Gogo raus! Gogo raus?

Goran Gogo Djuricin

Bereits vor dem Europacupspiel gegen den FCSB wurden im Block West Mitteilungen verteilt, denen zu entnehmen war, dass ab sofort der Rücktritt des Trainers gefordert wird und weitere Aktionen folgen werden. Auch die sportliche Kompetenz des Präsidiums von Rapid Wien wurde explizit angezweifelt.

 

Dreieinhalb Wochen nach dem Sieg in der Südstadt samt Tabellenführung herrscht in Hütteldorf bereits wieder Chaos pur.

 

Was ist alles schief gelaufen?

GRÜN AUF WEISS wagt eine Analyse:

 

Fehlende Titel und Understatement:

Die Rapidfans lechzen nach einem Titel. Nein, ein dritter Platz und das Cuphalbfinale sind zu wenig für Jubelstürme. Und selbst wenn wir heuer Zweiter werden, das Cupfinale und die Gruppenphase der Europa League erreichen, wird das die Fans nicht zufrieden stellen. Ein Titel muss her.
 

Nichts aus der guten Auslosung gemacht:

Admira auswärts, Altach und WAC daheim, LASK auswärts und Wacker Innsbruck daheim – nicht nur die kühnsten Optimisten haben bei dieser Auslosung auf 13-15 Punkte gehofft. Geworden sind es 8 – und bereits nach 5 Runden beträgt der Rückstand auf Salzburg 7 Punkte.
 

Fehlendes In-Game-Coaching:

Ein Vorwurf, den sich bereits Zoki Barisic gefallen lassen musste. Immer wieder überkommt mich das Gefühl, dass nach Spielbeginn Trainer Djuricin anstatt an der Seitenlinie auch im benachbarten Stags Head verweilen könnte. Woran wäre der Unterschied auszumachen? 90 Minuten lang keinen Plan entwickeln können, wie man den Tannenbaum des WAC knacken kann, ist inakzeptabel. Dafür brauche ich keinen so großen Staff.
 

Hat Gogo einen Plan B zur Hand?

Auch ein Relikt aus der Zoki-Ära. Wenn Djuricin wechselt, kommt für einen linken Verteidiger ein linker Verteidiger. Für einen Stürmer ein Stürmer.

Rapid kann auch keine Taktwechsel. Wenn wir zurück liegen, muss man auch einmal Risiko eingehen und mit Mann und Maus stürmen. Oder wenn man knapp führt auch einmal das Tempo heraus nehmen und auf spielerische Lösungen verzichten. Kann Rapid nicht.
 

Kann Gogo Spieler verbessern?

Nagelsmann hat sich öffentlich für die Entwicklung von Joelinton bei Rapid bedankt. Strebinger ist auch in einer Überform, dafür ist aber Helge Payer verantwortlich.

Ljubicic, Murg und Schwab haben sich im letzten Jahr weiterentwickelt.
Zu oft werden aber Rapidspieler, die eine starke Saison hinlegen, bereits in der folgenden Transferzeit verkauft. Das darf man dem Trainerteam nicht vorwerfen.
 

Wohlfühloase Rapid?

Ein dritter Vorwurf, mit dem bereits Trainer Barisic leben musste. Malocher Büskens und Grantler Canadi sind bei Rapid Wien kläglich gescheitert. Nach dem starken Saisonauftakt hat Trainer Djuricin gewarnt, leider hat er seine Mannschaft nicht erreicht. Geht es den Rapidspielern einfach zu gut?
 

Wo ist der Rapid-Geist?

Rapid steht für Grundtugenden, die bereits seit Jahren nicht umgesetzt werden. Klar, dass das die Fans wurmt. In der letzten Saison haben wir nach einem Rückstand genau ein einziges Spiel gedreht. Daheim gegen den WAC. Die Rapidviertelstunde darf nicht bloß Nostalgie sein.

 

Darf man Sportdirektor Fredy Bickel auch verantwortlich machen?

 

Ein unerwartet großer Umbruch im Sommer!

Die Abgänge von Steffen Hofmann, Petsos, Joelinton, Kuen, Pavelic, Jelic und Entrup waren geplant, die Leihen der jungen Spieler Sobczyk, Gashi, Bosnjak und Arase auch.

