Fan-Bericht 1 – Südstadt wir kommen – 29. Juli 2018

Eine Fußballweltmeisterschaft mag ja als nettes Intermezzo zwischen zwei Meisterschaften der österreichischen Bundesliga durchgehen und ich danke den Veranstaltern für die üppigen Bemühungen – letztendlich lechzt der Rapidfan nicht nach spanischem Tikitaka, französischem Kombinationsspiel oder kroatischen Elfmeterkünsten, nein, der Rapidfan möchte bodenständige Hausmannskost gegen Kaliber wie Admira, Altach oder Hartberg geboten bekommen.

 

Am Sonntag, den 29. Juli, ist es dann soweit – die erste Runde der neuen Zwölferliga. Spielbeginn 17:00 Uhr.

 

SK Admira Wacker vs. SK Rapid Wien – der Fanbericht:

 

Matchvorbereitung:

Gegen 14:00 Uhr beginne ich unruhig zu werden und werfe noch einmal einen prüfenden Blick in meinen begehbaren Schrank – mit welcher Spätnachmittagsgarderobe soll ich das erste Spiel der neuen Zwölferliga beehren? Nach intensivem Studium fällt meine Wahl auf unser Heimtrikot aus der Saison 1999/2000 – mit Il Genio Dejan Savicevic wurden wir zwar auch nicht Meister – Glück wird er uns hoffentlich dennoch bringen.

 

Die Anreise:

Nach ein paar Stationen mit der U4 und der U6 erreiche ich mein vorläufiges Ziel – Philadelphiabrücke – und treffe dort meine Freunde vom Fanclub. Pünktlich um 14:46 Uhr fährt die Garnitur der Badner Bahn in die Station ein und nimmt uns auf. Die 31 Grad Außentemperatur haben sich unerfreulich auf das Innere ausgewirkt – Klimaanlage gibt es keine und die Frischluftzufuhr durch die kleinen Fenster findet kaum statt. Egal, die Stimmung und Vorfreude auf das erste Saisonspiel ist ausgezeichnet und allen ist klar, dass dies wohl nicht der letzte schweißtreibende Einsatz sein würde.

In der Bahn kommt es zu einer Kontaktaufnahme mit ortsunkundigen Touristen – nicht wie angefragt aus Deutschland, sondern aus Vorarlberg, genauer Bregenz. Nach einer kurzen, aber netten Plauderei, verlassen sie den Zug bei der SCS, wir kurz danach in der Südstadt beim Heimstadion der Admira. Erfolgreich haben wir den subtropischen Temperaturen innerhalb der Garnitur getrotzt. Immer wieder eine Freude…

 

Vor dem Stadion:

Am Parkplatz vor der BSFZ-Arena treffen wir den Rest des Fanclubs – mehr als 20 Mitglieder haben sich eingefunden – beachtlich für eine Auswärtsfahrt an einem Sonntag Nachmittag, wo der Rest Österreichs wohl eher im Bad anzutreffen ist. Nach dem Erwerb der Tickets – 16€ sind okay, ich habe in vergangenen Zeiten schon auch 21€ bezahlt, begibt sich unser Tross gegen 15:30 Uhr in Richtung Stadioneinlass, wo sich bereits eine beachtliche Menschentraube gebildet hat. Man merkt, dass die Architekten des Stadions keine allzu großen Menschenaufläufe erwartet hatten, sonst würde man die Ticketschalter nicht genau vor die Stadioneintrittsschleusen bauen. Mittlerweile ist die Schlange für die letzten erhältlichen Tickets und die Schlange für den Stadioneinlass nicht mehr unterscheidbar, dennoch versuche ich mich in die Menschenmenge zu zwängen. Die unerträgliche Hitze hat nicht nur an meinen Körperhygieneartikeln Raubbau betrieben – mich erwartet ein olfaktorisches Potpourri aus Schweiß, Tabak und Alkohol. Hinter mir sinnieren etwas jüngere Rapidfans über die Rasiergewohnheiten von Italienerinnen, neben mir hält wer erleichtert fest, dass

das bei großer Hitze traditionelle „oben-ohne-Stehen“ im Sektor nicht bereits in der Menschentraube seinen Anfang genommen hat. „Rapidstimme“ Andy Marek versucht immer wieder die unterschiedlichen Schlangen zu ordnen, großen Erfolg kann ich nicht erkennen. Sekunden fühlen sich wie Minuten an, dennoch erreiche ich relativ unbeschadet den Einlass zum Stadion. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dejan Savicevic auch nur einmal unser Trikot so vollgeschwitzt hat, wie ich es in den vergangenen Minuten getan habe. Beim Security, der mich durchsucht und meine schweißgebadete Adjustierung abgreifen darf, entschuldige ich mich, kurze Zeit später bin ich im Stadion, pardon der Arena. Ich mache der Südstadt nun schon seit 2 Jahrzehnten meine Aufwartung – den Unterschied zwischen Stadion und Arena vermag ich bis heute nicht zu erkennen.

