundesliga

Vier Tage nach der historischen Pleite gegen den FC Salzburg war der SK Rapid Wien bereits wieder im Einsatz und wollte eine Reaktion auf das Debakel zeigen. Doch in den ersten 45 Minuten wurden die Mängel der vergangenen Spiele erneut aufgedeckt. In der Offensive wurden die besten Chancen verjuxt und die Defensive zeigte sich bei einer Standardsituation erneut vogelwild. Nach dem 2:0 für Sturm Graz knapp vor der Pause hat wohl niemand mehr mit einem Comeback des Rekordmeisters gerechnet. Auch wenn in den ersten 45 Minuten nicht alles schlecht war. Doch mit den richtigen Umstellungen und vollem Risiko konnte ein 0:2 Rückstand noch in einen 3:2 Erfolg verwandelt und der zweite Tabellenrang erobert werden.
 

Bereits am Nachmittag hatten sich die Salzburger gegen TSV Hartberg zum alten und neuen Meister gekürt. Aus Rapid Sicht spannender war das Match zwischen LASK und WAC in Pasching. Die Lavanttaler konnten dank eines späten und unnötigen Elfmeters drei Punkte mitnehmen und den Druck auf die Hütteldorfer erhöhen. GRÜN AUF WEISS – der Rapid Blog nimmt das Gastspiel des SK Rapid bei Sturm Graz näher unter die Lupe.
 

Rapid Wien trifft nicht, Sturm Graz doppelt

Gegenüber dem Heimdebakel nahm Trainer Didi Kühbauer personell einige Veränderungen vor. Maximilian Hofmann, Leo Greiml und Filip Stojkovic bildeten die Dreierabwehrkette. Davor agierten Maximilian Ullmann, Dejan Ljubicic, Kapitän Stefan Schwab und Thorsten Schick. Hinter den schnellen Spitzen Kelvin Arase und Koya Kitagawa sollte Christoph Knasmüllner die Bälle verteilen. Die Gastgeber zeigten sich unter Interimstrainer Thomas Hösele mutiger und hatten in den Anfangsminuten leichtes Übergewicht.
 

Doch die Gäste aus Wien kamen immer besser ins Spiel. Christoph Knasmüllner hätte die Hütteldorfer nach Vorlagen von Koya Kitagawa zweimal in Führung bringen müssen. Maximilian Hofmann setzte einen Kopfball nach einer Ecke von Thorsten Schick über das gegnerische Gehäuse. So bestätigte sich eine alte Fußballweisheit – Tore, die man nicht schießt, bekommt man. Stefan Hierländer verlängerte eine schlecht verteidigte Freistoßflanke von Jakob Jantscher mit dem Hinterkopf ins lange Eck. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte fingen sich die Wiener noch einen Konter ein und nach Flanke von Kiril Despodov erhöhte Otar Kiteishvili auf 2:0.
 

Didi Kühbauer stellt erfolgreich um

Sollte noch die Trendumkehr gelingen, musste der Rapid Trainer nun mehr Risiko nehmen und die Formation adaptieren. Der wegen einer Gelben Karte in der gegnerischen Hälfte belastete Maximilian Hofmann wurde ausgewechselt. Dejan Ljubicic rückte in die neu gebildete Viererkette zurück, sein Part auf der Sechserposition von Dejan Petrovic übernommen. War die erste Halbzeit statistisch gesehen ausgeglichen, übernahmen nun die Hütteldorfer das Kommando, während sich die Grazer auf Ergebnis verwalten und etwaige Konter verlegten.
 

Statt teils langer Bälle auf die schnellen Spitzen Kelvin Arase und Koya Kitagawa wurde nun vor allem das Flügelspiel forciert und die Gäste mit Ballstafetten in die eigene Hälfte eingeschnürt. Das zeigte bereits sechs Minuten nach Wiederbeginn Wirkung, als Kelvin Arase eine Flanke von Filip Stojkovic per Kopf im gegnerischen Tor unterbrachte. Nur drei Minuten später gelang Koya Kitagawa nach Vorarbeit von Dejan Petrovic das Kunststück, aus drei Metern Entfernung den Ball nicht im Tor unterzubringen. Nach einer Stunde wurde der Japaner von seinen Leiden erlöst und durch Ercan Kara ersetzt. Der leichtfertig vergebene Ausgleich schien den Spielfluss der Hütteldorfer ein wenig gebremst zu haben.
 

