Inter Mailand – ein Vereinsportrait

Inter Mailand

Geschichte:

Der Football Club Internazionale Milano wurde am 09. März 1908 als Abspaltung von Mitgliedern des AC Milan gegründet. In dem Verein sollten nicht nur Italiener, sondern auch Ausländer spielen dürfen, womit der Neugründung ein weltoffenes Image gegeben wurde. Während sich der AC Milan als Club der Arbeiter etablieren konnte, war Inter der Verein für Künstler und Intellektuelle.

Die erste italienische Fußballmeisterschaft gewann Inter in der Saison 1909/10 vor Pro Vercelli.

Ab der Saison 1929/30 gab es in Italien die erste gesamtitalienische Meisterschaft, die der FC Inter für sich entscheiden konnte. Einer der wichtigsten und erfolgreichsten Fußballer in den Reihen der Schwarz-Blauen war der legendäre Giuseppe Meazza, der bis heute als einer der besten italienischen Fußballer der Geschichte gilt.

Aus dieser Zeit stammt auch die Rivalität zu Juventus Turin. Die Begegnungen werden als Derby d´Italia bezeichnet.

Bereits 1928 war es zu einer vom faschistischen System Mussolinis verordneten Fusion mit dem Verein US Milanese Milano gekommen und der Verein fortan als SS Ambrosiana Inter geführt.

Die Umbenennung wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs rückgängig gemacht und mit dem Einstieg des Ölmagnaten Angelo Moratti im Jahr 1955 begann die Ära des „Grande Inter“. Trainer Helenio Herrera prägte den Fußball in dieser Zeit mit seinem „Catenaccio“ wie kaum ein anderer.

Nach dem Meistertitel 1988/89 mussten die Fans bis zur Saison 2005/06 warten, bis aufgrund eines der größten Skandale im italienischen Fußball der Meistertitel von Juventus Turin „geerbt“ wurde. Bis 2009/10 folgten 4 weitere Meisterschaften. Im selben Jahr konnte mit Trainer Jose Mourinho auch die Champions League und die Coppa Italia – als erster italienischer Verein das Triple – gewonnen werden. 2010/11 abermals der italienische Cup. Seither warten die Fans auf einen weiteren Titel.

 

Serie A:

Der FC Inter ist der einzige Verein in Italien, der seit der Gründung der Serie A in der höchsten italienischen Liga beheimatet ist.

Insgesamt 18 Mal konnte der Scudetto gewonnen werden, womit man gleichauf mit dem Stadtrivalen AC Milan auf Platz 2 hinter Juventus Turin liegt.

Der italienische Pokal konnte bislang siebenmal – zuletzt 2011 – in die Höhe gestemmt werden.

Die Trophäe für den Supercup fünfmal.

 

Europacup:

In den 1960er-Jahren war der FC Inter einer der besten Klubmannschaften der Welt. Sowohl 1963/64 im Praterstadion in Wien gegen Real Madrid und 1964/65 gegen Benfica Lissabon konnte der Europapokal der Landesmeister gewonnen werden. Darauf folgend konnte auch zweimal der Weltpokal erobert werden.

In den 1990er-Jahren gewannen die Nerazzurri dreimal den UEFA-Cup. In der Saison 1990/91 unter kräftiger Mithilfe der deutschen Weltmeister Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann. 1993/94 konnte im Finale zweimal knapp SV Austria Salzburg bezwungen werden und in der Spielzeit 1997/98 Lazio Rom.

In der Saison 2009/10 konnte mit Startrainer José Mourinho durch einen Finalsieg über den FC Bayern München die Champions League gewonnen werden. Auch die anschließende FIFA-Klubweltmeisterschaft konnte souverän für sich entschieden werden.

