LASK vs. Rapid Wien – Match-Analyse

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Der SK Rapid Wien verliert in Linz – und weiter an Boden auf die Tabellenspitze. Weshalb klappt es mit der Rotation nicht? War der Linzer Sieg aufgrund der Chancen verdient? Wie geht es nun weiter?

Die Aufstellungen:

lask rapid aufstellungen
Markus Felkel / Vanderals

 

LASK-Ersatz: Pogatetz, Wostry, Jamnig, Otubanjo, Erdogan, Frieser, Gebauer

Rapid-Ersatz: Müldür, Murg, Potzmann, Knoflach, Auer, Alar, Guillemenot

Rapid anfangs im gewohnten 4-2-3-1:

Da Kapitän Stefan Schwab ausfällt, versucht sich der gelernte 6er Martic als 8er. Nach Martic´Auswechslung stellt Trainer Djuricin auf ein 4-4-2 um. Wie zu erwarten war, wird kräftig rotiert. Martic spielt für den angeschlagenen Schwab, Thurnwald für Potzmann, Kostic für Murg und Ivan für Alar.

Oliver Glasner setzt sein System konsequent um:

Der LASK-Trainer bleibt bei seinem 5-2-3, das in der Vorwärtsbewegung durch die hoch stehenden Außenverteidiger zu einem 3-4-3 wird. Da für die Linzer die Europacupsaison beendet ist, ist eine größere Rotation nicht notwendig.

Die 3 Innenverteidiger stehen in Ballbesitz breit, die beiden Außenverteidiger hoch und unterstützen die zentralen Mittelfeldspieler. Die 3 Stürmer pressen die gegnerische Verteidigung konsequent an.

Rapids Versuche mit einer Dreierkette waren bislang von bescheidenem Erfolg. Trainer Damir Canadi war nach 17 Spielen wieder Geschichte und Goran Djuricins Überraschungscoup in der 34. Runde der letzten Saison ging gegen Salzburg völlig daneben. Rapid verlor daheim 1:4 .

Die Tore und ihre Entstehungsgeschichte:

LASK: 1:0 – 65. Spielminute: Goiginger zieht von links in die Mitte und wird von mehreren Rapidspielern nur halbherzig attackiert. Er spielt einen Pass zurück auf den aufgerückten Verteidiger Ramsebner, der sich etwa 30 Meter vor dem Rapidtor befindet. Ramsebner stoppt sich den Ball und zieht aus dem Stand mit dem rechten Fuß ab. Im und rund um den Strafraum stehen 9 Rapidspieler, dennoch kann der Schuss des gelernten Innenverteidigers weder geblockt noch verhindert werden. Da für Torhüter Strebinger die Sicht leicht verdeckt ist, sieht er den Ball zu spät und der stramme Schuss landet im Tor.

RAPID 1:1 – 84. Spielminute: Murg tritt einen Eckball von der rechten Seite in Richtung Torraum, Torhüter Schlager kommt schlecht zum Ball und wehrt ihn nach vorne ab. Knasmüllner verlängert den Ball zum knapp außerhalb des Strafraums postierten Berisha, der das Leder volley nimmt und als Aufsitzer – an Freund und Feind vorbei – in die Maschen befördert.

LASK 2:1 – 89 Spielminute: Goiginger legt sich auf der rechten Seite einen Corner zurecht. Seine kurze Flanke in Richtung Torraum wird von Wiesinger per Kopf verlängert, Michorl versucht den Ball per Kopf Richtung Tor zu bringen und trifft dabei Deni Alar am Oberarm. Der Ball landet zentral knapp außerhalb des Strafraums, wo Außenverteidiger Bolingoli beim Klärungsversuch eine Kerze schlägt. Anstatt auf den Kopfball zu gehen, bleibt er stehen und lässt den aufgerückten zentralen Innenverteidiger Trauner das Spielgerät nach rechts in den Lauf des aufgerückten linken Innenverteidigers Wiesinger legen, der Torhüter Strebinger aus kurzer Distanz durch die Beine bezwingt.

Chancenplus für den LASK:

LASK 6. Minute: Nach einem Einwurf geht Stürmer Tetteh problemlos an Thurnwald vorbei und legt den Ball zurück auf Goiginger, der aus kurzer Distanz an Strebinger scheitert.

RAPID 22. Minute: Der schönste Spielzug von Rapid. Ljubicic erobert den Ball und spielt ihn nach links Richtung Grundlinie auf Berisha. Der Norweger nimmt Tempo auf und spielt den Ball Höhe Strafraumgrenze quer auf den mitgelaufenen Knasmüllner, der sofort mit dem rechten Fuß abzieht, jedoch bloß die Außenstange trifft.

