Herzlich Willkommen, Aliou Badji

Aliou Badji
Transfernews aus Hütteldorf!

Der SK Rapid Wien gab heute die Verpflichtung des 21jährigen senegalesischen Mittelstürmers Aliou Badji bekannt. Was lange währt, wird endlich gut?

 

Ein langer und mühsamer Weg!

Es hat gedauert. Mitte Dezember hat Geschäftsführer Sport Fredy Bickel ein bis zwei offensive Neuverpflichtungen angekündigt. Mit Srdjan Grahovac wurde tatsächlich ein ehemaliger Rapidspieler zurückgeholt. Allerdings für das defensive Mittelfeld. Die Suche nach dem die grün-weiße Torflaute beendenden Knipser erwies sich als zäh. Fast schon als Posse, denn es sollte einfach nicht sein. Vakoun Issouf Bayo kickt künftig bei Celtic Glasgow, Maurides Roque Junior war schon in Wien, ist aber durch den Fitnesstest gerasselt. Bei Sasa Kalajdzic war das Gesamtpaket zu teuer und von Andrés Vombergar scheint man auch nicht restlos überzeugt zu sein. Zumindest nicht für den geforderten Betrag. Dazwischen wurde mit dem Schweizer Jérémy Guillemenot sogar noch ein Stürmer verabschiedet.

Vor 3 Tagen hat Peter Linden in seinem Blog bei den Rapidfans neue Hoffnung entfacht und über Verhandlungen Rapids mit dem Traditionsverein Djurgardens IF aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm berichtet. Dieses anfangs von anderen Medien belächelte Gerücht sollte sich nun als Volltreffer erweisen und der SK Rapid hofft, endlich den richtigen Knipser gefunden zu haben.

Der 1,89 m große Mittelstürmer Aliou Badji soll die Torflaute beenden und Rapid zumindest noch in das Meisterplayoff schießen. Vielleicht auch noch zum Cupsieg. Für das Sechzehntelfinale der Europa League kommt seine Verpflichtung zu spät, da ist die Nachmeldefrist am 1. Feber abgelaufen.

Über die Ablösesumme wurde wie gewohnt Stillschweigen vereinbart. Laut Medienberichten soll sie bei etwa 1,9 Millionen Euro liegen. Etwaige Bonuszahlungen und eine Beteiligung an einem Weiterverkauf sind nicht ausgeschlossen. Der Vertrag in Wien läuft bis Sommer 2022.

Damit verpflichtet Geschäftsführer Sport Fredy Bickel in dieser Spielzeit nicht nur seinen bereits vierten Stürmer – fünf, wenn man bedenkt, dass auch Sommerneuzugang Andrei Ivan mehrmals auf dieser Position eingesetzt wurde – sondern erhöht auch den Druck auf die vorhandenen Stürmer. Deni Alar hat zwar schnell 3 Tore erzielt, aber seit September nicht mehr getroffen. Andrija Pavlovic konnte – auch aufgrund zweier Verletzungen – erst 2 Treffer im Cupbewerb bejubeln und Jérémy Guillemenot wurde bereits wieder verabschiedet.

 

Wer ist Aliou Badji?

Ende Jänner 2017 verpflichtete Djurgardens IF den damals 19jährigen vom senegalesischen Fußballverein Casa Sports de Ziguinchor. Die Ablösesumme ist nicht bekannt. In seiner ersten Saison in der Allsvenskan, der höchsten schwedischen Liga, die von April bis November ausgetragen wird, pendelte der Nachwuchsspieler zwischen der Profimannschaft und der U21. In 20 Einsätzen für die Kampfmannschaft – 4 davon von Beginn an – erzielte er 3 Treffer und bereitete einen vor. Erfolgreicher war er für die U21, wo ihm in 14 Spielen 12 Tore und 3 Assists gelangen. In der Saison 2018 reichte es in 28 Meisterschaftsspielen zu 8 Toren und 3 Vorlagen. Auch im schwedischen Cupbewerb durfte er 2 Treffer bejubeln. In der zweiten Runde der Qualifikation für die Europa League schoss der Senegalese zwar 2 Treffer, dennoch behielt der ukrainische Verein FK Mariupol in der Verlängerung die Oberhand.

Im Jahr 2017 durfte Aliou Badji sein Können auch in der U20-Nationalmannschaft Senegals zeigen. Bei der U20-Fußball-Afrikameisterschaft in Sambia schoss er zwar nur einen Treffer, damit aber sein Team ins Finale. Dort erwies sich die U20 des Gastgebers als zu stark und Sambia gewann mit 2:0. Sollte sich Rapids Neuzugang für die Niederlage revanchieren wollen – mit Patson Daka und Enock Mwepu trifft er auf zwei Finalgegner im Salzburger Dress.

Bei der U20-Weltmeisterschaft in Südkorea durfte der kopfballstarke Stürmer einen Assist verbuchen, im Achtelfinale war gegen die Auswahl Mexikos Schluss.

Dass der SK Rapid Wien diesen Spieler verpflichten konnte, liegt wohl auch daran, dass das Transferfenster in den größeren Ligen bereits geschlossen hat. Ein Angebot des chinesischen Vereins Hebei China Fortune, in dessen Kader sich die beiden ehemaligen Weltklassespieler Javier Mascherano und Ezequiel Lavezzi befinden, schlug der Mittelstürmer aus. Sowohl der SC Amiens aus der französischen Ligue 1 als auch der türkische Traditionsverein Galatasaray Istanbul sollen konkretes Interesse an seiner Verpflichtung bekundet haben.

