Glasgow Rangers vs. Rapid Wien – die Match-Analyse

Erster Einsatz des neuen Rapidtrainers Didi Kühbauer gegen die Glasgow Rangers! Was hat er verändert? Hat er umgestellt? Wo orten wir Verbesserungsbedarf?

 

Die Aufstellungen:

 

Vanderals

 

Rapid Wien: Didis Revolution findet vorerst nicht statt:

Richard Strebinger bleibt auch unter Trainer Didi Kühbauer die Nummer 1 im Tor. Keine Überraschung.

In der Innenverteidigung beginnen Routinier Mario Sonnleitner und Mateo Barac – wiederum keine Neuerung.

Boli Bolingoli steht nach seiner Verletzung wieder im Matchkader, sitzt anfangs aber auf der Bank. Stattdessen beginnen als Außenverteidiger links Marvin Potzmann und rechts Mert Müldür. Auch das kennen wir bereits aus vergangenen Spielen.

Vor der Abwehr räumen als 6er Dejan Ljubicic und Kapitän Stefan Schwab ab. Was zu erwarten war.

Am linken Flügel beginnt der laufstarke Veton Berisha, sein oftmaliger Konkurrent in dieser Saison Andrei Ivan am rechten Flügel.

Auf der 10 beginnt Rapids Nummer 10 – Thomas Murg soll im Zentrum für Impulse sorgen und ersetzt Christoph Knasmüllner.

Als Solospitze fungiert der ehemalige serbische Teamspieler Andrija Pavlovic und verbannt Rückkehrer Deni Alar auf die Ersatzbank.

 

Steven Gerrard beginnt wie von uns in der Vorschau angekündigt:

Die Liverpoollegende lässt sein Team in einem 4-3-3 beginnen. Der linke Außenverteidiger Jon Flanagan hat die Nase gegenüber dem Kroaten Borna Barisic vorne. Insgesamt stehen 8 Sommerneuzugänge in der Startelf. Einzig Kapitän James Tavernier, Daniel Candeias und Stürmer Alfredo Morelos haben auch schon im Vorjahr das Rangersdress getragen

 

Das Spiel:

Ab der ersten Minute entwickelt sich ein rassiger Kampf um jeden Zentimeter am Platz. Fehler im Spielaufbau oder zu langes Halten des Balls laden die Rangers zum Pressing ein. Der Fußball beider Teams ist technisch nicht perfekt, durch die robuste und körperbetonte Spielweise gibt es zahlreiche Fouls und anschließende Standardsituationen. Stefan Schwab versucht den Spielaufbau teilweise über die linke Seite aufzuziehen, bei den Rangers werden die meisten Angriffe über Kapitän James Tavernier eingeleitet.

Mit Fortdauer des Spiels werden auch die Hütteldorfer mutiger und zwingen die Schotten zu Ballverlusten. So hat Rapid Wien die erste Chance des Spiels durch einen Kopfball von Andrija Pavlovic.

Besonders die Kapitäne Stefan Schwab und Scott Arfield legen einander an die kurze Leine. Die Körpersprache von Mateo Barac wirkt deutlich positiver, nach einem harten Zweikampf muss er das Feld jedoch blutüberströmt verlassen und wird durch Comebacker Christopher Dibon ersetzt.

Das laufintensive Offensivpressing der Rangers fordert nach etwa 30 Minuten Tribut und lässt nach. Dennoch fighten beide Teams beeindruckend weiter.

Rapids irreguläre Führung wird bereits nach wenigen Sekunden egalisiert.

Die zweite Halbzeit beginnt mit Unsicherheiten von Marvin Potzmann und Innenverteidiger Christopher Dibon. Allgemein lässt das Spieltempo in dieser Phase nach.

Der erste geplante Wechsel bei Rapid und die daraus resultierende Umstellungen bewirken keine Verbesserung. Deni Alar ist für den kampfstarken Gegner nicht geschaffen und Thomas Murg am rechten Flügel ohne Unterstützung wirkungslos.

Rapid kommt in der zweiten Halbzeit kaum mehr geregelt in die generische Hälfte und gerät mangels Entlastung immer mehr unter Druck.

Boli Bolingoli agiert nach seiner Einwechslung offensiv als Freigeist und probiert sich teilweise als Mittelstürmer.