 

Berühmte Spieler:

Um alle Weltklassespieler von Inter Mailand entsprechend zu würdigen, würde das viele Seiten füllen und den Rahmen sprengen. Exemplarisch hervorheben möchte ich:

Giuseppe Meazza: In 348 Ligaspielen für die Nerazzurri erzielte der Ballkünstler 247 Tore. Mit insgesamt 284 Treffern ist er der Rekordtorschütze des Vereins. Von 1927 bis 1940 gewann der Mailänder 3 Meistertitel, 1 Cupsieg, war dreimal Torschützenkönig und mit Italien zweimal Weltmeister. Selbst seinen Wechsel zu Lokalrivalen AC Milan nahmen ihm die Fans nicht übel. Nach seinem Tod 1979 wurde das Stadio San Siro im März 1980 in Stadio Giuseppe Meazza umbenannt.

Christian Vieri: Für die damalige Rekordablösesumme von etwas mehr als 46 Millionen Euro wechselte der damals 25jährige von Lazio Rom in die Lombardei. Von 1999 bis 2005 erzielte er in 190 Einsätzen 123 Tore.

Javier Zanetti: Der Argentinier schnürte von 1995 bis 2014 seine Fußballschuhe für Inter Mailand und ist mit 860 Einsätzen Rekordspieler. Erfolge: Gewinn der Champions League und FIFA-Klub-Weltmeisterschaft, 5 Meistertitel, 4 Cupsiege und 4 Supercupsiege.

 

Kader:

Der aktuelle Spielkader umfasst 25 Profis, davon sind 17 Legionäre. 17 Spieler verfügen über Erfahrungen in ihren Nationalmannschaften. Neben acht Italienern finden sich drei Kroaten, je zwei Argentinier, Brasilianer und Portugiesen und je ein Belgier, Ghanaer, Holländer, Senegalese, Slowake, Slowene, Spanier und ein Spieler aus Uruguay.

Der wertvollste Akteur ist der argentinische Stürmer Mauro Icardi mit einem geschätzten Marktwert von etwa 100 Millionen Euro.

 

Trainer:

Seit Sommer 2017 ist der Italiener Luciano Spalletti im Amt, der zuvor mit der AS Roma und Zenit St. Petersburg Erfolge feiern durfte. In seiner ersten Saison führte er Inter Mailand auf Platz 4 und somit in die Champions League. Von seinen bislang 71 Spielen als Intertrainer konnte er 37 gewinnen, 18 endeten unentschieden und 16 gingen verloren. Das Torverhältnis ist mit 119:65 klar positiv.

 

Zugänge 2018/19:

38 Millionen Euro soll Inter Mailand für den ehemaligen belgischen Teamspieler Radja Nainggolan nach Rom überwiesen haben. Bislang konnte der offensive Mittelfeldspieler die Erwartungen nicht erfüllen.

14 Millionen sollen den Italienern die Dienste des mittlerweile 21jährigen argentinischen Stürmers Lautaro Martínez wert gewesen sein.

Innenverteidiger Andrew Gravillon wurde vor 2 Wochen um 7,5 Millionen von Delfino Pescara gekauft und bis zum Sommer zurück verliehen.

Ebenfalls gekauft und verliehen wurden die jungen Spieler Yann Karamoh (6,5 Millionen) und Federico Dimarco (5 Millionen).

Von Atletico Madrid wurde der Kroate Sime Vrsaljko, vom AS Monaco der Senegalese Keita Baldé und vom FC Southampton der Portugiese Cédric Soares ausgeliehen.

 

Saison 2018/19:

In der Meisterschaft rangieren die Lombarden auf Platz 3. Der Rückstand auf Juventus Turin und SSC Neapel beträgt jedoch bereits 20 bzw. 9 Punkte. Der dritte Platz ist mit 4 Punkten Vorsprung auf den Stadtrivalen AC Milan abgesichert.

In einer Champions League-Gruppe mit dem FC Barcelona, Tottenham Hotspurs und PSV Eindhoven wurde der Aufstieg in das Achtelfinale durch ein 1:1-Unentschieden im letzten Gruppenspiel daheim gegen das holländische Schlusslicht verpasst.

