Pasching wir kommen – der Fan-Bericht

Pasching

4. Runde am 19.08.2018: LASK auswärts

Ich muss mit einer Warnung beginnen – sollten die geneigten LeserInnen dieser Zeilen ihre Sprösslinge durch das Vorlesen meiner Fanberichte in den Schlaf bemürben wollen – der folgende Text könnte mit verbalem Unflat gespickt sein.

 

Matchvorbereitung:

In der Südstadt war das Trikot von Il Genio Dejan Savicevic als Glücksbringer hilfreich – wieso also etwas ändern?

Treffpunkt vom Fanclub ist um 10:30 Uhr am Hütteldorfer Bahnhof, ich bin um 10:45 dort und um 11 Uhr ist die geplante Abfahrt. 6 Stunden für 178 Kilometer ist zeitlich nicht sehr ambitioniert bemessen.

 

Die Anreise:

Mit ein paar Minuten Verspätung geht die Reise los. Der Bus ist recht voll, die Stimmung gut und das Getränkebuffet ist umfangreich und gut gekühlt – grün-weißes Herz – was willst du mehr? Am liebsten einen Auswärtssieg und 3 Punkte…

Bei so einer Auswärtsreise wird von Fußballfans  – wohl entgegen der landläufigen Meinung – sehr viel über Gefühle gesprochen. Ehrlich. Man tratscht mit dem einen, man plaudert mit der anderen und häufig wird ein Gespräch mit der Frage: „Und? Wie ist dein Gefühl für heute?“ eröffnet. Kennt jeder. Dann werden die unterschiedlichsten Aspekte ins Treffen geführt. Vergangene Spiele, der Gegner, unser Trainer, die mögliche Aufstellung und eben das Bauchgefühl. Der Zusammenhang zwischen Bauchgefühl und dem tatsächlichen Spielergebnis harrt noch seiner wissenschaftlichen Aufarbeitung, ich habe jedenfalls kein gutes Gefühl für das heutige Spiel. Was vielleicht daran liegt, dass ich als mieselsüchtiger Wiener Berufsraunzer bin. Ausdrücklich lobe ich die Arbeit von Sportdirektor Bickel.

Nach gut eineinhalb Stunden wird die erste Pause eingelegt. Wie es sich gehört, ist auch ein Fußball mit an Bord und es wird eine Hösche angerissen. Ich hab das Gefühl, ich bin öfters in der Mitte als alle anderen. Das muss am schwierigen Geläuf liegen. Nach 15 Minuten latenter körperlicher Ertüchtigung wird die Fahrt fortgesetzt.

Wiederum 30 Minuten später sind wir in St. Valentin angelangt, wo wir noch weitere Fanclubmitglieder aufnehmen und eine große Pause einlegen. Hier wird auch für das leibliche Wohl gesorgt. Zur Auswahl stehen Frankfurter oder Debrecziner, mit einem reschen Semmerl, Ketchup und Senf. Damit auch potentielle Veganer nicht hungern müssen, wird dazu ein Essiggurkerl gereicht. Die Pause fällt deutlich länger aus und abermals wird das runde Leder gestreichelt. Es ist mittlerweile sauheiß.

Die letzten 33 Kilometer nach Pasching legen wir unbeschadet zurück. Kurz nach 14:30 Uhr haben wir unsere Destination erreicht – die TGW-Arena. Der ehemalige Name Waldstadion hat besser gepasst.

 

Vor dem Stadion:

Wir sind der erste Fanbus vor Ort, tatsächlich war 11:00 Uhr Abfahrt etwas optimistisch gedacht. Macht nichts. Ich bleibe noch ein bisschen im Autobus und genieße die Kühle der Klimaanlage – draußen zeigt das Thermometer 34 Grad. Da der Motor abgestellt wurde, ist das mit der Klimaanlage aber auch nur von temporärem Nutzen. Ich verlasse den Bus, Alex und ich wollen das Areal erkunden, kommen jedoch nicht weit, da der Bereich eingezäunt ist. Wir bleiben stehen und beginnen – Überraschung – über Rapid zu plaudern, werden jedoch von einem Security unterbrochen, der uns barsch auffordert, den Ort, wo wir gerade stehen, zu verlassen. Stirnrunzelnd wird sein Ansinnen ignoriert, aber man ist nett und fängt mit ihm ein Gespräch an. Erst ist er Fan von Real Madrid, dann taugt ihm Juventus Turin. Auf Nachfrage outet er sich als Partizan Belgrad-Fan. Uns wurscht, ich war noch nie in Serbien Match schauen, würde ich gerne mal machen. Obwohl er meint, dass ihn der österreichische Fußball nicht interessiert, beginnt er von unserem Neuzugang Andrija Pavlovic zu schwärmen. Finde ich super. Da er verletzt ist, habe ich ihn noch nicht spielen gesehen, aber fein, dass er ein gutes Renommee hat. Irgendwann wird mir zu heiß und wieso wir dort nicht stehen hätten sollen, habe ich auch nicht herausgefunden. Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen ihm alles Gute.

Langsam trudeln auch weitere Fanbusse ein und der Parkplatz füllt sich. Die meisten Neuankömmlinge verweilen nur kurz und gehen gleich weiter ins Stadion. Wir bleiben noch draußen – drinnen wird die Hitze wohl nicht geringer sein. So sehen wir Christopher Dibon, der hofft, bald wieder fit zu sein. Maxi Hofmann kommt ebenfalls und ist auch ob seiner Genesung zuversichtlich. Ein gemeinsames Foto wird gemacht.