 

Was kann Aliou Badji?

Für die Profimannschaft von Djurgardens IF hat der Stürmer in 54 Einsätzen 15 Tore erzielt und 4 vorbereitet. Auch dem U21-Team konnte er seinen Stempel aufdrücken und in 16 Spielen zwölfmal netzen und dreimal auflegen. Beachtliche Werte und daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Vereine aus stärkeren Ligen an einer Verpflichtung interessiert waren.

Der 21jährige trifft häufig mit dem rechten Fuß und per Kopf, hat aber auch schon mit links getroffen. Oder mal eben herrlich mit der Ferse wie im Europacup. Technisches Können scheint vorhanden zu sein. Ob er auch mit dem höheren Tempo zurecht kommt, muss man abwarten. Vor allem der Strafraum ist sein Revier und hier herrscht beim österreichischen Rekordmeister Handlungsbedarf. Zu selten hat man im Herbst die Rapidstürmer dort angetroffen, wo ein Stürmer hingehört und wo es etwas zu erben gibt.

Die schwedische Allsvenskan liegt in der UEFA-Fünfjahreswertung mit Platz 22 deutlich hinter Österreich. Dabei ist der Zuschauerschnitt höher. Die Liga begreift sich als Ausbildungsliga und erzielt pro Transferzeit deutliche Gewinne. Die Nationalmannschaft ist das internationale Aushängeschild, der Vereinsfußball hinkt jedoch hinterher. Einzig Malmö FF ist im Sechzehntelfinale der Europa League vertreten und darf sich mit dem FC Chelsea messen. Die Schweden hatten in der Vergangenheit auch schon öfters mit den Champions-League-Ambitionen eines im österreichischen Fußball tätigen Brausekonzerns Spaß.

 

Was heißt das für Rapid?

Der Rekordmeister verfügt nun mit Aliou Badji, Deni Alar und Andrija Pavlovic über 3 Mittelstürmer.

Versuchen die Hütteldorfer mit der Verpflichtung des 21jährigen die im Sommer engagierten Angreifer besser in Szene zu setzen – oder wurde hier ein neuer Einserstürmer für das auch in der Wintervorbereitung gespielte 4-2-3-1 unter Vertrag genommen?

Djurgardens IF hat in der letzten Spielzeit häufig in einem 4-4-2 agiert. Neben Aliou Badji waren weitere Kandidaten der Teamstürmer Simbabwes Tino Kadewere, der im letzten Sommer um etwa 2 Millionen Euro zu AC Le Havre transferiert wurde und später Kerim Mrabti, der nun in der englischen Championship bei Birmingham City versucht, Fuß zu fassen.

Ob Trainer Didi Kühbauer künftig etatmäßig mit 2 Mittelstürmern agiert, bleibt abzuwarten. Zumal es ja auch keine gemeinsame Vorbereitung zum Einstudieren der neuen Variante gegeben hat. Es wird wohl eher das Flankenspiel intensiviert werden. Thomas Murg, Andrei Ivan, Philipp Schobesberger, Boli Bolingoli, aber auch Christoph Knasmüllner mit seinen gefährlichen Eckbällen, sind gefordert, Rapids neuen Stürmer mit Vorlagen zu füttern.

Die schwache Torausbeute der Rapidstürmer im Herbst war aber nur ein Teil des Problems. Auch das in den letzten Jahren so torfreudige Mittelfeld hat im Herbst ausgelassen. Mit Srdjan Grahovac wurde zwar ein technisch versierter, defensiver Mittelfeldspieler zurückgeholt, der Bosnier muss nun aber zeigen, dass er gereift ist und nicht nur Sicherheitspässe spielen kann. Wird Aliou Badji nicht nur selbst erfolgreich sein, sondern auch Platz für seine Mitspieler schaffen können?

Es ist nachvollziehbar, dass Geschäftsführer Sport Fredy Bickel nach dem schwachen Herbstabschneiden in der Meisterschaft reagiert. Durch den Aufstieg in das Sechzehntelfinale der Europa League sollte auch genügend Bares für Transfers vorhanden sein. Das Gesamtpaket um die Verpflichtung des Senegalesen Abiou Badji macht ihn vermutlich nicht nur zum drittteuersten Transfer in der Rapidgeschichte, sondern vor allem auch zum mit Abstand teuersten Wintertransfer.

 

Ausblick:

Viel Zeit zur Eingewöhnung und zum Kennenlernen seiner neuen Mitspieler bleibt nicht. Das so wichtige gemeinsame Trainingslager hat der neue Stürmer verpasst. Gegen Inter Mailand ist er nicht spielberechtigt. TSV Hartberg im Cupviertelfinale und die ungeschlagenen Salzburger zum Meisterschaftsauftakt haben es in sich und entscheiden, in welche Richtung es im Frühjahr gehen wird. Wenn es schlecht läuft, sind die Europa League, der Cupbewerb und das Meisterplayoff bereits Ende Feber Geschichte und der österreichische Rekordmeister muss den Versuch starten, über das trostlose Abstiegsplayoff noch den Sprung in den Europacup zu schaffen. Rapid Wien verfügt über ein prominentes Trainerteam, viele Spieler haben bereits ihre Qualitäten unter Beweis gestellt und auch der Verein nimmt nun volles Risiko. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Risiko auszahlt. Und Aliou Badji der seit langem gesuchte Knipser ist.

Einige große Fußballkarrieren haben ihren Anfang in der höchsten schwedischen Liga begründet. Gut möglich, dass der SK Rapid mit Aliou Badji ein weiteres Kapitel schreibt.

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