Durch einen unnötigen Ballverlust von Dejan Ljubicic kommen die Rangers zu einem Elfmeter – das ist die Vorentscheidung. Marvin Potzmann hilft den Gastgebern mit einem Ballverlust als letzter Mann – Sekunden vor dem Abpfiff – zum dritten Treffer.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

22. Minute: Chance für Rapid: Nach einer Flanke von Stefan Schwab über Rapids linke Angriffsseite schraubt sich Andrija Pavlovic am höchsten – sein Kopfball geht jedoch am Tor vorbei.

28. Minute: Mateo Barac blutig: Im eigenen Strafraum prallt der kroatische Innenverteidiger mit dem Kolumbianer Alfredo Morelos zusammen und bleibt verletzt liegen. Durch das blutige Cut kann der Rapidler nicht mehr weiterspielen und verhilft so Christopher Dibon zu seinem Comeback.

42. Minute: TOR für Rapid: Angriff über Rapids rechte Seite. Thomas Murg verlängert einen Pass von Mert Müldür zum hinter der schottischen Abwehrkette befindlichen Andrei Ivan. Seine Hereingabe bugsiert Lassana Coulibaly in höchster Not ungewollt zu Veton Bersiha, der ohne Mühe zur Führung für Rapid Wien einschieben kann. Unglücklicher Gegentreffer für die Rangers, denn Andrei Ivan hat sich klar im strafbaren Abseits befunden. 0:1.

43. Minute: TOR für Rangers FC: Nicht einmal 2 Minuten später ist Rapid Wien in der Defensive komplett unsortiert. Die Abwehrviererkette und die Mittelfeldspieler stehen viel zu weit auseinander. Der Portugiese Daniel Candeias spielt den Ball in diesen Zwischenraum auf den zentral vor das Tor gelaufenen Ryan Kent. Der Engländer passt auf den rechten Flügel zu dem freien James Tavernier und seine Hereingabe befördert der Kolumbianer Alfredo Morelos mühelos zum Ausgleich ins Netz. 1:1.

68. Minute: Chance für Rangers FC: Nach einer Flanke von – wie kann es anders sein – James Tavernier bringt der von Mert Müldür bedrängte Ovie Ejaria den Ball mit der Schulter auf das Tor – Richard Strebinger kann den Ball parieren.

83. Minute: Elfmeter Rangers FC: Dejan Ljubicic kommt etwa 5 Meter außerhalb des eigenen Strafraums zentral an den Ball und setzt zu einem unnötigen Dribbling an. Der Malier Lassana Coulibaly nimmt ihm jedoch das Spielgerät ab und der Ball landet über Ryan Kent bei Ovie Ejaria. Mit einer schönen Körpertäuschung lässt er Dejan Ljubicic ins Leere fahren und spielt einen perfekten Lochpass in den Lauf von Alfredo Morelos. Mario Sonnleitner versucht ihn im Strafraum zu attackieren, der Stürmer ist jedoch eher am Ball und wird vom grün-weißen Routinier von den Beinen geholt – Elfmeter.

84. Minute: TOR für Rangers FC: James Tavernier, der beste Mann am Platz, schießt das Kunstleder unwiderstehlich Richtung Kreuzeck zum 2:1.

94. Minute: TOR für Rangers FC: Die Entscheidung für die Heimmannschaft. Marvin Potzmann verliert knapp in der gegnerischen Hälfte als letzter Mann fahrlässig den Ball. Nach einer Ferserlvorlage des Portugiesen Daniel Candeias zieht Alfredo Morelos alleine davon und bezwingt Keeper Richard Strebinger zum entscheidenden 3:1.

 

Was war gut?

Kampf und Einsatz haben beim SK Rapid Wien gestimmt. In der ersten Halbzeit wurde um jeden Grashalm am Feld erbittert gekämpft. Und Rapid hat sich da die Schneid nicht abkaufen lassen. Diesbezüglich hat man auch eine Handschrift des neuen Trainers Didi Kühbauer erkennen können. Zudem war auch eine deutlich positivere Körpersprache bei einzelnen Akteuren erkennbar.

Bis zum Ausgleich hat Rapid keine einzige Chance der Rangers zugelassen. Auch in der zweiten Halbzeit konnte der schottische Rekordmeister kaum Tormöglichkeiten herausarbeiten.