 

In der Arena:

Der nicht überdachte Auswärtssektor in der Südstadt ist etwas kompliziert zu beschreiben. Gegenüber der überdachten Haupttribüne erstreckt er sich über etwa ein Drittel der Längsseite, geht dann hinter dem Tor weiter und endet im Eck bei der Haupttribüne, wo auch noch einmal einige Fans Platz finden können. Der harte Kern der Rapidfans nimmt dieses Längsseitendrittel in Beschlag, unseren Fanclub findet man rechts von der Mitte. Stammplatz in der Südstadt.

Während am Zaun vor dem Sektor die letzten Banner und „Fetzen“ angebracht werden, herrscht im Sektor entspannte Ruhe. Die Zeit bis zum Spielbeginn wird mit Gesprächen über die neue Saison, das Match, den Kader etc. überbrückt. Der Liveticker auf der Rapidhomepage verrät die Aufstellung für das Spiel.

30 Minuten vor Spielbeginn betritt unsere Mannschaft den Platz zum Aufwärmen und wird eifrig beklatscht. Kurz vor Spielbeginn wird ein zweizeiliges Spruchband hochgehalten:

 

„NEUES LIGAFORMAT – WEG MIT DEM ALTEN LEIDEN.
GEMMA BURSCHEN: GEMEINSAM DEN TITELFLUCH VERTREIBEN!“

 

Nun werden die Fans von der Mannschaft eifrig beklatscht. Applaus überall.

Nachdem sich im Sektor immer wieder Gerüchte verbreiten, dass das Bier bereits ausverkauft wäre, begebe ich mich 20 Minuten vor dem Matchstart zum nächstgelegenen Bierstand. Etwa 8 Rapidler stehen vor mir in der Schlange und ich bin guter Hoffnung, noch vor Spielbeginn zu meinem Getränk zu kommen. Dies erweist sich als zu optimistisch gedacht, da die beiden Gastrobetreuerinnen offenbar recht wenig Ahnung von ihrem Metier haben und fast nichts weitergeht. Während ich warte, lausche ich der Ehrung der erfolgreichen U18-Mannschaft der Admira durch den Stadionsprecher und den Präsidenten. Vereinzelt wird auch in unserem Sektor applaudiert. Nach ein paar Minuten ereignislosen Anstellens übernimmt ein entnervter Rapidfan den Stand, bittet die Schankbetreuerin zur Seite und beginnt nun selbst abzuzapfen, was bei den Fans in der Schlange für Erheiterung sorgt. Nun werden die Wartenden deutlich schneller abgearbeitet, dennoch verpasse ich nicht nur den Beginn des Spiels, sondern auch das 0:1 durch den Rapidler Thomas Murg in der 6. Spielminute. Kurz danach kehre ich mit einem nun professionell gezapften Villacher um 3,90€ zu meinem Stehplatz zurück.

Als von den Fans das erste Mal: „Steht auf, wenn ihr Grüne seid“ angestimmt wird, zeigt sich, dass nicht nur der Auswärtssektor zum Bersten, sondern auch die Haupttribüne zu etwa einem Drittel mit Rapidfans gefüllt ist. Später wird der Stadionsprecher die Besucherzahl mit 5.200 angeben.

Während das Bier sehr schnell verdunstet, erhöht Rapid nach einer gelungenen Aktion durch Ivan auf 0:2 – die Stimmung im Sektor steigt. Weniger zur emotionalen als zur Hitzeabkühlung wird von den Rapidservicebetreuern mittels eines großen Gartenschlauchs der Sektor zur Freude der Fans und zum Lindern der Sonnenpein mit kühlem Wasser abgespritzt – sieht man auch nicht oft in einem Stadion der höchsten Liga. Kurz vor der Pause erhöht Publikumsliebling Bolingoli auf 0:3 – die Stimmung ist nun am Höhepunkt.

 

Zur Pause:

In der Pause werden die wenigen und mit zu wenig geschultem Personal versehenen Gastrostellen von den Rapidfans noch einmal stark frequentiert, ich halte jedoch meine Stellung im Block und studiere die Zwischenstände der Parallelspiele. Und wundere mich über die vielen lästigen Wespen im Block. Das war letzten Sommer auch schon so.

Die zweite Halbzeit ist schnell erzählt, außer einer Chance für die Admira nach haarsträubendem Fehler im Spielaufbau und einer vergebenen hundertprozentigen Chance durch den eingewechselten Rapidler Berisha tut sich leider nicht mehr viel. Dies tut der Stimmung keinen Abbruch und 20 Minuten vor Spielende werde ich auch noch mit einem kühlen Getränk versorgt.

Auch in der zweiten Halbzeit kommt der Gartenschlauch zum Einsatz, zudem wird ein Spruchband zugunsten der Opfer der Waldbrandkatastrophe in Griechenland (unsere Fans sind mit den Fans von Panathinaikos befreundet, Anm.) hochgehalten.

 

Abpfiff:

Mit dem Abpfiff und der Erkenntnis, dass Rapid nach mehr als 2 Jahren wieder Tabellenführer der österreichischen Bundesliga ist, wird die Mannschaft abermals gefeiert.

 

Nach dem Spiel leert sich der Parkplatz überraschend schnell und ich kann recht rasch die Heimreise antreten. Mit wohlverdienten 3 Punkten und einem Sonnenbrand im Gepäck.

 

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