Kommentar: Geänderte Verteilung der TV-Gelder

Gestern am Abend ist dann nach dem Ende der Clubkonferenz doch noch weißer Rauch aufgestiegen. Nach einem achtstündigen Verhandlungsmarathon konnte eine Einigung über die Verteilung der TV-Gelder erzielt werden. Genau genommen, gab es die auch schon zuvor, aber die hat einigen Vereinen nicht mehr gepasst.

Damit ist nun ein tagelanger Streit zu Ende gegangen, der kein gutes Bild auf die österreichische Bundesliga und ihre Verantwortlichen wirft. Anstatt seriös miteinander zu diskutieren, wurde die mediale Aufmerksamkeit gesucht, um einander die mangelnde Wertschätzung mitzuteilen. Besonders der LASK-Präsident Siegmund Gruber wollte mit vollmundigen Sagern wie:

Ich glaube in ganz Europa gibt’s das nicht, dass der Tabellenachte um 1,4 Millionen Euro mehr kriegt, als der sportlich Erfolgreichste.

die Gunst der Stunde nutzen.

Dass die Salzburger an einer der vier Säulen des TV-Vertrags – dem Österreichertopf – freiwillig nicht teilnehmen und dadurch sehr viele Vorteile haben, scheint ihm entgangen zu sein. Zudem sind die Salzburger auch sonst nicht von den TV-Geldern abhängig. Sollte es tatsächlich zu einem finanziellen Engpass kommen, verkauft man einfach einen Karton Kopierpapier und eine Hunderterpackung Kugelschreiber nach Leipzig und schon hat man 1 Million lukriert.

Auch dass der LASK freiwillig im zweitkleinsten Bundesligastadion (6.009 Plätze) Österreichs spielt und nicht in Linz auf der Gugl (ca. 21.000 Plätze). Da wären der Zuschauerschnitt und die daraus resultierenden Einnahmen aus den TV-Geldern viel höher. Allerdings auch die Miete und die Ausgaben pro Heimspiel als in der TGW-Arena vulgo Waldstadion. So kann man sich die Rosinen rauspicken und die Schuld auf andere schieben.

Interessant auch die Rolle von Markus Kraetschmer – Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer bei Austria Wien. Als der alte Verteilungsschlüssel im April 2017 präsentiert wurde, war er an den Verhandlungen als Aufsichtsrat und Vizepräsident der Bundesliga maßgeblich beteiligt. Und vom Ergebnis begeistert. Jetzt, wo im renovierten Stadion die Zuschauerzahlen nicht passen und die Mannschaft das Stadion mit den Leistungen (bis auf das Derby) langsam leer spielt, ist auf einmal alles anders. Da ist nun Solidarität gefragt. Am besten in das eigene Geldbörsel.

Rapids Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Peschek hat als Antwort die Einzelvermarktungskeule geschwungen, die seit einigen Jahren immer wieder gebracht wird, ohne dass sie wohl ernsthaft gemeint ist. Die Folgen für den österreichischen Fußball wären nicht absehbar. Und natürlich braucht auch der SK Rapid Wien ein starkes und stabiles Produkt Österreichische Bundesliga. Aktuelle und potentielle Sponsoren werden sich wohl kaum für eine Chaosliga interessieren.

Christoph Peschek zeigt sich mit dem neu ausverhandelten Ergebnis zufrieden. Sagt er. Etwas Anderes bleibt ihm auch nicht übrig.

Rapid ist mit 100% in die Verhandlungen gegangen und am Ende wurde ein Kompromiss errungen. Dass die Hütteldorfer nun finanziell schlechter aussteigen, ist klar. Wie hoch der Verlust ist, darüber wird geschwiegen. Laut Oberösterreichische Nachrichten € 330.000 – pro Saison. Eine beträchtliche Summe.

Nach der Sitzung hatten plötzlich alle wieder einander lieb und alles ist für immer super. Vorerst. Aber was gelten in heutigen Zeiten schon Verträge, wenn es einem auf einmal doch nicht mehr passt. Dass eine Gruppe das Gesamtwohl des österreichischen Fußballs aufs Spiel gesetzt und gemeinsam vereinbarte Regeln gebrochen hat, wird schnell aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Ist aber ein Schlag ins Gesicht des SK Rapid Wien und Sturm Graz, deren Fans auch bei schlechten Leistungen daheim und auswärts in die Stadien strömen. Und nicht nur bei Events oder gleich gar nicht.

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