Mit Christopher Dibon hat ein wichtiger Rapidspieler seine Leidenszeit hoffentlich hinter sich gelassen – Grünaufweiß wünscht der Nummer 17 einen weiteren, positiven Saisonverlauf und viele gute Spiele!

 

Was war nicht gut?

So gut die kämpferische Leistung von Rapid Wien auch unter Didi Kühbauer war, spielerisch ist wenig gegangen. Kaum eine Aktion über mehrere Stationen konnte fertig gespielt werden. Von Ballstafetten keine Spur. Das war selbstverständlich auch der Aggressivität der Schotten geschuldet, das kann Rapid jedoch deutlich besser. Und ist hoffentlich keine Vorschau auf den Rapidstil unter Didi Kühbauer.

In der zweiten Halbzeit ging gar nichts mehr. Rapid war einfach platt. Einmal mehr muss man hinterfragen, was bei Rapid Wien in der Trainingssteuerung und/oder der Saisonvorbereitung falsch läuft oder falsch gelaufen ist. Nach 70 Minuten nur noch auf den Schlusspfiff zu hoffen, kann und darf nicht der Anspruch sein. Konditionelle Mängel sind offensichtlich.

Die Gegentreffer 2 und 3 sind nach eklatanten Konzentrationsfehlern in der Defensive entstanden – auch das darf nicht sein.

 

Fazit und Ausblick?

Durch das 3:3 zwischen Spartak Moskau und FC Vilarreal ist in der Tabelle wenig passiert. Mit einem Punktegewinn im Ibrox Stadium hätte Rapid jedoch die Weichen bereits in Richtung nächster Runde stellen können. So ist man auf einen Punktegewinn in Spanien angewiesen.

Kämpferisch ist die Leistung zwar sehr gut gewesen, spielerisches Niveau war jedoch kaum vorhanden. Vor allem in der zweiten Halbzeit war Rapid – wieder einmal – sang und klanglos unterlegen. Konditionell ist der SK Rapid Wien heuer kaum einem Gegner überlegen gewesen – das sollte zu Denken geben.

Über die Qualität der Arbeit des neuen Rapidtrainers lässt sich nach diesem ersten Spiel wenig sagen. Großes Risiko ist er nicht eingegangen und Innovationen blieben vorerst aus.

Die Rangers haben über 90 Minuten gekämpft, vom spielerischen Niveau her, ist das jedoch eine biedere Truppe. Vom Glanz vergangener Jahre sind die Gers meilenweit entfernt. Umso bedauerlicher, dass Rapid Wien insgesamt nur 45 Minuten etwas entgegensetzen konnte.

Mit James Tavernier und Alfredo Morelos waren die beiden Spieler am stärksten, denen das vorab auch zuzutrauen war. Mittel und Wege diese Gefahr einzudämmen, sind im Verborgenen geblieben.

Rapid Wien steht für technisch versierten Fußball. Davon war in Glasgow nichts zu sehen. Von gelungenen Ballstaffeten noch weniger. Kämpfen ist wichtig, spielen aber auch. Das muss Trainer Didi Kühbauer besser hinbekommen.

Am Sonntag geht es im Weststadion gegen den SV Mattersburg. Große Rückschlüsse lassen sich aus dem Spiel im Ibrox Stadium nicht ziehen. Der Einsatz sollte gegen die Burgenländer auch passen, in der Offensive muss Rapid jedoch deutlich stärker werden. Trainer Didi Kühbauer wird zeigen müssen, dass er besser als sein Vorgänger rotieren kann. 3 Punkte sind Pflicht. Danach warten 13 Tage Länderspielpause und es lebt die Hoffnung, dass die Mannschaft und der Trainer zueinander finden. Vielleicht ja dann bereits mit Philipp Schobesberger als weiterer Alternative.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Am Rapidtorhüter ist es nicht gelegen, an den Gegentoren treffen ihn keine Schuld.

Mario Sonnleitner

Souveräner Abwehrchef mit viel Verantwortung im Spielaufbau. Die langen Bälle sind ihm teilweise gelungen, in der zweiten Halbzeit war auch das kein probates Mittel mehr. Pech beim Elfmeterfoul. Der Fehler passierte aber bereits davor.

Mateo Barac:

Aufgrund eines blutenden Cuts im Gesicht nur 28 Minuten im Einsatz. In diesen aber mit einer klar positiveren Körpersprache als zuletzt.

