GRÜN AUF WEISS befindet: „Wir haben fertig!“

Gruen auf weiss

Das war also die Saison 2018/19. Ausgerechnet mit einem Auswärtssieg hat der SK Rapid Wien die größtmögliche Blamage bestätigt. Das 1:0 in Graz war letztendlich zu wenig. Vollkommen unverständlich und unverdient haben die Hütteldorfer zuvor im Weststadion eine 1:0-Führung in ein 1:2 verwandelt. Selbstfaller haben diese Saison nicht nur begleitet, sondern geprägt. Hätten wir das eigentliche Potential ausgeschöpft, wären wir…

Ist aber nicht so.

 

Millionenschaden:

Keine Europacupeinnahmen:

Zum zweiten Mal in 3 Saisonen verpassen die Hütteldorfer das internationale Geschäft. Dabei wäre man mit dem sehr guten Klubkoeffizienten aller Voraussicht nach selbst im Playoff gesetzt gewesen und hätte dadurch einen schlagbaren Gegner zugelost bekommen. Fast gebetsmühlenartig wird von den Verantwortlichen betont, dass Rapid ohne die Einnahmen der Europa League plant. Über den warmen Millionenregen freut man sich aber wohl trotzdem und das finanzielle Zubrot verschafft deutlich mehr Luft für die Kaderplanung.

 

Kaderverkleinerung:

23 Spieler sind für ein Spieljahr ohne Europacup vorgesehen, 25 umfasst der aktuelle Kader. Inklusive Tamás Szántó und Ivan Mocinic, die heuer verletzungsbedingt kein einziges Spiel für die Profis absolviert haben.

Kelvin Arase ist bereits von seiner Leihe zurückgekehrt, Denis Bosnjak, Alex Sobczyk und Albin Gashi kommen auch zurück und haben noch 1 Jahr Restvertrag. Keiner dürfte einen so großen Entwicklungssprung hingelegt haben, dass mit einem fixen Engagement bei Rapids erster Mannschaft zu rechnen ist. Rapid II hat sicherheitshalber ebenfalls die Saison vergeigt und den Aufstieg in die Erste Liga verpasst. Deutlich. Damit kommen abermals eine Leihe oder die Auszahlung des Restvertrags in Frage. Dass die genannten Akteure den Schritt zurück in die Regionalliga Ost gehen wollen, ist unwahrscheinlich.

Mit Taxiarchis Fountas steht auch ein Neuzugang bereits fest. Nicht gekauft wird der letztendlich zu blass gebliebene Andrei Ivan. Allem Talent zum Trotz.

Ergibt in Summe 29 Spieler für die Spielzeit 2019/20 – das sind jetzt schon 6 zu viel. Dabei soll noch Leo Greiml befördert werden. Möchten die Verantwortlichen den Kader noch weiter nach Trainer Didi Kühbauers Vorstellungen modifizieren und verstärken, muss es weitere Abgänge geben. Es wartet viel Arbeit auf den neuen Geschäftsführer Sport Zoki Barisic und sein Team. Zumal die Zeit drängt. Am Wochenende 27./28. Juli startet die neue Saison. Eine Woche davor der Cupbewerb. Möchte Rapid noch einmal so ein Pleitenjahr verhindern, muss der Kader so früh wie möglich stehen, um eine optimale Vorbereitung zu gewährleisten.

 

Fans:

Sollte man sich seitens Rapid das Ziel gesetzt haben, das Stadion allmählich leer zu spielen, dann ist man auf einem hervorragenden Weg.

In der Eröffnungssaison des Weststadions strömten noch durchschnittlich 21.128 Fans pro Spiel ins Stadion. Obwohl auch diese Spielzeit zum Abgewöhnen war.

Im Vorjahr wollten im Schnitt nur noch 18.973 Fans ihren Fußballidolen auf die Füße schauen.

Heuer wurde die Talfahrt nicht nur fortgesetzt, sondern auch deutlich beschleunigt. Die 17.812 pro Spiel aus dem Grunddurchgang waren noch halbwegs in Ordnung, wobei bloß beim Derby mehr als 20.000 Fans das Stadion besucht haben. Das Abstiegsplayoff verkam zum erwarteten Desaster. Nur noch 12.860 Fans haben in den 5 Heimspielen durchschnittlich den Weg ins Stadion auf sich genommen. Auch das Europacupplayoff hat sich nicht zum Verkaufsschlager entwickelt. 10.600 Zuschauer gegen SV Mattersburg ergaben eine erschütternde Kulisse und auch die 15.800 im Hinspiel gegen Sturm Graz waren enttäuschend.

Soll die Trendwende gelingen, müssen die Vereinsverantwortlichen Impulse setzen. Wie schnell der Funke rüberspringt, konnte man in den ersten Frühjahrsrunden sehen. Bis zum neuerlichen Dämpfer in Mattersburg.

 

Sponsoren und Merchandising:

Mit den Aktivitäten rund um den 120. Geburtstag werden sich die Einbußen beim Marketing etwas auffangen lassen. Schlimmer sieht es beim Sponsoring aus. Ohne Europacup sinkt der Werbewert deutlich.