Dass Louis Schaub seinen nächsten Karriereschritt irgendwann setzen wird, war zu erwarten, der Verkauf von Publikumsliebling Lucas Galvao nicht. Kvilitaia war zwar bei seinem Verkauf verletzt, aber gerade im letzten Saisonfinish konnte er endlich überzeugen.

Dazu noch die Verletzungen von Pavlovic und Schobesberger und die schon extrem lange ausfallenden Dibon, Szanto und Mocinic.

Wenn zwei deutsche Zweitligisten und ein belgischer Erstligist mit ein paar Scheinen wackeln – muss Rapid Wien wirklich jeden Spieler sofort verkaufen?
 

Fehlende Qualität von der Bank:

Wollen wir Salzburg wirklich Paroli bieten, benötigen wir einen Kader, wo jede Position annähernd gleichwertig doppelt besetzt ist. Davon sind wir – das zeigt die Rotation überdeutlich – meilenweit entfernt.
 

Unglückliche Aussagen seitens der sportlich Verantwortlichen:

Goran Djuricin: „Ich kann nicht immer verlangen, dass wir gewinnen.“

Auch wenn man den Satz von Trainer Djuricin in den richtigen Kontext setzen muss, ist der Inhalt für jeden Rapidfan eine Watsche. Vor allem für die Fans, die bei jedem Auswärtsspiel dabei sind. Der Ausflug nach Pasching kostete mich inklusive Bus und Ticket 42€. Abgesehen von den 12 Stunden, die ich unterwegs war. Und dann meint der Trainer, dass man nicht immer verlangen kann, dass die Mannschaft gewinnt???

Fredy Bickel: „Diese Mannschaft ist extrem: Bei großem Lob wie nach dem starken Start neigt sie zur Überheblichkeit, bei harter Kritik ist der Hang zur Depression groß“.

Der Sportdirektor hat dieses Team zusammengestellt und nach einigen Spielen kommt er zu diesem Urteil? Gewinnt Rapid, wird die Mannschaft überheblich, verliert sie, ist die Mannschaft depressiv – ja wie hätte es denn der Herr Sportdirektor gerne???
 

Kritik am Block West: War das Timing für die Proteste gut gewählt?

Definitiv nicht. Das Erreichen der Gruppenphase der Europa League benötigt der Verein dringender, als es die Verantwortlichen zugeben wollen.

Der Kader ist für eine möglichst lange Europacupsaison konzipiert.

Mit den zu erwartenden Einnahmen kann auch das leidige Thema Nachwuchsakademie endlich zu Ende gebracht werden.

Die stagnierenden Zuschauerzahlen brauchen dringend einen neuen Impuls.

Diesen Protest, während des so wichtigen Heimspiels gegen FCSB, beim Stand von 2:0 zu bringen, grenzt an Fahrlässigkeit. Die führenden Fanclubs dürfen sich nicht wundern, dass dieses Vorgehen scharf kritisiert wurde.

Und es hat auch dem eigenen Ansinnen geschadet. Anstatt über die berechtigte Kritik an den Verantwortlichen zu diskutieren, wurde bloß über das Timing gesprochen – das war wohl kaum die gewünschte Intention.
 

Wie kommt Rapid aus dem Dilemma?

Startet Rapid eine phänomenale Siegesserie, schlägt sich in der Europa League wacker und gewinnt den Meistertitel, braucht sich Trainer Goran Djuricin keine Sorgen machen. Ein Cupsieg könnte auch einen schwachen Meisterschaftsverlauf nicht wett machen, wäre aber zumindest ein Titel.

Viel eher ist zu befürchten, dass der Riss zwischen Verein, den organisierten Fans und den restlichen Fans im Stadion tiefer wird. Das hatten wir schon und schadet allen.

Präsident Michael Kramer hat im Kurier klare Worte gefunden, die Spieler haben sich nach dem Heimspiel hinter absurden Ausreden versteckt und bei den zitierten Wortspenden von Djuricin und Bickel werde ich zum Lateiner: si tacuisses, philosophus mansisses.

Diese Krise wird einzig durch sportliche Erfolge und Kommunikation zwischen dem Verein und der organisierten Fanszene zu kitten sein.

 

 

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