LASK 60. Minute: In der eigenen Hälfte spielt Ljubicic einen zu scharfen Pass auf Martic, von dem der Ball Richtung Joao Victor abprallt. Der Brasilianer spielt den Ball sofort auf den rechten Flügel Goiginger, der nach einem Sprint wieder auf den in den Strafraum eingedrungenen Offensivspieler zurücklegt. Torhüter Strebinger kann den Schuss gerade noch in die Mitte abwehren, den Abpraller jagt der Linzer Ullmann aus kurzer Distanz in die Wolken.

LASK 63. Minute: Einen weiten Abschlag der Linzer köpfelt Ljubicic unbedrängt in ihre Hälfte zurück. Der Ball wird vom LASK per Kopf auf Goiginger gespielt, der sich in unmittelbarer Nähe von Ljubicic befindet. Dennoch rückt Innenverteidiger Barac aus der Viererkette heraus und attackiert den Linzer, der jedoch den Pass direkt zu Victor Joao weiterverarbeitet. Der Brasilianer dreht sich um die eigenen Achse und spielt einen präzisen Lochpass in den Lauf von Stürmer Tetteh, der alleine auf den Torhüter von Rapid zuläuft. Von der linken Seite versucht er mit rechts den Ball an dem herauseilenden Strebinger vorbei zu bekommen, der Rapidler berührt den Ball noch leicht mit dem Fuß, Mateo Barac kann den Schuss noch vor der Linie abwehren und macht somit sein ungestümes Herausrücken wieder gut.

RAPID 82: Minute: Einen tollen Freistoß von Murg pariert Torhüter Schlager ins Torout. Unser Spieler mit der Nummer 10 tritt auch den anschließenden Eckball, der per Kopf aus dem Strafraum gebracht wird. Berisha geht volley volles Risiko und spielt das Runde zurück in den Strafraum auf Ivan, von dessen Oberschenkel der Ball aus unmittelbarer Nähe an Ramsebners Hand geht. Schiedsrichter Hameter zeigt sofort auf den Elfmeterpunkt – eine zu harte Entscheidung. Beim Strafstoß übernimmt Christoph Knasmüllner die Verantwortung, sein halbhoch angetragener Schuss wird jedoch von Schlager ins Torout abgewehrt. Aus dem daraus resultierenden Eckball gelingt Rapid das 1:1.

Leistungsbewertung: Wo bleibt die Qualität von der Bank?

Positiv:

Kein Spieler hat sich verletzt. Übermüdung scheidet als Ausrede für das Europacupspiel am Donnerstag aus.

Negativ:

Zweimal hat Trainer Djuricin kräftig rotiert, beide Male ist es kräftig in die Hose gegangen. Thurnwald, Kostic und Martic haben ihre Chancen bekommen, alle drei wurden zu Recht vorzeitig vom Feld genommen. Während Salzburg auch bei Rotation die Qualität halten kann, ist dies bei uns leider nicht der Fall. Eine berechtigte Kritik, der sich Sportdirektor Bickel stellen sollte.

25 Feldspieler stehen in unserem Kader, 6 Spieler fallen aktuell wegen Verletzungen aus. Das wäre die Chance für Spieler wie Auer, Thurnwald, Martic, Malicsek, Arase und Guillemenot, um auf sich aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass man zu Recht das grün-weiße Trikot trägt. Und dann folgen uninspirierte und leidenschaftslose Einsätze – fehlt es am Wollen oder am Können?

Mert Müldür war gegen den WAC der beste Mann am Platz und der einzige, vermeintliche Gewinner der Rotation. Als Dank wurde ihm von unserem Trainer in den folgenden Spielen das Vertrauen entzogen. Nicht nachvollziehbar.

Wird unsere Viererkette im Spielaufbau angepresst, sind wir planlos. Anstatt spielerischer Lösungen gibt es lange Pässe, die für die Linzer Verteidiger leichte Beute sind. Auch vom WAC gab es ähnliche Pressingbemühungen, wie lautet die Antwort des grün-weißen Trainerstaffs?

Ballstafetten? Finde ich super! Fanden nur leider in die falsche Richtung statt. Von der gegnerischen Hälfte über mehrere Stationen bis zu unserem Torhüter zurück. Komplett mutlos und uninspiriert.

Ausblick:

Der Hoffnung auf Ruhe, aufgrund des dem Ergebnis nach deutlichen Sieges gegen Slovan Bratislava, folgte in Pasching die nächste Enttäuschung. Erst 5 Punkte nach 4 Spielen und bereits 7 Punkte Rückstand auf Salzburg sind Fakten, denen sich die Vereinsverantwortlichen offenbar verschließen.