Während wir noch außerhalb des Stadions zuwarten, werden wir eines besonders skurrilen Auftritts gewahr. Ein Rapidfan, ansonsten in grün-weißer Gewandung, nähert sich dem Auswärtssektor. Etwas stört komplett. Er trägt violette Crocs. Er wird höflich gefragt, ob er das für eine gute Idee hält. Es stellt sich heraus, dass er Lehrer – Mathematik und Physik – ist und die Crocs von seinen Schülern geschenkt bekommen hat. Er hat ihnen versprochen sie dreimal zu tragen – und das macht er. Eine coole Socke der Herr Lehrer. Auch wenn er keine anhat. Wenigstens. Ob das Geschenk etwas über die Beliebtheitswerte bei seinen Schülern aussagt, bleibt dahingestellt.

Allmählich begeben auch wir uns in das Innere der TGW-Arena.

 

In der TGW-Arena:

In war in meinem Leben schon in vielen Stadien. Bis auf Hartberg war ich auch in jedem österreichischen Bundesligastadion mindestens einmal. Und selbst in diesem Grödig war ich mehrere Male und habe mir nach jedem Spiel geschworen, nie wieder hin zu fahren. Was ja auch bis zum nächsten Match geklappt hat. Wie auch immer, der mit Abstand unattraktivste Auswärtssektor ist in Pasching zu finden. Er ist klein, steht man weiter unten, hat man eine Bande vor sich und sieht nichts. Steht man weiter oben, hat man eine Werbebande für das Buffet über den Stiegen vor sich und sieht das nahe gelegene Tor nicht. Bei allem Respekt, aber der Auswärtssektor ist so klein, da kann man auf der Suche nach dem Buffet nicht verloren gehen, zumal es sich gleich am Ende der einzigen Stiege befindet. Wieso diese depperte Werbebande??

Entweder ist der Winkel schlecht, es ist diesig oder ich werde immer kurzsichtiger, jedenfalls ist der Blick auf das gegenüber liegende Tor auch schlecht. Es ist frustrierend.

Somit versuche ich während des Spiels zu erahnen, was da gerade vor sich geht. In der ersten Halbzeit spielt der LASK auf das nahe gelegene Tor. Ein paar Chancen haben sie, da aber bei den LASK-Fans kein Jubel ausbricht, dürfte nichts passiert sein. Umgekehrt bekomme ich durch ein allgemeines Raunen mit, dass Rapid offenbar die Stange getroffen hat. Pause.

Zur Überbrückung der Zeit suche ich das beworbene Buffet auf – Respekt, das Personal ist zackig unterwegs.

Trotz des mühsamen Sektors ist auch in der zweiten Halbzeit die Stimmung gut, es wird von Seiten der Fans ordentlich Dampf gemacht und die Mannschaft unterstützt. Rapid Wien kommt auch weiterhin nicht so recht in Fahrt, nach 66 Minuten wird es schlimmer – der Linzer Verteidiger Ramsebner schießt aus großer Distanz und plötzlich jubeln alle Linzer. Mist.

3 Minuten später ist auch der dritte reinrotierte Rapidspieler vom Platz und hoffentlich besser ersetzt, die Rapidviertelstunde wird wie immer eifrig eingeklatscht, doch allmählich läuft die Zeit davon. Plötzlich ein Aufreger im nahe gelegenen Strafraum, sprich der vom LASK. Gutes Zeichen. Offenbar Elfmeter. Keine Ahnung wieso. Ich sehe 3 Spieler miteinander diskutieren, wer denn nun schießen soll. Wer es wird, erkenne ich nicht – Danke Buffetbande – ich sehe zumindest einen Teil des Tornetzes. Ich drücke die Daumen und hoffe, dass es sich gleich bauschen wird. Allein es tut sich nichts. Dafür jubeln abermals die Linzer Fans. Abgewehrt. Schon wieder Mist.

Die Frustration hält jedoch nicht lange, der nachfolgende Eckball wird zur Mitte gebracht und es kommt wohl ein Rapidler zum Abschluss. Nachdem nun alle im Auswärtssektor jubeln, mache ich mit – Ausgleich. Durch Veton Berisha, wie sich später herausstellt.

Kurz keimt Hoffnung auf, dass wir die Partie vielleicht sogar noch gewinnen können, blöderweise haben die Linzer etwas dagegen und schießen in der 89. Minute den Siegtreffer. Den ich auch nur an der Reaktion der Spieler und Fans erahnen kann. Wiesinger war es.

Viel passiert bis zum Schlusspfiff nicht mehr, die Stimmung im Sektor ist nach mehr als 90 Minuten Dauersupport im Keller, die Fans sind angefressen Zu Recht.

 

Die Rückfahrt:

Das Zachste an einer Auswärtsfahrt ist die Heimreise nach einer Niederlage. Die Stimmung ist schlecht. No na. Versucht wer trotzdem gute Stimmung zu verbreiten, ist er unsympathisch, weil er nicht genug trauert. Verbreitet wer schlechte Stimmung, ist er unsympathisch, weil er über alles motschgert. Ich gehöre tendenziell zur zweiten Gruppe und raunze. Der Trainer, die Mannschaft und vor allem dieser Bickel??? Alles oasch. Alle schuldig. Alle raus. Dass ich unseren Sportdirektor vor dem Spiel noch explizit gelobt habe? Unsympathisch von Alex, mich darauf hinzuweisen. Was erlauben?

Einen kurzen Stopp gibt es noch in St. Valentin, ansonsten geht die Heimreise zügig weiter. Das ist auch gut so.

Und was lernen wir daraus? Nichts!!! In 2 Wochen in Graz wird sicher alles besser…

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