Kommentar: Goran Djuricin freigestellt

Gogo Djuricin

Knalleffekt in Hütteldorf!

Nach einem sportlichen Abgesang und einer 0:2-Heimniederlage gegen den SKN St. Pölten haben die Vereinsverantwortlichen von Rapid Wien die Reißleine gezogen und Trainer Goran Djuricin unmittelbar nach dem Abpfiff freigestellt. Dass dieser Schritt Sportdirektor Fredy Bickel nicht leicht gefallen ist, ist nach den Entwicklungen der letzten Wochen und Monate klar, dennoch ist er alternativlos.

Bereits vor mehr als einem Monat haben wir bei gruenaufweiss.at eine Analyse gewagt, die ihr hier nochmals nachlesen könnt: Gogo raus! Gogo raus?.

Seither hat sich leider wenig gebessert. Im Gegenteil. In die Gruppenphase der Europa League ist man durch eine knappe Niederlage in Bukarest mehr gestolpert als verdient aufgestiegen. Der Sieg gegen Spartak Moskau war zwar sehr erfreulich und sollte nicht geringgeschätzt werden, aber der russische Spitzenclub hat mit eigenen, massiven Problemen zu kämpfen.

In der Meisterschaft ist Rapid Wien immer tiefer in die Krise gerutscht. Das 1:1 in Graz gegen Sturm war noch in Ordnung und beim Derby war man in den ersten 45 Minuten klar überlegen. Dennoch ging dieses prestigeträchtige Match daheim mit 0:1 verloren. Mit der Aufstellung bei der Niederlage in Salzburg hat Goran Djuricin wohl den letzten Kredit bei den Fans verspielt und auch der Aufstieg im Elfmeterschießen in Mattersburg brachte der Mannschaft kein Selbstvertrauen mehr. Wie bei der gestrigen Heimniederlage gegen St. Pölten zu sehen war. Die dritte Meisterschaftsniederlage am Stück. Dabei hat Goran Djuricin auf eine Rotation verzichtet und das vermeintlich beste Team auf das Spielfeld geschickt.

Und somit enden auch zwei Wochen bei Rapid, in denen das Chaos vorherrschend war. Der Platzsturm einiger Fans nach dem verlorenen Derby war absolut entbehrlich und hat dem Verein geschadet. Was in Mattesburg vorgefallen ist, lässt sich nur erahnen, aber aus dem VIP-Sektor dürfte es zuhauf verbale Entgleisungen tiefster Art gegeben haben.

Ein Trainer, der sich angeblich zu einer beleidigenden Geste hinreißen lässt, ein Co-Trainer, der „vom Zaun geholt“ werden muss und ein Sportdirektor, der vor lauter negativer Emotion eine Rede nur noch vorlesen kann und darin über mühsam unterdrückte Gewalt spricht – das kann und darf es doch nicht sein. Das klingt ja alles mehr nach einer Doku-Soap auf ATV II als nach einem seriösen österreichischen Fußballverein.

Der veröffentlichte offene Brief von Präsident Michael Krammer und die Stellungnahme des Block West wären zwar in Richtung Deeskalation gegangen, mit der Niederlage gegen St. Pölten sind sie obsolet.

 

Wie geht es nun weiter?

Die beiden Co-Trainer Martin Bernhard und Thomas Hickersberger werden das Training übernehmen und vermutlich das Europacupmatch in Glasgow und das Heimspiel gegen Mattersburg coachen – dass erneut ein Interims- zum Chefcoach wird, ist eingedenk der angespannten Situation nicht zu erwarten. Nach Mattersburg ist 2 Wochen Länderspielpause – spätestens in diesem Zeitfenster muss Rapid Wien einen Nachfolger präsentieren.

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