Zur Rapidviertelstunde musste auch der zweite Unglücksrabe im Rapid Trikot das Spielfeld verlassen und Christoph Knasmüllner wurde durch Melih Ibrahimoglu ersetzt. In Minute 83 wurde der 19-Jährige knapp innerhalb des Strafraums zu Fall gebracht und Stefan Schwab übernahm die Verantwortung – 2:2. In der 90. Minute wurde die Begegnung endgültig gedreht. Nach Vorarbeit von Thorsten Schick bewies Ercan Kara vor Jörg Siebenhandl Coolness und traf zum 3:2 Erfolg für die Gäste aus Hütteldorf.
 

Fazit: Rapid Wien zeigt tolle Moral

Zugegeben – es war keine einfach Woche für den SK Rapid. Am letzten Sonntag die überraschende und unnötige Heimpleite gegen TSV Hartberg. Am Mittwoch der Untergang gegen den FC Salzburg und zur Pause bei Sturm Graz ein 0:2 Rückstand. Manch ein Fan wird vielleicht zur Halbzeit das TV-Gerät verärgert abgeschaltet haben, doch das Comeback ist den Hütteldorfern gelungen. Erstmals seit der Saison 1985/86 (3:2 Erfolg bei SAK 1914) wurde wieder ein 0:2 Rückstand gedreht.
 

Statt langer Bälle in den Raum hinter der Grazer Abwehr auf die schnellen Spitzen Kelvin Arase und Koya Kitagawa, die zu oft Beute vom gut antizipierenden Torhüter Jörg Siebenhandl wurden, viel mehr Dominanz, gutes Flügelspiel und Vertrauen auf die eigenen technischen Stärken. Das hätte sich bereits früher bezahlt machen können, wenn Koya Kitagawa seine tausendprozentige Chance verwertet hätte. Doch so bleiben der Japaner und Christoph Knasmüllner die größten – unverletzten – Patienten im Kader des SK Rapid Wien.
 

Aber es gibt auch Lichtblicke. Melih Ibrahimoglu hat bei seinem dritten Einsatz für die Profis nicht nur den wichtigen Elfmeter herausgeholt, sondern sich auch sonst stark präsentiert. Ercan Kara kommt allmählich beim Rekordmeister an und hat im zweiten Match hintereinander seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor bewiesen. Der 24-Jährige hat sich über die Wiener Liga, Regionalliga Ost und 2. Liga in die Bundesliga gekämpft und nimmt diese Chance mit Fleiß und Demut an.
 

Salzburg ist Meister, LASK verliert gegen den WAC

Der vom Brausekonzern subventionierte Ligakrösus hat sich erneut zum Meister gekürt. TSV Hartberg wurde mit 3:0 besiegt. Interessanter aus Sicht des Rekordmeisters war das Parallelspiel zwischen LASK und WAC. Mit einem Heimsieg hätten die Linzer aus dem Dreikampf um die Ränge zwei bis vier, einen Zweikampf um den zweiten und dritten Platz machen können. Doch die Kärntner ließen nicht locker, kamen dank eines unnötig verursachten Elfmeters zum 1:0 Auswärtserfolg und bleiben dran.
 

Rapid Wien ist in der Tabelle nun wieder auf dem zweiten Rang und hat es gegen die direkten Konkurrenten LASK (Mittwoch, 01. Juli 2020) und WAC (Sonntag, 05. Juli 2020) in der eigenen Hand. Zeigen die Hütteldorfer ähnlich viel Moral, Mut, aber auch mehr Effizienz vor dem Tor, dürfen sich die Fans auf zwei spannende Begegnungen freuen.