Im italienischen Cupbewerb gab es vor Kurzem das Aus im Elfmeterschießen gegen Lazio Rom.

Die Europa League ist somit die einzige Chance auf einen Titel und könnte dem bereits angezählten Trainer Luciano Spalletti wieder fester in den Sattel verhelfen.

 

Stadion:

Das Stadio Giuseppe Meazza wurde am 19. September 1926 im Mailänder Stadtteil San Siro eröffnet. Das Stadion ist die Heimstätte für beide Mailänder Traditionsclubs. Die Fans des AC Milan bevölkern die Curva Sud, die Anhänger von Inter Mailand die Curva Nord. Mitte der 1950er Jahre erreichte das Stadion mit 100.000 die größte Kapazität, nach mehreren Renovierungen und Umbauten ist das Stadion aktuell für maximal 80.018 Fans zugelassen und wird häufig für Großveranstaltungen genützt.

 

Fans:

Teile der organisierten Fanszene der Nerazzurri werden dem rechten politischen Spektrum zugeordnet. Nach rassistischen Vorfällen im Schlagerspiel gegen SSC Neapel Ende Dezember 2018 wurde Inter Mailand zu zwei Geisterspielen verdonnert.

Die Fanszene ist auch für ihre ausgefallenen und aufwändigen Choreographien bekannt.

Fanfreundschaften existieren mit den Fans von Lazio Rom, AS Varese, OGC Nice und FC Valencia.

Der Zuschauerschnitt liegt in der Meisterschaft bei knapp über 61.000 Tifosi pro Spiel.

 

Derbys:

Derby della Madonnina ist die Bezeichnung für das Mailänder Stadtderby zwischen dem AC Milan und dem FC Internazionale. Nimmt man alle Spiele zusammen, sind die Rossoneri gegenüber den Nerazzurri leicht im Vorteil.

Das Derby d´Italia wird zwischen Juventus Turin und Inter Mailand ausgetragen. Der italienische Rekordmeister führt in der Statistik überlegen.

 

Rapid und Inter Mailand:

Die Bilanz des österreichischen Rekordmeisters gegen italienische Vereine ist bescheiden. Am öftesten (sieben Spiele) wurde bislang die Klinge mit dem AC Milan gekreuzt. Im Europapokal der Landesmeister gab es 09. Oktober 1957 nach einer zuvor erlittenen 1:4-Pleite einen fulminanten 5:2-Sieg. Alfred Körner, Robert Dienst, Josef Bertalan, Josef Riegler und Gerhard Hanappi erzielten die Tore für die Hütteldorfer. Das Entscheidungsspiel – damals gab es noch keine Auswärtstorregel – ging jedoch mit 2:4 verloren.

In der ersten Runde des UEFA-Cups 1990/91 traf der SK Rapid Wien auf das Starensemble von Inter Mailand mit den frischgebackenen Weltmeistern Andeas Brehme, Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann unter Trainer Giovanni Trapattoni. Die von Hans Krankl gecoachte Rapidmannschaft musste bereits nach 5 Minuten einen Gegentreffer durch Lothar Matthäus hinnehmen. In der zweiten Halbzeit konnten die Hütteldorfer das Spiel drehen und gingen durch Tore von Heimo Pfeifenberger und Christian Keglevits mit 2:1 in Führung. In der Rapidviertelstunde parierte Torhüter Michael Konsel einen Elfmeter des WM-Finaltorschützen Andreas Brehme.

Im Rückspiel brachte der Italiener Nicola Berti sein Team nach torloser erster Halbzeit im zweiten Durchgang mit 2 Toren auf die Siegerstraße, ehe Franz Weber per Kopf kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit seine grün-weißen Farben in die Verlängerung schoss. In der 101. Spielminute gelang Jürgen Klinsmann mit dem 3:1 die Entscheidung zugunsten der Italiener.

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