Der LASK wurde bestraft: Kommentar zum Urteil

LASK Urteil Strafe Kommentar

Erdbeben in der österreichischen Bundesliga – und das noch vor dem offiziellen Restart, der mit dem ÖFB Cupfinale am 29. Mai 2020 erfolgt ist. Dem LASK ist sein illegales Mannschaftstraining teuer zu stehen gekommen. Der – bis dahin – Tabellenführer wurde mit einem 6-Punkte-Abzug bestraft und ist somit hinter RB Salzburg und knapp vor Rekordmeister Rapid Wien zurückgefallen.
 
Es ist möglich, dass die Linzer, die schon bei der Pressekonferenz sehr kreativ waren, den Instanzenweg ausschöpfen und die Sanktionen somit erst in mehreren Monaten Rechtskraft erlangen. Das Urteil ist aber ein wichtiges Zeichen. Denn die Integrität eines Bewerbs und Fairplay sind für jeden Verband das höchste zu schützende Gut. Und Verstößen dagegen werden in der ÖFB Rechtspflegeordnung nicht umsonst drakonische Strafen angedroht. GRÜN AUF WEISS – der Rapid Blog bezieht zum Urteil Stellung.
 

Das Urteil wurde gesprochen – wie geht es nun weiter?

Dem LASK wurden sechs Zähler abgezogen. Der Abzug gilt sowohl für das Meisterplayoff als auch den Grunddurchgang. Zudem müssen die Oberösterreicher 75.000€ Strafe bezahlen. Die Geldstrafe kann allerdings ausfallen, wenn die Linzer stattdessen 50.000€ an den ÖFB Hilfefonds überweisen.
 
Die Verantwortlichen des LASK haben bereits auf Twitter angekündigt, dass sie gegen das Urteil berufen und vor das Protestkomitee ziehen werden. Das Ständige Neutrale Schiedsgericht wäre auch noch eine Möglichkeit. Schöpfen die Linzer den gesamten Instanzenweg aus, wird eine finale Entscheidung erst nach dem Ende der Meisterschaft fallen. Mit der daraus resultierenden Unsicherheit über die Verteilung der Europacupstartplätze.
 

ÖFB Rechtspflegeordnung: §111a Verletzung des Fairplay Gedankens

Der LASK hatte bereits zugegeben, vier Mannschaftstrainings abgehalten zu haben. Das verstößt gegen den Fairplay-Gedanken des ÖFB. Eingebettet ist dieser Paragraph in Kapitel II: Ehrverletzendes und rassistisches Verhalten. Strafbare Handlungen werden wie folgt sanktioniert:

1. Wer gegen den sportlichen Anstand, die sportliche Disziplin, die sportliche Integrität oder die Prinzipien des Fairplay bzw. der Sportlichkeit verstößt, kann, sofern dieses Vergehen nicht einen anderen Tatbestand erfüllt, mit folgenden Sanktionen bestraft werden:

a) Ermahnung;
b) Sperre von 1 bis 12 Pflichtspielen;
c) Funktionssperre von einem Monat bis einem Jahr;
d) Geldstrafe von bis zu € 15.000,-;
e) Austragung eines oder mehrerer Spiele unter Ausschluss eines Teiles oder der gesamten Öffentlichkeit;
f) Abzug von Punkten;
g) Wettbewerbsausschluss;
h) Zwangsabstieg;
i) Ausschluss aus dem Verband.

 

Es geht um Millionen

Der LASK wollte sich einen unlauteren Vorteil für die Meisterschaft verschaffen. Dabei geht es nicht nur um den Meistertitel, sondern um extrem viel Geld. Der österreichische Meister steht im Playoff der UEFA Champions League. 2019/20 hat jeder im Playoff ausgeschiedene Verein 5 Millionen Euro überwiesen bekommen und ist in die Gruppenphase der Europa League übersiedelt. Dort lag das Antrittsgeld bei 2,92 Millionen Euro. Hatte es ein Verein in die Champions League geschafft, wurden gleich einmal 15,25 Millionen Euro ausgeschüttet. Da wie dort kamen noch jede Menge weitere Einnahmen in Millionenhöhe hinzu.
 

Ist das Urteil zu streng?

“Sie haben ja eh nur viermal trainiert” liest man dieser Tage öfters als Entschuldigung für die illegale Vorgehensweise der Linzer. “Ist denn das so ein Vorteil?” auch. Der Vorteil durch das Training lässt sich vielleicht nicht messen oder in Punkten hochrechnen. Immerhin war es aber den Oberösterreichern so viel wert, dass sie den Verstoß gegen das Fairplay mit all seinen Konsequenzen riskiert haben.
 

Fazit

Sechs Punkte Abzug und eine Geldstrafe in Höhe von de facto 50.000€. Die Wogen gehen hoch und die Meinungen selbstverständlich auseinander. Von zu viel und unverhältnismäßig bis zu wenig und lächerlich lassen sich die Reaktionen in sozialen Medien zusammenfassen.
 
Dass der LASK gegen den Fairplay-Gedanken verstoßen hat, ist unbestritten und wurde auch zugegeben. Nicht nur einmal, sondern gleich viermal. Es ist auch kein Versehen gewesen oder im Affekt passiert – das war mit viel Aufwand geplant. Vom abgeschotteten Trainingsgelände mit Securitys bis hin zu den eingeweihten Spielern – es war viel Planung und Energie notwendig, um diese illegalen Trainings veranstalten zu können. Und sollten ja auch geheim bleiben.
 
Hinzu kommt der erfolglose und vollkommen unnötige Anpatzversuch seitens der Linzer, der das Vertrauen in und die Gesprächsbasis mit den derzeit Verantwortlichen beim LASK nachhaltig beschädigt hat. Das Ansehen der gesamten Bundesliga hat gelitten.
 
Zudem torpediert dieses Verhalten die Bemühungen um den Restart der österreichischen Bundesliga. Ein Neustart, der hart erkämpft wurde, auch kritisch beäugt wird und auf wackeligen Beinen steht. Nehmen die Erkrankungen wieder deutlich zu und betrifft die Bundesligavereine, ist ein Abbruch nicht auszuschließen. Das dürfte vom LASK – zumindest bis zu diesem Urteil – gerne in Kauf genommen worden sein.
 
Denn es geht ums Geschäft. Der Meister kann sich über einen Geldregen der UEFA in Millionenhöhe freuen. Spieler werden in die internationale Auslage gestellt und erhöhen ihren Marktwert.
 
Daher ist der Sechs-Punkte-Abzug und die Geldstrafe keineswegs zu hoch ausgefallen. Eher im Gegenteil. Wer dermaßen geplant und beabsichtigt gegen den Fairplay-Gedanken verstößt, um sich einen Vorteil in diesem Millionengeschäft zu verschaffen, darf dafür auch nicht noch belohnt werden. Dass der LASK die milde Strafe nicht einfach akzeptiert und darüber froh ist, verwundert. Denn der LASK ist nicht Opfer, sondern Täter. Das darf nicht vergessen werden. Einzig darum geht es.