 

Die Schuldigen:

Wer war nicht aller schuld, weshalb die Mannschaft in der Meisterschaft einfach nicht in die Gänge gekommen ist. Pech, fehlendes Glück, nur Glück bei den Gegnern, der Rasen, die Dreifachbelastung, die Schiedsrichter, nach den Punkten ist man eigentlich eh Dritter, der Wettergott, der Fußballgott – nein nicht Steffen – die Liste an Ausreden für schlechte Leistungen ist lange und variabel. Einzig die Spieler wurden nur selten in die Verantwortung genommen. Aber der Reihe nach.

 

Geschäftsführer Sport Fredy Bickel?

Die Bilanz des scheidenden Sportdirektors ist zwiespältig. Geschickten und guten Transfers und Millioneneinnahmen aus Verkäufen stehen auch einige Flops gegenüber. Der sympathische Schweizer hat sich bei Rapid unter Wert verkauft. Dem Mann, der sonst überall etwas aufbauen konnte und Erfolg hatte, war am Schluss anzumerken, dass er den Verein schnellstmöglich verlassen möchte. Sieht man sich Bilder von ihm vor und nach seiner Entscheidung aufzuhören an, fällt auf – der 54jährige schaut optisch um mindestens 10 Jahre jünger aus. Das sagt auch einiges aus.

 

Trainer Didi Kühbauer?

Die Hütteldorfer haben in den letzten Jahren genügend Trainer verschlissen. Jetzt erneut eine Trainerdiskussion anzuzetteln, wäre töricht. Fakt ist aber auch, dass der Jahrhundertrapidler nicht nur keinen Titel geholt hat, sondern sogar die Qualifikation für den nächsten Europacup verpasst hat. Mit Verlaub – um alle Ziele zu verfehlen, hätte man auch mich als Trainer anstellen können. Nichts zu erreichen, hätte ich mir auch zugetraut.

Im Playoff war sein Trainerhändchen nicht gerade glücklich. Weswegen er in Graz in den letzten Minuten keinen zweiten Stürmer ins Spiel gebracht hat, weiß wohl nur er.

Möchte der 48-jährige nicht schon bald seinen eigenen Grabstein am Trainerfriedhof Rapid aufgestellt bekommen, müssen in der neuen Saison deutliche Fortschritte zu sehen sein. Am besten beginnend bei den Ergebnissen.

 

Die Spieler!

Womit wir bei den wichtigsten Protagonisten dieses Debakels sind – den Spielern.

Wird ein Spieler vom SK Rapid Wien verpflichtet, hat er etwas erreicht. Die Bezahlung ist für österreichische Verhältnisse sehr gut, das Umfeld passt, die Trainingsbedingungen sind gut, das Gehalt landet regelmäßig und pünktlich am Konto, der Trainer-Staff wird immer größer und Heimspiele finden nicht vor einer Geisterkulisse statt. Nicht jeder Spieler muss ein Zauberer am Ball sein, aber mit den basalen grünweißen Grundtugenden lassen sich die Herzen der Fans sehr schnell erobern.

 

Zu wenig Talent und zu wenig Biss:

Bei einigen Kaderspielern wird man aber das Gefühl nicht los, ihnen ist bewusst, dass sie ihren Leistungsplafond erreicht haben. Mehr als Rapid Wien werden sie in ihrer Karriere nicht erreichen. Dann probiert man es am besten auch gleich gar nicht. Statt in Mattersburg oder Innsbruck zu spielen, lieber in Hütteldorf auf der Tribüne sitzen.

Und dann gibt es offenbar noch Spieler, die in jedem Transferfenster auf einen Anruf aus Barcelona oder Madrid warten. Mindestens. Da braucht man sich doch nicht für die schnöde österreichische Liga überanstrengen.

 

Imageschaden:

Was war dein peinlichster Moment in dieser Saison? Das Debakel in Villarreal? Oder in Hartberg? Das Auswärtsderby? Der Absturz ins Abstiegsplayoff? Das Verpassen des internationalen Geschäfts? Die Liste ist lang. Und nur die Spitze des Eisbergs. Kaum ist bei den Fans Hoffnung aufgekeimt, war die nächste Enttäuschung schon da. Wie viele Chancen hat die Mannschaft nicht genützt? Die Siege gegen Spartak Moskau und Glasgow Rangers und das damit verbundene Überwintern in Europa waren die positiven Ausnahmen. Und haben gezeigt, wie groß das Potential wäre.

 

Preisschild:

Es wird Zeit diesen Kader radikal umzubauen. Rapid Wien braucht Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren. Die das Talent haben, aber auch den nötigen Willen. Rapid ist ein gutes Sprungbrett. Dagegen gibt es auch gar nichts einzuwenden. Aber es muss eine Ehre sein, für den österreichischen Rekordmeister spielen zu dürfen – und nicht umgekehrt.

Im Endeffekt hat die ganze Mannschaft versagt. Das war zu wenig. Somit darf es auch keine Tabus geben. Niemand ist unverkäuflich. Wenn der Preis stimmt und diesen Betrag jemand zu zahlen gewillt ist, dann darf er gehen. Dafür talentierte und hungrige Spieler holen, für die dieser Verein wirklich eine Herzensangelegenheit ist. Das darf auch kosten.

Diese Mannschaft hätte das Potential gehabt, um größere Ziele zu erreichen. Das hat sie nicht geschafft. Somit halten wir es mit Giovanni Trapattoni und konstatieren: „Wir haben fertig!“ Ein neues Team wird hoffentlich das Vertrauen der Fans zurückgewinnen können. Dem aktuellen Kader ist das nicht zuzutrauen.

 

Schreibe einen Kommentar