Im Vorjahr waren nach 5 Runden sowohl der Meistertitel als auch der Vizemeistertitel bereits außer Reichweite. Trotz günstiger Auslosung hinken wir auch heuer schon nach 4 Runden deutlich hinterher. Die organisierten Fans bleiben noch überraschend ruhig, den Rest spielen wir mit unseren Leistungen allmählich aus dem Stadion.

Von der Ersatzbank kommt zu wenig Qualität. Während die Salzburger nach Belieben rotieren können, drängt sich beim SK Rapid Wien kaum wer auf. Und falls es doch klappt, wird er  – siehe Müldür – ignoriert.

Scheidet Rapid gegen Bukarest aus, wird Trainer Djuricin nicht mehr zu halten sein. Aber auch Sportdirektor Bickel sollte allmählich bessere Argumente für seine Arbeit finden.

Bewertung der Rapidspieler:

Richard Strebinger:

Unglücklich. Ramsebner schießt aus 30 Metern aus dem Stand. Wenn auch verdeckt, nicht unhaltbar. Das zweite Gegentor durch die Beine. Aufgrund des Linzer Pressings mit vielen Ausschüssen, die zu oft direkt beim Gegner gelandet sind.

Mateo Barac:

Hat leider auch weiterhin große Probleme in der Spieleröffnung. Wird die Defensive angepresst, agiert er fehlerhaft. Konnte eine Topchance der Linzer vereiteln, die er selbst ermöglicht hat.

Mario Sonnleitner:

Auch unserem Routinier liegt die Spieleröffnung nicht sonderlich, er hat sich aber zumindest bemüht, nach Lösungen zu suchen. Ein Katastrophenpass im Spielaufbau gegen Ende des Spiels blieb ohne Folgen.

Manuel Thurnwld:

Überraschend und erstmalig in dieser Saison aufgeboten. Defensiv zweimal locker überlaufen worden und offensiv ein geblockter Schuss. Viel zu wenig für einen Spieler, der ernsthaft den Anspruch stellt, bei Rapid spielen zu dürfen. Zu Recht in der Halbzeit ausgewechselt.

Boli Bolingoli:

Der rechte Außenverteidiger stand wieder sehr hoch und vernachlässigte öfters die Defensivarbeit. Offensiv dafür sehr präsent und mit vielen Aktionen. Hat gezeigt, wie man durch Tempo das Offensivpressing der Linzer aushebeln kann. Leider wenig Bindung zu seinem Vordermann Kostic und das 2:1 der Linzer durch eine Kerze vorbereitet.

Dejan Ljubicic:

Mit Kapitätn Schwab an seiner Seite deutlich stärker als wenn er die Hauptverantwortung trägt. Bot sich immer wieder für den Spielaufbau an, einigen Balleroberungen, stehen aber auch viele Fehler gegenüber. 2 Topchancen des Gegner verursacht.

Manuel Martic:

Laut Trainer Djuricin besser als gegen den WAC. Blieb mir verborgen. Beim Spielaufbau hat er sich nicht angeboten und in der Rückwärtsbewegung mehr gemütlich getrabt als gelaufen. Wenn ich Martic sehe, weine ich Petsos nach. Unglaublich.

Aleksandar Kostic:

Da Bolingoli sehr offensiv eingestellt war, agierte Kostic öfters aus dem Halbfeld heraus. Defensiv nicht vorhanden, offensiv mit 2 inversen Läufen, die jedoch im Abschluss ungefährlich blieben. Leider auch viel zu wenig.

Veton Berisha:

An den wenigen Offensivaktionen beteiligt und den Ausgleich erzielt, insgesamt aber zu fehlerhaft beim letzten Pass. Konnte sich auch kämpferisch weniger in Szene setzen als zuletzt.

Christoph Knasmüllner:

Stangenschuss, Assist zum Ausgleich und Elfmeter verschossen. Da Rapid insgesamt zu tief gestanden ist und zu wenig Spieler in das letzte Drittel gebracht hat, waren seine Bemühungen zumeist zum Scheitern verurteilt.

Andrei Ivan:

Mit viel Einsatz, aber letztendlich alleine auf weiter Flur. War als Solospitze gegen 3 Innenverteidiger unterlegen. Ein halbwegs gefährlicher Kopfball.

Marvin Potzmann:

Zur Pause eingewechselt. Thurnwald hat die Latte nicht gerade hoch gelegt, mit viel Abstand übersprungen, hat er sie nicht. Ein insgesamt schwaches Match des rechten Außenverteidigers. Konnte offensiv keine Akzente setzen.

Thomas Murg:

Stark bei den Standards, ansonsten scheint ihm die Rolle als Wechselspieler zu missfallen. Spielerisch unter seinem Niveau.

Deni Alar:

Bemüht aber wirkungslos. Rapid vermag seine Torjägerqualitäten bislang nicht auszuschöpfen.