Mert Müldür:

Über seine Seite sind die Rangers immer wieder ins Abseits getappt. Hatte mit der wieselflinken Liverpoolleihgabe Ryan Kent zu kämpfen. In der ersten Halbzeit noch mit Offensivbemühungen, in der zweite Halbzeit dann nichts mehr. Das Abseitstor von Rapid hat er eingeleitet.

Marvin Potzmann:

Offensiv bemüht, defensiv mit großen Schwächen. Dass über James Tavernier bei den Rangers in der Offensive viel gehen wird, war zu erwarten. Gemeinsam mit Veton Berisha ist es ihm nicht gelungen, seine Seite zuzumachen. Ein furchtbarer Schnitzer des Teamspielers auf Abruf als letzter Mann führte zum dritten Gegentreffer.

Dejan Ljubicic:

Lange ein sehr unauffälliges Match des 20jährigen. War mehr bemüht, sich in den Spielaufbau einzubringen, wurde aber immer wieder stark angepresst. Vor dem letztendlich entscheidenden zweiten Gegentreffer in der 84. Spielminute hat er den Ball in der eigenen Hälfte unnötig vertändelt. Das darf ihm nicht passieren und hat dem SK Rapid Wien vermutlich den wichtigen Punkt gekostet.

Stefan Schwab:

Mit einer schönen Flanke in der 22. Minute auf Andrija Pavlovic hat er die erste Torchance des Spiels vorbereitet. In der zweiten Halbzeit, als Rapid physisch fertig gewirkt hat, ist von ihm auch zu wenig gekommen.

Andrei Ivan:

Am irregulären Treffer für Rapid war er durch seine Hereingabe entscheidend beteiligt und auch ansonsten sehr bemüht. Gelungen ist ihm jedoch recht wenig. In manchen Situationen hat er seine Klasse aufblitzen lassen. Konnte mit der nur sehr sporadischen Unterstützung seines Hintermanns Mert Müldür besser umgehen als danach Thomas Murg. Trotzdem war nach 58 Minuten für ihn Schluss.

Veton Berisha:

Eine unglückliche gelbe Karte erhalten, daraufhin ein wenig gehemmt in den Zweikämpfen. Beim Führungstor ist er perfekt gestanden und hat von einem unbeabsichtigten Zuspiel des Rangersspielers Lassana Coulibaly profitiert. Auch er konnte den Offensivdrang des nominellen rechten Außenverteidigers James Tavernier nicht stoppen. Nach 72 Minuten musste er Boli Bolingoli Platz machen.

Thomas Murg:

In der ersten Halbzeit hat er im offensiven Mittelfeld um jeden Zentimeter gekämpft. Eine spielerische Note konnte er jedoch auch nicht reinbringen. Nach der Einwechslung von Deni Alar und seinem, von Mert Müldür unzureichend unterstützen, Positionswechsel auf den rechten Flügel, ist ihm kaum mehr etwas gelungen. Es läuft bei ihm derzeit nicht.

Andrija Pavlovic:

Mit guten Ansätzen. Den Kopfball nach 22 Minuten hätte er besser setzen müssen. Zeitweise mit sehr viel Leerlauf. Dietmar Kühbauer wird herausfinden müssen, wie er Rapids Nummer 22 besser in Szene setzen kann.

Christopher Dibon:

Eine der wenigen positiven Aspekte dieses Abends: Unsere Nummer 17 ist nach einem extrem langen Leidensweg zurück! Anfangs hat man ihm seine fehlende Spielpraxis auf höchstem Niveau angemerkt, mit Fortdauer des Spiels hat er sich gesteigert.

Deni Alar:

Nach 58 Minuten für Andrei Ivan gekommen. Das war einfach nicht seine Partie. Um der technische Alleinunterhalter zu sein, fehlt es ihm an der nötigen spielerischen Qualität und um in so einer kampfbetonten Partie reüssieren zu können, der Einsatz. Somit blieb er sehr blass.

Boli Bolingoli:

Ab der 72. Minute für Veton Berisha im Einsatz. War zeitweise überall am Platz zu finden und sogar als Mittelstürmer im Einsatz. Auch er konnte den Kapitän der Rangers James Tavernier nur unzureichend stören.

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